Übungssammlung · 7 Spiele

    Abstöße & Spielaufbau: 7 Spielformen (U9–U13)

    Diese 7 Spielformen machen Abstöße im Kinderfußball spielnah und leicht verständlich. Du trainierst Spielaufbau über den Torwart, Freilaufen und sichere erste Pässe – von U9 bis U13.

    fbTobias Brenner · aktualisiert 26. Okt. 2026
    Grundaufbau: Feld für Abstoß-Spielformen mit zwei Teams inklusive Torwart, 8–16 Spieler, Feld 25x35 m.

    Abstöße sind im Kinderfußball viel mehr als „Ball weit nach vorne“: Sie sind der Startschuss für Spielaufbau, Mut am Ball und clevere Entscheidungen. Suchst du Spielformen für Abstöße, die Kinder (U9–U13) nicht überfordern, aber trotzdem echte Spielintelligenz fördern? Dann helfen dir die folgenden 7 Spielformen – alle einsteigertauglich und ideal für ein Abstoß-Training mit Fokus auf den Aufbau über den Torwart.

    Ziel der Sammlung

    • Kinder erleben den Torwart als ersten Aufbauspieler und festen Teil des Teams.
    • Hinweis: Im 3-gegen-3 auf vier Minitore (Funino) gibt es keinen Torwart. Die Spielformen hier passen überall, wo mit Torwart gespielt wird, etwa im 7-gegen-7. Bei den Jüngeren rotiert die Torwartrolle.
    • Verbesserung von Passspiel unter Druck, Freilaufen (Anbieten) und Spielverlagerung.
    • Mutige, flache Lösungen statt „blind klären“.

    Übungsname: „7 Abstoß-Spielformen: Aufbau über den Torwart“

    Aufbau

    Feld ca. 25x35 m, an einer Grundlinie ein Tor mit Torwart. Das Aufbauteam (Torwart + 3–4 Feldspieler) spielt von dort heraus, das Pressingteam (3–4 Spieler) schließt nach Ballgewinn direkt auf das Tor ab.

    Teile das Feld in drei Zonen: Aufbauzone (ca. 10 m vor dem Tor), Mittelzone und Angriffszone. An der gegenüberliegenden Grundlinie stehen 2 Minitore oder 2 Hütchentore (3 m) als Ziel des Aufbauteams.

    Jede Aktion beginnt mit einem Abstoß: Der Ball liegt ruhend vor dem Tor, der Torwart spielt ihn flach heraus. Das Pressingteam wartet außerhalb der Aufbauzone, bis der Ball gespielt ist (wie beim Abstoß außerhalb des Strafraums).

    Punkte: Das Aufbauteam punktet mit einem Tor in eines der Minitore bzw. einem Pass durch ein Hütchentor, das Pressingteam mit einem Tor auf das große Tor.

    Nach jeder Spielform wechseln die Teams die Rollen. Ab 12 Kindern baust du ein zweites Feld mit Hütchentor (4 m) und eigenem Torwart auf.

    Die 7 Spiele – Schritt für Schritt

    1

    „3-Pässe aus dem Abstoß“

    Warum? Kinder lernen: erst sichern, dann beschleunigen.

    • Abstoß startet immer beim Torwart (Ball ruhend am Boden).
    • Ziel: Team muss 3 kontrollierte Pässe in der eigenen Aufbauzone spielen.
    • Erst danach darf in die Angriffszone gedribbelt oder gepasst werden.
    2

    „Zwei Ausgänge“ (links/rechts)

    Coaching-Frage: „Wo ist heute der freie Ausgang?“

    • Markiere zwei „Ausgänge“ seitlich (je 3–5 m breit).
    • Torwart eröffnet, Team muss durch einen Ausgang sauber herausspielen.
    • Verteidiger dürfen ab der ersten Ballberührung pressen.
    3

    „Joker-Keeper“ (Torwart als Überzahlspieler)

    Effekt: Kinder verstehen den Keeper als „Mitspieler“, nicht als Notlösung.

    • Torwart spielt immer mit Ballbesitzteam (wie ein Joker).
    • Spiel 4 gegen 4 im Feld, Torwart ist anspielbar in der Aufbauzone.
    • Punkt, wenn das Team den Torwart einbindet und danach kontrolliert die Zone wechselt.
    4

    „Pressing-Stoppuhr“ (Zeitdruck light)

    Wichtig: Bei U9 lieber 7 Sekunden geben, damit es nicht hektisch wird.

    • Nach Abstoß zählt der Trainer laut 5 Sekunden.
    • Der erste Empfänger hat 5 Sekunden, um weiterzuspielen (kein langes Zögern).
    • Gelingt es nicht: Ballbesitz wechselt.
    5

    „Zielzonen-Spielaufbau“

    Transfer: Genau das passiert im Spiel, wenn sich ein Mitspieler in der Lücke zwischen zwei Gegenspielern anbietet.

    • Lege 2 Zielzonen im Mittelfeld aus (je ca. 5x5 m).
    • Nach Abstoß zählt ein Punkt, wenn ein Mitspieler kontrolliert in einer Zielzone angespielt wird.
    • Danach freies Spiel Richtung Tor.
    12
    Schritt 0 / 2
    Abb. 1 · Zielzonen-Spielaufbau: Der Gegner stellt die linke Zielzone zu — der Mitspieler läuft in die freie rechte Zone ein (1), der Aufbauspieler verlagert genau dorthin (2). Angespielt wird immer die Zone, die der Gegner nicht deckt.
    6

    „Fehler erlaubt – sofort umschalten“

    Hinweis: Umschalten ist ein Top-Lernfeld – aber dosiere es. Anfänger profitieren von klaren Zeitfenstern.

    • Abstoß und freies Aufbauspiel.
    • Bei Ballverlust gilt: 5 Sekunden Gegenpressing (Ball sofort zurückerobern).
    • Gelingt die Rückeroberung innerhalb der 5 Sekunden, bekommt das Aufbauteam 1 Punkt und greift direkt an. Sonst spielt das Pressingteam seinen Angriff zu Ende.
    7

    „Abstoß → 1-gegen-1-Trigger“

    Dazu passt als Ergänzung für dein Training unser Artikel zu 1 gegen 1 als Angreifer: 8 Finten-Spiele (U10–U15).

    • Nach Abstoß muss der Ball zu einem Außenspieler/Flügel gelangen.
    • Sobald der Ball außen ist, startet ein 1 gegen 1 gegen einen Verteidiger.
    • Ziel: Durchbruch bis zur Grundlinie oder Pass ins Zentrum, danach Abschluss auf die Minitore. Ein Tor nach gewonnenem 1 gegen 1 zählt doppelt.
    12
    Schritt 0 / 2
    Abb. 2 · Abstoß mit 1v1-Trigger: Der Torwart eröffnet auf den Außenspieler (1) — sobald der Ball außen ist, startet das 1-gegen-1 an der Linie (2): Durchbruch oder Pass ins Zentrum.

    Variationen nach Alter

    U9–U10 (Einsteiger)

    • Feld kleiner (ca. 20x30 m), weniger Gegnerdruck.
    • Regeln vereinfachen: z. B. nur „2 Pässe“ statt 3.
    • Torwart darf häufiger werfen/rollen statt schießen.

    U11–U12 (Aufbau stabilisieren)

    • Pressing früher zulassen.
    • Zielzonen enger machen, damit Passgenauigkeit wichtiger wird.
    • „Joker-Keeper“ ist hier besonders effektiv, weil die Kinder den Torwart als Anspielstation einplanen.

    U13 (spielnah und mutig)

    • Kontaktbegrenzung (z. B. max. 2 Kontakte in Aufbauzone).
    • Bonuspunkt für Spielverlagerung (Seitenwechsel über Torwart oder Innenverteidiger).
    • Optional: Abseitsregel einführen – wenn ihr unsicher seid, hilft Abseits einfach erklärt für Kinder.

    Coaching-Tipps

    • Körper offen annehmen: „Erster Kontakt weg vom Gegner – Blick nach vorne.“
    • Anbieten in Dreiecken: „Gib dem Ballführer immer zwei Optionen.“
    • Torwart-Kommunikation: Keeper soll klare Kommandos geben („Zeit!“, „Dreh auf!“, „Klatsch!“).
    • Mut belohnen: Ein guter Aufbaupass zählt, auch wenn später ein Fehler passiert.

    Häufige Fehler & Lösungen

    Fehler

    Alle Feldspieler kommen zum Torwart, niemand bietet sich weit an

    Lösung

    Zwei Spieler müssen beim Abstoß an den seitlichen Ausgängen stehen, einer in der Mittelzone.

    Fehler

    Der Torwart schießt den Ball nach jedem Abstoß weit nach vorn

    Lösung

    Der erste Pass muss flach in der Aufbauzone ankommen. Lang nur, wenn alle kurzen Optionen zugestellt sind.

    Fehler

    Der Empfänger nimmt den Ball mit dem Rücken zum Gegner an und verliert ihn sofort

    Lösung

    Offen zum Feld stellen und vor dem Pass einen Schulterblick einfordern.

    Wenn du danach den Abschluss ans Training koppeln willst, nutze z. B. Torschuss aus der Bewegung, damit aus dem sauberen Spielaufbau auch echte Torchancen werden.

    Häufig gestellte Fragen

    1–2 kurze Blöcke pro Woche sind meist ideal. Wiederholungen in kleinen Spielformen bringen mehr als lange Taktikphasen, weil Kinder Entscheidungen unter realistischem Druck lernen.

    Flach eröffnen ist ein wichtiges Lernziel, aber kein Zwang. Kinder sollen erkennen, wann ein kurzer Aufbau möglich ist – und wann ein längerer Ball die bessere, sichere Entscheidung ist.

    Gib Orientierung über seitliche Ausgänge, Zielzonen oder eine Mindest-Passzahl (z. B. 3 Pässe), bevor die Zone gewechselt werden darf. Coache zusätzlich das Scannen: vor der Annahme kurz schauen, wo Gegnerdruck entsteht.

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