Fußball mit Erkältung: Darf mein Kind zum Training?
Schon bei leichtem Schnupfen, Husten oder Halsschmerzen sollte Dein Kind eine Fußballpause einlegen. Der Wiedereinstieg beginnt frühestens nach zwei bis drei symptomfreien Tagen und zunächst mit niedriger Belastung.

Samstagmorgen, kurz vor dem Hallenturnier: Dein Kind hat Schnupfen, hustet leicht und möchte trotzdem unbedingt mitspielen. Schließlich fühlt es sich „gar nicht richtig krank“. Darf es also Fußball spielen mit Erkältung? Die klare Empfehlung des Sportkardiologen Prof. Jürgen Scharhag aus einer Pressemeldung der Deutschen Herzstiftung lautet: Während der Erkrankung auf Sport verzichten – selbst bei leichten Symptomen.
Das fällt vor wichtigen Spielen schwer. Eine kurze Pause schützt jedoch Dein Kind und verhindert, dass ein Infekt unnötig belastet wird. Dieser Beitrag bietet eine Orientierung, ersetzt aber keine medizinische Diagnose. Wenn Du unsicher bist oder Dir der Zustand Deines Kindes Sorgen macht, frag den Kinderarzt.
Kurzantwort: Mit Erkältung zum Fußball?
Nein. Bei Halsschmerzen, Schnupfen oder Husten sollte Dein Kind weder trainieren noch an einem Spiel oder Hallenturnier teilnehmen. Prof. Jürgen Scharhag rät bereits bei solchen leichten Symptomen zu einer Sportpause.
Bei Fieber oder Gliederschmerzen gilt eine noch deutlichere Grenze: Körperliche Schonung ist erforderlich, Fußball ist absolut tabu. Das betrifft Training und Wettkampf ebenso wie lockeres Kicken im Garten.
Für den Wiedereinstieg nennt Scharhag einen klaren Orientierungswert:
- mindestens zwei bis drei vollständig symptomfreie Tage abwarten
- zunächst mit niedriger Belastungsintensität starten
- das Training über ein bis zwei Wochen behutsam steigern
- bei Mattigkeit oder Energielosigkeit weiter pausieren
Ein verpasstes Training lässt sich verkraften. Ein Kind muss nach einer Erkrankung auch keine verlorenen Einheiten nachholen.
Warum Sport mit Infekt keine gute Idee ist
Belastung beeinflusst das Immunsystem
Nach dem Rat von Prof. Scharhag sollte man für die Dauer einer Erkrankung generell auf Sport verzichten. Der Grund: Sportliche Belastung beeinflusst das Immunsystem und kann während eines Infekts schädlich sein.
Fußball ist dabei keine leichte Alltagsbewegung. Sprints, Richtungswechsel, Zweikämpfe und wiederholte intensive Aktionen fordern den Körper. Selbst wenn Dein Kind vor dem Training munter wirkt, sagt das wenig darüber aus, wie es 20 Minuten später auf die Belastung reagiert.
Häufiger Elternfehler: Die Teilnahme wird davon abhängig gemacht, ob das Kind „wirklich spielen will“. Motivation ersetzt jedoch keine Erholung. Gerade vor einem Derby oder Hallenturnier blenden Kinder Beschwerden schnell aus.
Herzmuskelentzündung: ernst nehmen, ohne Panik
Eine mögliche, ernste Folge ist eine Beteiligung des Herzens, die sogenannte Myokarditis oder Herzmuskelentzündung. Das ist kein Grund für Panik. Es erklärt aber, warum der Sportkardiologe Prof. Scharhag auch bei scheinbar harmlosen Symptomen zur Pause rät.
Wurde tatsächlich eine Herzbeteiligung festgestellt, muss das Kind laut Scharhag mindestens drei Monate mit Sport pausieren. Danach prüft ein Sportkardiologe die Sporttauglichkeit. Der Wiedereinstieg erfolgt also nicht allein nach Gefühl oder nach einer Absprache mit dem Trainer.
Auch das Team braucht Schutz
Ob G-Jugend-Spieltreff, E-Jugend-Training oder C-Jugend-Hallenturnier: Kinder verbringen viel Zeit nah beieinander. In engen Kabinen, auf der Ersatzbank und in der Halle lässt sich Kontakt kaum vermeiden. Ein Kind mit Symptomen sollte deshalb auch mit Blick auf mögliche Ansteckungen zu Hause bleiben.
Das entspricht der typischen Vereinsrealität in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Gerade während der Hallenrunde treffen häufig mehrere Mannschaften auf engem Raum zusammen. Eine klare Teamregel funktioniert hier besser als Diskussionen fünf Minuten vor dem Anpfiff.
Schnupfen, Husten, Fieber: Was gilt wann?
Die folgende Tabelle gibt Dir eine schnelle Orientierung:
| Symptom | Training? | Hinweis |
|---|---|---|
| Schnupfen | Nein | Auch bei leichten Symptomen pausieren |
| Halsschmerzen | Nein | Für die Dauer der Erkrankung kein Sport |
| Husten | Nein | Bei anhaltendem oder stärker werdendem Husten ärztlich abklären lassen |
| Mattigkeit oder Energielosigkeit | Nein | Auch ohne Fieber ernst nehmen und weiter warten |
| Gliederschmerzen | Absolut tabu | Körperliche Schonung ist erforderlich |
| Temperatur über 38,4 °C | Absolut tabu | Nach Definition des BIÖG liegt Fieber vor |
| Hohes Fieber ab 39 °C | Absolut tabu | Bei zusätzlichen Sorgen oder auffälligem Verlauf ärztliche Hilfe suchen |
| Seit zwei bis drei Tagen symptomfrei | Lockerer Einstieg möglich | Niedrige Intensität, danach behutsam steigern |
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, kurz BIÖG, spricht bei Kindern von Fieber, wenn die Körpertemperatur über 38,4 Grad Celsius steigt. Ab 39 Grad Celsius liegt hohes Fieber vor.
Doch die Temperatur allein reicht nicht als Entscheidungskriterium. Wirkt Dein Kind auffällig schlapp, matt oder energielos, sollte es pausieren – auch wenn das Thermometer kein Fieber zeigt. Eine starre Regel nach dem Muster „nur oberhalb einer bestimmten Temperatur bleibt das Kind zu Hause“ greift zu kurz.
Wann darf mein Kind wieder trainieren?
Der Wunsch nach Bewegung kehrt oft schneller zurück als die volle Belastbarkeit. Nach Angaben des BIÖG möchten viele Kinder aufstehen und spielen, sobald das Fieber gesunken ist. Ihre Kräfte können sie in den ersten Tagen allerdings häufig noch nicht richtig einschätzen.
Zwei bis drei symptomfreie Tage abwarten
Vor dem sportlichen Neustart sollten laut Prof. Scharhag wenigstens zwei bis drei symptomfreie Tage liegen. Symptomfrei heißt: kein Schnupfen, kein Husten, keine Halsschmerzen, keine Gliederschmerzen und keine auffällige Mattigkeit.
Ein fieberfreier Vormittag reicht also nicht für das Mannschaftstraining am Nachmittag. Auch ein wichtiges Pflichtspiel ändert daran nichts.
Locker beginnen und langsam steigern
Der erste Wiedereinstieg erfolgt mit niedriger Belastungsintensität. Über ein bis zwei Wochen kann Dein Kind die Beanspruchung behutsam steigern. Zeigt es erneut Mattigkeit oder Energielosigkeit, braucht es weitere Erholung.
Plane in den ersten Tagen genügend Pausen ein. Kinder überschätzen ihre Kräfte nach Fieber leicht. Das gilt besonders, wenn sie sich auf ihre Mannschaft gefreut haben und sofort wieder jede Spielform mitmachen möchten.
Eine kurze Nachricht an den Trainer schafft Klarheit: Teile mit, dass Dein Kind nach einem Infekt zurückkehrt und zunächst locker einsteigen soll. Hilfreiche Hinweise zur Belastungssteuerung findest Du auch im Beitrag über Regeneration nach dem Spiel. Für die Erholungsbasis lohnt sich der Blick auf Schlaf, Regeneration und Leistung.
Wann ihr zum Kinderarzt solltet
Bei älteren Kindern ist laut BIÖG ärztliche Hilfe nötig, wenn Fieber länger als drei Tage anhält. Auch wann immer Du beunruhigt bist, solltest Du medizinischen Rat einholen.
Vereinbare eine ärztliche Abklärung, wenn:
- Fieber bei einem älteren Kind länger als drei Tage anhält
- Husten oder Schnupfen länger als eine Woche unvermindert bestehen
- Husten oder Schnupfen stärker werden
- plötzlich hohes Fieber hinzukommt
- Atemnot oder Brustschmerzen auftreten
- Dein Kind nach dem Infekt auffällig schwach wirkt
Ein grippaler Husten kann nach Angaben des BIÖG etwa zwei Wochen dauern. Hält er jedoch länger als eine Woche unvermindert an, verschlimmert er sich oder kommt plötzlich hohes Fieber hinzu, sollte ein Arzt das Kind untersuchen.
Wurde eine Myokarditis festgestellt, gilt eine besondere Vorgabe: mindestens drei Monate Sportpause und anschließende Prüfung der Sporttauglichkeit durch einen Sportkardiologen.
Für Trainer: Umgang mit kranken Kindern im Team
Trainer stehen häufig vor einer unangenehmen Situation: Ein Kind erscheint hustend am Platz, die Eltern sind bereits weggefahren und in zehn Minuten beginnt das Training. Was nun?
Die Regel sollte eindeutig sein:
- Kinder mit Symptomen freundlich aus dem Training nehmen
- Eltern direkt informieren und die Abholung organisieren
- vor wichtigen Spielen oder Hallenturnieren keinen Druck erzeugen
- jedes Kind nutzt eine eigene Trinkflasche
- Händewaschen als feste Routine einplanen
- die Aufenthaltszeit in der Kabine kurz halten
- Krankheitsregeln bereits zu Saisonbeginn im Team-Chat mitteilen
Klassischer Trainerfehler ist eine Ausnahme für Leistungsträger: „Du spielst nur die erste Halbzeit“ klingt nach einem Kompromiss, bleibt aber sportliche Belastung. Die Empfehlung zur Pause hängt nicht von der Spielzeit oder Position ab.
Eine sachliche Nachricht im Team-Chat verhindert Konflikte. Formulierungen und klare Kommunikationsregeln findest Du im Beitrag zur Elternarbeit im Winter mit WhatsApp-Regeln.
Häufige Infekte im Winter sind normal
Bis zum Schulalter können laut BIÖG acht bis zwölf Atemwegsinfekte pro Jahr durchaus normal sein. Für Familien mit Kindern in Kita, Schule und Fußballverein kann sich die Erkältungssaison deshalb wie eine endlose Folge aus Schnupfen, Husten und Trainingspausen anfühlen.
Das bedeutet nicht, dass jede Pause problematisch für die fußballerische Entwicklung ist. Schlaf und Erholung geben dem Körper die nötige Ruhe. Ein Kind verliert durch einige ausgefallene Einheiten weder dauerhaft den Anschluss noch seine erlernten Fähigkeiten.
Winterkleidung löst die medizinische Frage nach dem Training mit Erkältung nicht. Für gesunde Trainingstage findest Du passende Hinweise separat im Ratgeber zur Winter-Ausrüstung mit Handschuhen, Baselayer und Grip-Socken. Ob das Training bei Frost, Glätte oder Dunkelheit überhaupt draußen stattfinden sollte, klärt der Beitrag zum Fußballtraining bei Kälte.
Fazit
Lieber eine Woche Pause als ein verschleppter Infekt. Bereits bei Schnupfen, Husten oder Halsschmerzen sollte Dein Kind nach dem Rat von Prof. Jürgen Scharhag nicht Fußball spielen. Bei Fieber oder Gliederschmerzen ist Sport absolut tabu.
Nach mindestens zwei bis drei symptomfreien Tagen kann der lockere Wiedereinstieg beginnen. Die Belastung steigt anschließend behutsam über ein bis zwei Wochen. Wirkt Dein Kind noch matt oder energielos, wartet ihr länger. Punkt.
Bleiben Beschwerden bestehen, werden sie stärker oder bist Du beunruhigt, ist der Kinderarzt die richtige Anlaufstelle. Kein Pflichtspiel und kein Hallenturnier ist wichtiger als die Gesundheit Deines Kindes.
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