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    Pressing im Futsal: 3 einfache Stufen (U10–U19)

    Pressing im Futsal muss nicht kompliziert sein: Mit drei klaren Stufen lernen Teams von U10 bis U19, kompakt zu verteidigen und gezielt den Ball zu erobern. Dazu bekommst du einfache Regeln, Pressing-Trigger und praxistaugliche Tipps für die Halle.

    Tobias Brenner
    16. Jan. 2026
    Aktualisiert: 19. Jan. 2026
    8 Min.

    Pressing im Futsal klingt für viele erst mal nach „Profi-Taktik“. Dabei ist Futsal Pressing gerade im Nachwuchs extrem hilfreich: Kinder lernen, gemeinsam zu verteidigen, schneller umzuschalten und den Ball mutig zurückzuerobern. Die Kunst liegt darin, Pressing so einfach zu machen, dass es U10 bis U19 sofort versteht – ohne komplizierte Laufwege und ohne ständiges Stoppen im Training.

    In der Halle passieren Ballverluste schneller, das Feld ist kleiner, der Ball ist flacher – und genau deshalb entscheidet Verteidigung im Futsal oft in Sekunden. Welche Pressing-Stufe passt zu deinem Team? Und wie bringst du sie so rüber, dass alle mitmachen?

    Warum Pressing im Futsal anders ist als im Feld

    Im Futsal ist der Raum eng und die Zeit kurz. Das verändert die Logik von Pressing:

    • Weniger Raum für „Sichern“: Ein Schritt zu spät, und der Gegner ist durch.
    • Schnellere Ballgewinne: Gute Pressing-Momente führen direkt zu Torchancen.
    • Mehr 1-gegen-1-Duelle: Pressing heißt oft: Mutig attackieren, aber abgesichert.
    • Wechsel sind häufig: Intensität ist möglich, aber nur mit klaren Regeln.

    Wichtig: Pressing ist nicht „blind drauf“. Pressing ist koordiniertes Jagen – mit einfachen Aufgaben pro Spieler.

    Die 3 Pressing-Stufen (U10–U19) – einfach erklärt

    Die folgenden Pressing Stufen bauen aufeinander auf. Du kannst sie je nach Alter, Leistungsstand und Hallengröße einsetzen.

    Stufe 1: Sicherheits-Pressing (Mittelfeldpressing mit Rückzug)

    Ziel: Stabil stehen, Ball in ungefährlichen Zonen erobern, Konter vermeiden.

    Für wen geeignet?

    • U10–U12 als Einstieg
    • Teams, die schnell auseinanderfallen
    • Mannschaften, die häufig ausgekontert werden

    Grundidee (Merksatz für Kinder):

    • „Wir bleiben kompakt und greifen erst an, wenn der Ball in unsere Zone kommt.“

    Einfache Regeln:

    • Abstand zwischen den Spielern: 2–4 Meter (je nach Alter)
    • Kein Solo-Pressing: Niemand rennt allein los.
    • Leitlinie: Gegner nach außen lenken (zur Bande/Seitenlinie), nicht in die Mitte.

    Rollen im 2-2 (typisch im Nachwuchs):

    • Vordere zwei: Passwege zustellen, Druck auf den Ball erst ab Mittellinie.
    • Hintere zwei: Absichern, Tiefe kontrollieren, keine „Tunnel“-Pässe durch die Mitte.

    Praxisbeispiel: Der Gegner baut mit dem Fixo (letzter Spieler) auf. Dein Team wartet hinter der Mittellinie. Sobald der Pass in die Seitenzone kommt, geht der ballnahe Spieler mit Tempo raus, der zweite schiebt zur Mitte, die hinteren sichern diagonal.

    Typischer Fehler: Alle laufen gleichzeitig auf den Ball. Ergebnis: Ein Pass, und es wird 2 gegen 0.

    Trainer-Tipp: Verbinde Stufe 1 mit guter Restverteidigung: Wer sichert, wenn gepresst wird? Das passt perfekt zu unserem Beitrag Restverteidigung einfach erklärt (U12+).


    Stufe 2: Trigger-Pressing (Pressing nur bei Auslösern)

    Ziel: Nicht immer pressen, sondern in klaren Momenten aggressiv. So bleibt es kontrollierbar.

    Für wen geeignet?

    • U12–U15 als nächster Schritt
    • U16–U19 als „Basis-Pressing“, wenn du Stabilität willst

    Grundidee (Merksatz):

    • „Wir pressen nur, wenn ein Fehler möglich ist.“

    Die besten Pressing-Trigger (Auslöser):

    • Schlechter erster Kontakt (Ball springt weg)
    • Rückpass zum Fixo/Torwart
    • Pass zur Seitenlinie (Bande als „Mitverteidiger“)
    • Spieler dreht dem Feld den Rücken zu
    • Hoher/ungewollter Lupfer (Zeit zum Nachschieben)

    Einfache Team-Regeln:

    • Bei Trigger ruft der Nächste laut: „Jetzt!“
    • Ballnaher Spieler attackiert, zweiter Spieler nimmt den nächsten Passweg.
    • Ballferner Spieler schiebt ein, bleibt aber so, dass kein Diagonalpass durchkommt.

    Mini-Coachingpunkte (leicht verständlich):

    • Körperstellung: Seitlich anlaufen, damit der Gegner nach außen muss.
    • Tempo: Erst schnell ran, dann kontrolliert abbremsen (nicht vorbeirutschen).
    • Abstände: Wenn du presst, musst du enger werden.

    Praxisübung (5–8 Minuten): „Trigger-Spiel 3 gegen 3 + 2 Anspieler“

    • Feld: ca. 20x15 m (oder halbe Halle)
    • 3 gegen 3 im Feld, je ein Anspieler an den Seiten
    • Regel: Ein Team darf nur nach Trigger pressen (Trainer ruft anfangs Trigger an, später erkennen die Kinder selbst)

    Warum das funktioniert: Kinder lernen, Pressing als Entscheidung zu sehen – nicht als Dauerlauf.

    Verbindung zur Technik: Trigger entstehen oft durch einen schlechten ersten Kontakt. Genau dafür ist Ballkontrolle entscheidend: Nutze passende Mini-Spiele aus Ballkontrolle 1. Kontakt: 10 Mini-Spiele (U7–U11) als Vorbereitung – auch für ältere Teams als Warm-up.


    Stufe 3: Hochpressing (Vollgas in der Aufbauzone)

    Ziel: Den Gegner früh einschnüren, Ballgewinne nahe am Tor erzwingen.

    Für wen geeignet?

    • U15–U19 (oder sehr starke U13/U14)
    • Teams mit hoher Laufbereitschaft und klarer Kommunikation

    Grundidee (Merksatz):

    • „Wir gewinnen den Ball vorne – aber nur gemeinsam.“

    Voraussetzungen:

    • Spieler verstehen Absicherung (wer deckt wen, wer schützt die Mitte?)
    • Torwart ist aktiv als „Libero“ im Futsal-Sinn (mitspielen, coachen)
    • Wechselmanagement: kurze, intensive Schichten

    Einfache Hochpressing-Regeln (ohne Taktik-Chaos):

    • Mitte zu! Der wichtigste Raum ist zentral vor dem Tor.
    • Ball lenken: Gegner in eine Ecke/Seite treiben.
    • Doppeln: Wenn der Ball an der Bande ist, kommt der zweite Verteidiger dazu.
    • Rückraum sichern: Ein Spieler bleibt immer so, dass ein langer Pass nicht sofort durchgeht.

    Pressing-Formationen im Nachwuchs (einfach gehalten):

    • 2-2 hoch: Zwei vorne attackieren, zwei dahinter sichern.
    • 1-2-1 (Diamant) hoch: Spitze läuft an, zwei Flügel schieben, Fixo sichert.

    Praxisbeispiel: „Ballen in die Ecke“ Der Gegner baut über den rechten Fixo auf. Dein vorderer Spieler läuft so an, dass der Pass nur nach rechts außen möglich bleibt. Sobald der Pass kommt, sprintet der Flügel drauf, der zweite Spieler schiebt in die Mitte, der Fixo bleibt tiefer und verhindert den Pass durch die Mitte.

    Typische Fehler im Hochpressing:

    • Zu gerade anlaufen → Gegner spielt einfach durch die Mitte.
    • Zu große Abstände → ein Pass überspielt zwei Spieler.
    • Kein Rückwärtssprint nach überspieltem Pressing.

    Trainer-Tipp: Plane nach Ballgewinn eine klare Abschlussaktion. In der Halle zählt der schnelle Abschluss – dafür passt Torschuss aus der Bewegung perfekt als Anschlussinhalt.

    Coaching: So erklärst du Pressing kindgerecht (ohne Taktik-Vortrag)

    Kinder lernen Pressing am besten über Bilder und einfache Sprache. Nutze z. B.:

    • „Tür zu, nicht hinterherlaufen“ (Passwege schließen)
    • „Wir sind ein Gummiband“ (Abstände klein halten)
    • „Erst lenken, dann klauen“ (Anlaufwinkel)

    3 klare Kommandos für die Halle

    • „Schieben!“ = alle rücken ballnah zusammen
    • „Mitte zu!“ = Zentrum priorisieren
    • „Jetzt!“ = Trigger erkannt, Pressing startet

    Häufige Probleme – und schnelle Lösungen

    Problem 1: Ein Spieler rennt immer allein los

    • Lösung: Regel einführen: Pressing nur, wenn mindestens zwei Spieler nachschieben.

    Problem 2: Team wird ständig ausgekontert

    • Lösung: Stufe 1 oder 2 wählen und eine feste Absicherungsrolle bestimmen.

    Problem 3: Zu viele Fouls in der Halle

    • Lösung: Fokus auf Anlaufwinkel und „bremsen vor Kontakt“. Grätschen vermeiden, Arme unten lassen.

    Fazit: Welche Pressing-Stufe passt zu deinem Team?

    Mit drei einfachen Stufen bekommst du Hallenfußball Taktik in eine Form, die Kinder wirklich umsetzen können:

    • Stufe 1 gibt Sicherheit und Ordnung.
    • Stufe 2 macht Pressing schlau: aggressiv, aber kontrolliert.
    • Stufe 3 bringt maximale Ballgewinne – wenn Absicherung und Intensität stimmen.

    Wenn du Pressing als Team-Regelwerk aufbaust (statt als starre Laufwege), entwickeln Kinder ein Gefühl für Timing, Räume und Zusammenarbeit. Und genau das macht gutes Futsal aus.

    FAQ: Pressing im Futsal (U10–U19)

    Ab welchem Alter ist Pressing im Futsal sinnvoll?

    Pressing ist schon ab U10 sinnvoll, wenn du es als Stufe 1 (Sicherheits-Pressing) vermittelst: kompakt stehen, Mitte schließen, bei klaren Momenten attackieren. Intensives Hochpressing passt meist erst ab U15, weil dafür Kommunikation, Antizipation und Absicherung stabil sein müssen.

    Was ist der wichtigste Coachingpunkt beim Futsal Pressing?

    Der wichtigste Punkt ist Kompaktheit: Die Abstände zwischen den Spielern müssen klein bleiben, sonst wird dein Team mit einem Pass überspielt. Direkt danach kommt der Anlaufwinkel: Nicht frontal draufrennen, sondern so anlaufen, dass der Gegner nach außen spielen muss.

    Welche Pressing-Stufe ist für Anfänger-Teams am besten?

    Für Anfänger-Teams ist Stufe 1 ideal, danach Stufe 2 (Trigger-Pressing). So lernen Kinder, Pressing nicht als Dauerlauf zu sehen, sondern als gemeinsames Handeln in klaren Situationen. Stufe 3 solltest du erst einführen, wenn Rückzug und Absicherung zuverlässig funktionieren.

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