Formationen im Kinderfußball: 2-3-1 & 3-2-1
2-3-1 und 3-2-1 geben Teams im 7-gegen-7 Orientierung, ohne Kinder in starre Rollen zu pressen. Hier bekommst du kindgerechte Aufgaben, typische Fehlerbilder und praktische Coaching-Tipps – auch für die Halle.
Kinderfußball lebt von Bewegung, Ballkontakten und Mut. Trotzdem fragen sich viele Trainer und Eltern: Braucht es überhaupt Formationen – und wenn ja, welche? Gerade in der E-Jugend (und oft auch in der D-Jugend) helfen einfache Spielsysteme dabei, Räume kindgerecht zu ordnen, ohne Kinder in starre Rollen zu pressen. Zwei der beliebtesten Formationen im 7-gegen-7 sind 2-3-1 und 3-2-1. Beide sind leicht zu verstehen, funktionieren draußen wie auch (angepasst) in der Halle und geben Orientierung: Wer sichert ab? Wer bietet sich an? Wer sorgt für Tiefe?
Wichtig: Eine Formation ist kein Käfig. Sie ist ein Startpunkt. Entscheidend bleibt, dass Kinder lernen, im Spiel Lösungen zu finden – nicht, dass sie „ihre Position halten“. Wie du das im Spielaufbau förderst, passt gut zu den Prinzipien aus unserem Beitrag Spielaufbau im Kinderfußball: 3 einfache Prinzipien.
Was bedeuten 2-3-1 und 3-2-1 im Kinderfußball?
Im 7-gegen-7 (typisch E-Jugend) bestehen beide Systeme aus:
- 1 Torwart
- 6 Feldspielern
Die Zahlen beschreiben die Reihen von hinten nach vorne:
- 2-3-1: 2 Abwehrspieler, 3 Mittelfeldspieler, 1 Stürmer
- 3-2-1: 3 Abwehrspieler, 2 Mittelfeldspieler, 1 Stürmer
Kinder verstehen das am besten über Bilder:
- 2-3-1 wirkt wie ein Dreieck nach vorne (viel Präsenz im Mittelfeld).
- 3-2-1 wirkt wie ein Dreieck nach hinten (mehr Absicherung).
Kindgerecht denken: Positionen sind Aufgaben, keine Titel
Statt „rechter Verteidiger“ funktioniert im Beginner-Bereich besser:
- Absichern (hinter dem Ball bleiben, wenn der Partner dribbelt)
- Anbieten (freie Räume finden, anspielbar sein)
- Tief gehen (hinter die Abwehr starten)
- Breite geben (außen bleiben, damit innen Platz entsteht)
So wird aus „Positionen kindgerecht“ ein Lernfeld – und nicht nur ein Schachbrett.
Die Formation 2-3-1 im Kinderfußball (E-Jugend)
Die 2-3-1 Kinderfußball-Formation ist beliebt, weil sie vielen Kindern aktive Rollen gibt und das Mittelfeld stärkt.
Grundordnung und Rollen
- 2 Abwehrspieler: sichern zentral, eröffnen das Spiel
- 3 Mittelfeldspieler: links – zentral – rechts (Breite + Verbindung)
- 1 Stürmer: sorgt für Tiefe, bindet Gegenspieler
Warum ist das für Anfänger gut?
- Kinder haben viele Dreiecke zum Passen (hinten–Mitte–vorne).
- Außenkinder erleben häufig 1-gegen-1-Situationen.
- Das Team kann nach Ballgewinn schnell nach vorne spielen.
Praxis-Tipp: „Dreiecke finden“ als Coaching-Satz
Stell im Training immer wieder die Frage: „Wo ist dein Dreieck?“
- Abwehrspieler: Torwart – Mitspieler – Mittelfeld
- Mittelfeld: Außen – Zentrum – Stürmer
Das passt perfekt zu einem einfachen Spielaufbau und verhindert, dass alle zum Ball rennen.
Typische Probleme im 2-3-1 (und schnelle Lösungen)
- Problem: Konter durch die Mitte (zwei Abwehrspieler werden breit gezogen)
- Lösung:
- zentralen Mittelfeldspieler als „Sicherer“ coachen: Bei eigenem Angriff bleibt er eher hinter dem Ball.
- Lösung:
- Problem: Stürmer steht allein und bekommt keine Bälle
- Lösung:
- klare Aufgabe für Außen: „Erst andribbeln, dann flach in die Mitte“
- Stürmer soll seitlich ausweichen, um anspielbar zu werden
- Lösung:
- Problem: Mittelfeld zu eng
- Lösung:
- Regel im Training: Außen bleiben „an den Hütchenlinien“ (optische Orientierung)
- Lösung:
Für wen passt 2-3-1 besonders?
- Teams, die gerne kombinieren und viele Ballkontakte im Mittelfeld wollen
- Kinder, die sich häufig bewegen und Rollen tauschen sollen
- Mannschaften, die gegen tief stehende Gegner Lösungen brauchen
Die Formation 3-2-1 (Spielsystem E-Jugend und Jugend)
Die 3-2-1 Formation Jugend ist defensiv stabiler und gibt Kindern mehr Sicherheit im Rückraum – gerade, wenn der Gegner schnell kontert oder körperlich überlegen wirkt.
Grundordnung und Rollen
- 3 Abwehrspieler: links – zentral – rechts
- der zentrale Spieler ist oft der „Anker“ (ordnet, sichert)
- 2 Mittelfeldspieler: verbinden Abwehr und Angriff
- 1 Stürmer: Tiefe, Pressing-Auslöser
Vorteil: Du hast fast immer eine Absicherung, selbst wenn ein Verteidiger ins Dribbling geht.
Praxis-Tipp: „Einer sichert immer“
Im 3-2-1 ist das leicht zu vermitteln:
- Wenn links rausrückt, bleibt Mitte + rechts tiefer.
- Wenn rechts rausrückt, bleibt Mitte + links tiefer.
Kinder lernen so automatisch das Prinzip Restverteidigung (Absicherung bei Ballverlust) – ohne komplizierte Taktikbegriffe.
Typische Probleme im 3-2-1 (und schnelle Lösungen)
- Problem: Zu wenig Spieler im Angriff
- Lösung:
- ein Mittelfeldspieler bekommt die Aufgabe „mitgehen bis zum Strafraum“
- Außenverteidiger dürfen situativ nachschieben, aber nur, wenn abgesichert
- Lösung:
- Problem: Stürmer ist isoliert
- Lösung:
- Stürmer lässt sich kurz fallen („Klatschball“), dann startet er wieder tief
- Lösung:
- Problem: Kinder werden zu passiv
- Lösung:
- Pressing-Regel: „Nach Ballverlust 5 Sekunden zurückerobern“ (kindgerecht, spielnah)
- Lösung:
2-3-1 vs. 3-2-1: Welche Formation ist „besser“?
Die bessere Frage lautet: Was soll dein Team gerade lernen?
Entscheidungshilfe (einfach und praxisnah)
- Wähle 2-3-1, wenn:
- du mehr Spielkontrolle im Mittelfeld willst
- viele Kinder gerne dribbeln und kombinieren
- du Breite und Anbieten fördern möchtest
- Wähle 3-2-1, wenn:
- dein Team oft ausgekontert wird
- du defensive Stabilität und Absicherung priorisierst
- du gegen starke Gegner nicht „wild“ werden willst
Wichtig: In beiden Systemen sollten Kinder Positionen rotieren. Sonst entstehen zu früh Spezialrollen („Der ist immer hinten“), die Entwicklung bremsen.
Formation Hallenfußball: Was gilt in der Halle?
In der Halle sind die Felder kleiner, der Ball ist schneller wieder weg und Umschalten passiert ständig. Eine starre 2-3-1- oder 3-2-1-Ordnung passt selten 1:1.
Praktische Anpassungen für die Halle
- Denke in 2 Linien statt 3:
- hinten absichern
- vorne Druck machen
- Klare Regeln helfen mehr als Zahlen:
- Nach Ballverlust sofort zurück
- Nicht beide Verteidiger gleichzeitig nach vorne
- Außenbahn nutzen, damit es innen nicht verstopft
Wenn du Hallen-Spielformen suchst, die Kinder automatisch in sinnvolle Räume bringen, schau in Funino in der Halle: Regeln & Spielformen (U7–U11). Funino fördert Breite, Tiefe und viele Entscheidungen – das zahlt direkt auf jedes Spielsystem ein.
Coaching-Tipps: So erklärst du Formationen kindgerecht
Kinder brauchen kurze Bilder statt Taktikvorträge. Diese Methoden funktionieren im Beginner-Bereich besonders gut:
- Zonen mit Hütchen markieren (links–mitte–rechts)
- Rollen über Aufgaben erklären:
- „Du bist heute Sicherer.“
- „Du gibst Breite.“
- „Du startest tief.“
- Maximal 1–2 Coaching-Sätze pro Kind im Spiel
- Nach dem Spiel fragen statt belehren:
- „Wo hattest du am meisten Platz?“
- „Wann hat Absicherung gefehlt?“
Eltern kurz abholen – ohne Taktikstress
Gerade bei Formationen kommt schnell Druck von außen („Warum spielt er nicht vorne?“). Eine klare, ruhige Kommunikation hilft, damit Kinder in Ruhe lernen können. Dazu passt der Leitfaden Kommunikation mit Eltern als Trainer.
Fazit: Formationen als Orientierung – nicht als Korsett
2-3-1 und 3-2-1 sind im Kinderfußball zwei leicht verständliche Systeme, die Ordnung schaffen und Lernziele unterstützen. Das 2-3-1 stärkt das Mittelfeld und fördert Kombinationen, das 3-2-1 gibt mehr defensive Stabilität und klare Absicherung. Entscheidend ist, dass Kinder Aufgaben verstehen, rotieren dürfen und in Spielformen viele Entscheidungen treffen. Denn am Ende gewinnt im Kinderfußball nicht die perfekte Taktik – sondern das Team, das mutig spielt, sich anbietet und gemeinsam verteidigt.