Ausdauertraining im Jugendfußball
Ausdauertraining im Jugendfußball funktioniert am besten über spielnahe Intervalle statt monotone Dauerläufe. Der Guide zeigt altersgerechte Prinzipien, typische Fehler und sofort umsetzbare Übungen.
Ausdauer ist im Jugendfußball mehr als „lange laufen können“. Sie entscheidet darüber, ob Dein Kind in der 2. Halbzeit noch sauber passt, nach einem Sprint direkt wieder umschaltet und beim letzten Angriff noch den Kopf oben behält. Gleichzeitig gilt: Ausdauertraining im Jugendfußball muss kindgerecht, spielnah und dosiert sein – sonst wird es schnell langweilig oder sogar kontraproduktiv. Wie gelingt also ein ausdauer training jugend, das Anfänger wirklich umsetzen können?
Was bedeutet Ausdauer im Jugendfußball wirklich?
Im Fußball ist selten gleichmäßiges Dauerlaufen gefragt. Kinder sprinten an, bremsen ab, drehen, springen, gehen kurz, beschleunigen wieder. Darum ist vor allem die fußballspezifische Ausdauer wichtig: die Fähigkeit, viele kurze Aktionen über die gesamte Spielzeit zu wiederholen.
Die drei Ausdauer-Bausteine (einfach erklärt)
- Grundlagenausdauer: „Motor“ für lange Belastungen – hilft bei Erholung zwischen Aktionen.
- Schnelligkeitsausdauer: wiederholt sprinten können, ohne stark langsamer zu werden.
- Erholungsfähigkeit: nach intensiven Aktionen schnell wieder „runterkommen“.
Gerade im Anfängerbereich solltest Du nicht in Trainingslehren versinken. Eine Faustregel reicht: Je jünger die Kinder, desto spielerischer und kürzer die Belastungen.
Welche Ausdauer ist in welchem Alter sinnvoll?
Kinder entwickeln sich sehr unterschiedlich. Trotzdem helfen grobe Leitlinien, damit Dein ausdauer training jugend altersgerecht bleibt.
Bambini bis U9: Ausdauer ohne „Ausdauerläufe“
In diesem Alter bringt klassisches Rundenlaufen kaum Nutzen – und nimmt Motivation. Besser sind:
- viele kleine Spielformen mit Ball
- kurze Belastungen (10–30 Sekunden) mit Pausen
- Fang- und Staffelspiele mit Richtungswechseln
Frage an Dich als Trainer oder Elternteil: Warum Ausdauer isoliert trainieren, wenn Kinder sie im Spiel automatisch aufbauen?
U10 bis U12: Mehr Wiederholungen, aber immer spielnah
Jetzt können Kinder Belastungen besser dosieren und verstehen Aufgaben. Geeignet sind:
- Intervall-Spielformen (z. B. 3 Minuten Spiel / 1 Minute Pause)
- einfache Laufaufgaben mit Ball (Dribbelparcours, Passfolgen in Bewegung)
- kleine Wettbewerbe, bei denen Technik unter Müdigkeit stabil bleiben soll
U13 bis U15: Strukturierter, aber nicht „Erwachsenen-Training“
Mit Beginn der Pubertät steigen Intensität und Leistungsunterschiede. Hier kannst Du gezielter arbeiten:
- wiederholte Sprints (kurz, sauber, mit Pause)
- Spielformen mit Umschaltmomenten
- Belastungssteuerung: lieber 2 gute Blöcke als 5 halbe
Wichtig: In Wachstumsschüben sind manche Kinder schneller erschöpft oder koordinativ unsauber. Dann zählt Qualität vor Quantität.
Die größten Fehler beim Ausdauertraining im Jugendfußball
Gerade im Beginner-Bereich passieren typische Dinge, die Du leicht vermeiden kannst:
- Zu viel monotones Laufen: senkt Spaß und ist wenig fußballspezifisch.
- Zu lange Belastungen: Technik leidet, Bewegungen werden schlampig.
- Zu kurze Pausen: Kinder „überhitzen“ und lernen falsche Bewegungsmuster.
- Kein Ball, kein Ziel: Motivation sinkt, Intensität fällt ab.
- Alle gleich belasten: Leistungsunterschiede werden ignoriert.
Prinzipien für ein gutes „ausdauer training jugend“ (Beginner)
Du brauchst keine Stoppuhr-Orgie. Mit diesen Grundprinzipien wird das Training automatisch wirksam:
- Spielnähe: Ball und Gegnerdruck erhöhen Intensität und Fußballbezug.
- Intervalle statt Dauerlauf: kurze Phasen hoch, kurze Pausen – wie im Spiel.
- Kleine Felder, kleine Teams: mehr Ballkontakte, mehr Aktionen, mehr Ausdauerreiz.
- Klare Regeln: Regeln steuern Belastung (z. B. Kontaktbegrenzung, Zonen, Bonuspunkte).
- Technik unter Belastung: Passen, Dribbeln, Abschluss, wenn die Beine müde werden.
Tipp: Kombiniere Ausdauer fast immer mit einem Fußballziel. Ein guter Anker ist z. B. ein sauberes Abschlussverhalten – passend dazu hilft Dir der Artikel Torschuss aus der Bewegung.
5 praktische Trainingsformen (ohne viel Material)
Hier kommen konkrete, anfängerfreundliche Beispiele für den Trainingsplatz. Jede Form lässt sich je nach Alter über Feldgröße, Zeit und Regeln steuern.
1) 3-gegen-3 Intervallspiel („Power-Minis“)
Ziel: hohe Intensität, viele Aktionen, fußballspezifische Ausdauer
- Feld: ca. 20x15 m (anpassen)
- Teams: 3 vs. 3, mehrere Felder parallel
- Ablauf: 3 Minuten Spiel / 1 Minute Pause, 4–6 Runden
- Coaching: schnelles Einwechseln, Ball sofort wieder rein
Variationen:
- Tor zählt doppelt nach Ballgewinn
- „5 Sekunden Umschalten“-Regel: nach Ballverlust sofort pressen
2) Dribbel-Staffel mit Richtungswechseln
Ziel: Grundlagenausdauer + Koordination
- 2–4 Teams, je eine Dribbelstrecke mit Wendepunkt
- Belastung: 15–25 Sekunden pro Lauf, dann Pause in der Reihe
- Fokus: Kopf hoch, saubere Ballführung
Tipp: Für jüngere Kinder lieber kurze Strecken und mehr Durchgänge.
3) „Jägerball“ mit Ball (Fangspiel 2.0)
Ziel: spielerische Ausdauer, viele Antritte
- 1–2 Fänger mit Ball in der Hand oder am Fuß (je nach Alter)
- Wer berührt wird, macht 5 schnelle Ballkontakte (z. B. Tippen) und spielt weiter
- Dauer: 4–6 Minuten, 2–3 Durchgänge
Warum wirkt das? Kinder sprinten spontan – genau das, was fußballspezifisch zählt.
4) Pass-Rondo mit Zeitdruck
Ziel: Ausdauer durch permanentes Freilaufen + Technik
- 5 vs. 2 im Quadrat (Größe anpassen)
- Regel: nach 5 Pässen gibt’s einen Punkt; Ballverlust = schneller Rollenwechsel
- Intervalle: 60–90 Sekunden, dann Wechsel der Verteidiger
Achte darauf, dass das Rondo nicht „spaziert“ wird: Feld kleiner machen, Kontaktzahl begrenzen.
5) Umschalt-Spiel „2 Tore – 1 Ball“
Ziel: Schnelligkeitsausdauer und Erholungsfähigkeit
- 4 vs. 4, zwei Tore pro Team (links/rechts)
- Regel: Nach Ballgewinn muss innerhalb von 8 Sekunden abgeschlossen werden
- Intervalle: 2 Minuten Spiel / 1 Minute Pause, 5–7 Runden
Diese Form bringt das typische Spielgefühl: Sprinten – Entscheidung – Abschluss – sofort wieder verteidigen.
Wie oft und wie lange sollte Ausdauer trainiert werden?
Für Beginner gilt: Ausdauer entsteht im Jugendfußball vor allem durch die Trainingsgestaltung, nicht durch Extra-Läufe.
- 1–2 ausdauerbetonte Blöcke pro Woche reichen oft, wenn insgesamt regelmäßig trainiert wird.
- Pro Einheit: 10–25 Minuten „Ausdauer über Spielformen“ (je nach Alter und Intensität).
- Besser kurz und intensiv als lang und zäh.
Wenn Dein Kind zusätzlich spielt (Punktspiel, Turnier), zählt das als Belastung. Dann ist im Training eher Regeneration und Technik sinnvoll.
Ausdauertraining und Eltern: Was kannst Du zu Hause sinnvoll unterstützen?
Eltern wollen helfen – aber was ist wirklich sinnvoll?
- Alltag aktiv gestalten: zu Fuß zur Schule, Radfahren, draußen spielen.
- Schlaf und Ernährung: Ausdauer leidet massiv bei Müdigkeit.
- Kein Druck: Motivation ist im Kinderfußball ein Leistungsfaktor.
Für den Spieltag helfen klare Routinen. Schau dazu in die Eltern-Checkliste: Das erste Fußballspiel – viele Punkte gelten auch später noch.
Sicherheit und Belastungssteuerung: Woran erkennst Du „zu viel“?
Ausdauertraining ist nur gut, wenn Kinder gesund bleiben.
Warnsignale:
- anhaltende Müdigkeit über mehrere Tage
- ungewöhnliche Reizbarkeit oder Lustlosigkeit
- Schmerzen (v. a. Knie, Ferse, Schienbein) – ernst nehmen
- Technik bricht komplett ein, Kind „schleppt“ sich nur noch
Dann gilt: Intensität reduzieren, mehr Pausen, spielerischer arbeiten.
Fazit: So klappt Ausdauertraining im Jugendfußball für Beginner
Ein gutes ausdauer training jugend ist kurz, spielnah und motivierend. Statt langer Dauerläufe bringen kleine Spielformen, Intervallspiele und Umschaltaufgaben den größten Effekt – und zwar genau dort, wo Kinder ihn brauchen: im Spiel mit Ball, Entscheidungen und Gegnerdruck. Wenn Du Intensität über Feldgröße, Regeln und Pausen steuerst, entwickelst Du Ausdauer automatisch und kindgerecht – ohne dass das Training seine Leichtigkeit verliert.
Wenn Du neben der Kondition auch Spielverständnis fördern willst, lohnt sich übrigens ein Blick auf Abseits einfach erklärt für Kinder – denn wer clever läuft, spart oft auch Kraft.
Häufig gestellte Fragen
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