Angreifen

    Angreifen: Breite & Tiefe in 4 einfachen Regeln

    Breite und Tiefe machen Angriffe im Kinderfußball sofort klarer und gefährlicher. Mit 4 einfachen Regeln, Coaching-Sätzen und Spielformen lernen Kinder, sich besser freizulaufen und Torchancen zu kreieren.

    fbTobias Brenner · aktualisiert 26. Okt. 2026 · 11 Min.
    Abb. 1 · Breite und Tiefe: Zwei Kinder stehen breit in den Außenbahnen, eines bietet sich versetzt kurz an, eines startet in die Tiefe hinter die Abwehr — so hat der Ballführende Optionen nach außen, kurz und vorn.

    Angreifen im Kinderfußball wirkt oft chaotisch: Alle wollen zum Ball, alle wollen schießen – und plötzlich steht ihr im Pulk. Kommt dir das bekannt vor? Genau hier helfen zwei einfache Begriffe, die jedes Kind schnell versteht: Breite (auseinanderziehen) und Tiefe (nach vorne denken). Wenn dein Team diese beiden Prinzipien im Angriff nutzt, entstehen automatisch mehr Pässe, mehr Dribblings in freien Räumen und mehr Torchancen.

    In diesem Artikel bekommst du 4 einfache Regeln, mit denen Kinder von der F- bis zur D-Jugend Breite und Tiefe sofort anwenden können – ohne Taktik-Vortrag, aber mit klaren Bildern, Coaching-Sätzen und kleinen Spielformen.

    Warum „Breite und Tiefe“ im Kinderfußball so wichtig sind

    Kinder bis etwa zur E-Jugend orientieren sich stark am Ball. Das ist normal – und sogar gut, weil es Spielintelligenz über viele Ballaktionen entwickelt. Trotzdem brauchst du ein Gegengewicht: einfache Spielprinzipien, die Ordnung schaffen, ohne die Kreativität zu bremsen.

    Breite und Tiefe sorgen für:

    • mehr Platz am Ball (weniger Gegnerdruck)
    • mehr Passlinien (Anspielstationen rechts/links/vorne)
    • klarere Rollen: Wer hilft kurz? Wer startet tief?
    • bessere Entscheidungen: Dribbling, Pass oder Abschluss werden leichter

    Und das Beste: Du kannst es in jedem Format trainieren – vom 3-gegen-3 bis zum 7-gegen-7. Im Funino auf vier Minitore entsteht Breite schon durch die zwei Tore pro Seite; ab dem 5-gegen-5 musst du sie aktiver einfordern.

    Die 4 einfachen Regeln für Breite & Tiefe im Angriff

    Die Regeln sind bewusst kurz. Kinder merken sie sich leichter, wenn du sie immer wieder im Spiel einfrierst („Freeze“) und mit einem Satz korrigierst.

    Regel 1: „Mach das Feld groß!“ (Breite geben)

    Kernaussage: Wenn dein Team den Ball hat, sollen mindestens zwei Kinder breit stehen – nahe an den Seitenlinien bzw. an den äußeren Korridoren.

    Warum? Weil Gegner dann Entscheidungen treffen müssen: Bleiben sie eng am Ball oder verteidigen sie die Außenbahn? Jede Entscheidung öffnet Räume.

    Coaching-Sätze für dich:

    • „Geh raus an die Linie – mach’s breit!“
    • „Wenn du breit stehst, bist du frei.“
    • „Nicht hinter dem Ball verstecken: außen anbieten.“

    Praxisbeispiel (5-gegen-5):

    • Ball ist zentral.
    • Zwei Kinder stehen breit rechts/links.
    • Ein Kind bietet sich kurz an.
    • Ein Kind startet in die Tiefe.

    So entsteht ein „Plus“ aus Anspielstationen.

    Typischer Fehler: Breite wird gegeben, aber zu nah am Ball (nur 2–3 Meter). Dann bleibt es eng.

    Mini-Korrektur: Markiere mit Hütchen zwei „Außenbahnen“ (je 2–3 Meter breit). Regel: „Wenn wir angreifen, gehört immer jemand in die Außenbahn.“

    Regel 2: „Einer geht immer tief!“ (Tiefe geben)

    Kernaussage: Sobald dein Team den Ball kontrolliert, braucht es eine Option nach vorne: ein Kind, das hinter die Abwehr startet oder sich zwischen Gegner und Tor anbietet.

    Tiefe heißt nicht „immer Sprint“. Tiefe heißt: Du bist eine Gefahr in Richtung Tor.

    Coaching-Sätze:

    • „Zeig dich hinter dem Gegner!“
    • „Geh in den Rücken der Abwehr!“
    • „Wenn du tief bist, ziehst du Gegner weg.“

    Praxisbeispiel (4-gegen-4):

    • Ballführendes Kind dribbelt an.
    • Ein Mitspieler startet tief.
    • Die Abwehr muss zurückweichen.
    • Dadurch wird der Raum vor dem Ball größer: Dribbling oder Pass wird leichter.

    Typischer Fehler: Alle kommen entgegen („kurz, kurz, kurz“). Dann fehlt die Tiefe, und der Gegner kann hoch pressen.

    Mini-Regel fürs Team: „Wenn zwei kurz kommen, muss einer tief gehen.“

    Regel 3: „Nicht in einer Linie – versetzt helfen!“ (Dreiecke bilden)

    Breite und Tiefe funktionieren erst richtig, wenn Kinder nicht auf einer Höhe stehen. Das Ziel: Dreiecke rund um den Ball.

    Warum sind Dreiecke so stark?

    • Du hast fast immer zwei Passoptionen.
    • Der Ball kann klatschen (kurzer Pass zurück) oder durchgesteckt werden.
    • Kinder lernen automatisch, sich freizulaufen: weg vom Gegner, in offene Passlinien.

    Coaching-Sätze:

    • „Nicht neben ihn – versetzt!“
    • „Mach ein Dreieck, dann geht’s leichter.“

    Einfaches Bild für Kinder:

    • „Stell dir vor, ihr seid drei Ecken von einem Dreieck – nicht drei in einer Reihe.“

    Pass-Dribbling-Entscheidung trainieren: In vielen Situationen entsteht ein 2-gegen-1. Dazu passt der Artikel Angriff im 2-gegen-1: Pass oder Dribbling? (U9+) – dort findest du klare Entscheidungshilfen, die du direkt mit Regel 3 verknüpfen kannst.

    Regel 4: „Nach Aktion sofort neu anbieten!“ (Weiterlaufen statt stehenbleiben)

    Viele Angriffe scheitern nicht am ersten Pass, sondern danach: Pass gespielt – und dann stehen Kinder. Die vierte Regel lautet deshalb:

    Nach Pass, Dribbling oder Torschuss: sofort wieder eine neue Position finden.

    Das ist der Motor für Breite und Tiefe: ständiges Nachrücken, Hinterlaufen, Freilaufen.

    Coaching-Sätze:

    • „Pass und geh!“
    • „Spiel – und werd wieder frei!“
    • „Bleib nicht stehen, such den nächsten Raum!“

    Praxisbeispiel:

    1. Kind A passt zu Kind B.
    2. Kind A läuft direkt in die Breite oder in die Tiefe (je nach Raum).
    3. Kind B hat sofort eine Anschlussoption.

    Verbindung zum Abschluss: Wenn aus diesen Bewegungen ein Schuss entsteht, hilft es enorm, Abschlüsse aus dem Lauf zu üben. Schau dir dafür Torschuss aus der Bewegung an – perfekt, um Angriffe dynamisch zu Ende zu spielen.

    Coaching-Methoden: So kommt die Botschaft bei Kindern an

    Die 4 Regeln wirken nur, wenn du sie kindgerecht vermittelst. Drei Methoden haben sich in der Praxis bewährt:

    Nutze Leitfragen statt Dauer-Kommandos

    Statt permanent „Breit!“ zu rufen, nutze kurze Fragen:

    • „Wo ist unser rechter Flügel?“
    • „Wer gibt Tiefe?“
    • „Stehen wir im Dreieck?“

    Kinder beginnen, selbst zu scannen – und finden die Lösung im Kopf, statt nur auf Zuruf zu reagieren.

    Arbeite mit Farb- und Rollenbildern

    • „Du bist heute unser Außenfahrer“ (Breite)
    • „Du bist unser Torjäger vorne“ (Tiefe)

    Wichtig: Rollen regelmäßig wechseln, damit alle lernen.

    Belohne das Verhalten, nicht nur das Ergebnis

    Wenn du nur Tore lobst, bleiben Kinder ballorientiert. Lobe gezielt:

    • guten Laufweg nach außen
    • Tiefenlauf im richtigen Moment
    • Pass in den freien Raum

    So erklärst du Breite & Tiefe kindgerecht (ohne Taktik-Chaos)

    Kinder lernen über Bilder und klare Wörter. Diese drei Merksätze funktionieren fast immer:

    • Breite: „Mach das Spielfeld groß.“
    • Tiefe: „Denk ans Tor – einer ist immer vorne.“
    • Versetzt: „Mach ein Dreieck.“

    Statt lange zu reden, nutze kurze Stopps:

    1. 5 Sekunden einfrieren
    2. 1 Frage stellen: „Wo ist unsere Breite?“
    3. 1 Lösung zeigen
    4. sofort weiterspielen

    4 kleine Spielformen, die Breite und Tiefe automatisch fördern

    Du brauchst keine komplizierten Übungen. Diese Spielformen funktionieren auch mit Einsteigern und bringen die Prinzipien fast von allein. Spiel sie in Runden von 3–4 Minuten mit 1 Minute Trinkpause; bei mehr Kindern baust du lieber zwei Felder nebeneinander auf, statt Wechselspieler lange warten zu lassen. Als Richtwert für die Feldgröße: 3-gegen-3 etwa 20x15 m, 4-gegen-4 etwa 25x20 m, 5-gegen-5 bis 6-gegen-6 etwa 35x25 m.

    1) Zonen-Spiel: „Außen zählt doppelt“ (4-gegen-4 bis 6-gegen-6)

    Aufbau: Markiere links und rechts je eine Außenbahn (2–3 Meter).

    Regel:

    • Ein Tor zählt nur, wenn der Ball im Angriff mindestens einmal über eine Außenbahn gespielt wurde, das heißt: Ein Kind hat ihn in der Außenbahn angenommen oder ist mit ihm hindurchgedribbelt.
    • Leichter: In der Außenbahn darf nicht angegriffen werden, das Kind dort hat Zeit.
    • Schwerer: Tore über die Außenbahn zählen doppelt, alle anderen einfach – so müssen die Kinder selbst abwägen, wann der Weg über außen lohnt.

    Effekt: Kinder suchen Breite, weil sie einen klaren Anreiz haben.

    2) Tiefen-Tor: „Steckpass zählt“ (3-gegen-3 bis 5-gegen-5)

    Aufbau: Hinter der Abwehrlinie markierst du eine „Tiefenzone“ (z. B. 5 Meter vor dem Tor).

    Regel:

    • Ein Punkt, wenn ein Pass in die Tiefenzone ankommt und dort kontrolliert wird.
    • Wichtig: Angreifer dürfen die Tiefenzone erst mit dem Pass betreten, nicht vorher darin warten. Sonst parken Kinder in der Zone, und genau der Tiefenlauf, um den es geht, fällt weg.
    • Nach dem Punkt darf das Kind direkt aufs Tor weiterspielen; ein Tor gibt einen Zusatzpunkt.

    Effekt: Kinder starten öfter in die Tiefe und lernen das Timing: Lauf und Pass müssen zusammenpassen.

    3) Dreiecks-Joker (4-gegen-4 + 2 Joker)

    Aufbau: Feld etwa 25x20 m ohne Tore. Zwei neutrale Joker in eigenen Leibchen spielen immer mit dem Team in Ballbesitz.

    Regel:

    • Ein Punkt für 3 Pässe am Stück, ohne dass der Gegner den Ball berührt.
    • Ein direkter Rückpass (A zu B, B sofort zurück zu A) zählt nicht mit – so muss ein drittes Kind versetzt anbieten.
    • Leichter: Joker dürfen unbegrenzt Kontakte machen. Schwerer: Joker haben nur zwei Kontakte, oder es braucht 4 Pässe.

    Coaching-Fokus:

    • „Versetzt stehen“ und „Pass und geh“ (Regel 3 und 4).

    Zusatz für Mut im 1 gegen 1: Wenn Kinder breit angespielt werden, entstehen viele Duelle außen. Dafür passt 1 gegen 1 als Angreifer: 8 Finten-Spiele (U10–U15) – ideal, um Breite im Angriff in echte Durchbrüche umzuwandeln.

    4) „Punkt vor Linie“ (4-gegen-4 oder 5-gegen-5)

    Aufbau: Lege in jeder Hälfte zwei Hütchen als „Punkte“ (z. B. halblinks/halbrechts).

    Regel:

    • Normales Spiel auf zwei Tore. Einen Bonuspunkt gibt es, wenn ein Kind an einem der Hütchen angespielt wird, den Ball dort mit offener Stellung annimmt und nach vorn weiterspielt oder -dribbelt.
    • Das Hütchen ist kein Standplatz: Wer länger als 3 Sekunden dort steht, macht den Punkt ungültig. Es zählt also der Lauf in den Raum, nicht das Warten.

    Coaching-Punkte:

    • Freilaufen erklären: „So laufen, dass du gesehen werden kannst.“
    • Körperstellung: offen stehen (seitlich), um nach vorne spielen zu können.

    Effekt: Kinder lernen versetztes Anbieten (Regel 3) – Dreiecke entstehen von allein statt einer Linie.

    Häufige Probleme – und schnelle Lösungen

    ProblemLösung
    „Alle rennen zum Ball.“Außenbahnen markieren + Regel 1 („Mach das Feld groß!“) konsequent einfordern.
    „Wir spielen nur quer, kommen nicht nach vorne.“Regel 2 („Einer geht tief!“) als Pflichtrolle vergeben: „Du bist heute unser Tiefenspieler.“
    „Nach dem Pass bleibt jeder stehen.“Bonuspunkt für „Pass und geh“: Tor zählt doppelt, wenn der Passgeber direkt wieder frei läuft.

    Fazit: 4 Regeln, die jeden Angriff sofort verbessern

    Breite und Tiefe im Fußball sind keine komplizierte Taktik – es sind einfache Orientierungshilfen. Wenn Kinder im Angriff breit stehen, eine Tiefe anbieten, versetzt Dreiecke bilden und nach jeder Aktion neu freilaufen, entstehen automatisch bessere Lösungen: mehr 2-gegen-1, mehr Dribblings in Raum, mehr Abschlüsse.

    Willst du, dass dein Team mutiger angreift und weniger im Pulk spielt? Dann starte im nächsten Training mit nur einer Regel – und baue Woche für Woche die nächste dazu. So werden aus „zufälligen Angriffen“ echte Spielprinzipien.

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    Häufig gestellte Fragen

    Viele Kinder können die Grundidee bereits ab der F-Jugend (U8/U9) verstehen, wenn du sie über einfache Bilder erklärst: „Mach das Feld groß“ (Breite) und „Einer ist vorne“ (Tiefe). In der E-Jugend (U10/U11) werden die Abläufe stabiler, weil Kinder besser antizipieren und sich bewusster freilaufen. Wichtig ist, nicht mit Positionsspiel zu überfrachten, sondern mit klaren Regeln und kleinen Spielformen zu arbeiten.

    Der häufigste Fehler ist „Pseudo-Breite“: Kinder stehen zwar außen, aber zu nah am Ball oder auf einer Linie mit dem Ballführenden. Dadurch bleibt der Gegnerdruck hoch und Passwege werden leicht zugestellt. Hilfreich sind markierte Außenkorridore und die klare Teamregel: Wenn wir angreifen, besetzen wir rechts und links die Breite – und zwar mit Abstand, damit echte Räume entstehen.

    Tiefe trainierst du am besten über Aufgaben statt Ansagen wie „Spiel nach vorne!“. Gib Punkte für ankommende Pässe in eine Tiefenzone oder für Läufe in den Rücken der Abwehr. So lernen Kinder, Tiefe als Angebot zu verstehen (Laufweg, Positionierung, Timing) und nicht als hektisches „Ball nach vorne“. Kombiniere das mit der Regel „Einer geht immer tief“, damit die Tiefe verlässlich besetzt ist.

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