Linienrichter (Assistent) einfach erklärt
Der Linienrichter (Schiedsrichter-Assistent) hilft dem Schiedsrichter bei Abseits, Ausbällen und knappen Szenen an der Seitenlinie. Mit einfachen Beispielen aus dem Kinderfußball verstehst du schnell, worauf es ankommt.
KI-generiertes SymbolbildEin Linienrichter (offiziell: Schiedsrichter-Assistent) unterstützt den Schiedsrichter am Spielfeldrand – vor allem bei Abseits, Ausbällen und knappen Entscheidungen an der Seitenlinie.
Was macht ein Linienrichter (Schiri-Assistent) genau?
Der Linienrichter läuft an einer Seitenlinie mit und hat eine klare Aufgabe: Er soll dem Schiedsrichter helfen, Situationen zu erkennen, die aus der Mitte des Feldes schwer zu sehen sind. Besonders wichtig ist dabei die Position: Der Assistent versucht, immer auf Höhe des vorletzten Abwehrspielers zu sein (oder auf Höhe des Balls, je nachdem, was näher zur Torlinie ist). So kann er Abseits-Situationen besser beurteilen.
Typische Aufgaben im Fußball:
- Abseits anzeigen (Flagge hoch, wenn ein Spieler im Abseits aktiv ins Spiel eingreift)
- Ausball erkennen: Einwurf, Abstoß oder Eckball?
- Fouls oder Handspiel nahe der Seitenlinie melden (wenn der Schiri es nicht gesehen hat)
- Bei höheren Spielklassen: Unterstützung bei Tor-/Nicht-Tor-Entscheidungen und Wechseln
- Beim Elfmeter anzeigen, ob der Torwart die Torlinie zu früh verlassen hat und ob der Ball vollständig über der Torlinie war
- Auch den Raum im Blick behalten, in dem gerade nicht gespielt wird, und Vorfälle melden, die der Schiedsrichter nicht sehen konnte
Gerade im Kinderfußball ist das Ziel nicht, „kleinlich“ zu pfeifen, sondern fair und verständlich zu entscheiden. Kennst du das: Der Ball geht knapp ins Aus und beide Teams rufen sofort „Unser Ball!“? Genau hier hilft ein Assistent.
So läuft die Kommunikation mit dem Schiedsrichter
Der Linienrichter nutzt meist eine Fahne (Flagge), um Zeichen zu geben. Der Schiedsrichter entscheidet am Ende selbst, ob er die Empfehlung übernimmt. Wichtig: Der Assistent pfeift nicht, sondern signalisiert.
Häufige Signale:
- Flagge senkrecht nach oben: mögliche Abseits-Situation
- Flagge schräg nach oben: Richtung für Einwurf (in Angriffsrichtung des einwerfenden Teams)
- Flagge schräg nach unten: Eckball anzeigen (Richtung Eckfahne)
- Flagge waagerecht: Abstoß anzeigen (Richtung Torraum)
Für Kinder und Eltern ist hilfreich zu wissen: Selbst wenn der Linienrichter etwas anzeigt, kann der Schiri anders entscheiden – zum Beispiel, wenn er eine bessere Sicht hatte.
Alle Fahnenzeichen des Linienrichters im Überblick
Welche Zeichen ein Schiedsrichter-Assistent geben darf, legen die Fußball-Regeln fest (Regel 6, im DFB-Regelheft als Grafiken abgebildet). Vor dem Spiel sprechen Schiedsrichter und Assistenten die Zeichengebung außerdem miteinander ab.
| Situation | So zeigt es der Linienrichter |
|---|---|
| Abseits | Fahne senkrecht nach oben. Unterbricht der Schiedsrichter das Spiel, zeigt die Fahne, wo das Abseits war: schräg nach unten = auf der näheren Seite des Spielfelds, waagerecht = in der Mitte, schräg nach oben = auf der entfernteren Seite |
| Foul oder anderes Vergehen | Fahne heben und leicht hin- und herbewegen, danach schräg nach oben in die Angriffsrichtung des Teams, das den Freistoß bekommt |
| Foul im Strafraum, das der Schiri nicht gesehen hat | Fahne heben, danach deutlich sichtbar an der Seitenlinie Richtung Eckfahne gehen (bei einem Foul knapp außerhalb des Strafraums: Richtung Mittellinie) |
| Einwurf | Fahne schräg nach oben in die Angriffsrichtung des Teams, das einwerfen darf |
| Eckstoß | Fahne schräg nach unten zur Eckfahne |
| Abstoß | Fahne waagerecht nach vorn in Richtung Torraum |
| Eindeutiges Tor | Keine Fahne: Der Linienrichter läuft 25 bis 30 Meter an der Seitenlinie entlang Richtung Mittellinie |
| Auswechslung | Fahne mit beiden Händen waagerecht über dem Kopf |
Merke: Beim Einwurf und beim Freistoß zeigt die Fahne immer in die Richtung, in die das Team spielt, das den Ball bekommt. Geht der Ball weit weg vom Linienrichter ins Aus und ist er unsicher, hebt er nur die Fahne und übernimmt die Entscheidung des Schiedsrichters.
Die Handzeichen des Schiedsrichters selbst findest du im Beitrag Schiedsrichterzeichen: Was bedeuten die Gesten?.
Sind Linienrichter auch Schiedsrichter?
Offiziell heißen Linienrichter Schiedsrichter-Assistenten. Laut Regel 6 gehören sie wie der Schiedsrichter zu den Spieloffiziellen auf dem Spielfeld und helfen ihm, das Spiel nach den Regeln zu leiten. Die endgültige Entscheidung trifft aber stets der Schiedsrichter. Hat er eine Szene selbst gesehen und konnte sie von seiner Position besser beurteilen, darf er dem Hinweis seines Assistenten laut DFB nicht folgen.
Nicht immer steht ein neutraler Assistent an der Linie. Werden keine neutralen Schiedsrichter-Assistenten angesetzt, stellt laut den DFB-Erläuterungen jeder der beiden Vereine einen. Die Aufgaben dieser Vereins-Linienrichter sind stark eingeschränkt: Normalerweise zeigen sie nur an, ob der Ball die Seitenlinie überschritten hat. Was genau sie anzeigen, sprechen sie vor dem Spiel mit dem Schiedsrichter ab.
Merke: Im Kinderfußball gibt es meist gar keinen Linienrichter. Für die F-Jugend und jünger sieht die DFB-Jugendordnung sogar Spiele ohne Schiedsrichter vor, die Kinder entscheiden selbst; für die E-Jugend gilt das nur, wenn der Landesverband es beschließt. Laut ÖFB-Vorschriften spielen in Österreich U6 bis U10 ohne Schiedsrichter. In der Schweiz spielen die G-, F- und E-Junioren laut den Bestimmungen des Schweizerischen Fussballverbands (SFV) ebenfalls ohne Schiedsrichter und regeln das Spiel selbst. Auch in der D-Jugend sind Assistenten nicht überall vorgesehen: In Thüringen gelten sie als entbehrlich, in Sachsen kann auf sie verzichtet werden.
Wie Spiele ohne Schiri ablaufen, erklärt Kinderfußball ohne Schiedsrichter.
Beispiele aus dem Kinderfußball
Beispiel 1: Abseits bei der D-Jugend
Ein Stürmer steht beim Pass deutlich näher am Tor als der vorletzte Abwehrspieler. Der Linienrichter bleibt auf Höhe der Abwehr, sieht die Situation und hebt die Flagge. Der Schiri unterbricht das Spiel und erklärt kurz: Abseits. Tipp: Wenn du Abseits besser verstehen willst, schau in den Artikel Abseits einfach erklärt für Kinder. Warum nicht jede Abseitsstellung abgepfiffen wird, erklärt Passives Abseits.
Gut zu wissen: In fast allen Landesverbänden spielt die E-Jugend ohne Abseits, zum Beispiel in Baden, Bayern, Berlin, Hamburg, Hessen und am Niederrhein; im Saarland gelten mangels Sonderregel die normalen Abseitsregeln. In den Festivalformen des DFB-Leitfadens (2 gegen 2 bis 5 gegen 5) gibt es kein Abseits. Ab der D-Jugend wird in den meisten Verbänden mit Abseits gespielt, in Berlin, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen (und teils in Brandenburg) dagegen auch dort noch nicht. Was in deinem Verband gilt, zeigt der Vergleich der Landesverbände.
Beispiel 2: Ball im Seitenaus – wer bekommt den Einwurf?
Der Ball prallt im Zweikampf ins Aus. Beide Teams reklamieren. Der Linienrichter zeigt klar die Richtung an. Das reduziert Diskussionen und hilft, das Spiel schnell fortzusetzen.
Beispiel 3: Eckball oder Abstoß?
Ein Schuss wird noch leicht abgefälscht und geht über die Torauslinie. Von der Mittellinie ist das schwer zu erkennen. Der Linienrichter sieht die Berührung und signalisiert Eckball. Passend dazu: Elfmeter - Das musst du wissen erklärt dir auch, wie Schiris in Strafraumszenen entscheiden.
Verwandte Begriffe (kurz erklärt)
- Abseits: Regel, die verhindert, dass Stürmer „nur vorne warten“. Mehr dazu in Abseits einfach erklärt für Kinder.
- Freistoß: Spielfortsetzung nach Foul/Handspiel. Siehe Freistoß - Regeln und Arten im Kinderfußball.
- Schiedsrichter: Leitet das Spiel, trifft die finalen Entscheidungen – der Linienrichter unterstützt.
Merksatz für Kinder
Der Linienrichter ist wie ein zweites Paar Augen für den Schiedsrichter – besonders an der Linie und beim Abseits.
Häufig gestellte Fragen
Ähnliche Begriffe im Lexikon
Meckern (beim Schiri)
Meckern beim Schiri ist lautstarkes, wiederholtes oder respektloses Kommentieren von Schiedsrichter-Entscheidungen statt sachlicher Rückfragen.
Abseits einfach erklärt für Kinder
Du stehst kurz vor dem Tor, bekommst den Ball und schießt ihn rein – doch plötzlich pfeift der Schiedsrichter? Wahrscheinlich warst du im Abseits.
Direkter vs. indirekter Freistoß
Ein direkter Freistoß darf sofort ins Tor geschossen werden.
Handspiel - Wann ist es ein Foul?
Ein Handspiel liegt vor, wenn ein Spieler den Ball mit Hand oder Arm berührt – und diese Berührung nach den Regeln als unerlaubt bewertet wird.
Nachspielzeit
Nachspielzeit (englisch „added time“) ist die zusätzliche Spielzeit am Ende einer Halbzeit, die der Schiedsrichter draufrechnet, um Zeitverluste auszugleichen.
Vorteil
Der Vorteil (Vorteilsregel) bedeutet: Der Schiedsrichter pfeift ein Foul nicht sofort, wenn die gefoulte Mannschaft trotzdem besser weiterspielen kann.