Torwarttraining

    Hechten lernen: Schritt-für-Schritt (U10+)

    Hechten wirkt spektakulär, muss im Kinderfußball aber vor allem sicher sein. Mit Fallschule, Abdruck-Technik und passenden Übungen lernst du Hechten Schritt für Schritt – ideal für U10+.

    fbTobias Brenner · aktualisiert 27. Sept. 2026 · 9 Min.
    KI-generiertes Symbolbild

    Hechten gehört zu den spektakulärsten Aktionen im Kinderfußball – und gleichzeitig zu den häufigsten Fehlerquellen. Viele Kinder (und Eltern am Spielfeldrand) denken beim Hechten sofort an „fliegen“ und „weit kommen“. Für U10+ ist aber etwas anderes entscheidend: sicher landen, sauber abdrücken und den Ball kontrollieren. Wenn dein Kind oder dein Torhüter das Schritt für Schritt lernt, wirkt das Hechten schnell mutig und athletisch – ohne unnötige Stürze oder Angst.

    Damit das klappt, braucht es eine klare Progression: erst Fallen lernen, dann seitliches Abkippen, dann der Abdruck in die Flugphase, erst danach Hechten auf echte Bälle. Klingt langsam? Genau das ist der Trick: Sicherheit macht Geschwindigkeit.

    Was bedeutet „Hechten“ im Kinderfußball wirklich?

    Hechten ist eine seitliche Abdruck- und Flugbewegung, mit der der Torhüter Bälle erreicht, die außerhalb der normalen Reichweite im Stand liegen. Bei U10+ geht es vor allem um:

    • Grundtechnik (Körperhaltung, Hände, Kopfposition)
    • Verletzungsprophylaxe durch korrektes Landen
    • Entscheidungsverhalten: Wann reicht ein Schritt? Wann ist Hechten nötig?

    Wichtig: Viele „Hechtversuche“ sind in Wahrheit ein Umfallen. Das ist nicht schlimm – solange du daraus einen Lernprozess machst.

    Voraussetzungen: Bevor du Hechten trainierst

    Bevor du ins Hechten gehst, sollten ein paar Basics sitzen. Sonst kompensieren Kinder mit wilden Sprüngen.

    1) Grundstellung und Handsicherheit

    Die Grundstellung ist leicht gebeugt, Gewicht auf dem Vorfuß, Hände vor dem Körper, Blick zum Ball. Je stabiler diese Basis, desto leichter wird das Abkippen zur Seite.

    2) Fußarbeit als Schlüssel

    Hechten ist selten die erste Lösung. Meist entscheidet Fußarbeit darüber, ob der Torhüter überhaupt hechten muss. Trainiere deshalb regelmäßig seitliche Schritte und kleine Anpassungen.

    Passend dazu: In unserem Beitrag Fußarbeit für junge Torhüter findest du einfache Drills, die Hechtsituationen deutlich reduzieren.

    3) Sicherer Untergrund und Material

    Für Einsteiger (U10+) gilt:

    • Trainiere anfangs auf Weichbodenmatten (Halle) oder auf weichem Rasen; Kunstrasen erst, wenn die Landung sicher sitzt, denn dort scheuern Hüfte und Ellbogen schnell auf
    • Nutze weiche Bälle (z. B. leichter Trainingsball) für die ersten Fangversuche
    • Torwarthandschuhe sind hilfreich, aber Technik ersetzt kein Material

    Schritt-für-Schritt: Hechten lernen (Progression für Einsteiger)

    Die folgende Progression ist bewusst kleinteilig. Du kannst pro Einheit 1–2 Stufen bearbeiten, je nach Mut und Koordination.

    Abb. 1 · Hechten in vier Phasen: seitlich fallen, aus der tiefen Grundstellung abkippen, Schritt zur Ballseite mit Abdruck und seitliche Landung mit dem Ball am Körper
    Abb. 1 · Hechten in vier Phasen: seitlich fallen, aus der tiefen Grundstellung abkippen, Schritt zur Ballseite mit Abdruck und seitliche Landung mit dem Ball am Körper

    Schritt 1: Richtig fallen lernen (seitliches Abrollen)

    Ohne gutes Fallen wird Hechten zur Angstübung. Ziel: Das Kind lernt, den Körper seitlich „abzulegen“, ohne auf Ellbogen, Knie oder Hüfte zu knallen.

    Coachingpunkte (leicht verständlich):

    • Kinn zur Brust (Kopf schützen)
    • Landung über die Körperseite: Unter- und Oberarm, Schulter, seitlicher Rumpf, Hüfte, Außenseite Oberschenkel, nicht auf Bauch oder Rücken
    • Arme nicht steif abstützen, sondern beide Hände nach vorn zum (gedachten) Ball führen

    Übung:

    • Kind kniet auf der Matte (beide Knie oder ein Knie am Boden), kippt kontrolliert zur Seite und legt sich über die Körperseite ab, die Hände halten dabei einen Ball vor dem Körper.
    • 6–8 Wiederholungen pro Seite, immer beide Seiten.
    • Organisation: 2–3 Kinder pro Matte, eins fällt, das nächste wartet am Mattenrand, dann Wechsel.

    Typische Fehler:

    • Abstützen auf gestrecktem Arm (Handgelenk/Schulter-Risiko)
    • Kopf seitlich auf den Boden legen

    Schritt 2: Seitliches Abkippen aus der Hocke

    Jetzt kommt Dynamik dazu – aber noch ohne Sprung.

    Übung:

    • Kind startet in tiefer Grundstellung.
    • Trainer zeigt rechts/links an.
    • Kind kippt kontrolliert zur Seite und „fängt“ einen Ball, der gerollt wird.

    Wichtig:

    • Der Ball kommt langsam und flach.
    • Fokus liegt auf Körper hinter den Ball und sicherer Landung.

    Schritt 3: Abdruckbein verstehen (der „Push“)

    Hechten entsteht durch einen Seitschritt zur Ballseite und einen Abdruck vom ballnahen Bein. Das ballferne Bein schwingt mit und gibt zusätzlichen Schwung. Kinder verwechseln das oft und stoßen sich vom falschen Bein ab, dann kippen sie eher, als dass sie fliegen.

    Merksatz:

    • „Ball rechts? Schritt nach rechts, Abdruck mit rechts, das linke Knie schwingt mit.“

    Übung (Trockenform):

    1. Markiere eine Linie und lege 1–1,5 Meter daneben ein Hütchen auf die Matte.
    2. Kind macht aus der Grundstellung einen kurzen Seitschritt Richtung Hütchen.
    3. Dann bewusst Abdruck vom ballnahen Bein, die Hände gehen zum Hütchen, Landung seitlich (ohne Ball).

    Coachingpunkte:

    • Erst Schritt, dann Abdruck (nicht aus dem Stand „springen“)
    • Abdruck seitlich nach vorn, nicht nach hinten ins Tor
    • Oberkörper bleibt zum Ball orientiert

    Schritt 4: Hechten auf Rollbälle (flach, seitlich)

    Jetzt wird aus dem Fallen ein echtes Hechten – aber weiterhin kontrolliert.

    Aufbau:

    • Torhüter in Grundstellung.
    • Trainer rollt Bälle aus 4–5 Metern 1–2 Meter neben den Torhüter, immer im Wechsel links und rechts.
    • 6–8 Bälle, dann ist das nächste Kind dran.

    Ziel:

    • Seitlich hechten, Ball aufnehmen/abklatschen, sicher landen.

    Variationen:

    • Erst „festhalten“ (sammeln), später „parieren“ (wegklatschen) – je nach Niveau.

    Schritt 5: Hechten auf halbhohe Bälle (ohne Vollspannung)

    Halbhohe Bälle sind tricky, weil Kinder oft mit den Händen nach oben greifen und dabei die Landung vergessen.

    Übung:

    • Trainer wirft den Ball leicht seitlich auf Bauch-/Brusthöhe.
    • Torhüter hechtet, fängt und landet seitlich.

    Coachingpunkte:

    • Hände früh in die Flugbahn bringen, der Ball fliegt in die Hände, nicht „hinterherwischen“
    • untere Hand hinter den Ball, obere Hand oben drauf, dann Ball zum Körper ziehen
    • Landung bleibt seitlich, nicht auf dem Bauch

    Schritt 6: Hechten aus Bewegung (realistischer)

    Im Spiel steht der Torhüter selten still. Baue deshalb eine kleine Vorbewegung ein.

    Übung:

    • Torhüter startet 2–3 Schritte vor dem Hütchen.
    • Rückwärts/seitlich in Grundstellung einpendeln.
    • Trainer rollt oder wirft seitlich.

    Hier hilft es, auch Schützen zu schulen, die aus dem Lauf sauber abschließen. Für passende Schussformen: Torschuss aus der Bewegung.

    Praktische Trainingstipps: So bleibt Hechten sicher und kindgerecht

    Dosierung: Qualität vor Quantität

    Hechten ist belastend für Schulter, Hüfte und Handgelenke. Plane lieber:

    • 2–3 kurze Blöcke à 6–10 Wiederholungen
    • viele Pausen, Feedback und Seitenwechsel

    Mut fördern – aber Druck rausnehmen

    Frag dich: Muss das Kind heute „weit fliegen“? Oder reicht ein sauberer Seitfall mit Ballkontakt? Für Einsteiger gilt:

    • Sicherheit schlägt Reichweite
    • Technik schlägt Show

    Fangtechnik: „W“-Hände und Ball sichern

    Bei U10+ klappt das Fangen besser, wenn die Hände frühzeitig in eine stabile Position kommen:

    1. Bei Bällen auf Brust- und Kopfhöhe: Daumen nah zueinander (oft als „W-Form“ erklärt); bei flachen Bällen: untere Hand hinter den Ball, obere Hand drauf
    2. Ball an den Körper ziehen
    3. Nach dem Kontakt „einpacken“ und ruhig liegen bleiben

    Häufige Fehler – und schnelle Korrekturen

    • Fehler: Kind springt nach oben statt seitlich.
      • Korrektur: Zielzone flach markieren („Landefeld“), Ball flach rollen.
    • Fehler: Landung auf Ellbogen/Hand.
      • Korrektur: Erst 2 Minuten Fallschule (Schritt 1–2), dann wieder Ball.
    • Fehler: Hechten, obwohl ein Schritt reicht.
      • Korrektur: „Erst Füße!“ – 3 Wiederholungen nur mit seitlichem Schritt und Fangen.

    Kleine Spielformen: Hechten im Kontext trainieren

    Technik ohne Spielbezug bleibt oft „Turnen“. Baue einfache Spielformen ein.

    1) Zonen-Tor (Entscheiden: Schritt oder Hecht?)

    • Kleinfeldtor (5 x 2 m), 3–4 Schützen, 1–2 Torhüter; vor dem Tor liegen Matten, wenn ihr in der Halle seid.
    • Markiere im Tor links und rechts je eine schmale Zone (ca. 1 m breit, z. B. mit Stangen oder Hütchen auf der Torlinie).
    • Die Schützen schießen aus 9–11 Metern flach oder halbhoch mit der Innenseite, nacheinander und erst, wenn der Torwart in Grundstellung ist.
    • Tore in die Zone zählen für die Schützen doppelt, jeder gehaltene Zonen-Ball bringt dem Torhüter 2 Punkte.
    • Torhüter soll bewusst entscheiden: Schritt, Abkippen oder Hechten.
    • Wechsel im Tor nach 6–8 Schüssen, dann ist der Torhüter kurz Schütze.

    Leichter: Die Schützen werfen statt zu schießen. Schwerer: Die Schützen dürfen die Ecke frei wählen, der Torhüter weiß vorher nicht, welche Seite kommt.

    2) Zielschießen für die Schützen (kontrollierte Bälle)

    Je besser die Schützen dosieren, desto besser lernt der Torhüter. Weitere Hechtformen auf Matten findest du in Torwart Hechten lernen: 6 Matten-Drills, die komplette Aufbaureihe vom Fangen bis zum Hechten in der Methodischen Reihe Torwarttraining. Zielspiele helfen dabei, die Schussqualität zu steuern: Schusspräzision in der Halle: 8 Zielspiele (U8–U13).

    Sicherheit & Verletzungsprophylaxe (U10+)

    Hechten soll mutig machen, nicht weh tun. Achte besonders auf:

    • Aufwärmen: Schulterkreisen, Rumpfspannung, leichte Sprünge, erst dann Fallschule
    • Symmetrie: Beide Seiten gleich viel trainieren
    • Stop-Regel: Bei Handgelenk-/Schulterschmerz sofort abbrechen
    • Untergrund: Auf hartem Boden nur Fallschule, keine Flugphase

    Fazit: Hechten lernen heißt Landen lernen

    Wenn dein Kind (oder dein Torhüter) Hechten lernen soll, starte nicht mit dem „großen Flug“. Starte mit Falltechnik, dann Abkippen, dann Abdruck – und erst danach mit echten Hechtsituationen. So entsteht Schritt für Schritt ein Torhüter, der Bälle nicht nur erreicht, sondern kontrolliert pariert und dabei gesund bleibt. Und genau das ist im Kinderfußball der wichtigste „Highlight-Moment“.

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    Passende Übungen

    Häufig gestellte Fragen

    Für viele Kinder ist ab U10 ein sinnvoller Einstieg, weil Koordination und Körpergefühl zunehmen. Entscheidend ist aber nicht nur das Alter: Das Kind sollte zuerst kontrolliert seitlich fallen und abrollen können. Wenn das noch unsicher ist, starte mit Fallschule und seitlichem Abkippen, bevor du echte Hechtsprünge einbaust.

    Nein. Gerade bei schnelleren oder unangenehm platzierten Bällen ist Parieren (gezieltes Wegklatschen) oft die bessere Lösung. Für Anfänger ist Festhalten ein gutes Lernziel, aber wichtiger sind saubere Handposition, Körper hinter dem Ball und eine sichere Landung. Erst wenn die Technik stabil ist, sollte der Anspruch „immer festhalten“ steigen.

    Angst entsteht meist durch schlechte Landungen oder zu große Schritte im Training. Hilfreich sind eine klare Progression (erst Fallen ohne Ball, dann Rollbälle, dann halbhohe Bälle), ein weicher Untergrund bzw. Matten und langsame, kontrollierte Zuspiele statt harter Schüsse. Lobe vor allem Technik und Mut zur richtigen Bewegung – nicht die Weite des Sprungs.

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