Angriff im 3-gegen-2: 7 einfache Lösungen (U10+)
Im 3-gegen-2 haben Kinder eine Überzahl – und trotzdem scheitert der Angriff oft an der Entscheidung. Diese 7 einfachen Lösungen helfen U10+ dabei, Überzahl auszuspielen, Konter sauber zu Ende zu spielen und zu klaren Abschlüssen zu kommen.
Ein 3-gegen-2 ist im Kinderfußball (U10+) eine der häufigsten und wichtigsten Überzahl-Situationen: nach Ballgewinn, nach einem Abpraller oder im schnellen Umschalten. Klingt einfach – schließlich habt ihr einen Spieler mehr. Aber warum endet es trotzdem so oft mit einem überhasteten Schuss, einem Dribbling in zwei Gegner oder einem Fehlpass? Weil Kinder in diesem Alter zwar mutig sind, aber Entscheidungen im Angriff noch lernen müssen: Wann passt du? Wann dribbelst du? Wann gehst du ins Tempo – und wann sicherst du ab?
Damit du als Trainer oder Elternteil klare, kindgerechte Lösungen an die Hand bekommst, findest du hier 7 einfache Prinzipien, die im 3-gegen-2 sofort helfen – ohne komplizierte Taktiktafeln.
Was bedeutet „3 gegen 2“ im Kinderfußball?
Im 3 gegen 2 Kinderfußball greifen drei Angreifer gegen zwei Verteidiger an. Ziel ist es, die Überzahl so zu nutzen, dass am Ende ein freier Abschluss oder ein klarer Pass in den freien Raum entsteht.
Wichtig für U10+: Kinder brauchen einfache Bilder statt Theorie:
- Breit werden (Platz machen)
- Tief gehen (Tor bedrohen)
- Ball schnell laufen lassen (Gegner bewegen)
Wenn du das 2-gegen-1 schon sicher trainierst, ist 3-gegen-2 der nächste logische Schritt. Sehr passend dazu: Angriff im 2-gegen-1: Pass oder Dribbling? (U9+)
Grundprinzipien: So wird Überzahl wirklich gefährlich
Bevor die 7 Lösungen kommen, brauchst du drei Basisregeln. Sie sind der „Kleber“ für jede Überzahl.
1) Tempo ja – aber mit Kontrolle
Im Konter wirkt Tempo wie ein Turbo. Doch wenn alle nur sprinten, fehlt die Übersicht. Kinder lernen: Erst Kopf hoch, dann Vollgas.
2) Der Ball bestimmt die Laufwege
Ohne Ball läufst du nicht „irgendwohin“, sondern so, dass du anspielbar bist:
- seitlich als Breitengeber
- diagonal in die Tiefe
- leicht hinter dem Ball als Absicherung
3) Entscheide dich früh
„Vielleicht passe ich… oder dribble ich…“ kostet Zeit. Trainiere klare Trigger:
- Verteidiger kommt raus? → Pass in seinen Rücken
- Verteidiger bleibt? → Dribbling/Andribbeln bis er reagieren muss
Angriff im 3-gegen-2: 7 einfache Lösungen (U10+)
Die folgenden Lösungen sind bewusst beginner-freundlich. Du kannst sie als „7 Werkzeuge“ vermitteln – je nach Spielsituation.
1) Andribbeln, bis ein Verteidiger bindet
Die häufigste Kinderfalle: zu früh passen. Im 3-gegen-2 darf der Ballführer ruhig mutig andribbeln, bis ein Verteidiger sich festlegt.
Coaching-Satz: „Dribbel an – zwing ihn zu dir!“
Woran erkennst du den Moment zum Pass?
- Der Verteidiger stoppt und stellt den Ball
- Er rückt aktiv heraus
Dann folgt der Pass auf den freien Mitspieler.
2) Breite geben: „Zwei Tore“ aufmachen
Wenn alle drei Angreifer in der Mitte kleben, verteidigen zwei Gegner plötzlich „wie vier“. Breite ist die einfachste Überzahl-Hilfe.
- Ein Spieler ganz breit (Flügel)
- Ein Spieler zentral (Ballnähe)
- Ein Spieler tief/diagonal (Tor bedrohen)
Praxisbild: „Mach das Feld groß – dann wird’s für die Verteidiger klein im Kopf.“
3) Der Querpass vor dem Schuss (Ruhe am Strafraum)
Viele 3-gegen-2 enden mit einem Schuss aus schlechtem Winkel. Kinder dürfen lernen: Ein einfacher Querpass kann den Torwart und die Verteidiger „aushebeln“.
So coachst du es:
- Ballführer zieht einen Verteidiger an
- kurzer Pass zur Seite
- direkter Abschluss oder 1. Kontakt Richtung Tor
Für den Abschluss hilft gezieltes Training: Torschuss aus der Bewegung
4) Doppelpass als „Notfallknopf“
Wenn der Passweg nach außen zu ist und der Verteidiger gut schiebt, ist der Doppelpass eine einfache Lösung – besonders, weil Kinder ihn schnell verstehen.
Mini-Regel für U10+:
- Pass → sofort nachlaufen → klatschen lassen → durchstarten
Typischer Fehler: Der Passgeber bleibt stehen. Korrigiere aktiv:
- „Pass und geh!“
5) Tiefenlauf hinter den zweiten Verteidiger
Im 3-gegen-2 schauen Kinder oft nur auf den direkten Gegenspieler. Dabei entsteht der freie Raum häufig hinter dem zweiten Verteidiger.
Laufweg: diagonal von außen nach innen oder von innen nach außen – Hauptsache in den Rücken.
Coaching-Frage: „Wer bedroht das Tor ohne Ball?“
Wenn ein Angreifer konsequent tief geht, muss ein Verteidiger mitlaufen – und schon wird der Passweg für den Ballführer leichter.
6) „Locken und Verlagerung“: erst kurz, dann raus
Eine sehr einfache Form von Spielverlagerung: Du lockst die Verteidiger auf eine Seite und spielst dann auf die andere.
Ablauf:
- Ballführer dribbelt auf einen Verteidiger zu (locken)
- kurzer Pass zum nahen Mitspieler (kurz)
- sofortiger Pass zum breiten Spieler (raus)
Das ist ideal, um Überzahl auszuspielen, ohne dass Kinder komplizierte Muster lernen müssen.
7) Wenn der Pass nicht geht: 1v1 mutig lösen
Manchmal sind Passwege zu – oder der Ball springt. Dann ist ein 1v1 die richtige Entscheidung, statt „irgendwie“ zu passen.
Wichtig: 1v1 heißt nicht „Kopf runter und durch“, sondern:
- Finte (Richtungswechsel, Übersteiger, Körpertäuschung)
- Tempoaufnahme nach der Finte
- danach wieder Kopf hoch: Wer ist frei?
Dafür passt ein spielerischer Zugang: 1v1 als Angreifer: 8 Finten-Spiele (U10–U15)
Typische Fehler im 3-gegen-2 (und wie du sie schnell korrigierst)
Kinder wiederholen, was sie kennen. Mit klaren Korrekturen bekommst du schnell bessere Lösungen.
- Alle laufen zum Ball → „Einer breit, einer tief, einer am Ball!“
- Zu früher Abschluss → „Erst binden, dann schießen.“
- Pass in den Rücken → „Pass in den Lauf – zeig mit dem Arm!“
- Ballführer dribbelt in zwei Gegner → „Andribbeln ja, aber dann Entscheidung!“
Mini-Trainingsideen (beginner): So übst du Entscheidungen im Angriff
Du willst Entscheidungen im Angriff trainieren, ohne lange zu erklären? Dann helfen Spielformen mit einfachen Regeln.
Spielform 1: 3-gegen-2 auf zwei Minitore
- Feld ca. 20 x 15 m
- Angreifer starten mit Ball
- Ziel: Abschluss innerhalb von 8–10 Sekunden
Coaching-Fokus: Tempo + Breite.
Spielform 2: 3-gegen-2 mit „Breiten-Bonus“
Regel: Ein Tor zählt doppelt, wenn vor dem Abschluss ein Pass zum Außenspieler kommt.
Effekt: Kinder suchen automatisch die Breite.
Spielform 3: Konter ausspielen nach Ballgewinn
Baue eine Zone ein, in der Verteidiger den Ball erobern. Nach Ballgewinn starten sie sofort in ein 3-gegen-2 Richtung Tor.
Effekt: „Konter ausspielen“ wird realistisch und macht richtig Spaß.
Fazit: Überzahl ist kein Zufall – sie ist eine Entscheidung
Im Angriff im 3-gegen-2 entscheidet nicht die Anzahl der Spieler, sondern die Qualität der nächsten Aktion: andribbeln und binden, breit und tief staffeln, klar passen oder mutig dribbeln. Wenn Kinder diese 7 Lösungen als einfache Werkzeuge kennen, wird aus hektischem Vorwärtslaufen ein echter Plan – und aus Überzahl werden Tore.
Häufig gestellte Fragen
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