Torwarttraining

    Torwart-Abwurf: Arten, Regeln & Coaching erklärt

    Der Torwart-Abwurf ist eine wichtige Technik, um im Kinderfußball das Spiel schnell und kontrolliert zu eröffnen. Hier findest du Arten des Abwurfs, Regeln und einfache Coaching-Tipps für Anfänger.

    fbTobias Brenner · aktualisiert 24. Okt. 2026 · 7 Min.
    KI-generiertes Symbolbild

    Der Torwart-Abwurf ist eine Wurftechnik, mit der der Torhüter nach Ballkontrolle (meist nach einem Fang) das Spiel schnell und sicher wieder eröffnet.

    Merke: Für kurze Wege rollen, für weite Wege werfen. Präzision vor Weite. Nach den IFAB-Regeln 2026/27 hat der Torwart acht Sekunden Zeit, danach gibt es Eckstoß für den Gegner.

    Was bedeutet „Torwart-Abwurf“ genau?

    Im Kinderfußball ist der Abwurf ein zentrales Werkzeug für den Torwart-Spielaufbau: Statt den Ball einfach „wegzuschlagen“, bringt der Keeper ihn gezielt zu einem Mitspieler. Das hilft dem Team, Ballbesitz zu behalten und geordnet nach vorne zu spielen. Klingt einfach, aber welche Technik passt zu welchem Moment?

    Wichtig: Der Abwurf ist kein Abschlag mit dem Fuß, sondern ein Wurf mit Hand und Arm. Und er ist kein Abstoß: Den gibt es, wenn der Ball über die Torlinie ins Aus gegangen ist. In vielen Kinder- und Kleinfeldformaten gelten Sonderregeln für die Spielfortsetzung aus der Hand, siehe unten.

    Arten des Torwart-Abwurfs (einfach erklärt)

    1) Bowling-Abwurf (Zurollen, Rollabwurf)

    Der Ball wird flach über den Boden „gerollt“ bzw. knapp darüber abgegeben.

    • Vorteil: Sehr sicher, gut für kurze Distanzen, der Mitspieler kann den Ball leicht annehmen
    • Typisch im Kinderfußball: Abwurf zum Außenverteidiger im eigenen Drittel
    • Technik nach DFB: Die Bewegung wird vom ballfernen Bein eingeleitet. Wer mit rechts rollt, setzt links das Stützbein vor und geht so tief, dass der Wurfarm nah an den Boden kommt.
    • Coaching-Cue: Tief gehen, Arm pendelt wie beim Kegeln, Ball loslassen Richtung Ziel

    2) Unterarm-Abwurf

    Der Ball wird mit Schwung von unten aus dem Unterarm halbhoch nach vorne geworfen.

    • Vorteil: Mehr Reichweite als Bowling, trotzdem relativ kontrolliert
    • Einsatz: Wenn der Mitspieler frei ist und du schnell kontern willst
    • Coaching-Cue: Schritt zum Ziel, Ellbogen führt, Handgelenk stabil

    3) Überkopf-Abwurf (Schleuderwurf)

    Der Ball wird mit gestrecktem Arm über den Kopf nach vorne geschleudert.

    • Vorteil: Weite Würfe möglich
    • Risiko: Bei Kindern oft ungenau, wenn Rumpfspannung fehlt
    • Technik nach DFB: Das Bein auf der Gegenseite des Wurfarms kommt nach vorn, der Ball liegt eingeklemmt zwischen Innenhand und Unterarm, der Arm bleibt hoch und gestreckt.
    • Coaching-Cue: Blick zum Ziel, Körper streckt sich, Ball sauber nach vorne abgeben (nicht „nach oben werfen“)
    TechnikDistanzFür wen?
    Bowling-Abwurf (Zurollen)kurzBasistechnik für alle Einsteiger
    Unterarm-Abwurfmittelwenn das Rollen sicher klappt
    Überkopf-Abwurf (Schleuderwurf)weiteher ab D-Jugend; im DFB-Torwartleitfaden (Talentförderung) wird die Grundbewegung bis Ende U13 beidseitig erlernt

    Regeln: Was ist erlaubt – und was nicht?

    Grundsätzlich gilt: Der Torwart darf den Ball im eigenen Strafraum mit der Hand aufnehmen und abwerfen. Nach den IFAB-Regeln 2026/27 gilt außerdem:

    • Acht Sekunden: Kontrolliert der Torwart den Ball länger als acht Sekunden mit der Hand, gibt es Eckstoß für den Gegner. Der Schiedsrichter zählt die letzten fünf Sekunden mit erhobener Hand herunter. Die alte „Sechs-Sekunden-Regel“ mit indirektem Freistoß gilt nicht mehr.
    • Kein Angriff auf den Torwart: Solange er den Ball mit der Hand kontrolliert, darf ihn kein Gegner angreifen. Wer ihn beim Freigeben behindert oder nach dem Ball tritt, verursacht einen indirekten Freistoß.
    • Nicht erneut aufnehmen: Hat der Torwart den Ball freigegeben (z. B. fallen gelassen, um zu dribbeln), darf er ihn nicht wieder mit der Hand berühren, bevor ein anderer Spieler ihn berührt hat. Folge: indirekter Freistoß.
    • Rückpass: Spielt ein Mitspieler den Ball absichtlich mit dem Fuß zum Torwart, darf er ihn nicht aufnehmen, und damit auch nicht abwerfen. Ob das im Kinderfußball gilt, regelt dein Verband, siehe Rückpassregel zum Torwart.
    • Fairness & Sicherheit: Kein „Vollgas-Abwurf“ in eine Spielertraube, das bringt Verletzungsrisiko und Ballverlust.

    Sonderregeln im Kinderfußball

    Ob der Torwart aus der Hand über die Mittellinie werfen oder abschlagen darf, ist keine bundesweite DFB-Regel, sondern Sache der Verbände:

    WoSonderregel (2026/27)
    Österreich (ÖFB), U9 bis U12Abwurf, Ausschuss und Abstoß müssen in der eigenen Hälfte aufkommen oder einen Spieler berühren, sonst Eindribbeln oder Pass von der Seitenlinie für den Gegner
    Baden (bfv), F- und E-JugendHat das Torkind den Ball in der Hand, darf es nur abwerfen: kein Abschlag, kein Dropkick
    Baden (bfv), D-JugendKein Abschlag aus der Hand; ein Abspiel aus der Hand muss vor der Mittellinie von einem weiteren Spieler berührt werden
    Berlin, E- und D-JugendNach Handkontrolle darf der Torwart den Ball nicht ohne weitere Berührung über die Mittellinie spielen, sonst indirekter Freistoß
    Kreis SFV Magdeburg, E-JugendAbstoß und Spielfortsetzung aus der Hand nicht über die Mittellinie

    Was dein Verband vorgibt, findest du über die Torwart-Regeln im Fußball oder direkt in den Durchführungsbestimmungen deines Kreises.

    Coaching: So wird die Abwurf-Technik schnell besser

    Kinder lernen Abwürfe am besten über klare Ziele und einfache Routinen:

    • Vororientierung: Kopf hoch, wer ist frei?
    • Zielbild: Ein Mitspieler als „Fenster“ (Brusthöhe oder in den Lauf)
    • Grundstellung: Stabiler Stand, leichter Schritt zum Ziel
    • Qualität vor Weite: Erst Präzision, dann Distanz

    Ein starkes Fundament liefert gute Beinarbeit: Wenn die Schritte nicht passen, leidet die Abwurf-Technik. Dazu passt der Beitrag Fußarbeit für junge Torhüter. Konkrete Übungen findest du in Abwurf-Technik für Torhüter und Torwart-Spielaufbau: Abwurf & Pass (U10–U15).

    Beispiele aus dem Kinderfußball (F- bis E-Jugend)

    • F-Jugend (U8/U9), wo mit Torwart gespielt wird: Bowling-Abwurf zum freien Mitspieler neben dem Tor. Ziel: Ballbesitz sichern. Auf vier Minitore und in der G-Jugend gibt es in den DFB-Spielformen keinen Torwart.
    • E-Jugend (U10): Unterarm-Abwurf auf den Flügel, wenn der Gegner nach einem Fang noch unsortiert ist, für einen schnellen Konter.
    • E-Jugend (U11): Überkopf-Abwurf in den Lauf eines Stürmers, aber nur, wenn die Technik stabil ist, der Passweg frei bleibt und der Verband keine Mittellinienregel vorgibt.

    Damit der Anschluss im Feld klappt, hilft es, wenn Kinder auch das An- und Mitnehmen sowie den Abschluss aus Bewegung kennen, siehe Torschuss aus der Bewegung.

    Verwandte Begriffe

    Häufig gestellte Fragen

    Nein. Im Kinderfußball zählt vor allem, den Ball sicher im eigenen Team zu halten. Ein kurzer, präziser Bowling- oder Unterarm-Abwurf ist oft besser als ein weiter Wurf, der leicht abgefangen wird und sofort Druck erzeugt.

    Für Anfänger ist der Bowling-Abwurf ideal: Er ist leicht zu lernen, sehr kontrollierbar und passt zu kurzen Distanzen im Kleinfeld. Erst wenn Präzision und Grundspannung stimmen, lohnt sich der Aufbau von Unterarm- und Überkopf-Abwürfen.

    Achte auf Vororientierung (Kopf hoch), einen stabilen Stand mit Schritt zum Ziel und eine klare Zielzone beim Mitspieler. Trainiere zuerst Genauigkeit statt maximaler Wurfweite und nutze einfache Zielspiele, damit Kinder schnell Erfolgserlebnisse haben.

    Nach den IFAB-Regeln 2026/27 höchstens acht Sekunden. Hält er den Ball länger mit der Hand, gibt es Eckstoß für den Gegner; die letzten fünf Sekunden zählt der Schiedsrichter mit erhobener Hand herunter. Die frühere Sechs-Sekunden-Regel mit indirektem Freistoß gilt nicht mehr.

    Ähnliche Begriffe im Lexikon

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