Torwarttraining

    Torwart-Fußspiel: Mitspielen lernen

    Diese Beginner-Übung macht den Torwart zur sicheren Anspielstation im Spielaufbau. Mit klaren Passwegen, einfachen Entscheidungen und kindgerechten Variationen verbesserst du Technik und Ruhe am Ball.

    fbTobias Brenner · aktualisiert 25. Sept. 2026
    Grundaufbau: Torwart-Zone 6×6 m, zwei Innenverteidiger und ein Sechser als Anspielstationen, zwei Minitore als Ausgang, Feld 18×22 m.

    Ziel der Übung: „Mitspielender Keeper – Passdreieck mit Entscheidung“

    Ein moderner Torwart ist mehr als ein Schussverhinderer: Er ist Anspielstation, Spielverlagerer und hilft beim ruhigen Spielaufbau. In dieser Einsteiger-Übung lernt dein Kind (oder dein Torwart im Team), mit dem Fuß sauber zu passen, den ersten Kontakt zu kontrollieren und unter leichtem Druck die richtige Entscheidung zu treffen: Kurz auf den Innenverteidiger? Oder doch die Seite wechseln?

    Warum ist das so wichtig? Gerade im Kinderfußball entstehen viele Ballverluste, weil der Torwart nach einem Rückpass „blind“ klärt. Mit klaren Abläufen und einfachen Blick-Checks wird aus dem Not-Schuss ein kontrollierter Pass.

    Tipp zur Ergänzung: Kombiniere diese Einheit mit unserer Übung zur Fußarbeit für junge Torhüter, damit der Keeper auch technisch sauber in Position kommt.

    Material, Spieleranzahl & Dauer

    Material (wirklich nötig):

    • 6–10 Markierungshütchen (für Positionen und Zonen)
    • 6–8 Bälle (liegen beim Trainer neben der Torwart-Zone, damit nach jeder Aktion sofort der nächste Ball kommt)
    • 2 Minitore oder 2 Hütchentore (als Passziele)

    Spieleranzahl: 4–8 (ideal: 5–6)

    Dauer: 20–25 Minuten (Hauptteil), optional +10 Minuten Spielform

    Feldgröße: ca. 18 x 22 m (anpassbar)

    Aufbau

    • Markiere eine Torwart-Zone (ca. 6 x 6 m) als „Torraum“, in dem der Keeper startet.
    • Stelle zwei Feldspieler als Innenverteidiger links/rechts in ca. 8–10 m Entfernung auf.
    • Stelle einen weiteren Spieler als Sechser zentral davor (Anspielstation zwischen den Linien).
    • Platziere links und rechts vorne je ein Minitore/Hütchentor als Ziel („Ausgang“ aus dem Druck).
    • Optional: Ein Jäger (leichter Druck) startet zentral und darf nach Signal anlaufen.

    Schritt-für-Schritt-Anleitung

    1. Start beim Keeper: Der Torwart hat den Ball am Fuß und steht seitlich-offen (Körper leicht gedreht), damit er beide Seiten sieht.
    2. Blick-Check: Vor dem Pass gilt: kurz scannen – wo ist der Jäger, wo sind die Anspielstationen?
    3. Pass 1: Keeper spielt flach zu einem Innenverteidiger (links oder rechts).
    4. Klatschen lassen: Der Innenverteidiger spielt direkt zurück oder nimmt den Ball mit dem ersten Kontakt nach außen mit und spielt mit dem zweiten Kontakt zurück zum Keeper.
    5. Entscheidung unter Druck: Jetzt kommt der Schlüssel: Der Trainer ruft beim Rückpass ein Kommando, z. B. „WECHSEL“ (Seite wechseln) oder „ZENTRAL“ (auf den Sechser). Optional läuft der Jäger jetzt an.
    6. Pass 2: Keeper verarbeitet den Rückpass mit dem ersten Kontakt in Spielrichtung und spielt dann:
      • bei „WECHSEL“: flacher Pass auf den anderen Innenverteidiger
      • bei „ZENTRAL“: flacher Pass auf den Sechser
    12
    Schritt 0 / 2
    Abb. 1 · Mitspielender Keeper: Der Jäger läuft an und stellt den Passweg zum oberen Innenverteidiger zu (1, blasse Linie) — der Keeper löst flach über den Sechser, der sich neben dem Jäger anbietet (2), der Empfänger spielt in den sicheren Ausgang.
    1. Ausgangstor: Der Empfänger spielt anschließend in eines der beiden Minitore/Hütchentore (als „sicherer Ausgang“). Punkt, wenn der Ball sauber durchgeht. Erobert der Jäger den Ball oder fängt er einen Pass ab, bekommt er den Punkt.
    2. Rotation: Nach 4–6 Aktionen rotieren: Keeper wird Feldspieler, Feldspieler wird Keeper. So bekommt jeder Basiserfahrung im Torwart-Fußspiel.

    Coaching-Tipps (was du aktiv coachen solltest)

    • Offene Stellung: Der Keeper soll nicht frontal zum Ball stehen. „Schulter aufdrehen, Spielfeld sehen!“
    • Erster Kontakt zählt: Nicht „stoppen und dann schauen“, sondern an- und mitnehmen in die Passrichtung.
    • Passqualität: Flach, mit der Innenseite, durch den Ball „durchschwingen“. Lieber etwas weniger hart, aber präzise.
    • Kommunikation: Keeper gibt Kommandos („Zeit!“, „Dreh!“, „Klatsch!“). Das hilft auch den Feldspielern.
    • Fehlerkultur: Ein Fehlpass ist Lernstoff. Frag nach: „Was hast du gesehen? Welche Option war frei?“

    Für die Anschlussfähigkeit im Training kannst du die Passübung später mit Abschluss kombinieren – zum Beispiel über einen schnellen Angriff mit Abschluss wie beim Torschuss aus der Bewegung.

    Variationen nach Altersgruppe (und Leistungsstand)

    U7–U9 (sehr leicht, viel Erfolgserlebnis)

    • In der F-Jugend wird oft im 3 gegen 3 auf Minitore ohne Torwart gespielt (der DFB-Rahmen sieht dort 3 gegen 3 bis 5 gegen 5 vor). Hier ist die Übung ein Passspiel für alle: Jedes Kind ist mal Keeper, Positionsnamen brauchst du nicht (einfach „links“, „rechts“, „vorne“).
    • Ohne Jäger, ohne Zeitdruck.
    • Innenverteidiger dürfen 2–3 Kontakte.
    • Ziel: sauberer Rückpass und ruhiger erster Kontakt beim Keeper.
    • Minitore näher stellen (leichter Treffer).

    U10–U12 (Einsteiger bis Fortgeschrittene)

    • Jäger darf nach Trainerkommando anlaufen (50–70 % Tempo).
    • Keeper hat maximal 2 Kontakte (Annahme + Pass).
    • Zusatzregel: Pass auf den Sechser zählt doppelt (fördert Mut zum Zentrum).

    U13+ (mehr Spielnähe)

    • Zwei Jäger (Pressing-Trigger), die nach Rückpass starten.
    • Zielausgang nicht mehr Minitore, sondern Zielspieler auf den Flügeln.
    • Nach dem Ausgangspass wird kurz 4-gegen-2 Ballhalten gespielt (Torwart bleibt als Feldspieler eingebunden).

    Häufige Fehler & schnelle Korrekturen

    • Keeper steht zu tief und „klebt“ am Torraum: Torwart aktiv nach vorne coachen: „Sei anspielbar, biete dich an!“
    • Erster Kontakt springt weg: Distanz verkürzen, Passschärfe reduzieren, Technik isoliert üben.
    • Blindes Wegschlagen: Klare Regel: „Nur flach, nur als Pass“ (für 5 Minuten als Technikblock).
    • Keeper nimmt den Ball frontal an und steht dann mit dem Rücken zur freien Seite: Vor dem Rückpass die Schulter öffnen und den Ball mit dem Fuß annehmen, der vom Passgeber weiter weg ist.
    • Jäger rennt mit vollem Tempo in den Keeper: Der Jäger darf nur Passwege zustellen und den Ball spielen, nicht in den Keeper hineinspringen. Körperkontakt ist tabu.

    Mini-Spielform (optional, 10 Minuten): „Rückpass zählt“

    Spiele 3 gegen 3 plus je einen Torwart auf zwei Jugendtore oder breite Hütchentore (ca. 4 m), damit alle 8 Kinder eingebunden sind. Extra-Regel: Ein Tor zählt nur, wenn der Angriff mindestens einmal über den Torwart lief (Rückpass oder Abstoß flach). So wird das Mitspielen automatisch gesucht – ohne lange Erklärungen.

    Wenn du zusätzlich die Entscheidungsfindung im Spiel verbessern willst, hilft das Prinzip der Absicherung: Wer steht hinter dem Ball, wenn der Keeper angespielt wird? Dazu passt unser Überblick zur Restverteidigung einfach erklärt (U12+).


    Mehr Übungen für die Bambini (U7)

    Hintergrundwissen

    Häufig gestellte Fragen

    Baue das Fußspiel lieber regelmäßig als lang ein: Ein Block von 10–15 Minuten in ein bis zwei Einheiten pro Woche reicht meist, ergänzt durch Spielformen, in denen der Torwart mitspielen muss. Entscheidend sind Wiederholungen von offener Stellung, erstem Kontakt und flachem Passspiel, ohne Überforderung durch zu viel Druck.

    Für Einsteiger ist der Innenseitpass ideal, weil er die höchste Kontrolle und Präzision ermöglicht. Der Spannpass eignet sich später als Ergänzung, wenn Ballmitnahme und Timing stabil sind.

    Ab U10/U11 kannst du dosierten Druck einbauen, zum Beispiel mit einem Jäger, der nach Kommando anläuft. In U7–U9 sollte der Fokus auf Technik, Ruhe und klaren Passoptionen liegen.