Norweger Modell & Flex-Modell: Wenn 11 gegen 11 nicht geht
Zu wenig Spieler fürs 11 gegen 11? Immer mehr Landesverbände erlauben Norweger- und Flex-Modelle: kleinere Teams auf verkleinertem Feld statt Spielabsagen und Zwangsabmeldungen. Die Übersicht für 2026/27.
Freitagabend, 21 Uhr: Im Mannschaftschat trudeln die Absagen ein — Klassenfahrt, krank, Schicht am Samstag. Aus 14 gemeldeten Spielern werden neun, und das 11 gegen 11 am Wochenende wackelt. Genau für diese Situation haben mehrere Landesverbände flexible Mannschaftsstärken im Regelwerk verankert: Statt das Spiel abzusagen oder das Team gleich ganz vom Spielbetrieb abzumelden, spielst du mit 9, 8 oder 7 Spielern auf einem verkleinerten Feld. Die bekanntesten Varianten heißen Norweger Modell und Flex-Modell. Hier liest du, was dahintersteckt, worin sich die beiden unterscheiden, welcher Verband was anbietet — und was das praktisch für deine Meldung bedeutet.
Was ist das Norweger Modell?
Die Idee des Norweger Modells ist simpel: Vereine müssen ihre Mannschaft nicht zwingend als 11er melden, sondern wählen bei der Mannschaftsmeldung die Spielstärke, die sie realistisch stemmen können — je nach Ausschreibung etwa 11er, 9er oder 7er. Alle spielen in derselben Staffel. Treffen zwei unterschiedlich gemeldete Stärken aufeinander, gilt die zentrale Regel des Modells: Die kleinere Mannschaftsstärke entscheidet. Beide Teams treten in dieser Stärke an, meist auf einem entsprechend verkleinerten Feld. Das Spiel findet statt — statt Absage oder Wertung am grünen Tisch.
In Württemberg etwa legen Mannschaften ihre Stärke (9 gegen 9 oder 7 gegen 7) vor Saisonbeginn fest und werden in Spielplänen und Tabellen mit dem Zusatz (9) beziehungsweise (7) gekennzeichnet; eine Änderung ist zur Winterpause möglich, und das Aufstiegsrecht bleibt erhalten. Andere Verbände verwenden den Begriff pragmatischer für die Reduktion am Spieltag: In Bremen erlaubt die Bezirksklasse der C-Junioren die Reduktion bis auf minimal 9 gegen 9 — das Großfeld bleibt dabei erhalten. Im Fußballkreis Berg (Mittelrhein) gilt in den Normalstaffeln der A- und B-Junioren: Bei Spielermangel wird 10 gegen 10 oder 9 gegen 9 gespielt, mindestens 9 Spieler müssen es sein.
Und was ist das Flex-Modell?
Das Flex-Modell setzt einen Schritt später an: Es erlaubt den Wechsel in eine reduzierte Mannschaftsstärke mitten in der laufenden Saison — dann, wenn der Engpass real wird. In Württemberg funktioniert das so: Der Verein meldet den Wechsel in den flexiblen Modus (9 gegen 9 oder 7 gegen 7) bis 48 Stunden vor Spielbeginn an Gegner und Staffelleiter; ab der ersten Meldung trägt die Mannschaft in Spielplänen den Zusatz „flex". Punkte und Tore zählen ganz normal weiter — das Aufstiegsrecht erlischt allerdings mit der ersten Flex-Meldung, und das meldende Team darf nur zwei Auswechselspieler einsetzen, der Gegner fünf.
Derselben Logik folgt das saarländische Flex-Modell für A-Junioren: Die gemeldete Stärke (11, 10, 9 oder 8) kann je Spieltag auf Antrag geändert werden.
Norweger-Modell vs. Flex-Modell: der Unterschied auf einen Blick
Am sauber getrennten Beispiel Württemberg — aus dessen Durchführungsbestimmungen diese Systematik stammt — sieht der Unterschied so aus:
| Norweger-Modell | Flex-Modell | |
|---|---|---|
| Mannschaftsstärke | bei der Meldung vor der Saison festgelegt | Wechsel während der laufenden Runde möglich |
| Änderung | zur Winterpause | je Spiel, Meldung bis 48 h vor Anpfiff |
| Kennzeichnung in Tabellen | Zusatz (9) / (7) | Zusatz „flex" ab erster Meldung |
| Wertung | normale Konkurrenz | Punkte und Tore zählen weiter |
| Aufstiegsrecht | bleibt erhalten | erlischt ab der ersten Flex-Meldung |
| Auswechselspieler | regulär nach Jugendordnung | meldendes Team max. 2, Gegner max. 5 |
So trennscharf verwenden aber längst nicht alle Verbände die Begriffe. Hessen nennt seine feste 9er/7er-Wahl schlicht „Wahlmodell", Baden bezeichnet die freie D-Jugend-Wahl vor der Saison als „Flex-Modell", und Bremen verwendet „Norweger-Modell" für die Spieltags-Reduktion. Verbindlich ist deshalb nie der Name, sondern immer die Jugendordnung oder Durchführungsbestimmung deines Verbands beziehungsweise Kreises.
Warum es diese Modelle gibt
Das ist kein Reform-Gimmick, sondern eine Antwort auf ein reales Problem: In vielen Regionen bekommen Vereine ab der C-Jugend keine 14, 15 Spieler mehr für einen 11er-Kader zusammen. Die Folgen kennst du vermutlich aus deinem eigenen Kreis: kurzfristige Spielabsagen, Zwangsabmeldungen mitten in der Saison, Spielgemeinschaften über mehrere Dörfer und immer längere Fahrtwege, weil die Staffeln ausdünnen. Für die betroffenen Jugendlichen heißt das im schlimmsten Fall: kein Fußball mehr.
Die rechtliche Grundlage liefert der DFB selbst: Die DFB-Spielordnung erlaubt den Landesverbänden, in den vier untersten Spielklassen abweichende Mannschaftsstärken samt eigener Mindestspielerzahl festzulegen. Genau diese Öffnungsklausel nutzen die Verbände — deshalb spielen die Modelle fast immer auf Kreis- oder unterer Landesebene, nicht in den Verbands- und Regionalligen.
Übersicht: Welcher Verband bietet was
Die folgende Tabelle enthält nur belegte Regelungen aus den Jugendordnungen und Durchführungsbestimmungen der Verbände (Saison 2026/27, sofern nicht anders vermerkt):
| Verband | Modell | Altersklassen | Ebene |
|---|---|---|---|
| Baden | Flex-Modell: 7er, 8er oder 9er frei wählbar | D | verbandsweit (JO Anlage 1) |
| Bremen | Norweger-Modell: Reduktion bis min. 9 gegen 9, Großfeld bleibt | C | Bezirksklasse (Stand 2025/26) |
| Hessen | Wahlmodell: 9er- oder 7er-Feld, gleichberechtigt | D | verbandsweit |
| Mecklenburg-Vorpommern | Norweger-Modell 9 gegen 9 auf verkürztem Großfeld | A | A-Landesligen, auf Antrag |
| Mittelrhein | „Norweger Modell": 10v10/9v9 bei Spielermangel (mind. 9 Spieler) | A, B | Kreis Berg (Sonderregel) |
| Niedersachsen | Spielrunden mit weniger Spielern auf kleinerem Feld, inkl. Norweger Modell | A, B, C | Bezirks-/Kreisebene |
| Saarland | Flex-Modell 11/10/9/8 (A, Pilot); Norweger-Modell 9er/7er (B, C); 7er (D) | A–D | Kreisebene |
| Sachsen | Kleinfeld bei Wettbewerben im Norwegermodell (§ 43 SpO) | A, B | laut Spielordnung |
| Sachsen-Anhalt | Flex-Modell 9v9; ab 13 verfügbaren Spielern zwingend 11v11 | A | Landesliga (nur Meisterschaft) |
| Schleswig-Holstein | Alternativ 9er, 7er oder Norweger Modell | A, B, C | Kreisspielklassen |
| Südwest | Flexibler Modus (auch 9v9/7v7); ohne Meldung gilt 11v11 | A, B, C | Kreisebene |
| Westfalen | Kleinfeld-Öffnung (§ 16 (17) JSpO, 5×2-m-Tore) + Norweger Modell | A, B, C | Kreisebene |
| Württemberg | Norweger-Modell (feste 9er/7er-Meldung) und Flex-Modell (unterjähriger Wechsel); D-Jugend: 9er/7er wählbar | D u. a. | verbandsweit bzw. unterste Spielklassen (Stand 2025/26) |
Auf Kreisebene gibt es darüber hinaus weitere lokale Lösungen, die nicht in jeder Verbandsordnung stehen. Die Detailregeln deines Verbands findest du in der Übersicht aller Landesverbände.
Saarland: Flex-Modell 11/10/9/8 als Pilotprojekt
Das Saarland geht zur Saison 2026/27 am weitesten. Neu als Pilotprojekt für A-Junioren auf Kreisebene: das Flex-Modell mit 11, 10, 9 oder 8 Spielern (inklusive Torwart). Die Mannschaftsstärke ist je Spieltag auf Antrag änderbar, und die kleinere Mannschaftsgröße ist maßgebend — bringt dein Gegner nur neun Spieler zusammen, spielt ihr eben 9 gegen 9. Wichtig: Alle Ergebnisse zählen ganz normal mit 3/1/0 Punkten, es ist also kein Sonderwettbewerb ohne Wertung. Mit 11 oder 10 Spielern wird auf dem Großfeld gespielt, mit 9 oder 8 auf dem A9-Juniorenfeld.
Dazu kommt das Norweger-Modell auf Kreisebene für B- und C-Junioren: 9 gegen 9 mit verschiebbarem Tor an der 16-m-Linie oder 7 gegen 7 (bei den C-Junioren auf 70×50 m). Selbst die D-Jugend hat eine 7er-Alternative zur 9er-Hauptform — gespielt wird dann auf dem E-Junioren-Feld (55×35 m), allerdings als Pflichtfreundschaftsrunde ohne Tabellen.
Baden: D-Flex mit einheitlichen Kleinfeldmaßen
Der Badische Fußballverband hat das Flex-Modell der D-Junioren in der Jugendordnung (Stand Juli 2026) besonders sauber durchdekliniert. Vereine wählen frei zwischen 7er, 8er und 9er — und die Kleinfeldmaße sind in allen drei Varianten identisch: Strafraum 25×10 m, Strafstoßmarke 9 m, Freistoß-Mindestabstand 5 m, Jugendtore 5×2 m. Nur das Feld wächst mit der Spielerzahl: ca. 50×35 m (7er), 60×40 m (8er) und 70×50 m (9er). Für den Platzaufbau heißt das: einmal markieren gelernt, alle Varianten abgedeckt.
Interessant ist auch die Abseitsregel: Sie gilt nur bei mehr als 7 Feldspielern, also ausschließlich im 9er. Die alte Sonderregel, nach der auch im 8er Abseits gepfiffen wurde, hat die Jugendordnung Stand Juli 2026 gekippt.
Hessen: Das gleichberechtigte 9er/7er-Wahlmodell
In Hessen entscheiden sich D-Jugend-Teams zwischen 9er- und 7er-Feld — ohne verbandsweiten Vorrang für eine der beiden Formen. Das 9er-Feld misst ca. 68×50 m, das 7er-Feld ca. 65×50 m; der Strafraum ist mit 29×12 m in beiden Varianten gleich, der Strafstoßpunkt liegt bei 8 m. Gespielt wird 2×30 Minuten, bis zu 5 Spieler dürfen aus- und wieder eingewechselt werden. Die Torgrößen regeln die Kreise in ihren Durchführungsbestimmungen (regional z. B. 5×2 m).
Nicht nur Jugend: Frauen- und Herrenfußball
Flexible Mannschaftsstärken sind kein reines Jugend-Thema. Im Frauenfußball arbeiten mehrere Verbände seit Jahren mit denselben Instrumenten: Hessen organisiert Teile des Juniorinnen-Spielbetriebs nach dem Norweger-Modell, Sachsen-Anhalt sichert mit dem Flex-Modell Frauen-Staffeln, die sonst mangels Spielerinnen auseinanderbrechen würden. Auch im Herrenbereich lassen einzelne Verbände in den untersten Spielklassen Wettbewerbe mit reduzierter Mannschaftsstärke zu. Die Mechanik ist überall dieselbe — entscheidend ist die Ausschreibung der jeweiligen Spielklasse.
Was heißt das praktisch für dich?
Vor der Meldung ehrlich rechnen. Zähl nicht die Namen auf der Spielerliste, sondern die realistisch verfügbaren Spieler pro Samstag. In Württemberg kannst du bis zu 4 Mannschaften in beliebiger Stärke melden — die Mindestspielerzahl bei Spielbeginn liegt beim 9er bei 7, beim 7er bei 5 Spielern. Zwei kleine Teams bedeuten oft mehr Spielzeit pro Kind als ein großes mit zwölf Bankplätzen.
Aufstiegsrecht klären. Wo Norweger- und Flex-Modell nebeneinander existieren, ist das der entscheidende Unterschied: In Württemberg behält eine fest fürs Norweger-Modell gemeldete Mannschaft ihr Aufstiegsrecht, während es beim unterjährigen Wechsel ins Flex-Modell erlischt. Wenn dein Team oben mitspielt, kläre diese Frage vor der Meldung mit dem Staffelleiter.
Fristen und Bedingungen prüfen. Im Südwesten gilt ohne rechtzeitige Mitteilung automatisch die Regelform 11 gegen 11, in Württemberg muss der Flex-Wechsel 48 Stunden vor Anpfiff gemeldet sein. In Mecklenburg-Vorpommern läuft das 9v9-Norweger-Modell der A-Landesligen nur auf Antrag, mit maximal 2 Wechselspielern. Und in Sachsen-Anhalt greift das Flex-Modell 9v9 nur im Meisterschaftsbetrieb der Landesliga (nicht im Landespokal) — sind am Spieltag 13 Spieler verfügbar, wird zwingend 11 gegen 11 gespielt.
Feld und Tore organisieren. Die reduzierten Formate laufen meist auf verkürztem Großfeld „16er zu 16er": In Sachsen-Anhalt sind das 65–90 × 45–70 m mit 5×2-m-Kleinfeldtoren, in Mecklenburg-Vorpommern ein auf ca. 80 m verkürztes Feld mit Großfeldtoren (alternativ Kleinfeldtore mit 9-m-Punkt). Sprich früh mit dem Platzwart und kläre, ob mobile Tore vorhanden sind. Eine komplette Maß-Übersicht findest du unter Spielfeldgrößen nach Altersklasse.
Wertung klären. Nicht überall zählt alles gleich: Das saarländische A-Flex-Modell wertet normal (3/1/0), die 7er-D-Runde im Saarland läuft dagegen ohne Tabellen. Frag im Zweifel bei deinem Kreisjugendausschuss nach, bevor du meldest.
Unterm Strich sind Norweger- und Flex-Modelle keine Notlösung zweiter Klasse, sondern die bessere Alternative zu Spielabsagen und Zwangsabmeldungen: Deine Spieler stehen auf dem Platz statt auf der Absage-Liste — und mit 9 statt 11 hat jeder mehr Ballkontakte. Bevor du ein Team abmeldest, lohnt also immer der Blick in die Durchführungsbestimmungen deines Landesverbands.
FAQ
Was ist das Norweger Modell im Fußball?
Ein Spielbetrieb, in dem Mannschaften mit unterschiedlicher Spielerzahl in derselben Staffel antreten. Die Vereine melden ihre Stärke (z. B. 11er, 9er oder 7er); treffen zwei unterschiedliche Stärken aufeinander, wird in der kleineren gespielt. So findet das Spiel auch dann statt, wenn ein Team keine elf Spieler zusammenbekommt.
Was ist der Unterschied zwischen Norweger-Modell und Flex-Modell?
Der Zeitpunkt der Entscheidung: Beim Norweger-Modell wird die Mannschaftsstärke vor der Saison fest gemeldet, beim Flex-Modell kann eine Mannschaft während der laufenden Runde — teils je Spieltag — in eine kleinere Stärke wechseln. In Württemberg kostet der Flex-Wechsel zusätzlich das Aufstiegsrecht und begrenzt die Auswechselspieler auf zwei. Achtung: Nicht alle Verbände trennen die Begriffe so sauber — verbindlich ist die jeweilige Durchführungsbestimmung.
Wer entscheidet, mit wie vielen Spielern gespielt wird?
Treffen unterschiedlich gemeldete Stärken aufeinander, entscheidet grundsätzlich die kleinere: Beide Teams spielen dann etwa 9 gegen 9. Ein kurzfristiger Wechsel muss meist vorab gemeldet werden — in Württemberg bis 48 Stunden vor Spielbeginn an Gegner und Staffelleiter. Ohne rechtzeitige Meldung gilt die Normalstärke.
Zählen die Ergebnisse im Norweger- und Flex-Modell normal?
In der Regel ja — die Spiele laufen in Konkurrenz mit normaler Punktwertung (3/1/0). Einschränkungen betreffen eher das Aufstiegsrecht (in Württemberg erlischt es im Flex-Modus) oder einzelne Sonderrunden wie die saarländische 7er-D-Runde, die ohne Tabellen gespielt wird.
Gibt es Norweger- und Flex-Modell auch im Frauenfußball?
Ja. Mehrere Verbände nutzen die Modelle im Frauen- und Juniorinnen-Spielbetrieb, etwa Hessen (Norweger-Modell bei den Juniorinnen) und Sachsen-Anhalt (Flex-Modell im Frauenbereich). Auch einzelne Herren-Spielklassen auf unterster Ebene erlauben reduzierte Mannschaftsstärken.
Stand: Juli 2026. Quellen: Jugendordnungen, Spielordnungen und Durchführungsbestimmungen der Landesverbände, u. a. die Norweger-/Flex-Bestimmungen des Württembergischen Fußballverbands.
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