Ehrenamt & Mitarbeiter

    Trainer-Nachwuchs aufbauen: So gelingt Nachfolge

    Trainer-Nachwuchs entscheidet darüber, ob Teams stabil bleiben oder jedes Jahr neu starten müssen. Mit klaren Einstiegsrollen, Mentoring und einer einfachen Trainer-Toolbox gelingt Nachfolge auch für Anfänger strukturiert und stressarm.

    fbTobias Brenner · aktualisiert 24. Okt. 2026 · 18 Min.
    KI-generiertes Symbolbild

    Trainer-Nachwuchs ist kein „Nice to have“, sondern die Lebensversicherung vieler Jugendabteilungen. Vielleicht kennst du die Situation: Ein engagierter Coach hört nach der Saison auf – und plötzlich steht ein Jahrgang ohne klare Betreuung da. Genau hier entscheidet sich, ob ein Verein stabil bleibt oder jedes Jahr aufs Neue improvisieren muss. Gute Nachricht: Nachfolge im Kinderfußball lässt sich planen – auch ohne großes Budget und ohne perfekte Strukturen.

    Warum Trainer-Nachwuchs im Kinderfußball so wichtig ist

    In vielen Vereinen hängt das Training an wenigen Ehrenamtlichen. Wenn diese aus beruflichen oder familiären Gründen ausfallen, entstehen schnell Lücken.

    Typische Folgen fehlender Nachfolge:

    • Teams werden zusammengelegt oder abgemeldet
    • Trainingsqualität schwankt stark
    • Eltern verlieren Vertrauen in den Verein
    • Kinder wechseln den Club oder hören auf

    Trainer-Nachwuchs aufzubauen bedeutet deshalb nicht nur „neue Leute finden“, sondern Wissen sichern, Verantwortung teilen und Kontinuität schaffen.

    Die häufigsten Gründe, warum Nachfolge scheitert

    Bevor du Lösungen umsetzt, lohnt ein ehrlicher Blick auf die Stolpersteine. Kommt dir etwas davon bekannt vor?

    • Zu späte Ansprache: Erst wenn der Trainer weg ist, beginnt die Suche.
    • Unklare Aufgaben: „Hilf mal mit“ ist keine Rolle.
    • Überforderung: Neue Trainer bekommen direkt ein Team „komplett allein“.
    • Fehlende Einarbeitung: Es gibt keinen Plan, keine Materialsammlung, keine Standards.
    • Zu viel Druck: Perfektion wird erwartet, statt Entwicklung ermöglicht.

    Gerade im Kinderfußball gilt: Einsteiger brauchen Sicherheit, einfache Strukturen und Rückendeckung.

    Trainer-Nachwuchs aufbauen: Der Fahrplan in 5 Schritten

    Du willst das Thema in deinem Verein systematisch angehen? Dann helfen dir diese fünf Schritte als leicht umsetzbare Grundlage.

    1) Frühzeitig planen: Nachfolge ist ein Prozess, kein Notfall

    Setze das Thema mindestens 6–12 Monate vor einem möglichen Wechsel auf die Agenda. Praktisch heißt das:

    • Saisonstart: Trainer klären, wie lange sie sicher bleiben
    • Winterpause: Perspektive abfragen (bleibst du? wechselst du?)
    • Frühjahr: mögliche Co-Trainer aufbauen, Übergaben vorbereiten

    Eine einfache Frage kann alles verändern: „Wer könnte in 6 Monaten Verantwortung übernehmen – mit Unterstützung?“

    2) Niedrigschwellige Einstiege schaffen (Co-Trainer statt „Chefcoach“)

    Viele Eltern oder ältere Spieler hätten grundsätzlich Lust, aber nicht auf „alles allein“. Biete daher Einstiegsrollen an:

    • Co-Trainer (1–2 Einheiten pro Woche)
    • Organisator (Material, Anwesenheit, WhatsApp-Gruppe)
    • Spieltagshelfer (Aufbau, Trikots, Fair-Play-Regeln)

    Wichtig: Formuliere Rollen konkret.

    • statt „Unterstützung im Training“
    • besser: „Du leitest 10 Minuten Aufwärmen + 1 Spielform und hilfst beim Aufbau.“

    Wenn du Ideen für kindgerechte Inhalte brauchst, kannst du neue Helfer auch mit einfachen, klaren Übungen abholen – zum Beispiel über Schusspräzision in der Halle: 8 Zielspiele (U8–U13). Solche fertigen Spielideen senken die Einstiegshürde enorm.

    3) Mentoring & Einarbeitung: „Mitlaufen“ ist Gold wert

    Einsteiger lernen am schnellsten, wenn sie nicht allein gelassen werden. Etabliere ein Mentoring:

    • Ein erfahrener Trainer bleibt 4–8 Wochen als Begleitung dabei
    • Neue Trainer bekommen eine „Trainings-Schablone“ (Ablaufplan)
    • Kurze Reflexion nach dem Training: Was lief gut? Was war schwer?

    Eine simple Trainings-Schablone für Anfänger (45–75 Minuten):

    DauerInhalt
    5–10 Minfreies Ankommen mit Ball
    10 Minspielerisches Aufwärmen
    15–20 MinHauptteil (1 Schwerpunkt)
    15–25 MinSpielform (viele Ballkontakte)
    5 MinAbschluss, Feedback-Ritual

    So entsteht Routine – und Routine schafft Sicherheit.

    4) Wissen sichern: Baue eine kleine „Trainer-Toolbox“ auf

    Damit Nachfolge nicht jedes Mal bei null startet, braucht dein Verein eine Toolbox. Das muss kein riesiges Wiki sein – ein geteilter Ordner reicht.

    Inhalte, die sich bewährt haben:

    • Trainingspläne (nach Altersklasse)
    • 10 Lieblings-Spielformen (mit Aufbau-Skizze)
    • Regeln für Spieltage (Treffpunkt, Rotation, Fair Play)
    • Kommunikationsvorlagen für Eltern
    • Materialliste (Bälle, Hütchen, Leibchen, Tore)

    Bei der Elternkommunikation hilft ein gemeinsames Verständnis: Kinder sollen lernen, nicht funktionieren. Passend dazu lohnt sich die interne Verknüpfung zur Haltung im Umfeld, z. B. über Talentförderung ohne Druck - Ein Leitfaden für Eltern. Das entlastet neue Trainer, weil Erwartungen realistischer werden.

    5) Anerkennung & Bindung: Warum sollte jemand bleiben?

    Ehrenamt lebt von Wertschätzung – und von Rahmenbedingungen, die alltagstauglich sind.

    Konkrete Maßnahmen:

    • Klare Zeitmodelle: z. B. „Du übernimmst nur Dienstag, jemand anders Donnerstag“
    • Fortbildung ermöglichen: Kosten übernehmen, Fahrgemeinschaften organisieren
    • Sichtbare Anerkennung: Dank im Vereinsheft, kleine Events, Trainerabend
    • Feedback-Kultur: kurze Check-ins statt Kritik hinter dem Rücken

    Und ja: Auch finanzielle Unterstützung kann helfen, etwa für Lehrgänge oder Material. Wenn dein Verein dafür Mittel sucht, ist der Beitrag Fördergelder für Jugendfußball beantragen ein guter Startpunkt.

    Anerkennung muss übrigens nicht beim Verein enden: Der DFB vergibt seit 1997 jährlich den DFB-Ehrenamtspreis. Jeder Verein kann engagierte Mitglieder vorschlagen, die Ehrenamtsbeauftragten der Kreise und Bezirke wählen daraus je Fußballkreis eine Preisträgerin oder einen Preisträger aus – insgesamt 257 pro Jahr, 100 davon kommen zusätzlich in den „Club 100“ (Quelle: dfb.de/ehrenamtspreis). Ein solcher Vorschlag kostet dich zehn Minuten und sagt einem Trainer mehr als jede Dankesmail. Wie du Ehrenamtliche auch jenseits von Preisen gewinnst und hältst, liest du in Ehrenamtliche Trainer finden und binden.

    Welche Ausbildung brauchen neue Trainer? Einstiegswege in DACH

    Eine der häufigsten Fragen von Eltern, die du als Co-Trainer ansprichst: „Brauche ich dafür einen Trainerschein?“ Die ehrliche Antwort: Für den Einstieg als Helfer oder Co-Trainer nein – für die eigenständige Leitung eines Teams ist ein kurzer Einstiegskurs aber der beste Weg, Unsicherheit abzubauen. Die Verbände haben dafür bewusst niedrigschwellige Formate geschaffen. Sie werden genutzt: In der Saison 2025/26 stellte der DFB laut eigener Statistik jeweils knapp 8.000 Abschlüsse im DFB-Basis-Coach und im Kindertrainer-Zertifikat aus.

    Deutschland (DFB): Kindertrainer-Zertifikat, Basis-Coach, Junior-Coach

    • Kindertrainer*in-Zertifikat: 20 Lerneinheiten, aufgeteilt auf 2 Präsenztage und 3 Onlinephasen, ausgelegt auf Bambini bis E-Junioren; die Anmeldung läuft über den jeweiligen Landesverband bzw. dessen Kreise (Quelle: dfb-akademie.de, „Kindertrainer*in Zertifikat“). Die DFB-Ausbildungsordnung setzt bundesweit nur ein Mindestalter von 15 Jahren (Ausnahmen durch die Landesverbände möglich). Das Zertifikat wird vollständig auf das Profil Kinder der C-Lizenz angerechnet. Die Gebühr legt der Landesverband fest, beim Fußball-Verband Mittelrhein sind es laut Ausschreibung 2026 zum Beispiel 85 Euro für Vereinslehrgänge.
    • Jugendtrainer*in-Zertifikat: Das Gegenstück für Trainer von der D- bis zur A-Jugend, ebenfalls 20 Lerneinheiten. Es steht seit Dezember 2025 in der DFB-Ausbildungsordnung und wird auf das Profil Jugend der C-Lizenz angerechnet.
    • DFB-Basis-Coach: 40 Lerneinheiten, vor Ort und digital, laut DFB ausdrücklich auch für „Vereinsmitglieder, die neu als Trainer*innen anfangen“; er ist der erste Baustein der C-Lizenz (Quelle: punktespiel.dfb.de, „DFB-Basis-Coach“). Die C-Lizenz selbst umfasst 120 Lerneinheiten – 40 aus dem Basis-Coach plus 80 im gewählten Profil Kinder, Jugend oder Erwachsene (so beschreiben es die Landesverbände, z. B. der Bremer Fußball-Verband).
    • DFB-Junior-Coach: für Schülerinnen und Schüler ab 15 Jahren, 40 Lerneinheiten an Kooperationsschulen der Landesverbände, laut DFB-Akademie „als Teil der C-Lizenz … zugleich der Einstieg ins Lizenzsystem“ (Quelle: dfb-akademie.de, „DFB-Junior-Coach“).

    Österreich (ÖFB): D-Diplom beim Landesverband

    Die frühere Kindertrainer-Ausbildung heißt heute ÖFB-D-Diplom und ist in der seit 1. Juli 2026 geltenden ÖFB-Ausbildungsstruktur die erste Stufe vor dem UEFA-C-Diplom. Sie umfasst 40 Unterrichtseinheiten, setzt ein Mindestalter von 16 Jahren voraus und endet mit sechs Monaten Praxis im Kindertraining bis U12 und einer Prüfung. Durchgeführt wird sie von den Landesverbänden. Beispiel Vorarlberg: Für den Kurs des VFV verlangt der Verband Erste-Hilfe-Nachweis, Strafregisterbescheinigung inklusive Kinder- und Jugendfürsorge (je nicht älter als 3 Monate), ein ärztliches Attest und die Vereinszugehörigkeit (Quelle: kinderfussball.vfvapps.at). Plane die Nachweise früh ein – sie sind häufig der Grund, warum ein Kursstart verpasst wird.

    Schweiz (SFV): D-Diplom mit Jugend+Sport

    Der SFV bildet gemeinsam mit Jugend+Sport (J+S) und den Regionalverbänden aus. Das D-Diplom für G-, F- und E-Junioren entspricht dem J+S-Leiterkurs Fussball Kindersport: Es setzt ein Mindestalter von 17 Jahren und den Einsteigerkurs voraus und dauert sechs Tage (als Block, 2 × 3 oder 3 × 2 Tage). Wer es hat, besucht alle zwei Jahre ein Fortbildungsmodul. Nach einem Jahr im Kinderfussball führt ein zweitägiger Einführungskurs zum C-Basic (J+S-Leiter Jugendsport). Jüngere Helfer unter 17 setzt du in der Schweiz deshalb zunächst als Assistenten ein. Die konkreten Termine findest du bei deinem Regionalverband oder im J+S-Kursplan (Quelle: football.ch, Kinder- und Schulfussball, Aus- und Weiterbildung).

    Welche Stufe für wen sinnvoll ist und was die Kurse kosten, haben wir in Trainerschein im Kinderfußball - Alle Infos zusammengefasst; passende Termine und Fortbildungen findest du über DFB/ÖFB/SFV Fortbildungen finden: so geht's. Für den Verein heißt das praktisch: Nimm die Kursgebühr in die Toolbox-Planung auf und melde neue Trainer im ersten halben Jahr an – dann fällt die Zusage leichter.

    Praktische Beispiele: So kann Nachfolge im Verein aussehen

    Manchmal hilft ein konkretes Bild. Drei typische Modelle, die im Kinderfußball gut funktionieren:

    Modell A: Eltern-Coach mit „Trainingspaket“

    • Ein Elternteil übernimmt offiziell als Trainer
    • Der Verein stellt 8–12 fertige Einheiten als Startpaket
    • Ein Mentor begleitet die ersten 4 Wochen

    Vorteil: schneller Einstieg, wenig Überforderung.

    Modell B: Zwei Co-Trainer teilen sich die Woche

    • Co-Trainer 1 leitet Einheit A
    • Co-Trainer 2 leitet Einheit B
    • Spieltag wird rotiert (oder gemeinsam)

    Vorteil: weniger Zeitdruck, höhere Verlässlichkeit.

    Modell C: U19/Junioren als Trainer-Assistenten

    • Ältere Spieler helfen 1x pro Woche bei den Bambini/F-Jugend
    • Fokus auf Vorzeigen, Mitspielen, Motivation
    • Ein Erwachsener bleibt verantwortlich

    Vorteil: Nachwuchs aus dem Verein, Vorbilder für Kinder, Bindung.

    Merke: Jugendliche unter 18 setzt du grundsätzlich als Helfer ein. Eine Gruppe allein leiten sollten sie nur, wenn ein erfahrener Erwachsener erreichbar und in der Nähe ist, die Eltern schriftlich zugestimmt haben, der Vorstand sie beauftragt hat und sie für die Aufgabe geeignet sind. Mehr zu den Pflichten findest du unter Aufsichtspflicht beim Training.

    Für dieses Modell gibt es mit dem DFB-Junior-Coach (ab 15 Jahren, siehe oben) sogar eine passende Qualifikation, die Jugendliche über die Schule erwerben können. Wie du Jugendliche gezielt ansprichst, begleitest und in echte Trainerrollen entwickelst, zeigt Junior-Coaches aufbauen: Jugendliche als Trainer gewinnen und fördern.

    Worauf du als Verein bei Einsteigern achten solltest

    Einsteiger machen Fehler – das ist normal. Entscheidend ist, welche Fehler du vermeidbar machst.

    Achte besonders auf:

    • Überfrachtete Taktik: Kinder brauchen Spiel, nicht Theorie
    • Zu lange Erklärungen: lieber kurz zeigen, dann spielen lassen
    • Zu große Gruppen ohne Struktur: Stationen oder Kleingruppen helfen
    • Ungeregelte Elternrolle: klare Linien (Coaching nur durch Trainerteam)

    Eine gute Leitfrage für neue Trainer: „Hatten die Kinder heute viele Ballkontakte und Spaß am Spiel?“ Wenn ja, war es meistens ein gutes Training.

    Formalien für neue Trainer: Führungszeugnis, Ehrenkodex und Kommunikationsregeln

    Bevor ein neuer Trainer allein mit Kindern arbeitet, sollte der Verein die Formalien geklärt haben. Das schützt die Kinder und gibt dem Einsteiger die Sicherheit, dass von Anfang an alles sauber läuft.

    Deutschland: das erweiterte Führungszeugnis

    • Wer es braucht: Ein Gesetz, das jedem Sportverein das erweiterte Führungszeugnis für alle Trainer vorschreibt, gibt es nicht. Nach § 72a SGB VIII schließen die Jugendämter Vereinbarungen mit Vereinen, und darin steht, welche Tätigkeiten eine Einsicht erfordern. Hat dein Verein keine solche Vereinbarung, empfiehlt die Deutsche Sportjugend (dsj), die Einsicht freiwillig über Schutzkonzept oder Satzung vorzusehen. Der Abschluss einer solchen Vereinbarung ist laut dsj vielfach Voraussetzung für kommunale Jugendfördermittel.
    • Welche Tätigkeiten es betrifft: Das dsj-Prüfschema bewertet Art, Intensität und Dauer des Kontakts. Einzeltraining, Körperkontakt, Fahrten im eigenen Auto zu Spielen, Umkleiden und Duschen sowie regelmäßige Gruppen gelten als höheres Gefährdungspotenzial, bei Übernachtungen empfiehlt die dsj die Einsicht generell. Wer jede Woche dieselbe Kindermannschaft betreut, erfüllt also schon mehrere dieser Kriterien. Für die Kassenführung ohne Kinderkontakt kann der Verein das Zeugnis dagegen nicht verlangen.
    • So läuft der Antrag: Der Verein stellt eine schriftliche Aufforderung aus und bestätigt darin, dass das Zeugnis für eine Tätigkeit mit Minderjährigen benötigt wird. Damit beantragt die Person es selbst bei der Meldebehörde, zugeschickt wird es nur an sie. Beantragen kann man es ab 14 Jahren, das ist wichtig für jugendliche Co-Trainer und Junior-Coaches.
    • Kosten: Regulär 13 Euro. Für eine ehrenamtliche Tätigkeit in einem gemeinnützigen Verein entfällt die Gebühr, der Verein bestätigt dafür das Ehrenamt. Für bezahlte Trainer, etwa auf Honorar- oder Minijob-Basis, gilt die Befreiung nicht.
    • Datenschutz: Der Verein darf nur drei Angaben speichern: dass Einsicht genommen wurde, das Datum des Zeugnisses und ob eine einschlägige Verurteilung vorliegt. Kopien gehören nicht in die Vereinsakten. Die Angaben sind spätestens sechs Monate nach dem Ende der Tätigkeit zu löschen, und sofort, wenn jemand die Tätigkeit gar nicht erst aufnimmt.
    • Erneuern: Eine gesetzliche Frist gibt es nicht. Die dsj empfiehlt, das Zeugnis spätestens alle fünf Jahre erneut vorlegen zu lassen. Bei der Einsicht soll es nicht älter als drei Monate sein.

    Reicht die Zeit vor dem ersten Einsatz nicht, empfiehlt die dsj als Übergang eine Selbstauskunft oder Selbstverpflichtungserklärung. Verweigert jemand die Vorlage strikt, soll der Verein von der Beauftragung absehen. Zusätzlich kann der Verein die Unterschrift unter einen Ehrenkodex verlangen, braucht dafür aber eine Grundlage in Satzung, Ordnung oder Vereinbarung. Wichtig zur Einordnung: Das Führungszeugnis zeigt nur rechtskräftige Verurteilungen. Es ist ein Baustein eines Schutzkonzepts, keine Garantie. Antrag, Vorlage und Dokumentation erklärt der Ratgeber zum erweiterten Führungszeugnis im Verein Schritt für Schritt.

    Für den Trainingsalltag gelten im DFB-Bereich außerdem die „Richtlinien im Umgang mit Kindern und Jugendlichen“ (Anhang VIII der DFB-Jugendordnung, nach § 9 Nr. 4 im Kinder- und Jugendfußball zu beachten). Sie sehen zum Beispiel vor, mit einzelnen Kindern nicht per Messenger oder in sozialen Netzwerken über private Themen ohne Bezug zum Trainings- und Spielbetrieb zu schreiben. Solche Regeln gehören in die Einarbeitung jedes neuen Trainers und in die Toolbox. Eine fertige Vorlage dafür bietet der Verhaltenskodex für Trainer im Kinderfußball.

    Österreich und Schweiz

    • Österreich: Das Gegenstück heißt „Strafregisterbescheinigung Kinder- und Jugendfürsorge“. Dem Antrag liegt eine schriftliche Aufforderung des Vereins bei, die bestätigt, dass die Bescheinigung für eine Tätigkeit mit Minderjährigen benötigt wird, auch bei ehrenamtlicher Arbeit. Für den VFV-Kindertrainerkurs ist sie ohnehin Zulassungsvoraussetzung (siehe oben).
    • Schweiz: Für Tätigkeiten mit regelmäßigem Kontakt zu Minderjährigen gibt es den Sonderprivatauszug aus dem Strafregister. Trainerinnen und Trainer in einem Kinder-Sportverein werden dabei ausdrücklich genannt. Nötig ist eine schriftliche, unterschriebene Bestätigung des Vereins.

    Merke: Kläre Führungszeugnis bzw. Strafregisterauszug, Ehrenkodex und Kommunikationsregeln, bevor ein neuer Trainer allein mit Kindern arbeitet. In Deutschland ist das Zeugnis für Ehrenamtliche in gemeinnützigen Vereinen gebührenfrei. Lege die Vorlage für die schriftliche Aufforderung des Vereins deshalb gleich in die Toolbox.

    Aufwandsentschädigung: Was der Verein steuerfrei zahlen darf

    Geld ist im Kinderfußball selten der Grund, Trainer zu werden – aber eine faire Aufwandsentschädigung nimmt vielen die Hürde, sich für Jahre zu verpflichten. Was erlaubt ist, regeln die Staaten unterschiedlich:

    • Deutschland – Übungsleiterfreibetrag: Einnahmen aus einer nebenberuflichen Tätigkeit als Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher oder Betreuer für einen gemeinnützigen Verein sind bis zu 3.300 Euro im Jahr steuerfrei (§ 3 Nr. 26 EStG, Quelle: gesetze-im-internet.de). Für organisatorische Aufgaben ohne Trainerfunktion – etwa den „Organisator“ aus Schritt 2 – gilt die Ehrenamtspauschale von 960 Euro im Jahr (§ 3 Nr. 26a EStG). Beide Beträge sind personenbezogen: Sie gelten pro Person und Jahr, nicht pro Verein. Für dieselbe Tätigkeit lassen sie sich nicht kombinieren. Wer als Trainer bereits die Übungsleiterpauschale nutzt, bekommt dafür nicht zusätzlich die Ehrenamtspauschale.
    • Deutschland – Haftung: Auch das nimmt neuen Trainern eine Sorge. Vereinsmitglieder, die unentgeltlich oder für höchstens 3.300 Euro im Jahr für den Verein tätig sind, haften dem Verein seit 1. Januar 2026 nur bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit (§ 31b BGB). Werden sie von Dritten in Anspruch genommen, können sie in diesen Grenzen vom Verein Freistellung verlangen.
    • Österreich – pauschale Reiseaufwandsentschädigung (PRAE): Gemeinnützige Sportvereine dürfen Sportbetreuern wie Trainern bis zu 120 Euro pro Einsatztag und maximal 720 Euro pro Kalendermonat steuerfrei auszahlen. Der Verein muss die Auszahlungen bis Ende Februar des Folgejahres dem Finanzamt melden (Quelle: sportaustria.at, „Pauschale Reiseaufwandsentschädigung“). Ob die Beträge auch sozialversicherungsfrei sind, klärst du für deinen Fall mit Sport Austria oder deinem Landesverband.
    • Schweiz: Hier gibt es keine bundesweit einheitliche Pauschale wie in Deutschland oder Österreich; kläre Entschädigungen mit deinem Regionalverband und dem kantonalen Steueramt, bevor du sie zusagst.

    Wichtig für die Nachfolgeplanung: Sprich das Thema vor der Zusage offen an – ob 0 Euro, Fahrtkosten oder eine Pauschale. Nichts frustriert neue Trainer mehr als der Eindruck, dass andere im Verein „irgendwie doch etwas bekommen“.

    Übergabe-Checkliste: Wenn ein Trainer aufhört

    Damit beim Wechsel nichts verloren geht, gehst du die Übergabe am besten gemeinsam mit dem scheidenden Trainer durch:

    • Abschied und Nachfolge früh ankündigen, ideal mit ein bis zwei gemeinsamen Einheiten von bisherigem und neuem Trainer
    • Trainingspläne, Lieblings-Spielformen und Notizen zur Gruppe in die Toolbox legen
    • Kurzprofil des Teams übergeben: Stärken, Entwicklungsziele, Besonderheiten einzelner Kinder (nur, was fürs Training nötig ist)
    • Zugänge übertragen: Eltern-Gruppe, Spielplan- und Vereinsportale, Hallenzeiten
    • Material zählen und übergeben: Bälle, Leibchen, Hütchen, Schlüssel, Erste-Hilfe-Tasche
    • Eltern informieren: wer übernimmt, ab wann und wie die neue Person erreichbar ist
    • Formalien der Nachfolge klären: Führungszeugnis, Ehrenkodex, Kursanmeldung
    • Gespeicherte Angaben zum Führungszeugnis des scheidenden Trainers spätestens sechs Monate nach dem Ende löschen
    • Danke sagen, sichtbar und persönlich

    Fazit: Nachfolge gelingt, wenn du sie planst und vereinfachst

    Trainer-Nachwuchs aufzubauen ist kein einmaliges Projekt, sondern ein System: früh ansprechen, Rollen klein machen, begleiten, Wissen sichern und Anerkennung zeigen. So schaffst du eine Kultur, in der neue Trainer nicht ins kalte Wasser springen müssen – und in der Kinder langfristig verlässlich trainieren können.

    Wenn du heute startest, reichen oft schon zwei Schritte: eine konkrete Co-Trainer-Rolle definieren und eine Person gezielt ansprechen. Denn Nachfolge beginnt nicht mit der perfekten Lösung, sondern mit dem ersten klaren Angebot.

    Häufig gestellte Fragen

    Setze auf gezielte Ansprache und klar definierte Mini-Rollen statt allgemeiner Aufrufe. Wenn du z. B. konkret um 10 Minuten Aufwärmen, Hilfe beim Aufbau oder die Organisation der Anwesenheit bittest, wirkt das machbar. Eine Probephase von vier bis sechs Wochen und ein Mentor im Hintergrund machen die Zusage leichter, weil niemand sofort allein ein Team übernehmen muss.

    Der beste Einstieg ist fast immer die Co-Trainer-Rolle mit Begleitung. Neue Trainer können erst mitlaufen, dann einzelne Bausteine übernehmen (Aufwärmen, eine Spielform, Station). Eine feste Trainings-Schablone (Ankommen – Aufwärmen – Schwerpunkt – Spielform – Abschluss) gibt Sicherheit und verhindert Überforderung.

    Trainer bleiben eher, wenn das Ehrenamt planbar und unterstützt ist: Aufgaben aufteilen, feste Zeitmodelle anbieten, Fortbildungen ermöglichen, Material und Trainingsideen bereitstellen und regelmäßige kurze Check-ins etablieren. Sichtbare Anerkennung (Trainerabend, Dank, kleine Benefits) stärkt zusätzlich die Bindung.

    Für die Rolle als Helfer oder Co-Trainer keine. Wer ein Team eigenständig leiten soll, startet in Deutschland am besten mit dem Kindertrainer*in-Zertifikat des DFB (20 Lerneinheiten, 2 Präsenztage plus 3 Onlinephasen, Anmeldung über den Landesverband) oder dem DFB-Basis-Coach (40 Lerneinheiten, erster Baustein der C-Lizenz). In Österreich bieten die Landesverbände das ÖFB-D-Diplom an (früher Kindertrainerdiplom, 40 Unterrichtseinheiten, ab 16 Jahren), in der Schweiz führt der Weg über das D-Diplom mit Jugend+Sport (ab 17 Jahren). Jugendliche ab 15 können in Deutschland den DFB-Junior-Coach über die Schule machen.

    Ja, in klaren Grenzen. In Deutschland sind bis zu 3.300 Euro im Jahr als Übungsleiterfreibetrag steuerfrei (§ 3 Nr. 26 EStG), für rein organisatorische Aufgaben gilt die Ehrenamtspauschale von 960 Euro. In Österreich dürfen gemeinnützige Vereine über die pauschale Reiseaufwandsentschädigung bis zu 120 Euro pro Einsatztag und 720 Euro pro Monat steuerfrei zahlen, müssen die Beträge aber jährlich melden. Sprich das Thema vor der Zusage offen an, damit keine Gerüchte über Ungleichbehandlung entstehen.

    Ein Gesetz, das es jedem Sportverein für alle Trainer vorschreibt, gibt es nicht. Ob und für wen es nötig ist, regelt die Vereinbarung des Vereins mit dem Jugendamt nach § 72a SGB VIII oder das eigene Schutzkonzept. Ohne Vereinbarung empfiehlt die Deutsche Sportjugend, die Einsicht freiwillig vorzusehen. Für Ehrenamtliche in gemeinnützigen Vereinen ist das Zeugnis gebührenfrei, den Antrag stellt die Person selbst mit einer schriftlichen Aufforderung des Vereins. In Österreich heißt das Gegenstück Strafregisterbescheinigung Kinder- und Jugendfürsorge, in der Schweiz Sonderprivatauszug.

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