Fußballregeln

    Handspiel - Wann ist es ein Foul?

    Handspiel ist im Kinderfußball nicht automatisch ein Foul. Entscheidend sind Absicht, Armhaltung und ob direkt danach ein Tor fällt – mit klaren Beispielen für Eltern und Kinder.

    fbTobias Brenner · aktualisiert 24. Okt. 2026 · 11 Min.
    KI-generiertes Symbolbild

    Ein Handspiel liegt vor, wenn ein Spieler den Ball mit Hand oder Arm berührt – und diese Berührung nach den Regeln als unerlaubt bewertet wird.

    Handspiel-Regel im Kinderfußball: Was zählt wirklich?

    Gerade im Kinderfußball sorgt das Thema oft für Diskussionen: War das Absicht oder einfach nur Pech? Wichtig ist: Nicht jede Ballberührung am Arm ist automatisch ein Foul. Entscheidend ist, wie der Arm eingesetzt wird: absichtlich oder so, dass er den Körper unnatürlich vergrößert.

    Für Anfänger gilt als gute Merkhilfe: Handspiel ist eher ein Foul, wenn der Arm „zum Ball geht“ – und eher kein Foul, wenn der Ball „zum Arm kommt“.

    Wo fängt der Arm an? Die Grenze an der Achsel

    Zum Handspielbereich zählen Hand und Arm. Die obere Grenze legen die IFAB-Spielregeln genau fest: Sie liegt auf Höhe der Unterseite der Achsel. Alles darüber, also die Schulter, zählt nicht als Arm. Springt der Ball einem Kind an die Schulter, ist das kein Handspiel. In schnellen Szenen ist die Grenze trotzdem schwer zu erkennen, deshalb wirken solche Entscheidungen manchmal strittig.

    Abb. 1 · Handspielbereich: Die Grenze liegt auf Höhe der Unterseite der Achsel — die Schulter darüber zählt nicht als Arm
    Abb. 1 · Handspielbereich: Die Grenze liegt auf Höhe der Unterseite der Achsel — die Schulter darüber zählt nicht als Arm

    Wann ist Handspiel ein Foul?

    Ob ein Handspiel gepfiffen wird, hängt (auch bei Kindern) von typischen Kriterien ab:

    • Absicht: Bewegt das Kind die Hand aktiv zum Ball, um ihn zu stoppen oder zu spielen?
    • Unnatürliche Armhaltung: Ist der Arm weit vom Körper abgespreizt und macht den Körper „größer“?
    • Tor direkt nach Hand/Arm: Trifft ein Spieler direkt oder unmittelbar nach einer Hand- oder Armberührung ins gegnerische Tor, zählt das auch dann als Handspiel, wenn die Berührung versehentlich war.

    Ob eine Armhaltung „natürlich“ ist, bleibt eine Ermessensfrage. Die DFB-Schiri-Zeitung nennt dafür Prüffragen, die Schiedsrichter sich stellen:

    • Wie weit ist der Arm vom Körper weg, und wie wird er gehalten?
    • Passt die Armhaltung zu einer fußballtypischen Bewegung, oder macht sich der Spieler bewusst breit (etwa beim Blocken)?
    • Kam der Ball überraschend oder war er zu erwarten?
    • War der Spieler klar zum Ball orientiert, und hätte er die Berührung vermeiden können?

    Gerade für Eltern ist wichtig zu wissen: Kinder reagieren oft reflexartig. In der F-Jugend und jünger wird laut DFB-Jugendordnung ohne Schiedsrichter gespielt, die Kinder entscheiden selbst. Wo ein Schiedsrichter pfeift, hilft es, wenn er Entscheidungen kurz erklärt. Wie ein Spielleiter dabei grundsätzlich vorgeht, liest du kompakt in unserem Artikel über Schiedsrichter und ihre Aufgaben.

    Typische Foulsituationen (leicht verständlich)

    • Ein Kind streckt beim Verteidigen den Arm seitlich raus und blockt damit einen Pass: häufig Handspiel.
    • Der Ball prallt aus kurzer Distanz an den angelegten Arm: meist kein Handspiel.
    • Ein Kind nimmt den Ball mit dem Arm „mit“, um ihn danach zu schießen: Handspiel, weil der Arm absichtlich eingesetzt wird.

    Was ist erlaubt? Typische Situationen ohne Pfiff

    Nicht jeder Kontakt mit dem Arm ist strafbar. Diese drei Situationen werden häufig nicht als Handspiel gewertet:

    1. Der Ball prallt aus kurzer Distanz an den Arm

    Schießt ein Gegenspieler aus ein, zwei Metern und der Ball trifft den Arm, hat das Kind meist keine realistische Chance auszuweichen. Das spricht gegen eine Strafe.

    2. Der Arm ist in natürlicher Haltung

    Arme braucht jedes Kind zum Laufen, Springen und Balancieren. Bleibt der Arm nah am Körper oder unterstützt er eine normale Bewegung, ist die Haltung natürlich.

    3. Der Ball trifft zuerst den eigenen Körper und dann den Arm

    Springt der Ball zum Beispiel vom Oberschenkel oder Bauch an den Arm, ist das häufig nicht strafbar, vor allem wenn der Arm nicht bewusst herausgeht. Ein typisches Bild: Ein Kind nimmt den Ball mit dem Oberschenkel an, der Ball springt hoch und streift den Unterarm. Ohne aktive Armbewegung läuft das Spiel in vielen Fällen weiter. Eine eigene Ausnahme „vom eigenen Körper ist nie Hand“ steht seit den Regeländerungen 2021/22 allerdings nicht mehr im Regeltext: Auch hier zählt nur, ob die Armhaltung zur Bewegung passt.

    Was ist nicht erlaubt? Typische Handspiele mit Pfiff

    Es gibt Situationen, in denen Handspiel klar strafbar ist, auch im Kinderfußball.

    1. Hand oder Arm gehen aktiv zum Ball

    Bewegt sich der Arm zum Ball, wirkt das wie mit der Hand gespielt. Das ist fast immer strafbar.

    2. Der Arm macht den Körper unnatürlich größer

    Der Klassiker: Der Arm ist seitlich oder über Schulterhöhe abgespreizt und blockt den Ball. Damit vergrößert das Kind seine Körperfläche unnatürlich. Einen eigenen Tatbestand „Arm über Schulterhöhe“ gibt es seit 2021/22 nicht mehr, ein so gehaltener Arm ist aber selten eine natürliche Haltung. Merksatz für Kinder: „Arme wie Flügel“ bringen den Pfiff.

    3. Das Handspiel verhindert eine klare Torchance

    Blockt ein Spieler einen Schuss oder Pass mit dem Arm, gibt es nicht nur Freistoß oder Strafstoß. Je nach Situation kommt auch eine persönliche Strafe dazu. Wann das Gelb und wann Rot bedeutet, erklärt der Beitrag Gelbe und Rote Karte im Kinderfußball.

    4. Handspiel direkt vor dem Torerfolg

    Besonders streng ist die Regel für Torschützen: Trifft der Ball einen Angreifer an Hand oder Arm und erzielt dieser unmittelbar danach selbst ein Tor, zählt der Treffer nicht – auch dann nicht, wenn die Berührung unabsichtlich war. Anders, wenn ein Mitspieler trifft: Springt der Ball einem Kind versehentlich an den Arm und ein anderes schießt das Tor, ist das seit 2021/22 kein Vergehen mehr.

    Handspiel und Karten: die Folgen im Überblick

    Welche Spielfortsetzung und welche Karte nach einem strafbaren Handspiel folgen, regelt Regel 12 (Fassung 2026/27):

    SituationSpielfortsetzungKarte
    Strafbares Handspiel eines Feldspielersdirekter Freistoß, im eigenen Strafraum Strafstoßkeine, wenn nichts Weiteres dazukommt
    Handspiel unterbindet einen aussichtsreichen AngriffFreistoß bzw. StrafstoßGelb; bei unabsichtlichem Handspiel mit Strafstoß keine Karte
    Absichtliches Handspiel, um ein Tor zu erzielendirekter Freistoß für den GegnerGelb
    Absichtliches Handspiel verhindert ein Tor oder eine offensichtliche Torchance (Feldspieler)Strafstoß bzw. direkter FreistoßRot, egal wo
    Unabsichtliches Handspiel verhindert eine offensichtliche Torchanceim eigenen Strafraum Strafstoß, außerhalb direkter Freistoßim Strafraum Gelb, außerhalb Rot
    Erfolglos versucht, ein Tor mit der Hand zu verhindern, das Tor fälltTor zählt (Vorteil)seit 2026/27 keine Verwarnung
    Torwart nimmt im eigenen Strafraum einen Fuß-Rückpass oder Einwurf eines Mitspielers aufindirekter Freistoßkeine
    Torwart spielt den Ball außerhalb seines Strafraums mit der Handwie beim Feldspielerwie beim Feldspieler

    Die Unterschiede zwischen den Freistoß-Arten erklärt Direkter vs. indirekter Freistoß, die Sonderregeln für den Torwart stehen in Torwart-Regeln im Fußball und in der Rückpassregel einfach erklärt.

    Handspiel im Strafraum: Gibt es immer Elfmeter?

    Ein Handspiel im eigenen Strafraum führt oft zu einem Strafstoß, aber nur, wenn es nach den Kriterien oben auch wirklich strafbar ist. Der Ort allein reicht nicht. Wie der Elfmeter danach abläuft, liest du in Elfmeter – das musst du wissen.

    Beispiel: Anschießen mit Stützarm

    Ein Verteidiger rutscht aus, stützt sich mit dem Arm am Boden ab, und der Ball wird aus kurzer Distanz dagegen geschossen. Hier entscheiden Schiedsrichter oft: keine Absicht, kurze Distanz, Stützarm – häufig kein Elfmeter. Eine ausdrückliche Stützarm-Ausnahme steht seit 2021/22 nicht mehr in den Regeln; sie gilt heute als Auslegung, weil das Abstützen beim Fallen eine natürliche Bewegung ist. Liegt der Arm dagegen weit seitlich vom Körper und blockt eine Flanke, sieht es anders aus.

    Beispiele aus dem Kinderfußball (G- bis E-Jugend)

    Kinder in diesem Alter sind oft in Bewegung, drehen sich weg oder schützen reflexartig das Gesicht. Fragst du dich, warum trotzdem manchmal gepfiffen wird? Hier drei typische Beispiele:

    • Abpraller im Getümmel: Der Ball springt im Strafraum (oder davor) an den Oberarm, während die Arme eng am Körper sind. Das wird im Kinderfußball häufig laufen gelassen.
    • „Torwart-Reflex“ eines Feldspielers: Ein Feldspieler hebt die Hände hoch, um einen Schuss zu blocken. Das wirkt klar absichtlich: Foul.
    • Arme als „Flügel“ beim Rennen: Das Kind läuft mit weit ausgestreckten Armen in einen Pass. Auch ohne Absicht kann das als unnatürliche Armhaltung gewertet werden.

    Was sollten Trainer und Eltern Kindern dazu erklären?

    Du kannst es Kindern einfach vermitteln:

    • Arme beim Verteidigen nah am Körper halten.
    • Nicht mit der Hand „mitspielen“, auch wenn es verlockend ist.
    • Nach einem Pfiff ruhig bleiben: Handspiel ist oft eine Ermessensentscheidung.

    Hilfreich ist auch, Regeln Schritt für Schritt zu erklären – ähnlich wie beim Thema Abseits einfach erklärt für Kinder, das ebenfalls oft Fragen auslöst.

    Drei Sätze, die Kinder sofort verstehen

    • „Wenn du den Arm zum Ball bewegst, ist es Hand.“
    • „Wenn dein Arm dich größer macht und den Ball blockt, ist es oft Hand.“
    • „Wenn du angeschossen wirst und nicht reagieren kannst, ist es meistens kein Hand.“

    Trainingstipps: Handspiel vermeiden ohne Roboter-Arme

    Kinder sollen nicht mit steif angelegten Armen übers Feld laufen. Ziel ist ein Gefühl für eine sinnvolle Armhaltung.

    • Arme nah am Körper in Abwehrsituationen: Baue 1-gegen-1- oder 2-gegen-2-Duelle ein und gib eine Coachingregel vor: beim Blocken Arme enger, Körper seitlich stellen, Beine aktiv.
    • Mit dem Körper blocken statt mit dem Arm: Zeig Alternativen, etwa den Ball mit Oberschenkel oder Schienbein blocken oder sich mit geschlossener Körperhaltung in den Schussweg drehen.
    • Standards verstehen: Viele Handspiel-Szenen enden in einem Freistoß. Wissen Kinder, was danach passiert, bleiben sie ruhiger. Dazu passt der Überblick Freistoß – Regeln und Arten im Kinderfußball.

    Häufige Missverständnisse rund ums Handspiel

    Ein paar Sätze hörst du fast jedes Wochenende am Spielfeldrand. So ordnest du sie ein:

    • „Er hat doch weggeschaut, also keine Absicht!“ Wegschauen ist kein Kriterium. Entscheidend sind Armhaltung, Bewegung und Situation.
    • „Der Ball war an der Hand, das muss Hand sein!“ Der Kontakt allein reicht nicht. Es geht um die Umstände.
    • „Arm am Körper ist immer erlaubt.“ Meistens ja. Geht der Arm aber aktiv zum Ball, kann es trotzdem Handspiel sein.
    • „Im Kinderfußball wird Handspiel nicht gepfiffen.“ Doch, aber oft mit mehr Augenmaß und einer kurzen Erklärung.

    Verwandte Begriffe (kurz erklärt)

    • Absicht: Der Spieler will den Ball bewusst mit Hand/Arm spielen.
    • Unnatürliche Armhaltung: Armposition, die nicht zur Bewegung passt und den Körper größer macht.
    • Freistoß/Strafstoß: Spielfortsetzung nach einem Foul – abhängig davon, wo das Handspiel passiert.

    Gerade beim ersten Spiel hilft eine gute Vorbereitung, damit du Situationen besser einordnen kannst: Schau dir dafür die Eltern-Checkliste: Das erste Fußballspiel an.

    Häufig gestellte Fragen

    Nein. Eine Ballberührung an Hand oder Arm ist nicht automatisch verboten. Häufig kommt es darauf an, ob das Kind den Arm aktiv zum Ball bewegt oder seinen Körper durch eine unnatürliche Armhaltung größer macht. Ebenfalls Handspiel ist ein Tor direkt oder unmittelbar nach einer eigenen Hand- oder Armberührung, auch wenn sie versehentlich war. Bei kurzen Distanzen und angelegten Armen wird meist weitergespielt.

    Von einer unnatürlichen Armhaltung spricht man, wenn der Arm weit vom Körper abgespreizt ist und der Spieler dadurch „größer“ wirkt. Dann kann schon eine unbeabsichtigte Berührung eher als Handspiel gewertet werden, weil der Arm eine zusätzliche Blockfläche bildet, die nicht zur normalen Bewegung passt.

    Eine einfache Regel für Kinder lautet: „Lass die Arme beim Verteidigen nah am Körper und spiel den Ball nur mit dem Fuß.“ Zusätzlich hilft der Satz: „Wenn die Hand zum Ball geht, ist es eher Foul – wenn der Ball an den Arm prallt, eher nicht.“ Wichtig ist auch, dass Kinder lernen, Schiri-Entscheidungen zu akzeptieren, weil Handspiel oft eine Ermessensfrage ist.

    Nein. Nach den IFAB-Spielregeln liegt die obere Grenze des Arms auf Höhe der Unterseite der Achsel. Die Schulter und alles darüber zählen nicht zum Handspielbereich. In schnellen Szenen ist die Grenze schwer zu erkennen, deshalb wirken solche Entscheidungen manchmal strittig.

    Nicht immer, aber häufig ist er nicht strafbar. Stützt sich ein Kind beim Fallen mit dem Arm am Boden ab und der Ball prallt aus kurzer Distanz dagegen, wird oft weitergespielt. Strafbar kann es werden, wenn der Arm deutlich seitlich vom Körper liegt, die Körperfläche unnatürlich vergrößert oder aktiv zum Ball geht.

    Nein. Der Ort allein reicht nicht. Elfmeter gibt es nur, wenn das Handspiel nach den Kriterien strafbar ist, etwa bei einer aktiven Armbewegung zum Ball oder einer unnatürlichen Vergrößerung der Körperfläche, die einen Pass oder Schuss blockt.

    Ähnliche Begriffe im Lexikon

    handspiel regel kinder
    handspiel kinderfußball
    handspiel wann foul
    fußballregeln für kinder
    schiedsrichter entscheidung handspiel