Ehrenamtliche Trainer finden und binden
Ehrenamtliche Trainer:innen sind das Rückgrat jeder Nachwuchsabteilung. Mit klaren Rollen, gutem Onboarding und echter Wertschätzung gewinnt und bindet dein Verein motivierte Menschen.
Ehrenamtliche Trainer:innen sind das Herz vieler Nachwuchsabteilungen – ohne sie rollt der Ball nicht. Gleichzeitig wird es für Vereine immer anspruchsvoller, motivierte Menschen zu finden und langfristig zu halten. Gute Nachricht: Mit einem klaren Plan, wertschätzender Kultur und smarten Werkzeugen klappt es – auch bei kleinen Vereinen auf dem Land.
Warum ehrenamtliche Trainer:innen das Rückgrat sind
Ehrenamtliche tragen nicht nur Trainingseinheiten, sie prägen die Kultur. Kinder orientieren sich an ihnen, Eltern bauen auf sie, Vorstände brauchen sie. Wer das ernst nimmt, stellt sich zwei Fragen: Wen suchen wir genau – und was bieten wir ihnen konkret?
Bei meinem U9-Team hat sich bewährt, Potenziale im Umfeld früh zu erkennen: Eltern mit Sportbezug, ältere Geschwister, ehemalige Spieler:innen, Studierende der Sportwissenschaft. Viele sagen anfangs: „Ich habe doch keine Erfahrung.“ Genau hier setzt gutes Onboarding an.
Zielgruppen definieren: Wen sprechen wir an?
Typische Profile
- Eltern mit Fußballaffinität: Bringen Verlässlichkeit und Nähe zur Mannschaft mit.
- Ehemalige Spieler:innen: Haben Spielverständnis, brauchen didaktische Begleitung.
- Studierende/Auszubildende: Suchen Praxis und Referenzen.
- Quereinsteiger:innen: Kommen aus anderen Sportarten oder pädagogischen Feldern.
Nutzen klar benennen
- Sinn & Wirkung: Direkter Beitrag zur Entwicklung von Kindern.
- Qualifizierung: Interne Schulungen, Unterstützung bei Lehrgängen (z. B. DFB-Basiscoach).
- Teamkultur: Co-Coaching, Austausch, Feedback.
- Flexibilität: Rollen in verschiedenen Zeitumfängen.
Frag dich: Wen aus dieser Liste haben wir bereits im Umfeld – und wen erreichen wir noch nicht?
Systematisches Recruiting: So findet ihr ehrenamtliche Trainer
1) Botschaft schärfen
Formuliere ein konkretes Rollenprofil statt einer allgemeinen „Wir suchen Hilfe“-Aussage.
- Rolle: Co-Trainer:in U9, 1x Training/Woche, 90 Minuten
- Aufgaben: Station betreuen, Aufwärmen leiten, Spieltag unterstützen 1x/Monat
- Support: Mentoring durch erfahrene Trainer, Übungsbank mit fertigen Einheiten
- Mehrwert: Zertifikat am Saisonende, Fortbildungszuschuss
Ein kurzer, klarer Call-to-Action wirkt besser als lange Wunschlisten.
2) Die richtigen Kanäle bespielen
- Elternabend & Heimspiele: Persönliche Ansprache funktioniert am besten.
- Soziale Medien: Storys vom Trainingsalltag, kurze Trainer:innen-Statements.
- Schulen & Kitas: AGs anbieten, Hospitation ermöglichen.
- Hochschulen/Berufsschulen: Praxisplätze, Praktika, Projektarbeiten.
- Ehemaligen-Netzwerk: E-Mail oder WhatsApp-Gruppe für Ex-Spieler:innen.
Frage beim Ansprechen gezielt: „Hättest du Lust, nächste Woche eine Station zu übernehmen? 20 Minuten reichen.“ Der erste Schritt muss leicht sein.
3) Niedrigschwelliger Einstieg
- Schnupper-Coaching: Zwei Termine ohne Verpflichtung.
- Micro-Rollen: „Ball- und Materialmanager:in“, „Aufwärm-Coach“, „Torwart-Betreuer:in“.
- Co-Coaching: Neue nie allein lassen – Tandem-Konzept als Standard.
Übrigens: Inhalte sollten sofort griffbereit sein. Verweise neue Trainer:innen z. B. auf praxisnahe Ressourcen wie unser Koordinationstraining für junge Fußballer oder „leicht verdauliche“ Regeln wie Abseits einfach erklärt für Kinder.
Onboarding: Der 30-Tage-Plan, der wirklich trägt
Ein gutes Onboarding bindet stärker als jedes Geschenk. Mein bewährter 30-Tage-Plan:
Woche 1: Willkommen und Orientierung
- Kurzes Willkommensgespräch (15 Min): Ziele, Umfang, Erreichbarkeit.
- Material zeigen: Bälle, Hütchen, Leibchen, Schlüsselsystem.
- Zugriff auf die Übungsbibliothek (Cloud/Ordner) inklusive 3 fertiger Einheiten.
- Erste Aufgabe: Aufwärmteil bei der U9 leiten – gemeinsam vorbereitet.
Woche 2: Erste Verantwortung
- Stationenarbeit übernehmen, klare Coaching-Punkte:
- Laut, klar, freundlich anleiten
- Max. Wartezeit: 20 Sekunden
- Technik zeigen, 1-2 Kernhinweise geben
- Kurzes Feedback nach dem Training: 2 Stärken, 1 Entwicklungsimpuls.
Woche 3: Spieltag erleben
- Rolle definieren: Aufwärmen, Wechseltafel, Feedback in der Pause.
- Elternkontakt begleiten: Wie erkläre ich Spielzeiten kindgerecht?
- Verweis auf die Eltern-Checkliste: Das erste Fußballspiel – hilft, Erwartungen zu klären.
Woche 4: Eigenständiger Baustein
- Eigener 20-Minuten-Block (z. B. Torschuss oder 1-gegen-1).
- Feedbackgespräch mit Perspektive: „Was macht dir am meisten Spaß? Wovon willst du mehr?“
Qualifizieren ohne zu überfordern
Neue Ehrenamtliche brauchen schnelle Erfolge, keine Theorieflut.
- Startpaket: 6 einfache, spielnahe Übungsformen (z. B. Dribbelparcours, Funino, Torschuss).
- Video-Snacks: 1–3 Minuten Clips statt 60-Minuten-Webinar.
- Patenmodell: Erfahrene Trainer:in als feste Ansprechperson.
- Fortbildung light: Vereinsinterner Workshop 90 Minuten pro Quartal.
Tipp aus der Praxis: Nutzt wiederkehrende Schwerpunkte. Eine Woche „Dribbling“, dann „Passen“, dann „Abschluss“. Verlinkt bei Bedarf konkret auf Ressourcen wie „Torschuss“ – z. B. Torschuss aus der Bewegung – und lasst neue Trainer:innen diese Einheit anpassen.
Rahmenbedingungen, die binden
Viele Vereine suchen – wenige denken konsequent an Bindung. Was hält Ehrenamtliche langfristig?
- Planbarkeit: Fester Terminplan, Vertretungspool, frühzeitige Spieltag-Info.
- Wertschätzung: Namentliche Erwähnung im Vereinsshop/Website, Saisonabschluss mit Dank.
- Kostenübernahme: Fahrtenpauschale, Trikot/Trainerjacke, Fortbildungszuschüsse.
- Mitgestaltung: Stimmt Trainingszeiten gemeinsam ab, fragt nach Wunschteams.
- Pausen zulassen: Ehrenamt ist Marathon, nicht Sprint. Sabbaticals ermöglichen und Rückkehr erleichtern.
Klingt banal? In Befragungen nennen Trainer:innen fehlende Planbarkeit und geringe Wertschätzung als Hauptgründe fürs Aufhören – nicht die reine Zeitbelastung.
Kommunikation mit Eltern: Partner statt Publikum
Eltern sind keine Störfaktoren, sondern Ressourcen. Klare Absprachen verhindern Frust.
- Kick-off-Infobrief: Ziele, Spielzeitmodell, Kommunikationswege.
- Mithilfeplan: Fahrdienst, Trikotwäsche, Catering – Rollen rotieren.
- Sichtbares Feedback: „Heute hat das Aufwärmen von Frau Müller super funktioniert, danke!“
Was hat das mit Recruiting zu tun? Wer sich gesehen fühlt, steigt eher ein. Viele meiner Co-Trainer:innen kamen über kleine Aufgaben.
Digitale Organisation leicht gemacht
- Teamkalender: Training, Spiele, Abwesenheiten – alle sehen’s.
- Vorlagen-Ordner: Einheiten, Spielformen, Elternbriefe – sauber sortiert.
- Kurze Retro nach jedem Block (10 Min): Was lief? Was ändern wir?
Das reduziert Chaos und schafft Sicherheit – besonders für neue Leute.
Mini-Toolbox: Sofort umsetzbare Schritte
- Heute: Liste mit 10 potenziellen Personen erstellen und gezielt ansprechen.
- Diese Woche: Rollenprofil und Schnupperangebot posten (Social Media + Aushang + Eltern-Chat).
- Diesen Monat: Onboarding-Mappe bauen (Kontaktliste, Hallenplan, 6 Übungen, Feedbackbogen).
- Diese Saison: Patenmodell, Quartalsworkshop, Abschlussdank etablieren.
Häufige Stolperfallen – und bessere Lösungen
- „Wer kann, soll einfach kommen“ → Besser: Klare Zeitfenster und Micro-Rollen.
- „Mach du mal die E-Jugend“ → Besser: Co-Coaching statt Einzelverantwortung.
- „Fortbildung später“ → Besser: Erste Einheit sofort liefern, Fortbildung häppchenweise.
- „Danke per Rundmail“ → Besser: persönliches Dankeschön, konkret auf Leistung bezogen.
Fazit: Finden ist wichtig – binden ist entscheidend
Ehrenamtliche Trainer finden heißt: Zielgruppen klar ansprechen, Einstieg niedrigschwellig machen, erste Erfolgserlebnisse ermöglichen. Ehrenamtliche Trainer binden heißt: Planbarkeit, Wertschätzung, Qualifizierung und Mitgestaltung konsequent leben. Wer das systematisch angeht, gewinnt nicht nur mehr Trainer:innen – er baut eine Kultur, in der Menschen bleiben wollen. Und genau diese Kultur spüren Kinder, Eltern und der ganze Verein – jeden Trainingstag.
Häufig gestellte Fragen
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