So gestaltest du die erste Trainingseinheit
Die erste Trainingseinheit in der Jugend entscheidet oft über Motivation und Vertrauen. Mit klarer Struktur, vielen Ballkontakten und einfachen Spielformen gelingt der Einstieg sicher und kindgerecht.
Der erste Trainingstag in einer neuen Jugendmannschaft ist ein besonderer Moment: Für Kinder, Eltern und dich als Trainer. Jetzt entscheidet sich oft, ob die Kids mit Vorfreude wiederkommen – oder ob Unsicherheit und Überforderung hängen bleiben. Die gute Nachricht: Du brauchst keine „perfekte“ Einheit, sondern eine klare Struktur, viele Ballkontakte und eine Atmosphäre, in der Fehler erlaubt sind. Genau darum geht es bei der erste trainingseinheit jugend: Ankommen, Spaß, Orientierung und ein erstes Gefühl für Team und Ball.
Ziele der ersten Trainingseinheit: Was soll am Ende hängen bleiben?
Gerade im Beginner-Bereich ist weniger mehr. Kinder in diesem Alter profitieren am meisten von einfachen, wiederholbaren Abläufen.
Diese Ziele sind realistisch und sinnvoll:
- Sicherheit & Vertrauen: Namen, Regeln, Ablauf – die Kinder wissen, was passiert.
- Viele Ballkontakte: Lieber 1 Ball pro Kind als lange Wartezeiten.
- Bewegung & Freude: Spielerisch statt „Standfußball“.
- Erster Team-Spirit: Kurze Partner- und Kleingruppenaufgaben.
- Beobachten statt bewerten: Wer ist schnell müde? Wer braucht Anleitung? Wer ist schon sehr ballaffin?
Rhetorische Frage: Muss in der ersten Einheit schon „Taktik“ rein? In der Regel nicht. Technik-Grundlagen, Koordination und Spielfreude sind der bessere Start.
Vorbereitung: Damit du entspannt in die Einheit gehst
Eine gelungene erste trainingseinheit jugend beginnt vor dem Anpfiff – mit Organisation.
Checkliste vor Trainingsbeginn
- Material: Hütchen, Leibchen, 6–10 Bälle (oder 1 pro Kind), 2 kleine Tore, ggf. Markierungsteller
- Platzaufbau: Zwei kleine Felder statt ein großes (mehr Aktionen, weniger Leerlauf)
- Zeitplan: 60–75 Minuten reichen für den Einstieg (je nach Altersklasse)
- Kommunikation: Kurze Begrüßung, klare Regeln, einfache Sprache
Tipp: Wenn viele Kinder neu sind, lohnt sich ein Blick auf die Ausrüstung. Eltern unterstützt du mit der Checkliste: Die erste Fußballausrüstung für Kinder – so gibt es weniger Stress am ersten Tag.
Drei einfache Regeln, die sofort funktionieren
Kinder brauchen Orientierung. Drei Regeln reichen völlig:
- Stopp-Signal (z. B. Pfiff oder „Freeze“): Alle bleiben stehen und schauen.
- Fairness: Kein Auslachen, kein Schubsen.
- Ball bleibt im Feld: Wer ihn rausschießt, holt ihn schnell zurück.
Ablaufplan (60–75 Minuten): So baust du die Einheit logisch auf
Eine klare Dramaturgie hilft: Ankommen → Aktivieren → Technik spielerisch → Spielen → Abschluss.
1) Ankommen & Kennenlernen (5–8 Minuten)
Starte mit einer kurzen Begrüßung im Kreis – ohne lange Reden.
Praxisidee „Name + Ball“:
- Jedes Kind hat einen Ball am Fuß.
- Du nennst deinen Namen (oder der Trainername) und eine einfache Aufgabe: „Ich bin Alex, ich tippe den Ball 5x mit rechts.“
- Nächstes Kind: Name + Aufgabe.
So kombinierst du Kennenlernen mit den ersten Ballkontakten. Und du siehst direkt: Wer braucht Hilfe beim Ballgefühl?
2) Aufwärmen mit Ball (10–12 Minuten)
Aufwärmen im Jugendfußball sollte nicht wie „Rundenlaufen“ wirken. Besser: Bewegung mit Ball, kleine Richtungswechsel, einfache Reaktionen.
Nutze dafür einen bewährten Aufbau aus unserem Guide: Aufwärmen im Kinderfußball - So geht es richtig.
Praxisbeispiel „Farbenspiel“:
- Du legst 4 Farben Hütchen in die Ecken eines Quadrats.
- Alle dribbeln frei im Feld.
- Du rufst eine Farbe: Alle dribbeln zur passenden Ecke, machen dort eine Mini-Aufgabe (z. B. „Ball stoppen – 3x tippen – zurück“).
Warum das gut ist: Du aktivierst Koordination, Aufmerksamkeit und Ballführung, ohne zu überfordern.
3) Technik-Teil: Dribbling & Richtungswechsel (12–15 Minuten)
Gerade Anfänger profitieren von einem klaren Dribbel-Setting. Ein Parcours gibt Struktur, ohne Druck.
Ideal als Einstieg: Dribbel-Parcours mit Hütchen.
So gestaltest du ihn beginner-freundlich:
- 2–3 einfache Stationen (Slalom, „Tor“ aus Hütchen, Stopp & Drehung)
- kurze Wege, viele Wiederholungen
- optional: „Challenge“ für Fortgeschrittene (nur schwacher Fuß, enger Slalom)
Coaching-Punkte (kurz und positiv):
- Ball nah am Fuß (damit er nicht wegspringt)
- Kopf hoch (kurz schauen, dann weiter)
- Richtungswechsel über Außenseite/Innenseite
Rhetorische Frage: Was, wenn ein Kind den Parcours „kaputt dribbelt“ oder ständig Hütchen umstößt? Perfekt – dann ist es aktiv. Korrigiere freundlich, aber lass den Spielfluss laufen.
4) Passspiel als Team-Moment (10–12 Minuten)
Passspiel ist wichtig, aber in der ersten Einheit darf es nicht zu statisch werden. Ein einfaches Dreieck bringt Struktur und Teamgefühl.
Als Vorlage eignet sich: Passspiel-Dreieck für Einsteiger.
Einsteiger-Variante:
- 3 Hütchen im Dreieck, 3–4 Kinder pro Gruppe
- Pass → Mitnahme → Pass (ohne Zeitdruck)
- Nach dem Pass läuft das Kind seinem Ball hinterher (Positionswechsel)
Wichtige Basics:
- Standbein neben den Ball
- Innenseite für Kontrolle
- Ball annehmen statt „wegschlagen“
Tipp: Bei sehr jungen Teams (G-/F-Jugend) reicht oft schon „Pass durch ein Hütchentor“ in Paaren. Hauptsache: viele Wiederholungen.
5) Spielform: 3 gegen 3 / 4 gegen 4 (15–20 Minuten)
Jetzt kommt der Teil, auf den alle warten: Spielen. Für die erste trainingseinheit jugend gilt: kleine Teams, viele Tore, wenig Regeln.
Empfehlung:
- 2 Felder parallel, damit alle aktiv sind
- 3v3 oder 4v4 auf kleine Tore
- ohne Torwart (oder rotierend)
Regeln, die helfen (optional):
- Tor zählt nur nach 3 Pässen (nur wenn es nicht zu kompliziert wird)
- Einwurf wird eingedribbelt (mehr Spielfluss)
Warum Kleinfeld?
- mehr Ballkontakte
- mehr 1-gegen-1-Situationen
- weniger „verstecken“
6) Cooldown & Abschlusskreis (5–8 Minuten)
Beende die Einheit bewusst – das gibt Orientierung.
Abschlussidee:
- 1 Minute lockeres Dribbeln + Ball stoppen
- kurzer Kreis: „Was hat heute Spaß gemacht?“ (2–3 Kinder antworten)
- Ausblick: „Nächstes Mal machen wir wieder ein Spiel und üben Dribbling/Passen.“
Das stärkt Bindung und nimmt Unsicherheit.
Häufige Stolpersteine – und wie du sie vermeidest
Gerade am Anfang passieren typische Fehler. Mit kleinen Anpassungen wird die Einheit sofort besser.
Zu viel erklären
Kinder lernen über Bewegung. Halte Anweisungen kurz:
- maximal 20–30 Sekunden erklären
- einmal vormachen
- starten lassen
Zu lange Wartezeiten
Wartezeiten sind der Spaß-Killer Nummer 1.
- lieber mehr Stationen als ein großer Aufbau
- Gruppen klein halten
- bei Bedarf zweite Ballkiste ins Feld
Zu schwerer Inhalt
Die erste Einheit ist nicht der Moment für komplexe Laufwege oder starre Positionsrollen. Setze auf:
- Dribbling
- einfache Pässe
- kleine Spiele
Tipps für Elternkommunikation: Kurz, klar, beruhigend
Viele Eltern sind beim ersten Mal unsicher: Was braucht das Kind? Wie läuft das Training ab? Gib kurze Orientierung.
Mini-Info nach dem Training:
- Trainingszeiten und Treffpunkt
- Hinweis auf Trinken und wettergerechte Kleidung
- positive Rückmeldung zur Gruppe („Heute super Einsatz und viel gespielt“)
Wenn bald ein Spiel ansteht, hilft Eltern zusätzlich die Eltern-Checkliste: Das erste Fußballspiel.
Fazit: So gelingt die erste Trainingseinheit in der Jugend
Eine gelungene erste trainingseinheit jugend lebt von Struktur, vielen Ballaktionen und einem Umfeld, in dem Kinder mutig ausprobieren. Plane einen einfachen Ablauf: Ankommen, Aufwärmen mit Ball, Dribbling, ein bisschen Passspiel und zum Schluss viel Spielzeit im Kleinfeld. Mit kurzen Coaching-Impulsen, wenig Wartezeit und einem positiven Abschluss sorgst du dafür, dass die Kids gerne wiederkommen – und genau das ist der wichtigste Sieg am ersten Tag.
Häufig gestellte Fragen
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