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    Angreifen im 3v2: Laufwege & Entscheidungen (U10+)

    Das 3v2 ist die perfekte Überzahl-Situation für U10/U11: Kinder lernen Breite, Tiefe und kluge Entscheidungen. Mit einfachen Laufweg-Mustern und Spielformen entsteht schneller ein klarer Abschluss.

    Tobias Brenner
    19. Jan. 2026
    Aktualisiert: 19. Jan. 2026
    7 Min.

    Ein 3-gegen-2 ist im Kinderfußball eine der häufigsten und wichtigsten Überzahlsituationen: nach einem Ballgewinn, beim schnellen Umschalten oder wenn ein Verteidiger herausrückt. Für Kinder ab U10/U11 ist das perfekt, um Laufwege, Timing und Entscheidungen im Angriff spielnah zu lernen – ohne sie mit Taktik zu überfrachten. Die große Frage lautet: Wie nutzt dein Team die Überzahl so, dass am Ende ein klarer Abschluss entsteht und nicht nur „irgendwie“ der Ball nach vorne getragen wird?

    Warum 3v2 für U10+ so wertvoll ist

    Im 3v2 müssen Angreifer ständig abwägen: Dribbling oder Pass? Breite oder Tiefe? Schnell abschließen oder Gegner binden? Genau diese Entscheidungen machen später den Unterschied – und sie lassen sich in kleinen Spielformen hervorragend trainieren.

    Typische Lernziele bei „3 gegen 2 angreifen“:

    • Überzahl erkennen und mutig ausspielen
    • Laufwege im 3v2 automatisieren (Breite, Tiefe, Rückraum)
    • Kommunikation: Blickkontakt, Zuruf, Handzeichen
    • Technik unter Druck: erster Kontakt, Passschärfe, Mitnahme in den Raum
    • Abschlussqualität: saubere Entscheidung + guter Torschuss

    Wenn du Grundlagen im kleineren Rahmen suchst, passt als Vorstufe der Artikel zum Angriff im 2-gegen-1: Pass oder Dribbling? (U9+). Viele Prinzipien sind identisch – im 3v2 kommt nur ein Spieler und damit eine zusätzliche Option dazu.

    Grundprinzipien: So „liest“ du ein 3v2

    Einfacher Merksatz für Kinder: „Breit – Tief – Entscheiden.“

    1) Breite geben: den Block auseinanderziehen

    Mindestens ein Angreifer sorgt für Breite (Außenbahn). Warum? Zwei Verteidiger können nur kompakt verteidigen, wenn die Angreifer eng bleiben. Steht ein Spieler breit, entstehen:

    • größere Passfenster
    • längere Wege für den ballnahen Verteidiger
    • 1v1-Momente am Flügel

    Praxis-Tipp: Markiere mit Hütchen „Außenkorridore“. Kinder verstehen so visuell: Außen bleiben lohnt sich.

    2) Tiefe geben: den letzten Verteidiger binden

    Ein zweiter Angreifer startet in die Tiefe (Richtung Tor). Diese Tiefe zwingt die Verteidiger zu einer Entscheidung: mitgehen oder Raum geben? Genau dort entstehen die Chancen.

    Wichtig: Tiefe heißt nicht „blind rennen“. Der Laufweg muss anspielbar sein und im richtigen Moment kommen.

    3) Der dritte Spieler: Rückraum und Absicherung

    Der dritte Angreifer ist oft der „Entscheidungshelfer“:

    • bietet sich leicht versetzt hinter dem Ball an (Rückraum)
    • sichert einen Fehlpass ab
    • schafft den Winkel für den Querpass oder den Steckpass

    Kinder neigen dazu, alle gleichzeitig nach vorne zu sprinten. Deine klare Regel kann lauten: „Einer breit, einer tief, einer hinter dem Ball.“

    Laufwege im 3v2: Drei einfache Muster

    Kinder brauchen wiedererkennbare Muster, keine komplizierten Spielzüge. Diese drei Laufweg-Ideen funktionieren in fast jeder Spielform.

    Muster A: Außen binden, innen lösen

    1. Ballführender dribbelt leicht nach außen, um den Verteidiger zu ziehen.
    2. Außenspieler bleibt breit und bietet sich an.
    3. Tiefenspieler startet diagonal in den Zwischenraum.
    4. Entscheidung: Pass nach außen (und dann flach in die Mitte) oder Steckpass in die Tiefe.

    Coaching-Frage: „Ziehst du einen Verteidiger wirklich zu dir, bevor du passt?“

    Muster B: „Dreieck halten“ (Breite–Tiefe–Rückraum)

    Das ist das stabilste Grundmuster:

    • Ballführender: Spitze des Dreiecks
    • Ein Spieler breit
    • Ein Spieler tief
    • Rückraumspieler hält Abstand für den sicheren Pass

    Vorteil: Du bekommst fast immer einen freien Mann, weil zwei Verteidiger nicht drei Passlinien schließen können.

    Muster C: Doppelpass/„Klatschen“ gegen den ballnahen Verteidiger

    Wenn ein Verteidiger aggressiv herausrückt, hilft ein kurzer Doppelpass:

    • Ballführender passt kurz zum Rückraumspieler („Klatsch“)
    • startet sofort in den freien Raum
    • Rückpass oder Steckpass in den Lauf

    Das eignet sich besonders, wenn Kinder bereits einen stabilen ersten Kontakt haben.

    Entscheidungen im Angriff U11: Was ist „richtig“?

    Im Kinderfußball gibt es selten nur eine richtige Lösung. Trotzdem kannst du Entscheidungshilfen geben, die Kinder schnell anwenden.

    Entscheidungsregel 1: „Binde erst, dann spiele“

    Wenn der Verteidiger noch 2–3 Meter Abstand hat, bringt ein Pass oft wenig. Besser:

    • kurz andribbeln
    • Verteidiger fixieren
    • dann in den geöffneten Raum passen

    Entscheidungsregel 2: „Pass in den Lauf statt auf den Fuß“

    In Überzahl willst du Tempo. Pässe auf den Fuß bremsen häufig.

    • Flacher Pass in den Lauf = schneller Abschluss
    • Pass in den Rücken = Gegner kann nachschieben

    Entscheidungsregel 3: „Querpass schlägt Heldendribbling“

    Viele Tore im 3v2 fallen nach einem Querpass vor dem Tor. Kinder lieben den Abschluss – aber sie müssen erkennen: Der Mitspieler hat manchmal den besseren Schuss.

    Als Ergänzung zum Mut im Eins-gegen-eins hilft: 1v1 als Angreifer: 8 Finten-Spiele (U10–U15). Denn ein gutes 3v2 entsteht oft erst, wenn ein Spieler im Dribbling einen Gegner bindet.

    Häufige Fehler im 3 gegen 2 angreifen (und schnelle Korrekturen)

    Fehler 1: Alle laufen auf einer Linie

    Korrektur:

    • klare Zonen: breit / zentral / tief
    • Coach-Cue: „Mach das Feld groß!“

    Fehler 2: Pass zu früh oder zu spät

    Korrektur:

    • „Ampel“-Bild: Grün = Verteidiger gebunden → Pass; Rot = Passweg zu → weiter dribbeln
    • kleine Regel: max. 3 Kontakte, dann Entscheidung (für Anfänger sehr hilfreich)

    Fehler 3: Ballführender schaut nur auf den Ball

    Korrektur:

    • „Scan“-Aufgabe: vor dem Dribbling einmal kurz hochschauen
    • Bonuspunkt im Spiel, wenn ein Tor nach „Kopf hoch“ vorbereitet wird

    Fehler 4: Abschluss fehlt oder ist zu ungenau

    Korrektur:

    • Abschluss nach 3v2 immer verpflichtend
    • Fokus auf Torschuss aus der Bewegung (Mitnahme + Schuss)

    Dazu passt der Trainingsbaustein Torschuss aus der Bewegung, weil im 3v2 selten Zeit für sauberes Stoppen bleibt.

    Praktische Spielformen (Beginner) für Laufwege & Entscheidungen

    Hier sind drei einfache Formen, die du sofort im Training nutzen kannst.

    1) 3v2 auf zwei Minitore (klassisch)

    Organisation

    • Feld: ca. 20x15 m (anpassen an Leistungsstand)
    • 2 Minitore oder Hütchentore
    • 3 Angreifer starten mit Ball, 2 Verteidiger davor

    Ablauf

    • Angreifer greifen an und schließen ab
    • Nach Abschluss: neue Gruppe startet

    Coaching-Punkte

    • Breite: ein Spieler außen
    • Tiefe: ein Spieler startet Richtung Tor
    • Rückraum: dritter Spieler bleibt anspielbar

    2) 3v2 mit „Endzone“ (Zielzone statt Tor)

    Gerade für Anfänger reduziert das Druck-Thema „Tor machen“ und schärft die Laufwege.

    Regel

    • Punkt, wenn ein Angreifer in die Endzone gedribbelt oder hineingepasst hat

    Warum gut?

    • Kinder lernen, Räume zu besetzen und Pässe in die Tiefe zu spielen

    3) 3v2 Umschaltspiel (Ballgewinn zählt doppelt)

    Ablauf

    • 3 Angreifer vs. 2 Verteidiger
    • Gewinnen die Verteidiger den Ball, kontern sie auf ein kleines Ziel (z. B. Dribbellinie)

    Effekt

    • Angreifer lernen, nach Ballverlust kurz zu reagieren
    • Verteidiger verteidigen realistischer (nicht nur „zurückweichen“)

    Coaching-Sprache: So bleiben Hinweise kindgerecht

    Statt langer Erklärungen helfen kurze Trigger:

    • „Breit!“ (Außenkorridor besetzen)
    • „Tief!“ (in die Lücke starten)
    • „Hinter dir!“ (Rückraum anbieten)
    • „Zieh ihn!“ (Verteidiger binden)
    • „Quer!“ (Mitspieler vor dem Tor suchen)

    Stell zwischendurch Fragen, damit Kinder selbst Lösungen finden:

    • „Wo ist der freie Raum?“
    • „Welcher Verteidiger ist gebunden?“
    • „Wer hat den einfacheren Abschluss?“

    Fazit: Überzahl ausspielen Kinder – einfach, klar, wiederholbar

    Ein 3v2 ist für U10/U11 ideal, um Überzahl auszuspielen, ohne Taktik zu überladen. Wenn du drei Dinge konsequent einforderst – Breite, Tiefe und einen Rückraumspieler – entstehen automatisch bessere Passwinkel und klarere Abschlüsse. Kombiniere das mit einfachen Entscheidungsregeln („binde erst, dann spiele“, „Pass in den Lauf“) und vielen Wiederholungen in Spielformen. So entwickeln Kinder Schritt für Schritt sichere Laufwege im 3v2 und treffen bessere Entscheidungen im Angriff.

    Häufig gestellte Fragen

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