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    Angreifen: Breite & Tiefe in 4 einfachen Regeln

    Breite und Tiefe machen Angriffe im Kinderfußball sofort klarer und gefährlicher. Mit 4 einfachen Regeln, Coaching-Sätzen und Spielformen lernen Kinder, sich besser freizulaufen und Torchancen zu kreieren.

    Tobias Brenner
    13. Jan. 2026
    Aktualisiert: 21. Jan. 2026
    8 Min.

    Angreifen im Kinderfußball wirkt oft chaotisch: Alle wollen zum Ball, alle wollen schießen – und plötzlich steht ihr im Pulk. Kommt dir das bekannt vor? Genau hier helfen zwei einfache Begriffe, die jedes Kind schnell versteht: Breite (auseinanderziehen) und Tiefe (nach vorne denken). Wenn dein Team diese beiden Prinzipien im Angriff nutzt, entstehen automatisch mehr Pässe, mehr Dribblings in freien Räumen und mehr Torchancen.

    In diesem Artikel bekommst du 4 einfache Regeln, mit denen Kinder (beginner) Breite und Tiefe sofort anwenden können – ohne Taktik-Vortrag, aber mit klaren Bildern, Coaching-Sätzen und kleinen Spielformen.

    Warum „Breite und Tiefe“ im Kinderfußball so wichtig sind

    Kinder in diesem Alter orientieren sich stark am Ball. Das ist normal – und sogar gut, weil es Spielintelligenz über viele Ballaktionen entwickelt. Trotzdem brauchst du ein Gegengewicht: Spielprinzipien im Angriff, die Ordnung schaffen, ohne die Kreativität zu bremsen.

    Breite und Tiefe im Fußball sorgen für:

    • mehr Platz am Ball (weniger Gegnerdruck)
    • mehr Passlinien (Anspielstationen rechts/links/vorne)
    • klarere Rollen: Wer hilft kurz? Wer startet tief?
    • bessere Entscheidungen: Dribbling, Pass oder Abschluss werden leichter

    Und das Beste: Du kannst es in jedem Format trainieren – vom 3-gegen-3 bis zum 7-gegen-7.

    Die 4 einfachen Regeln für Breite & Tiefe im Angriff

    Die Regeln sind bewusst kurz. Kinder merken sie sich leichter, wenn du sie immer wieder im Spiel einfrierst („Freeze“) und mit einem Satz korrigierst.

    Regel 1: „Mach das Feld groß!“ (Breite geben)

    Kernaussage: Wenn dein Team den Ball hat, sollen mindestens zwei Kinder breit stehen – nahe an den Seitenlinien bzw. an den äußeren Korridoren.

    Warum? Weil Gegner dann Entscheidungen treffen müssen: Bleiben sie eng am Ball oder verteidigen sie die Außenbahn? Jede Entscheidung öffnet Räume.

    Coaching-Sätze für dich:

    • „Geh raus an die Linie – mach’s breit!“
    • „Wenn du breit stehst, bist du frei.“
    • „Nicht hinter dem Ball verstecken: außen anbieten.“

    Praxisbeispiel (5-gegen-5):

    • Ball ist zentral.
    • Zwei Kinder stehen breit rechts/links.
    • Ein Kind bietet sich kurz an.
    • Ein Kind startet in die Tiefe.

    So entsteht ein „Plus“ aus Anspielstationen.

    Typischer Fehler: Breite wird gegeben, aber zu nah am Ball (nur 2–3 Meter). Dann bleibt es eng.

    Mini-Korrektur: Markiere mit Hütchen zwei „Außenbahnen“ (je 2–3 Meter breit). Regel: „Wenn wir angreifen, gehört immer jemand in die Außenbahn.“

    Regel 2: „Einer geht immer tief!“ (Tiefe geben)

    Kernaussage: Sobald dein Team den Ball kontrolliert, braucht es eine Option nach vorne: ein Kind, das hinter die Abwehr startet oder sich zwischen Gegner und Tor anbietet.

    Tiefe heißt nicht „immer Sprint“. Tiefe heißt: Du bist eine Gefahr in Richtung Tor.

    Coaching-Sätze:

    • „Zeig dich hinter dem Gegner!“
    • „Geh in den Rücken der Abwehr!“
    • „Wenn du tief bist, ziehst du Gegner weg.“

    Praxisbeispiel (4-gegen-4):

    • Ballführendes Kind dribbelt an.
    • Ein Mitspieler startet tief.
    • Die Abwehr muss zurückweichen.
    • Dadurch wird der Raum vor dem Ball größer: Dribbling oder Pass wird leichter.

    Typischer Fehler: Alle kommen entgegen („kurz, kurz, kurz“). Dann fehlt die Tiefe, und der Gegner kann hoch pressen.

    Mini-Regel fürs Team: „Wenn zwei kurz kommen, muss einer tief gehen.“

    Regel 3: „Nicht in einer Linie – versetzt helfen!“ (Dreiecke bilden)

    Breite und Tiefe funktionieren erst richtig, wenn Kinder nicht auf einer Höhe stehen. Das Ziel: Dreiecke rund um den Ball.

    Warum sind Dreiecke so stark?

    • Du hast fast immer zwei Passoptionen.
    • Der Ball kann klatschen (kurzer Pass zurück) oder durchgesteckt werden.
    • Kinder lernen automatisch freilaufen im Angriff: weg vom Gegner, in offene Passlinien.

    Coaching-Sätze:

    • „Nicht neben ihn – versetzt!“
    • „Mach ein Dreieck, dann geht’s leichter.“

    Einfaches Bild für Kinder:

    • „Stell dir vor, ihr seid drei Ecken von einem Dreieck – nicht drei in einer Reihe.“

    Pass-Dribbling-Entscheidung trainieren: In vielen Situationen entsteht ein 2-gegen-1. Dazu passt der Artikel Angriff im 2-gegen-1: Pass oder Dribbling? (U9+) – dort findest du klare Entscheidungshilfen, die du direkt mit Regel 3 verknüpfen kannst.

    Regel 4: „Nach Aktion sofort neu anbieten!“ (Weiterlaufen statt stehenbleiben)

    Viele Angriffe scheitern nicht am ersten Pass, sondern danach: Pass gespielt – und dann stehen Kinder. Die vierte Regel lautet deshalb:

    Nach Pass, Dribbling oder Torschuss: sofort wieder eine neue Position finden.

    Das ist der Motor für Breite und Tiefe: ständiges Nachrücken, Hinterlaufen, Freilaufen.

    Coaching-Sätze:

    • „Pass und geh!“
    • „Spiel – und werd wieder frei!“
    • „Bleib nicht stehen, such den nächsten Raum!“

    Praxisbeispiel:

    • Kind A passt zu Kind B.
    • Kind A läuft direkt in die Breite oder in die Tiefe (je nach Raum).
    • Kind B hat sofort eine Anschlussoption.

    Verbindung zum Abschluss: Wenn aus diesen Bewegungen ein Schuss entsteht, hilft es enorm, Abschlüsse aus dem Lauf zu üben. Schau dir dafür Torschuss aus der Bewegung an – perfekt, um Angriffe dynamisch zu Ende zu spielen.

    So erklärst du Breite & Tiefe kindgerecht (ohne Taktik-Chaos)

    Kinder lernen über Bilder und klare Wörter. Diese drei Merksätze funktionieren fast immer:

    • Breite: „Mach das Spielfeld groß.“
    • Tiefe: „Denk ans Tor – einer ist immer vorne.“
    • Versetzt: „Mach ein Dreieck.“

    Statt lange zu reden, nutze kurze Stopps:

    • 5 Sekunden einfrieren
    • 1 Frage stellen: „Wo ist unsere Breite?“
    • 1 Lösung zeigen
    • sofort weiterspielen

    3 kleine Spielformen, die Breite und Tiefe automatisch fördern

    Du brauchst keine komplizierten Übungen. Diese Spielformen sind beginner-tauglich und bringen die Prinzipien fast von allein.

    1) Zonen-Spiel: „Außen zählt doppelt“ (4-gegen-4 bis 6-gegen-6)

    Aufbau: Markiere links und rechts je eine Außenbahn (2–3 Meter).

    Regel:

    • Ein Tor zählt nur, wenn der Ball im Angriff mindestens einmal über eine Außenbahn gespielt wurde.

    Effekt: Kinder suchen Breite, weil sie einen klaren Anreiz haben.

    2) Tiefen-Tor: „Steckpass zählt“ (3-gegen-3 bis 5-gegen-5)

    Aufbau: Hinter der Abwehrlinie markierst du eine „Tiefenzone“ (z. B. 5 Meter vor dem Tor).

    Regel:

    • Ein Punkt, wenn ein Pass in die Tiefenzone ankommt (kontrolliert).

    Effekt: Kinder starten öfter in die Tiefe und erkennen Laufwege.

    3) Dreiecks-Joker (4-gegen-4 + 2 Joker)

    Aufbau: Zwei neutrale Joker spielen immer mit Ballbesitz-Team.

    Regel:

    • Ziel: mindestens 3 Pässe am Stück.

    Coaching-Fokus:

    • „Versetzt stehen“ und „Pass und geh“ (Regel 3 und 4).

    Zusatz für Mut im 1v1: Wenn Kinder breit angespielt werden, entstehen viele Duelle außen. Dafür passt 1v1 als Angreifer: 8 Finten-Spiele (U10–U15) – ideal, um Breite im Angriff in echte Durchbrüche umzuwandeln.

    Häufige Probleme – und schnelle Lösungen

    • Problem: „Alle rennen zum Ball.“
      Lösung: Außenbahnen markieren + Regel 1 („Mach das Feld groß!“) konsequent einfordern.

    • Problem: „Wir spielen nur quer, kommen nicht nach vorne.“
      Lösung: Regel 2 („Einer geht tief!“) als Pflichtrolle vergeben: „Du bist heute unser Tiefenspieler.“

    • Problem: „Nach dem Pass bleibt jeder stehen.“
      Lösung: Bonuspunkt für „Pass und geh“: Tor zählt doppelt, wenn der Passgeber direkt wieder frei läuft.

    Fazit: 4 Regeln, die jeden Angriff sofort verbessern

    Breite und Tiefe im Fußball sind keine komplizierte Taktik – es sind einfache Orientierungshilfen. Wenn Kinder im Angriff breit stehen, eine Tiefe anbieten, versetzt Dreiecke bilden und nach jeder Aktion neu freilaufen, entstehen automatisch bessere Lösungen: mehr 2-gegen-1, mehr Dribblings in Raum, mehr Abschlüsse.

    Willst du, dass dein Team mutiger angreift und weniger im Pulk spielt? Dann starte im nächsten Training mit nur einer Regel – und baue Woche für Woche die nächste dazu. So werden aus „zufälligen Angriffen“ echte Spielprinzipien.

    Häufig gestellte Fragen

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