Rückpassregel zum Torwart einfach erklärt
Die Rückpassregel verhindert Zeitspiel: Ein absichtlicher Fußpass zum eigenen Torwart darf nicht mit der Hand aufgenommen werden. Hier bekommst du einfache Erklärungen, Beispiele und die wichtigsten Fragen aus dem Kinderfußball.
Die Rückpassregel bedeutet: Spielt ein Mitspieler den Ball absichtlich mit dem Fuß zum eigenen Torwart zurück, darf der Torwart den Ball nicht mit den Händen aufnehmen.
Was ist die Rückpassregel zum Torwart?
Die Rückpassregel ist eine wichtige Regel im Fußball, damit Zeitspiel verhindert wird und das Spiel flüssig bleibt. Eingeführt wurde sie 1992, nachdem Teams den Ball zuvor endlos zum Torwart zurückschieben konnten, der ihn einfach immer wieder aufnahm. Entscheidend ist dabei, wie der Mitspieler den Ball spielt: absichtlich mit dem Fuß oder direkt per Einwurf.
Kernidee: Wenn ein Feldspieler den Ball kontrolliert und bewusst mit dem Fuß zum eigenen Torwart spielt, ist das kein Ball zum Aufnehmen. Der Torwart muss dann wie ein Feldspieler agieren: passen, dribbeln oder klären. Wie moderne Keeper diese Rolle aktiv nutzen, zeigt Torwart: Mitspielen & Sweeper-Keeper erklärt.
Wann darf der Torwart den Ball nicht aufnehmen?
Kinder und Eltern merken sich am besten diese Faustregel: Absicht + Fuß = Hände verboten. Drei Situationen sind entscheidend:
1) Absichtlicher Pass mit dem Fuß
Der Klassiker: Ein Verteidiger wird unter Druck gesetzt und spielt einen klaren Pass zurück zum Torwart – oder stoppt den Ball und legt ihn dem Torwart bewusst „hin“. Nimmt der Torwart den Ball jetzt in die Hände, wird gepfiffen. Nach der DFB-Erläuterung zu Regel 12 gilt das auch, wenn der Mitspieler den Ball absichtlich mit dem Fuß nicht direkt zum Torwart spielt, sondern so (zum Beispiel neben das Tor), dass der ihn aufnehmen kann.
2) Einwurf vom eigenen Mitspieler
Viele wissen das nicht: Wirft ein Mitspieler den Ball beim Einwurf direkt zum eigenen Torwart, darf der ihn ebenfalls nicht fangen. Auch hier gilt: mit dem Fuß weiterspielen ist erlaubt, Hände sind tabu.
3) Der „Trick“ zur Umgehung
Manchmal versuchen Spieler, die Regel auszutricksen: den Ball mit dem Fuß hochlupfen und dann per Kopf zum Torwart spielen, damit der ihn fangen kann. Das gilt als unerlaubte Umgehung – es gibt einen indirekten Freistoß und eine Gelbe Karte wegen unsportlichen Verhaltens für den Spieler, der den Trick einleitet, auch wenn der Torwart den Ball gar nicht mit der Hand berührt. Gerade im Jugendfußball ein guter Coaching-Moment: lieber sauber aufdrehen oder flach rausspielen.
Wann darf der Torwart den Ball aufnehmen? (Die Ausnahmen)
Mindestens genauso wichtig – in diesen Situationen sind die Hände erlaubt:
- Kopf, Brust oder Knie ohne Trick: Spielt ein Mitspieler den Ball absichtlich, aber eben nicht mit dem Fuß zurück (und ohne Umgehungstrick), darf der Torwart zugreifen.
- Abpraller und missglückte Aktionen: Will ein Verteidiger klären, trifft den Ball aber schräg und er rollt zum Torwart, war das keine kontrollierte Absicht – aufnehmen erlaubt.
- Ein Gegner war dazwischen: Berührt ein Gegenspieler den Ball auf dem Weg (z. B. Abfälschen), ist die „Absicht + Fuß“-Kette unterbrochen.
- Der Ball kommt vom Gegner: Bei jedem Zuspiel des Gegners darf der Torwart selbstverständlich fangen.
Was passiert bei einem verbotenen Rückpass?
Nimmt der Torwart den Ball nach einem verbotenen Rückpass doch in die Hand, gibt es einen indirekten Freistoß für die angreifende Mannschaft an der Stelle, an der der Torwart den Ball berührt hat. Passiert das im Torraum, wird der Freistoß auf die Torraumlinie zurückverlegt.
Das bedeutet:
- Der Ball darf nicht direkt ins Tor geschossen werden.
- Vor einem Tor muss mindestens ein weiterer Spieler den Ball berühren (Pass, Abpraller, Ablage).
Wichtig: Ein verbotener Rückpass gibt keinen Elfmeter – auch nicht im Strafraum. Eine Karte bekommt der Torwart dafür ebenfalls nicht, selbst wenn er mit dem Zugreifen ein Tor oder eine klare Torchance verhindert. Wie ein indirekter Freistoß grundsätzlich funktioniert, erfährst du in Freistoß - Regeln und Arten im Kinderfußball.
Neu seit 2025/26: Die 8-Sekunden-Regel
Auch ohne Rückpass darf der Torwart den Ball nicht ewig festhalten: Seit der Saison 2025/26 darf er den Ball höchstens 8 Sekunden mit den Händen kontrollieren. Der Schiedsrichter zählt die letzten 5 Sekunden sichtbar mit erhobener Hand herunter. Hält der Torwart den Ball zu lange, gibt es Eckball für den Gegner – vorher waren es 6 Sekunden und ein indirekter Freistoß. Ob und wie streng das im Kinderfußball gilt, entscheidet dein Verband.
Wann darf der Torwart den Ball sonst nicht in die Hand nehmen?
Rückpass und Einwurf sind die bekanntesten Fälle, aber nicht die einzigen. Regel 12 der IFAB-Spielregeln kennt noch diese Situationen:
- Außerhalb des eigenen Strafraums: Dort ist der Torwart ein Feldspieler. Spielt er den Ball mit der Hand, ist das ein Handspiel mit direktem Freistoß für den Gegner.
- Nach dem Freigeben: Hat der Torwart den Ball aus der Hand gegeben, zum Beispiel um ihn selbst weiterzudribbeln, darf er ihn nicht wieder mit der Hand berühren, bevor ein anderer Spieler am Ball war. Sonst gibt es indirekten Freistoß.
- Nach mehr als 8 Sekunden: Hält er den Ball im Strafraum länger mit den Händen fest, gibt es Eckstoß für den Gegner (siehe oben).
Rückpassregel in der E-Jugend: So regeln es die Landesverbände
Ob die Rückpassregel in der E-Jugend gilt, ist nicht bundesweit einheitlich geregelt. Ein paar Beispiele aus den Bestimmungen der Landesverbände:
- Gilt: beim Fußballverband Rheinland im 7 gegen 7 der E-Jugend (Saison 2026/27) und beim Fußball-Landesverband Brandenburg im Landesliga-Spielbetrieb von D- und E-Jugend.
- Gilt nur mit Torwart: Am Niederrhein wird sie in der E-Jugend nur angewendet, wenn mit Torwart auf Jugendtore gespielt wird. Der indirekte Freistoß wird dann von der 8-Meter-Linie ausgeführt.
- Gilt schon früher: Der Niedersächsische Fußballverband wendet sie bereits in der F-Jugend an, wenn im 3+1 mit Torwart gespielt wird (Ausnahme: Der Kreis Celle hat sie dort aufgehoben). Auch in Berlin (3+1), Hamburg, im Saarland (5 gegen 5 mit Torhüter) und in Thüringen (Spiele mit Torwart auf Kleinfeldtore) gilt sie schon in der F-Jugend.
- Gilt nicht: In Bayern (Minifußball), Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein wird ein Rückpass in der E-Jugend nicht bestraft, am Mittelrhein nur gecoacht.
- Uneinheitlich: Im Fußballverband Sachsen-Anhalt setzen die Kleinfeldregeln die Rückpassregel für die E-Jugend und jünger aus, das DFB-Booklet sieht sie vor. Die Kreise handhaben es unterschiedlich.
Frag deshalb vor der Saison beim Staffelleiter oder im Verein nach, was in eurer Staffel gilt.
Beispiele aus dem Kinderfußball (leicht zu verstehen)
Beispiel 1: Klassischer Rückpass
Ein Kind in der Abwehr wird unter Druck gesetzt und spielt einen sauberen Pass zurück. Der Torwart nimmt ihn mit der Hand auf. Ergebnis: indirekter Freistoß.
Beispiel 2: Verunglückte Klärung
Ein Verteidiger will den Ball wegschlagen, trifft ihn aber schräg, und er rollt zum Torwart. War das keine klare Absicht, darf der Torwart aufnehmen. Warum? Weil es eher eine missglückte Aktion als ein „Rückpass zum Sichern“ ist.
Beispiel 3: Rückpass mit dem Kopf?
Ein Spieler köpft den Ball absichtlich zum Torwart – ohne Hochlupf-Trick. Das ist kein Fußspiel, der Torwart darf den Ball in der Regel aufnehmen. (In Deutschland ist Köpfen im Kinderfußball nicht verboten, der DFB empfiehlt aber, Kopfbälle zu reduzieren.) Mehr dazu: Kopfball im Jugendfußball: Regeln DFB/ÖFB/SFV.
Gilt das alles auch im Kinderfußball?
Das legt dein Landesverband fest. Die Rückpassregel gehört zu den IFAB-Grundregeln, an denen sich DFB, ÖFB und SFV orientieren, und der DFB-Leitfaden für die Kinderspielformen sieht sie bei Spielen mit Torwart grundsätzlich vor. Mehrere Verbände heben sie für die Jüngsten aber auf, zum Beispiel Bayern im Minifußball (G- bis E-Jugend), Mecklenburg-Vorpommern (G- bis E-Jugend) oder in der F-Jugend Hessen, Sachsen, Baden, Westfalen und der Niederrhein; am Mittelrhein werden Verstöße in F- und E-Jugend nur gecoacht statt bestraft. Bei den Bambini wird in fast allen Verbänden ohne Torwart gespielt, die Regel spielt dort also keine Rolle. In der E-Jugend gilt sie in den meisten Verbänden, ab der D-Jugend fast überall. In Österreich gilt sie in allen Landesverbänden ab der U9. Ab der D-Jugend solltest du als Trainer den Rückpass aber aktiv trainieren: Der Torwart braucht sichere Füße.
Verwandte Begriffe (kurz erklärt)
- Indirekter Freistoß: Ein Treffer zählt erst, wenn nach dem Schützen noch ein anderer Spieler den Ball berührt hat. Siehe Direkter vs. indirekter Freistoß.
- Zeitspiel: Absichtliches Verzögern, z. B. durch ständiges „Sichern“ über den Torwart – genau dagegen wurden Rückpass- und 8-Sekunden-Regel eingeführt.
- Abseits: Hat mit Rückpässen nichts zu tun, wird im Kinderfußball aber oft gleichzeitig gefragt. Erklärung: Abseits einfach erklärt für Kinder.
Weitere Regeln im Kinderfußball
Häufig gestellte Fragen
Ähnliche Begriffe im Lexikon
Rückpass im Futsal
Ein absichtliches Zuspiel zum eigenen Torwart, das dieser im Futsal in der Regel nicht mit der Hand aufnehmen darf.
Direkter vs. indirekter Freistoß
Ein direkter Freistoß darf sofort ins Tor geschossen werden.
Freistoß - Regeln und Arten im Kinderfußball
Ein Freistoß ist eine Methode, das Spiel nach einem Foul oder einem Regelverstoß wieder aufzunehmen.
Coachingzone
Die Coachingzone ist der markierte Bereich an der Seitenlinie, in dem der Trainer während des Spiels stehen und coachen darf.
Neunmeterlinie
Markierung für den Abstand von 9,15 m zum Elfmeterpunkt, wichtig für korrekte Positionen bei Elfmetern und Standards.
Organisationsfoul
Ein Organisationsfoul ist ein absichtliches, meist „kleines“ Foul, mit dem eine Mannschaft einen gefährlichen Angriff stoppt oder Zeit gewinnt, um sich wieder zu ordnen.