B-Jugend Training: Tempo, Athletik, Positionsspiel
B-Jugend Training lebt von Tempo, stabiler Athletik und klarem Positionsspiel. Mit kurzen Sprintreizen, festen Stabi-Routinen und spielnahen Spielformen entwickelst du U16/U17-Spieler ohne Überlastung.
In der B-Jugend (U16/U17) wird Training spürbar „erwachsener“: Das Spieltempo steigt, Zweikämpfe werden intensiver und taktische Details entscheiden häufiger über Tore. Gleichzeitig stecken viele Spieler mitten im Wachstumsschub – mit wechselnder Koordination, neuen Hebeln und manchmal auch kleinen „Wackelphasen“. Genau hier liegt die Chance: Wenn du Tempo, Athletik und Positionsspiel klug kombinierst, entwickelst du schnelle, robuste und spielintelligente Fußballer – ohne sie zu überlasten.
Was B-Jugend Training ausmacht: Tempo + Athletik + Spielintelligenz
B-Jugend Training bedeutet nicht, einfach nur „härter“ zu trainieren. Es bedeutet, gezielter zu trainieren:
- Schnelligkeit ist mehr als Sprint: Antritt, Richtungswechsel, Reaktion und Sprintausdauer.
- Athletik heißt: Stabilität, Kraft, Beweglichkeit und Belastbarkeit – besonders für Knie, Sprunggelenk und Hüfte.
- Positionsspiel Jugend: Räume erkennen, Überzahl schaffen, Pressing auslösen und Restverteidigung organisieren.
Eine gute Leitfrage für jede Einheit: Welche Entscheidung soll dein Spieler unter hohem Tempo besser treffen als letzte Woche?
B-Jugend in der DACH-Vereinsrealität
B-Junioren spielen im regulären DFB-Spielbetrieb meist 11 gegen 11 auf dem Großfeld. Spielzeit, Wechselregeln und Sonderbestimmungen können sich je nach Landesverband und Wettbewerb unterscheiden. Für die Saison 2025/26 lohnt deshalb ein Blick in die aktuelle Jugendordnung und die jeweilige Staffelausschreibung. In Österreich und der Schweiz gelten ebenfalls verbands- und ligaspezifische Vorgaben.
Die Trainingsrealität sieht oft anders aus: Statt 20 Feldspielern stehen am Dienstag vielleicht nur 13 oder 14 Spieler auf dem Platz. Plane Positionsspiele deshalb skalierbar. Aus einem vorgesehenen 8 gegen 8 wird beispielsweise ein 6 gegen 6 mit zwei neutralen Spielern. Der taktische Schwerpunkt bleibt erhalten.
Trainingsprinzipien für Beginner: So bleibt B-Jugend Training verständlich
Gerade wenn du als Trainer neu in der U16/U17 bist oder Eltern ihr Kind unterstützen wollen, helfen klare Prinzipien.
1) Weniger Inhalte, dafür klare Wiederholungen
In der B-Jugend sind die Inhalte komplexer. Trotzdem gilt: lieber 1–2 Schwerpunkte pro Einheit als ein „Bauchladen“.
- Schwerpunkt A: Schnelligkeit Training mit Antritt und Richtungswechsel
- Schwerpunkt B: Positionsspiel, etwa der Spielaufbau über 6er und 8er
2) Intensität steuern statt Dauer erhöhen
Tempo- und Athletikreize brauchen Qualität. Typisch:
- Sprints: kurz, maximal, mit langen Pausen
- Positionsspiele: hohe Aufmerksamkeit, klare Regeln und kurze Serien
- Kraft/Stabi: sauber, kontrolliert und schrittweise steigern
3) Wachstumsschub berücksichtigen
Viele U16/U17-Spieler erleben eine Phase schnellen Längenwachstums. Das kann Koordination und Belastbarkeit vorübergehend beeinflussen.
- Achte auf saubere Landungen beim Springen und Abbremsen.
- Baue Stabilisation für Knie und Hüfte ein.
- Passe Sprung- und Sprintvolumen bei Schmerzen oder auffälliger Müdigkeit an.
- Anhaltende Beschwerden gehören medizinisch oder physiotherapeutisch abgeklärt.
Belastungssteuerung: Schulstress und Spieltage mitdenken
B-Jugendliche kommen nicht mit identischen Voraussetzungen ins Training. Klassenarbeiten, Ausbildung, wenig Schlaf und Wachstumsschübe verändern die Tagesform. Ein kurzes Belastungsmonitoring kostet weniger als zwei Minuten: Jeder Spieler zeigt vor dem Training auf einer Skala von 1 bis 5, wie fit er sich fühlt. Bei einem Wert von 1 oder 2 fragst du nach, statt sofort dieselbe Belastung wie für den Rest anzusetzen.
Nach der Einheit kann die subjektive Belastung auf einer Skala von 0 bis 10 erfasst werden. Dauer mal Belastungswert liefert einen einfachen internen Vergleich: 90 Minuten bei RPE 7 ergeben 630 Belastungspunkte. Das ist keine medizinische Messung, zeigt aber starke Sprünge zwischen Trainingswochen.
Ein praxistauglicher Wochenrhythmus bei zwei Einheiten und einem Samstagsspiel:
- Dienstag: Schnelligkeit, intensive kleine Spielformen, Athletik
- Donnerstag: Positionsspiel, Standards, kurze Sprints mit geringem Umfang
- Freitag: frei oder 15–20 Minuten individuelle Mobilität
- Samstag: Spiel
Häufiger Anfängerfehler: Am Donnerstag noch harte Wiederholungssprints einzuplanen. 36 bis 48 Stunden vor dem Spiel funktionieren wenige explosive Antritte mit vollständiger Pause meist besser.
Tempo & Schnelligkeit Training in der B-Jugend: Antritt, Richtungswechsel, Wiederholungssprints
Schnelligkeit ist ein Schlüsselthema im B-Jugend Training. Aber: Schnelligkeit entsteht nicht durch endlose 30–40-m-Sprints nach dem Training. Maximal schnelle Läufe gehören an den Anfang der Einheit, sobald die Spieler aufgewärmt, aber noch nicht ermüdet sind.
Baustein 1: Antritt (0–10 m)
Ziel: Erste Schritte explosiv, Körper in Vorwärtsneigung, Arme aktiv.
Praxisübung: „3-Tore-Antritt“
- Feld: 15 x 15 m, drei kleine Hütchentore an drei Seiten
- Spieler A startet mit Ball, Spieler B als Verteidiger 2 m dahinter
- Der Coach zeigt Farbe oder Nummer: A dribbelt explosiv zum passenden Tor und schließt ab
- Variation: ohne Ball als Sprintduell, später mit Pass vor dem Antritt
Coachingpunkte:
- Erster Schritt kräftig, nicht „trippeln“
- Kopf kurz hoch: Wo ist der freie Raum?
- Zwischen maximalen Läufen 45–90 Sekunden pausieren
Baustein 2: Richtungswechsel (Change of Direction)
Ziel: Abbremsen, Körperschwerpunkt senken und erneut beschleunigen.
Praxisübung: „Y-Sprint mit Reaktion“
- Aufbau: Y-Form mit 5–7 m bis zur Gabelung, danach je 5–7 m links und rechts
- Spieler sprintet an, der Coach ruft „links“ oder „rechts“ im letzten Moment
- 4–6 Wiederholungen, anschließend 2–3 Minuten Serienpause
Wichtig: Qualität vor Menge. Kippt das Knie sichtbar nach innen oder wird nur noch halbherzig beschleunigt, endet die Serie.
Baustein 3: Wiederholungssprints (RSA)
Im Spiel sprintet niemand nur einmal. Die Repeated Sprint Ability beschreibt die Fähigkeit, wiederholt intensive Sprints auszuführen.
Praxisübung: „6 x 20 m“
- 6 Sprints à 20 m
- Pause: 20–30 Sekunden beim Zurückgehen
- 2 Serien, Serienpause 3 Minuten
Nicht jede Woche maximal belasten. In Wochen mit zwei Spielen fällt dieser Block weg oder wird auf eine Serie reduziert.
Athletik in U16/U17: Stabilität, Kraft und Verletzungsprophylaxe
U16/U17-Athletik muss nicht nach Kraftraum aussehen. Viele Inhalte lassen sich mit dem eigenen Körpergewicht, Minibands und Partnerübungen umsetzen. Entscheidend sind kontrollierte Bewegungen und eine passende Steigerung.
Athletik-Block (10–15 Minuten) als fester Bestandteil
Baue zwei bis vier Übungen als Routine ein. Beispiel:
- Nordic Hamstrings, erleichtert: 2 x 4–6 Wiederholungen
- Copenhagen Plank, kurzer Hebel: 2 x 15–25 Sekunden je Seite
- Single-Leg Squat to Box: 2 x 6 je Bein
- Sprung-Landungen: 2 x 5, leise und stabil landen
Solche Übungen kräftigen Hamstrings, Adduktoren und Hüftmuskulatur. Strukturierte Präventionsprogramme wie FIFA 11+ werden üblicherweise zwei- bis dreimal pro Woche eingesetzt; Studien berichten bei konsequenter Durchführung häufig deutlich weniger Verletzungen. Einzelne Übungen reichen dafür allerdings nicht. Entscheidend sind Regelmäßigkeit, korrekte Technik und angemessene Belastung.
Beweglichkeit und „Prehab“ statt Dehnen ohne Plan
Statt langer statischer Dehnprogramme helfen dynamische Mobilisation und aktive Gelenkkontrolle:
- Hüftöffner und Ausfallschritt mit Rotation
- Sprunggelenk-Mobilität mit Kniebewegung über den Fuß
- Rumpfspannung in Bewegung, etwa Dead Bug oder Plank-Varianten
Kurz reicht. Fünf konzentrierte Minuten sind in der Praxis wirksamer als ein unruhiger 15-Minuten-Block.
Positionsspiel Jugend: Räume, Abstände, Restverteidigung
Positionsspiel ist in der B-Jugend oft der Unterschied zwischen „rennen viel“ und „spielen gut“. Hilfreich ist eine einfache Sprache: Breite, Tiefe, Dreiecke, Zwischenlinienraum.
Grundregeln, die jeder verstehen kann
- Breite geben: Außenspieler halten das Feld groß, ohne dauerhaft an der Linie zu kleben.
- Tiefe sichern: Ein Spieler startet hinter die letzte Linie oder bindet einen Innenverteidiger.
- Dreiecke schaffen: Der Ballführende erhält möglichst zwei Passoptionen.
- Restverteidigung organisieren: Vor dem Ballverlust klären, wer das Zentrum und die Tiefe sichert.
Zum Thema Absicherung passt auch unser Artikel zur Restverteidigung einfach erklärt (U12+). In der B-Jugend kannst du die Prinzipien mit klaren Zuordnungen und Pressingauslösern erweitern.
Spielform 1: 6v6 + 2 Neutrale im Zentrum
- Feld: ca. 35 x 25 m
- 6 gegen 6, dazu zwei neutrale Spieler, die immer mit dem Team in Ballbesitz agieren
- Ziel: acht Pässe ergeben einen Punkt oder Pass in eine Endzone
- Belastung: vier Serien à 3–4 Minuten, dazwischen 60–90 Sekunden Pause
Coachingpunkte:
- Abstände von 10–15 m als Orientierung
- Offene Körperstellung vor der Ballannahme
- Nach Ballverlust sofortiges Gegenpressing für 3–5 Sekunden
- Kann kein Ballgewinn erzielt werden, gemeinsam hinter den Ball zurückfallen
Spielform 2: Aufbau gegen Pressing (7v5)
- 7 Angreifer inklusive Torwart, Viererkette und zwei zentralen Spielern
- 5 Verteidiger pressen mit zwei Stürmern und drei Mittelfeldspielern
- Ziel: Ball kontrolliert über eine Mittellinie oder auf einen Zielspieler bringen
Progression:
- Erst ohne Abseits, später mit markierter Abseitslinie
- Zeitlimit für den Aufbau, zum Beispiel 12 Sekunden
- Punkt für die Pressingmannschaft nach Ballgewinn und Abschluss innerhalb von 8 Sekunden
Wenn Abseits immer wieder für Chaos sorgt, hilft eine klare Erklärung wie in Abseits einfach erklärt für Kinder. Auch U16-Spieler profitieren von sauberer Begrifflichkeit.
Beispiel-Trainingseinheit (90 Minuten) für Beginner in der B-Jugend
So kann eine Einheit aussehen, die B-Jugend Training, Schnelligkeit Training und Positionsspiel Jugend verbindet.
1) Aktivierung und Technik unter Tempo (15 Min.)
- Dynamisches Warm-up mit leichter Laufkoordination und Mobilität
- Passen zu zweit mit Auftaktbewegung und offener Stellung
- 3 x 20 Sekunden schnelle Fußarbeit, jeweils 40 Sekunden Pause
2) Schnelligkeit: Antritt und Richtungswechsel (15 Min.)
- Y-Sprint mit Reaktion: 4–6 Wiederholungen
- 3-Tore-Antritt mit Ball: 4–6 Wiederholungen
3) Athletik-Block (10 Min.)
- Nordic Hamstrings: 2 x 4–6
- Copenhagen Plank: 2 x 20 Sekunden je Seite
- Sprung-Landung: 2 x 5
4) Positionsspiel (25 Min.)
- 6 gegen 6 plus zwei Neutrale, vier Serien à 4 Minuten
- Zwischen den Serien 1 Minute Pause und ein kurzer Coachingimpuls
- Fokus: Abstände, Dreiecke und Anschlussaktion nach dem Klatschenlassen
5) Abschlussspiel mit Regel (20 Min.)
- 8 gegen 8 oder 9 gegen 9, angepasst an die Trainingsbeteiligung
- Tor zählt doppelt, wenn der Ball in der gegnerischen Hälfte gewonnen und innerhalb von 10 Sekunden abgeschlossen wird
- Bei 18 oder mehr Feldspielern möglichst auf Großfeldbreite spielen, damit die Abstände zum 11-gegen-11 passen
6) Cooldown (5 Min.)
- Lockeres Auslaufen
- Kurze Mobilität
- Belastungswert von 0 bis 10 abfragen
Wenn du im Abschluss mehr Qualität beim letzten Kontakt willst, lohnt sich der Fokus auf Torschuss aus der Bewegung. So werden Tempo und Abschluss direkt verbunden.
Häufige Fehler im B-Jugend Training – und wie du sie vermeidest
- Zu viel Kondition ohne Ball: Intensive Spielformen plus gezielte Sprintreize haben meist einen höheren Spielbezug.
- Sprints am Ende der Einheit: Ermüdete Läufe trainieren kaum maximale Schnelligkeit. Sprintblöcke gehören nach dem Aufwärmen.
- Athletik „nebenbei“: Ohne Routine fehlt die Entwicklung. Plane 10–15 Minuten fest ein.
- Positionsspiel ohne klare Aufgabe: Formuliere pro Serie höchstens zwei Regeln, etwa „6er bleibt anspielbar“ und „Außen hält Breite“.
- Zu lange Serien: Sinkt das Tempo, lieber kurz pausieren und neu starten.
- Alle gleich belasten: Wachstum, Schulstress und Spielminuten unterscheiden sich. Passe Wiederholungen individuell an.
Fazit: Tempo, Athletik und Positionsspiel als gemeinsames System
B-Jugend Training funktioniert am besten, wenn Schnelligkeit, U16/U17-Athletik und Positionsspiel Jugend nicht getrennt nebeneinanderstehen. Kurze, hochwertige Sprint- und Richtungswechselreize machen Spieler explosiver. Ein fester Athletik-Block verbessert Stabilität und Belastbarkeit. Klare Positionsspiel-Regeln sorgen dafür, dass Tempo auch im Kopf entsteht – nicht nur in den Beinen.
Bleib konkret. Ein sauberer Schwerpunkt pro Trainingsblock bringt mehr als sechs Übungen ohne Zusammenhang.
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