Verteidigen

    Pressinghöhe: hoch, mittel, tief einfach erklärt

    Die Pressinghöhe zeigt, in welcher Spielfeldzone dein Team den Gegner unter Druck setzt. Hier lernst du hoch, mittel und tief pressen mit einfachen Kinderfußball-Beispielen kennen.

    fbTobias Brenner · aktualisiert 26. Okt. 2026 · 8 Min.
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    Abb. 1 · Pressinghöhe = wo eure erste Linie anläuft (dein Team in Mint verteidigt das Tor rechts): hoch (1) am gegnerischen Strafraum, mittel (2) an der Mittellinie, tief (3) vor dem eigenen Strafraum. Hier steht das Team mittel, der Gegner darf bis zur Mittellinie aufbauen.

    Die Pressinghöhe beschreibt, wo auf dem Spielfeld dein Team den Gegner aktiv unter Druck setzt, also ob ihr hoch, mittel oder tief presst.

    Merke: Fachlich heißen die drei Höhen Angriffspressing (hoch, nahe am gegnerischen Tor), Mittelfeldpressing (mittel, rund um die Mittellinie) und Abwehrpressing (tief, nahe dem eigenen Tor). Eine bewusst gewählte Pressinghöhe ist ein Thema ab der D-Jugend; im Kinderfußball bis zur E-Jugend gibt es noch keine festen Positionen und Pressinglinien.

    Was bedeutet Pressinghöhe?

    Die Pressinghöhe ist ein Teil der Pressing-Taktik: Dein Team entscheidet, in welcher Zone ihr den Ball zurückerobern wollt. Je höher die Pressinghöhe, desto näher greift ihr am gegnerischen Tor an. Klingt einfach, aber jede Höhe hat ihren Preis:

    PressinghöheWo ihr angreiftVorteileRisiken
    Hoch (Angriffspressing)nahe am gegnerischen Strafraum, im Spielaufbau des GegnersBallgewinne nah am Tor, schnelle Torchancenhohe Laufbereitschaft nötig, anfällig für lange Bälle hinter die Abwehr
    Mittel (Mittelfeldpressing)rund um die MittellinieBalance aus Sicherheit und Druckzu passiv, wenn niemand den ersten Pass ins Mittelfeld attackiert
    Tief (Abwehrpressing)in der eigenen Hälfte vor dem eigenen Torwenig Raum hinter der Abwehr, Kontrolle in TornäheGegner hat viel Ballbesitz, Ballgewinne weit weg vom gegnerischen Tor

    Kinder und Jugendliche brauchen dabei klare Regeln: Wer läuft an? Wer sichert? Was passiert, wenn der Gegner uns überspielt?

    Die drei Pressinghöhen einfach erklärt

    Hoch pressen (hohes Pressing)

    Beim hoch pressen greift ihr schon in der Nähe des gegnerischen Strafraums oder in dessen Spielaufbau an. Ziel: schnelle Ballgewinne und sofortige Torchancen. Fachlich heißt diese Form Angriffspressing: Der Ball soll dort erobert werden, wo der Weg zum Tor kurz ist.

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    Abb. 2 · Pressinghöhe (dein Team spielt nach rechts): Beim hohen Pressing (1) greift ihr nahe am gegnerischen Tor an, beim mittleren Pressing (2) rund um die Mittellinie, beim tiefen Pressing (3) in der eigenen Hälfte vor dem eigenen Tor.
    Schritt-Reihenfolge
    • Passt gut, wenn: dein Team mutig ist, gut anläuft und als Team nachschiebt.
    • Praxisbeispiel (D-/C-Jugend): Nach einem Rückpass zum Torwart oder Innenverteidiger läuft der vorderste Spieler an, die Mitspieler rücken nach und stellen kurze Passwege zu.

    So funktioniert hohes Pressing: anlaufen, zustellen, absichern

    Hohes Pressing heißt nicht „alle rennen zum Ball“, sondern organisierter Druck. Er entsteht aus drei Rollen:

    • Anlaufen: Einer läuft den Ballführenden kontrolliert an, am besten im Bogen. So stellt er mit seinem Körper eine Passrichtung zu, den Deckungsschatten.
    • Zustellen: Zwei Mitspieler nehmen die nächsten kurzen Passwege weg, zum Beispiel zum zentralen Mittelfeldspieler.
    • Absichern: Mindestens einer bleibt hinter dem Druck, damit ein langer Ball oder ein Dribbling nicht sofort gefährlich wird.

    Ein typisches Bild gegen den Torwart-Aufbau: Der Stürmer läuft den Torwart so an, dass er ihn auf seinen schwachen Fuß lenkt. Gleichzeitig rückt ein Flügelspieler ein und stellt den Pass zum zweiten Innenverteidiger zu. Dem Torwart bleibt oft nur der lange Ball, und dein Team geht auf den zweiten Ball.

    Auslöser für hohes Pressing

    Neben dem Rückpass und dem schlechten ersten Kontakt (siehe unten) lohnt hoher Druck vor allem bei:

    • hohen oder ungenauen Zuspielen, die der Gegner erst verarbeiten muss,
    • einem Pass an die Seite, weil die Seitenlinie den Ballführenden begrenzt,
    • einem Zuspiel auf einen Gegner, der mit dem Rücken zum Feld steht und Druck im Rücken hat.

    Sobald so ein Signal kommt, schaltet das ganze Team auf „Druck“. Ohne Signal ordnet ihr euch lieber und wartet auf den nächsten Moment.

    Kindgerecht umsetzen

    • E-Jugend: Noch kein Pressing nach Plan. Die Vorstufe ist sofortiges Nachsetzen nach eigenem Ballverlust („Ball verloren? Der Nächste geht drauf.“), also erstes Gegenpressing. Gut geeignet ist Funino: Pressing-Training 3 gegen 3 (U9–U11).
    • D-Jugend: Gruppentaktisches Pressing mit klaren Rollen: anlaufen, zustellen, absichern.
    • Ab C-Jugend: Mannschaftstaktisches Angriffspressing mit Auslösern, Verschieben der ganzen Mannschaft und Restverteidigung.

    Risiken des hohen Pressings

    • Alle laufen zum Ball: Dann sind die Passwege offen. Faustregel: Einer presst, zwei stellen zu, einer sichert.
    • Zu große Abstände: Hohes Pressing klappt nur, wenn die Mannschaft kompakt nachschiebt. Läuft der Erste allein an, spielt der Gegner einfach um ihn herum.
    • Keine Absicherung: Ein einziger langer Ball hinter die Abwehr reicht, und ihr lauft dem Gegner hinterher.
    • Dauerpressing: Niemand kann ein ganzes Spiel vorne jagen. Besser sind kurze, intensive Phasen nach einem klaren Auslöser („Pressing in Wellen“), danach ordnet sich das Team wieder.

    Mittleres Pressing

    Beim mittleren Pressing wartet dein Team kompakt im Mittelfeld und greift zu, sobald der Gegner in eure Zone spielt. Mehr dazu unter Mittelfeldpressing.

    • Passt gut, wenn: die Spieler Grundprinzipien wie „zusammen bleiben“ und „Mitte zu“ verstehen.
    • Praxisbeispiel (D-Jugend): Das Team stellt Passwege ins Zentrum zu und läuft erst an, sobald ein Pass ins Mittelfeld kommt.

    Tiefes Pressing

    Beim tiefen Pressing zieht sich dein Team in die eigene Hälfte zurück und verteidigt näher am eigenen Tor. Ziel: Räume eng machen und nach Ballgewinn kontern. Wie es sich vom Mittelfeldpressing unterscheidet, zeigt Defensivpressing vs. Mittelfeldpressing.

    • Passt gut, wenn: der Gegner sehr stark ist oder dein Team körperlich unterlegen ist.
    • Praxisbeispiel (C-Jugend): Alle Spieler sind „hinter dem Ball“, ihr verteidigt zuerst das Zentrum und klärt konsequent.

    Und im Kinderfußball?

    Im Kinderfußball (G- bis E-Jugend) spielt jedes Kind auf jeder Position, Formationen und Pressinghöhen gehören dort noch nicht hin. Die Vorstufe ist einfach: Nach Ballverlust gehen zwei drauf, die anderen machen die Mitte zu. Achte außerdem auf die Regeln deines Verbands beim Neustart:

    • Im HFV Hamburg muss das verteidigende Team in G bis E bei Spielen auf Minitore beim Eindribbeln von der Grundlinie die gegnerische Hälfte verlassen. Hohes Pressing beim Abstoß ist dort also gar nicht möglich.
    • Im FVM (Mittelrhein) halten die Verteidiger beim Neustart von der Grundlinie etwa 6 m Abstand; bei zu großem Druck wird empfohlen, bis zur Mittellinie zurückzugehen.
    • In mehreren Verbänden darf der Abstoß in F/E nicht direkt über die Mittellinie gespielt werden (zum Beispiel NFV Niedersachsen auf Jugendtore, FLVW Westfalen in der E-Jugend). Das ist eine Aufbauregel für das ballbesitzende Team, keine Pressinglinie. In Thüringen gilt das in der E-Jugend auch für Abschlag und Abwurf des Torwarts.
    • In Spielformen ohne Torwart muss der Gegner beim Eindribbeln oder Einpassen oft aus der Schusszone heraus (zum Beispiel Sachsen in F und E).
    • In Österreich müssen Abspiel und Abstoß des Torhüters von U9 bis U12 in der eigenen Hälfte aufkommen oder einen Spieler berühren.

    Was in deinem Verband gilt, zeigt der Landesverband-Vergleich.

    Woran erkennst du die richtige Pressinghöhe?

    Frag dich (oder dein Team): Wollen wir heute mutig attackieren oder erst sicher stehen? Klare Auslöser helfen:

    • Bei Rückpass zum Torwart: hoch pressen.
    • Bei schlechtem erstem Kontakt: sofort Druck.
    • Bei starker gegnerischer Technik: eher mittel oder tief.

    Mehr Auslöser findest du unter Pressing-Trigger.

    Damit Pressing nicht chaotisch wird, braucht ihr Absicherung hinter dem Ball, siehe Absicherung beim Pressing. Die Positionierung, die schon im eigenen Ballbesitz für den Fall eines Ballverlusts sorgt, heißt Restverteidigung. Mehr dazu findest du in Restverteidigung einfach erklärt (U12+).

    Verwandte Begriffe (kurz erklärt)

    Häufig gestellte Fragen

    Für viele D- und C-Jugendteams ist mittleres Pressing der beste Einstieg, weil es Struktur gibt und trotzdem Ballgewinne ermöglicht. Hohes Pressing funktioniert, wenn alle nachschieben; tiefes Pressing passt eher gegen sehr starke Gegner. Im Kinderfußball bis zur E-Jugend spielt die Pressinghöhe noch keine Rolle.

    Einfache Regeln wie „bei unsauberer Annahme sofort Druck“ passen schon in die E-Jugend. Eine bewusst gewählte Pressinghöhe mit Auslösern, Rollen und Absicherung ist ein Thema ab der D-Jugend und wird ab der C-Jugend vertieft, wenn auch positionsspezifisch trainiert werden darf.

    Hohes Pressing scheitert oft daran, dass nur ein Spieler anläuft und der Rest nicht nachrückt. Dann entstehen freie Passwege und viel Raum hinter der ersten Linie, der mit einem langen Ball bespielt wird. Hilfreich sind klare Teamregeln: Der erste Spieler lenkt, die zweite Welle rückt nach, hinten sichert jemand ab.

    Nein. Gerade bei jungen Teams ist Pressing in Wellen sinnvoll: kurze, intensive Phasen nach einem klaren Auslöser wie einem Rückpass oder einem schlechten ersten Kontakt. Danach ordnet sich das Team wieder, damit es kompakt bleibt.

    Ähnliche Begriffe im Lexikon

    pressinghöhe
    hoch pressen
    tiefes pressing
    pressing taktik jugend
    mittleres pressing