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    Hechten lernen: Schritt-für-Schritt (U10+)

    Hechten wirkt spektakulär, muss im Kinderfußball aber vor allem sicher sein. Mit Fallschule, Abdruck-Technik und passenden Übungen lernst du Hechten Schritt für Schritt – ideal für U10+.

    Tobias Brenner
    16. Jan. 2026
    Aktualisiert: 21. Jan. 2026
    8 Min.

    Hechten gehört zu den spektakulärsten Aktionen im Kinderfußball – und gleichzeitig zu den häufigsten Fehlerquellen. Viele Kinder (und Eltern am Spielfeldrand) denken beim Hechten sofort an „fliegen“ und „weit kommen“. Für U10+ ist aber etwas anderes entscheidend: sicher landen, sauber abdrücken und den Ball kontrollieren. Wenn dein Kind oder dein Torhüter das Schritt für Schritt lernt, wirkt das Hechten schnell mutig und athletisch – ohne unnötige Stürze oder Angst.

    Damit das klappt, braucht es eine klare Progression: erst Fallen lernen, dann seitliches Abkippen, dann der Abdruck in die Flugphase, erst danach Hechten auf echte Bälle. Klingt langsam? Genau das ist der Trick: Sicherheit macht Geschwindigkeit.

    Was bedeutet „Hechten“ im Kinderfußball wirklich?

    Hechten ist eine seitliche Abdruck- und Flugbewegung, mit der der Torhüter Bälle erreicht, die außerhalb der normalen Reichweite im Stand liegen. Bei U10+ geht es vor allem um:

    • Grundtechnik (Körperhaltung, Hände, Kopfposition)
    • Verletzungsprophylaxe durch korrektes Landen
    • Entscheidungsverhalten: Wann reicht ein Schritt? Wann ist Hechten nötig?

    Wichtig: Viele „Hechtversuche“ sind in Wahrheit ein Umfallen. Das ist nicht schlimm – solange du daraus einen Lernprozess machst.

    Voraussetzungen: Bevor du Hechten trainierst

    Bevor du ins Hechten gehst, sollten ein paar Basics sitzen. Sonst kompensieren Kinder mit wilden Sprüngen.

    1) Grundstellung und Handsicherheit

    Die Grundstellung ist leicht gebeugt, Gewicht auf dem Vorfuß, Hände vor dem Körper, Blick zum Ball. Je stabiler diese Basis, desto leichter wird das Abkippen zur Seite.

    2) Fußarbeit als Schlüssel

    Hechten ist selten die erste Lösung. Meist entscheidet Fußarbeit darüber, ob der Torhüter überhaupt hechten muss. Trainiere deshalb regelmäßig seitliche Schritte und kleine Anpassungen.

    Passend dazu: In unserem Beitrag Fußarbeit für junge Torhüter findest du einfache Drills, die Hechtsituationen deutlich reduzieren.

    3) Sicherer Untergrund und Material

    Für Beginner (U10+) gilt:

    • Trainiere anfangs auf Rasen, Kunstrasen oder Matten (wenn vorhanden)
    • Nutze weiche Bälle (z. B. leichter Trainingsball) für die ersten Fangversuche
    • Torwarthandschuhe sind hilfreich, aber Technik ersetzt kein Material

    Schritt-für-Schritt: Hechten lernen (Beginner-Progression)

    Die folgende Progression ist bewusst kleinteilig. Du kannst pro Einheit 1–2 Stufen bearbeiten, je nach Mut und Koordination.

    Schritt 1: Richtig fallen lernen (seitliches Abrollen)

    Ohne gutes Fallen wird Hechten zur Angstübung. Ziel: Das Kind lernt, den Körper seitlich „abzulegen“, ohne auf Ellbogen, Knie oder Hüfte zu knallen.

    Coachingpunkte (leicht verständlich):

    • Kinn zur Brust (Kopf schützen)
    • Landung über Außenseite Oberschenkel/Hüfte und seitlichen Rücken
    • Arme nicht steif abstützen, sondern Ballseite nach vorn führen

    Übung:

    • Kind kniet seitlich (ein Knie am Boden), kippt kontrolliert zur Seite und rollt über die Körperseite ab.
    • 6–8 Wiederholungen pro Seite.

    Typische Fehler:

    • Abstützen auf gestrecktem Arm (Handgelenk/Schulter-Risiko)
    • Kopf seitlich auf den Boden legen

    Schritt 2: Seitliches Abkippen aus der Hocke

    Jetzt kommt Dynamik dazu – aber noch ohne Sprung.

    Übung:

    • Kind startet in tiefer Grundstellung.
    • Trainer zeigt rechts/links an.
    • Kind kippt kontrolliert zur Seite und „fängt“ einen Ball, der gerollt wird.

    Wichtig:

    • Der Ball kommt langsam und flach.
    • Fokus liegt auf Körper hinter den Ball und sicherer Landung.

    Schritt 3: Abdruckbein verstehen (der „Push“)

    Hechten entsteht durch einen Abdruck vom ballfernen Bein. Das ist für Kinder oft ungewohnt.

    Merksatz:

    • „Ball rechts? Dann drückst du dich mit links ab.“

    Übung (Trockenform):

    • Markiere eine Linie.
    • Kind macht einen seitlichen Schritt Richtung Ballseite.
    • Dann bewusst Abdruck vom ballfernen Bein und landet seitlich (ohne Ball).

    Coachingpunkte:

    • Erst Schritt, dann Abdruck (nicht gleichzeitig „springen“)
    • Oberkörper bleibt zum Ball orientiert

    Schritt 4: Hechten auf Rollbälle (flach, seitlich)

    Jetzt wird aus dem Fallen ein echtes Hechten – aber weiterhin kontrolliert.

    Aufbau:

    • Torhüter in Grundstellung.
    • Trainer rollt Bälle 1–2 Meter neben den Torhüter.

    Ziel:

    • Seitlich hechten, Ball aufnehmen/abklatschen, sicher landen.

    Variationen:

    • Erst „festhalten“ (sammeln), später „parieren“ (wegklatschen) – je nach Niveau.

    Schritt 5: Hechten auf halbhohe Bälle (ohne Vollspannung)

    Halbhohe Bälle sind tricky, weil Kinder oft mit den Händen nach oben greifen und dabei die Landung vergessen.

    Übung:

    • Trainer wirft den Ball leicht seitlich auf Bauch-/Brusthöhe.
    • Torhüter hechtet, fängt und landet seitlich.

    Coachingpunkte:

    • Hände vor den Ball, nicht „hinterherwischen“
    • Landung bleibt seitlich, nicht auf dem Bauch

    Schritt 6: Hechten aus Bewegung (realistischer)

    Im Spiel steht der Torhüter selten still. Baue deshalb eine kleine Vorbewegung ein.

    Übung:

    • Torhüter startet 2–3 Schritte vor dem Hütchen.
    • Rückwärts/seitlich in Grundstellung einpendeln.
    • Trainer rollt oder wirft seitlich.

    Hier hilft es, auch Schützen zu schulen, die aus dem Lauf sauber abschließen. Für passende Schussformen: Torschuss aus der Bewegung.

    Praktische Trainingstipps: So bleibt Hechten sicher und kindgerecht

    Dosierung: Qualität vor Quantität

    Hechten ist belastend für Schulter, Hüfte und Handgelenke. Plane lieber:

    • 2–3 kurze Blöcke à 6–10 Wiederholungen
    • viele Pausen, Feedback und Seitenwechsel

    Mut fördern – aber Druck rausnehmen

    Frag dich: Muss das Kind heute „weit fliegen“? Oder reicht ein sauberer Seitfall mit Ballkontakt? Für Beginner gilt:

    • Sicherheit schlägt Reichweite
    • Technik schlägt Show

    Fangtechnik: „W“-Hände und Ball sichern

    Bei U10+ klappt das Fangen besser, wenn die Hände frühzeitig in eine stabile Position kommen:

    • Daumen nah zueinander (oft als „W-Form“ erklärt)
    • Ball an den Körper ziehen
    • Nach dem Kontakt „einpacken“ und ruhig liegen bleiben

    Häufige Fehler – und schnelle Korrekturen

    • Fehler: Kind springt nach oben statt seitlich.
      • Korrektur: Zielzone flach markieren („Landefeld“), Ball flach rollen.
    • Fehler: Landung auf Ellbogen/Hand.
      • Korrektur: Erst 2 Minuten Fallschule (Schritt 1–2), dann wieder Ball.
    • Fehler: Hechten, obwohl ein Schritt reicht.
      • Korrektur: „Erst Füße!“ – 3 Wiederholungen nur mit seitlichem Schritt und Fangen.

    Kleine Spielformen: Hechten im Kontext trainieren

    Technik ohne Spielbezug bleibt oft „Turnen“. Baue einfache Spielformen ein.

    1) Zonen-Tor (Entscheiden: Schritt oder Hecht?)

    • Markiere links und rechts neben dem Tor zwei schmale Zonen.
    • Schüsse in die Zone zählen doppelt.
    • Torhüter soll bewusst entscheiden: Schritt, Abkippen oder Hechten.

    2) Zielschießen für die Schützen (kontrollierte Bälle)

    Je besser die Schützen dosieren, desto besser lernt der Torhüter. Zielspiele helfen dabei, die Schussqualität zu steuern: Schusspräzision in der Halle: 8 Zielspiele (U8–U13).

    Sicherheit & Verletzungsprophylaxe (U10+)

    Hechten soll mutig machen, nicht weh tun. Achte besonders auf:

    • Aufwärmen: Schulterkreisen, Rumpfspannung, leichte Sprünge
    • Symmetrie: Beide Seiten gleich viel trainieren
    • Stop-Regel: Bei Handgelenk-/Schulterschmerz sofort abbrechen
    • Untergrund: Auf hartem Boden nur Fallschule, keine Flugphase

    Fazit: Hechten lernen heißt Landen lernen

    Wenn dein Kind (oder dein Torhüter) Hechten lernen soll, starte nicht mit dem „großen Flug“. Starte mit Falltechnik, dann Abkippen, dann Abdruck – und erst danach mit echten Hechtsituationen. So entsteht Schritt für Schritt ein Torhüter, der Bälle nicht nur erreicht, sondern kontrolliert pariert und dabei gesund bleibt. Und genau das ist im Kinderfußball der wichtigste „Highlight-Moment“.

    FAQ: Hechten lernen (U10+)

    Ab wann sollten Kinder Hechten trainieren?

    Bei vielen Kindern ist ab U10 ein guter Zeitpunkt, weil Koordination, Kraft und Körpergefühl deutlich zunehmen. Entscheidend ist weniger das Alter als die Fähigkeit, kontrolliert seitlich zu fallen. Wenn das noch unsicher ist, beginnt das Training besser mit Fallschule und Abkippen.

    Muss ein Torwart beim Hechten den Ball immer festhalten?

    Nein. Für Beginner ist „festhalten“ zwar ein gutes Ziel, aber je nach Schuss kann Parieren (wegklatschen) sinnvoller und sicherer sein. Wichtig ist, dass der Torhüter eine klare Technik hat: Hände aktiv zum Ball, Körper hinter den Ball, sichere Landung.

    Wie verhindere ich Angst vor dem Hechten?

    Angst entsteht oft durch schmerzhafte Landungen oder zu schnelle Progression. Hilfreich sind:

    • erst Fallen ohne Ball üben
    • langsam gerollte Bälle statt harter Schüsse
    • weicher Untergrund oder Matten
    • kurze Serien mit viel Lob für Technik, nicht für Reichweite

    Wie oft sollte Hechten pro Woche trainiert werden?

    Für U10+ reichen meist 1–2 kurze Technikblöcke pro Woche innerhalb des Torwart- oder Mannschaftstrainings. Mehr bringt nicht automatisch mehr – die Qualität der Wiederholungen und die Regeneration sind wichtiger.

    Häufig gestellte Fragen

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