Absicherung beim Pressing: Grundlagen für Kinder
Absicherung beim Pressing hilft Kindern, mutig Druck zu machen, ohne hinten offen zu sein. Mit drei einfachen Regeln und spielnahen Übungen bringst du schnell mehr Ordnung und Sicherheit ins Team.
Pressing klingt nach „Vollgas nach vorne“ – und genau da passieren im Kinderfußball die meisten Gegentore. Denn wenn ein Kind raus sprintet, aber dahinter niemand absichert, reicht oft ein einziger Pass und der Gegner läuft frei Richtung Tor. Die gute Nachricht: Absicherung beim Pressing ist kein kompliziertes Taktikthema. Du kannst es kindgerecht, spielnah und mit wenigen klaren Regeln vermitteln – ohne starre Systeme und ohne Überforderung.
Was bedeutet „Absicherung beim Pressing“ im Kinderfußball?
Absicherung heißt: Wenn ein Kind den Ballführenden attackiert, sorgen ein oder zwei Mitspieler dafür, dass das Team nicht offen ist, falls der Gegner den Druck überspielt.
Kinder verstehen das am besten über Bilder:
- „Einer jagt, einer schützt“: Der erste Spieler geht drauf (Pressing), der zweite sichert dahinter.
- „Gummiband-Regel“: Die Abstände bleiben kurz, als wären alle mit einem Band verbunden.
Wichtig: Im Beginner-Bereich geht es weniger um perfekte Staffelungen, sondern um Grundprinzipien:
- Druck auf den Ball
- kurze Abstände
- Absicherung in der Tiefe (hinter dem Pressenden)
- Absicherung zur Mitte (gefährlicher Raum)
Warum ist Absicherung für Kinder so wichtig?
Kinder pressen oft aus Begeisterung: alle laufen zum Ball. Das führt zu typischen Problemen:
- Der Gegner spielt einen Pass durch die Mitte – sofort ist ein Kind frei.
- Ein Dribbling reicht – und es gibt keinen zweiten Verteidiger.
- Nach Ballverlust im Angriff steht das Team zu breit oder zu hoch.
Absicherung löst genau das: Du hilfst Kindern, mutig zu attackieren, ohne „alles aufzumachen“. Und ganz nebenbei lernen sie Teamverhalten: Einer hilft dem anderen.
Die 3 Grundregeln für Absicherung beim Pressing (beginner-tauglich)
Diese Regeln funktionieren in fast jeder Spielform (3v3 bis 7v7) und sind leicht zu coachen.
1) Der Nächste sichert – nicht der Weiteste
Wenn ein Kind presst, soll der nächste Mitspieler dahinter bleiben und sichern – nicht irgendein Spieler von der anderen Seite.
Coaching-Satz:
- „Wenn dein Mitspieler rausgeht, bleibst du dahinter!“
Woran erkennst du gutes Verhalten?
- Der zweite Spieler steht so, dass er einen Pass oder ein Dribbling abfangen kann.
2) Absicherung ist leicht seitlich versetzt („schräg dahinter“)
Der Absichernde steht nicht direkt hinter dem Pressenden, sondern leicht schräg. So kann er zwei Dinge gleichzeitig:
- den Gegner bei einem Dribbling aufnehmen
- einen Passweg (meist Richtung Mitte) schließen
Merksatz für Kinder:
- „Schräg dahinter – wie ein Schatten.“
3) Die Mitte zuerst schützen
Im Kinderfußball sind Pässe und Dribblings durch die Mitte besonders gefährlich. Deshalb gilt als einfache Priorität:
- Mitte zu, außen lenken
Das bedeutet nicht, dass Kinder den Gegner „perfekt“ nach außen steuern müssen. Es reicht als Orientierung:
- Der Pressende stellt sich so, dass der Gegner nicht einfach nach innen kommt.
- Der Absichernde steht so, dass die Mitte doppelt geschützt ist.
Passend dazu lohnt sich ergänzend ein Blick auf Verteidigen im 1v1: 8 Duellspiele (U10–U15), weil gutes Pressing immer mit sauberem 1-gegen-1-Verhalten beginnt.
Welche Rollen gibt es beim Pressing? (kindgerecht erklärt)
Gerade für Anfänger hilft eine klare Rollenverteilung – ohne Positionsnummern und ohne Taktiktafeln.
Der „Jäger“ (1. Verteidiger)
Aufgabe:
- schnell Druck machen
- Tempo rausnehmen
- den Gegner zu einer Entscheidung zwingen
Wichtig:
- Nicht blind reinrutschen oder vorbeilaufen
- lieber bremsen, seitlich stellen, lenken
Der „Fänger“ (2. Verteidiger / Absicherung)
Aufgabe:
- hinter dem Jäger bleiben
- Passweg zur Mitte schließen
- bereit sein, zu übernehmen, wenn der Gegner vorbeikommt
Kinder verstehen das gut als Teamauftrag:
- „Wenn der Jäger verpasst, bist du dran.“
Der „Türsteher“ (Rest der Mannschaft)
Aufgabe:
- Abstände verkürzen
- Gegenspieler in Tornähe im Blick behalten
- nicht alle zum Ball rennen
Gerade im 5v5/7v7 ist das entscheidend: Absicherung ist nicht nur eine Person – das Team muss kompakt bleiben.
Typische Fehler – und wie du sie schnell korrigierst
Kinder lernen am schnellsten über klare, kurze Korrekturen. Diese Fehler siehst du häufig:
- Alle laufen zum Ball
- Korrektur: „Wer sichert hinter dem Pressing?“ (Frage statt Vortrag)
- Absichernder steht zu weit weg
- Korrektur: „Komm näher – Gummiband!“
- Absichernder steht auf einer Linie (nebeneinander)
- Korrektur: „Schräg dahinter, nicht neben ihm.“
- Mitte ist offen
- Korrektur: „Erst Mitte zu, dann jagen.“
Wenn du zusätzlich das Verhalten im Überzahl-/Unterzahlmoment schulen willst, passt Abwehr im 2-gegen-1: Coachingpunkte & 6 Spiele perfekt – dort steckt die Absicherungslogik im Kern drin.
Praktische Trainingsideen (ohne komplizierte Taktik)
Absicherung lernt man nicht durch lange Erklärungen, sondern durch viele Wiederholungen in Spielformen.
1) 2v2 mit „Absicherungs-Punkt“
Organisation:
- Feld ca. 15x12 m
- 2 Angreifer vs. 2 Verteidiger
- Zusatzregel: Ein Verteidiger ist klar „Jäger“, der andere „Sicherer“ (Rollen wechseln nach jeder Aktion)
Coachingpunkte:
- Jäger: Druck, Tempo rausnehmen
- Sicherer: schräg dahinter, Mitte zu
Warum gut? Kinder spüren sofort: Wenn der Sicherer fehlt, wird’s gefährlich.
2) 3v3 mit „Mitte zählt doppelt“
Organisation:
- 3v3 auf zwei Mini-Tore
- Markiere eine zentrale Zone (z. B. 3 m breit)
Regel:
- Tor nach Pass/Dribbling durch die Mitte zählt doppelt
Effekt: Die Verteidiger lernen automatisch, die Mitte zu schützen – und damit entsteht Absicherung als Teamverhalten.
3) 4v4 + 2 neutrale Außenspieler (Lenken nach außen)
Organisation:
- 4v4 im Feld
- 2 neutrale Spieler an den Seitenlinien als Anspielstationen
Ziel:
- Verteidiger sollen innen kompakt bleiben
- Pressing so setzen, dass der Ball eher nach außen gespielt wird
Coachingfrage:
- „Wohin willst du den Gegner lenken – Mitte oder außen?“
Wie viel Taktik ist im Anfängerbereich sinnvoll?
Im Beginner-Bereich gilt: Prinzipien vor Systemen. Kinder müssen nicht wissen, ob ihr im 2-3-1 oder 3-2 spielt. Sie sollen erkennen:
- Wer geht drauf?
- Wer sichert?
- Wo ist der gefährliche Raum?
Wenn dein Team älter wird (z. B. U12+), wird daraus später das Thema Restverteidigung. Dazu passt als nächster Schritt Restverteidigung einfach erklärt (U12+) – aber für Kinder am Anfang reichen die drei Grundregeln völlig.
Coaching-Tipps: So erklärst du Absicherung kindgerecht
- Kurz coachen, viel spielen: 10 Sekunden Hinweis, dann wieder laufen lassen.
- Mit Fragen führen: „Wer hilft dir, wenn er vorbei ist?“
- Loben, wenn abgesichert wird: Kinder bekommen oft nur Lob für Tore – Absicherung braucht bewusstes Feedback.
- Klare Trigger-Wörter:
- „Druck!“ (Jäger)
- „Sicher!“ (Absichernder)
- „Mitte zu!“ (Team)
Fazit
Absicherung beim Pressing ist für Kinder der Schlüssel, um mutig zu attackieren und trotzdem stabil zu verteidigen. Mit drei einfachen Regeln – Nächster sichert, schräg dahinter, Mitte zuerst schützen – bekommt dein Team sofort mehr Ordnung. Trainiere das über kleine Spielformen wie 2v2 und 3v3, coach kurz und positiv, und lass Kinder die Wirkung selbst erleben: Pressing macht erst dann richtig Spaß, wenn hinter dem Druck auch Sicherheit steht.