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    A-Jugend Training: Wettkampfsteuerung & Mentalität

    In der A-Jugend entscheiden Wettkampfsteuerung und Mentalität oft über Konstanz am Wochenende. Mit einem einfachen Wochenmodell, Belastungs-Checks und spielnahen Mental-Formaten trainierst du stabiler und zielgerichteter.

    Tobias Brenner
    12. Jan. 2026
    Aktualisiert: 12. Jan. 2026
    7 Min.

    Die A-Jugend ist die Phase, in der Fußball plötzlich „ernst“ wird: Sichtungen, Leistungsdruck, erste Herren-Trainings, Schule, Ausbildung – und am Wochenende zählt das Ergebnis. Genau hier entscheidet sich oft, ob ein Team stabil performt oder zwischen Topspiel und Totalausfall schwankt. Wettkampfsteuerung (also die kluge Planung von Belastung und Erholung rund ums Spiel) und eine starke Mentalität sind im U18/U19 Training deshalb keine Extras, sondern Grundlagen. Wie steuerst du Intensität, ohne die Jungs „leer“ zu trainieren? Und wie entwickelst du mentale Stärke, ohne dass es nach Psychologie-Seminar klingt?

    Was „Wettkampfsteuerung“ in der A-Jugend wirklich bedeutet

    Wettkampfsteuerung heißt: Du planst Training und Regeneration so, dass dein Team am Spieltag frisch, fokussiert und belastbar ist. In der A-Jugend ist das besonders wichtig, weil:

    • Wachstumsschübe und unterschiedliche körperliche Entwicklung parallel laufen
    • Schulstress, Prüfungen und Schlafmangel stark schwanken
    • viele Teams 2–4x pro Woche trainieren plus Spiel (manchmal Doppelbelastung)
    • die Intensität im Spiel deutlich höher ist als in jüngeren Jahrgängen

    Wichtig: Wettkampfsteuerung ist nicht „weniger trainieren“. Es ist besser dosieren.

    Beginner-Grundregel: Intensität schlägt Dauer

    Im U18/U19 Training bringt eine Einheit mit klaren, intensiven Aktionen oft mehr als lange „Dauerläufe mit Ball“. Für die Wettkampfsteuerung gilt:

    • Hohe Intensität eher zu Wochenbeginn
    • Taktik & Standards eher spielnah
    • Regeneration konsequent einplanen

    Frage an dich: Wirkt dein Team am Samstag manchmal müde, obwohl „eigentlich“ gut trainiert wurde? Dann ist oft nicht die Motivation das Problem – sondern die Belastungsverteilung.

    Ein einfaches Wochenmodell (1 Spiel am Wochenende)

    Hier ein praxistaugliches Modell für Anfänger im Bereich Wettkampfplanung. Passe es an deinen Spieltag (Samstag/Sonntag) an.

    1) Tag nach dem Spiel (MD+1): Regeneration & „Reset“

    Ziel: Körper runterfahren, Kopf frei bekommen.

    • 10–15 Min. lockeres Mobilisieren, Lauf-ABC light
    • Regeneratives Spielformat: 5v5/6v6, kurze Felder, niedrige Intensität
    • 5–10 Min. Atem-/Fokus-Routine (kurz, alltagstauglich)
    • Optional: Video-Clips nur als „2 Dinge gut, 1 Ding verbessern“

    Merke: In der A-Jugend ist MD+1 auch mental wichtig. Ein „Reset“ verhindert, dass ein schlechtes Spiel die ganze Woche vergiftet.

    2) Zwei bis drei Tage vor dem Spiel (MD-3/MD-2): Hauptbelastung

    Ziel: Intensität, Wiederholungen, Wettkampfnähe.

    Inhalte, die gut passen:

    • Kleine Spielformen (z. B. 4v4 + 2 Joker) mit klaren Regeln
    • Umschaltmomente (Ballgewinn → 6 Sekunden auf Tor)
    • Positionsspezifische Sprints (Außenbahn, Stürmer-Tiefenläufe)
    • Zweikampf- und Pressing-Auslöser (Trigger)

    Dosierung:

    • 3–5 Blöcke à 4–6 Minuten
    • dazwischen 2–3 Minuten aktive Pause
    • Intensität hoch, Gesamtumfang moderat

    Tipp: Wenn du Themen wie Absicherung nach Ballverlust trainierst, hilft ein klarer Begriff wie Restverteidigung (Absicherung hinter dem Ball). Eine einfache Erklärung findest du auch in unserem Artikel zur Restverteidigung einfach erklärt (U12+) – das Prinzip bleibt in der A-Jugend gleich, nur die Geschwindigkeit steigt.

    3) Tag vor dem Spiel (MD-1): Schärfen statt ermüden

    Ziel: Sicherheit, Automatismen, Selbstvertrauen.

    • Aktivierung, kurze Sprints (3–6 Wiederholungen)
    • 8–12 Minuten Standards (Ecken, Freistöße, Einwürfe)
    • Abschlussformen mit hoher Qualität, wenig Volumen

    Ein Klassiker: Torschuss aus der Bewegung – spielnah, motivierend, aber gut steuerbar. Nutze dazu passende Ablaufideen aus Torschuss aus der Bewegung.

    Wichtig: MD-1 ist kein Tag für „Strafläufe“ oder harte Intervallserien. Müdigkeit am Spieltag ist fast immer teurer als ein „zusätzliches Fitnessplus“.

    Wettkampfsteuerung in der Praxis: So erkennst du Überlastung früh

    In der A-Jugend sind nicht alle gleich belastbar. Du brauchst einfache Marker, die ohne Leistungsdiagnostik funktionieren.

    3 schnelle Checks (ohne Geräte)

    • Schlaf-Check: „Wie viele Stunden?“ + „Wie erholt fühlst du dich (1–5)?“
    • Muskelkater/Schmerz-Check: „Wo zieht’s?“ (besonders Hüfte, Knie, Schienbein)
    • Kopf-Check: „Wie voll ist der Kopf heute?“ (Schule/Stress)

    Wenn mehrere Spieler gleichzeitig „rot“ melden, reduziere:

    • Spielfelddauer (kürzere Blöcke)
    • Kontaktzahl (mehr freie Kontakte, weniger Dauerdruck)
    • Zweikampfhärte (mehr taktische statt brutale Duelle)

    Belastung steuern über Regeln

    Du kannst Intensität lenken, ohne ständig zu stoppen:

    • 2-Kontakt-Regel erhöht Tempo und mentale Belastung
    • Joker reduzieren Zweikampfdruck und helfen bei müden Spielern
    • Feldgröße: kleiner = mehr Aktionen/Stress, größer = mehr Laufwege/Tempo

    Mentalität im U18/U19 Training: Was wirklich trainierbar ist

    „Mentalität“ klingt oft nach Schlagwort. Im Alltag meint es aber konkrete Fähigkeiten:

    • Umgang mit Fehlern (weitermachen statt diskutieren)
    • Druck aushalten (z. B. Führung verteidigen)
    • Kommunikation (fordern, coachen, Verantwortung übernehmen)
    • Selbststeuerung (Atmung, Fokus, Routinen)

    Die gute Nachricht: Das lässt sich im Training anbahnen – nicht durch Vorträge, sondern durch Wettkampfsituationen mit klaren Aufgaben.

    Mentale Mini-Tools, die sofort funktionieren

    • Reset-Wort: Ein Teamcode wie „Nächste Aktion!“ nach Fehlern
    • 3-Sekunden-Regel: Ärgern ja – aber nur kurz, dann Blick nach vorn
    • Atemanker: 1 tiefer Atemzug vor Standards/Elfer/Anstoß

    Frage: Wie oft siehst du nach Gegentoren hängende Köpfe? Genau dort ist Mentaltraining am sichtbarsten.

    Trainingsbeispiele: Wettkampfmentalität in Spielformen einbauen

    Du brauchst keine extra „Mental-Einheit“. Baue mentale Anforderungen in Spielformen ein.

    Beispiel 1: „Führung verteidigen“ (Spielstands-Training)

    Format: 8v8/9v9 auf halbem Feld

    Regeln:

    • Team A führt 1:0, Team B hat 8 Minuten Zeit
    • Nach Ballgewinn muss Team A 5 Pässe schaffen ODER auf Kontertor abschließen
    • Team B bekommt Bonuspunkt, wenn es innerhalb von 10 Sekunden nach Ballgewinn zum Abschluss kommt

    Coachingpunkte:

    Beispiel 2: „Fehler sind erlaubt“ (Mut & Risiko)

    Format: 6v6 + 2 Joker

    Regeln:

    • Tor zählt doppelt nach einem mutigen Pass durch eine „Linie“
    • Ballverlust nach Risikopass wird nicht kritisiert, nur die Reaktion zählt

    Ziel:

    • Spieler trauen sich Entscheidungen zu
    • Fokus auf Umschalten statt Schuldzuweisung

    Beispiel 3: „Druckmoment“ (letzte 3 Minuten)

    Format: Abschlussspiel 10–12 Minuten

    Regeln:

    • In den letzten 3 Minuten zählt jedes Tor doppelt
    • Trainer gibt Spielstand vor (z. B. „ihr liegt 0:1 hinten“)

    So trainierst du:

    • Stressresistenz
    • klare Rollen (Wer übernimmt Standards? Wer gibt Kommandos?)

    Kommunikation: So stärkst du Mentalität ohne Dauermotivation

    In der A-Jugend wirken leere Parolen selten. Besser: konkret, kurz, verbindlich.

    • Statt „Seid wacher!“ → „Erster Kontakt nach vorn, sofort Tiefenlauf!“
    • Statt „Mehr Wille!“ → „Nach Ballverlust 5 Sekunden Gegenpressing!“
    • Statt „Reißt euch zusammen!“ → „Reset-Wort, nächste Aktion!“

    Halte Feedback in drei Schritten:

    • Beobachtung (was war?)
    • Wirkung (was passiert dadurch?)
    • Aufgabe (was jetzt?)

    Fazit: A-Jugend Training gewinnt durch kluge Steuerung und klare Köpfe

    Im A-Jugend Training (U18/U19 Training) entscheidet nicht nur die Qualität der Übungen, sondern vor allem die Wettkampfsteuerung: richtige Intensität zur richtigen Zeit, Regeneration ernst nehmen und Überlastung früh erkennen. Kombinierst du das mit alltagstauglichem Mentalen Training im Fußball – Reset-Routinen, Spielstands-Formate, klare Kommunikation – entsteht ein Team, das auch unter Druck stabil bleibt. Und genau das bringt am Wochenende Punkte.

    FAQ: Wettkampfsteuerung & Mentalität in der A-Jugend

    Wie viele harte Einheiten pro Woche sind in der A-Jugend sinnvoll?

    Meist reichen 1–2 intensive Einheiten (hohe Intensität, kurze Blöcke) plus eine spielnahe, eher „schärfende“ Einheit vor dem Spiel. Entscheidend ist nicht die Zahl, sondern ob dein Team am Spieltag frisch wirkt.

    Wie integrierst du mentales Training, ohne dass es „komisch“ wirkt?

    Nutze Routinen und Regeln in Spielformen: Reset-Wort nach Fehlern, Spielstands-Training („Führung verteidigen“), letzte-3-Minuten-Regeln. So trainierst du mentale Stärke automatisch im Fußballkontext.

    Woran erkennst du, dass die Belastung zu hoch ist?

    Typische Zeichen sind: viele kleine Beschwerden, ungewöhnlich viele Fehler im ersten Kontakt, schlechte Stimmung, fehlende Spritzigkeit und schwankende Konzentration. Nutze einfache Checks (Schlaf, Muskelkater/Schmerz, Stress) und reduziere bei Bedarf Umfang oder Zweikampfhärte.

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