Abwehrseite lenken: Gegner nach außen führen
Beim Abwehrseite lenken führst du den Angreifer bewusst nach außen, um die Mitte zu schützen. Das macht Abschlüsse schwerer und gibt deinem Team Zeit zum Absichern.
Abwehrseite lenken bedeutet, den Angreifer im Zweikampf so zu steuern, dass er nach außen (zur Seitenlinie) dribbelt – weg vom Tor und weg von gefährlichen zentralen Räumen.
Merke: Mitte zu, außen auf. Der Verteidiger steht schräg zwischen Ball und Tor, die Seitenlinie wird zum „zweiten Verteidiger“.
Was heißt „Gegner nach außen führen“?
Wenn Kinder im Fußball 1 gegen 1 verteidigen, ist die größte Gefahr meist die Mitte: Von dort kann der Angreifer leichter passen, schießen oder mehrere Optionen nutzen. Beim Abwehrseite lenken stellst du dich als Verteidiger so hin, dass du die Mitte „zumachst“ und dem Gegner eher den Weg nach außen anbietest. Warum ist das sinnvoll? An der Seitenlinie wird das Feld enger: Der Angreifer hat weniger Platz, weniger Passwinkel und gerät leichter unter Druck. Dasselbe Prinzip nutzen ganze Mannschaften beim Pressing: Der Angriff wird auf eine Seite gelenkt, weil die Seitenlinie den Ballführenden begrenzt, während er im Zentrum mehr Möglichkeiten hat.
Wichtig: Nach außen lenken heißt nicht „blind hinterherlaufen“. Es geht um cleveres Abdrängen im Fußball: kontrolliert, mit Abstand, und immer so, dass ein Durchbruch nach innen schwer bleibt. Wie das Team die Mitte gemeinsam schließt, erklärt der Begriff Zentrum schließen.
Was in welchem Alter realistisch ist
| Altersklasse | Spielform (DFB-Rahmen) | Was du beim Lenken erwarten kannst |
|---|---|---|
| G- und F-Jugend | 2 gegen 2 bis 5 gegen 5 auf Minitore | Spielerisch: „Lauf nicht vorbei, bleib vor ihm.“ Ein Lenken nach Plan ist hier noch nicht das Ziel. |
| E-Jugend | 4 gegen 4 bis 7 gegen 7 | Das 1 gegen 1 ist laut DFB ein Ausbildungsschwerpunkt. Seitliche Stellung und „Mitte zu“ lassen sich gut üben. |
| D-Jugend | 7 gegen 7 bis 9 gegen 9 | Lenken wird gruppentaktisch: Einer lenkt, ein Mitspieler sichert ab oder doppelt. |
Welche Spielform dein Landesverband vorgibt, zeigt der Landesverband-Vergleich.
So funktioniert das im Kinderfußball (einfach erklärt)
1) Körperstellung: leicht seitlich, Mitte schließen
Der Verteidiger steht schräg zum Gegner (nicht frontal wie eine Wand). Das innere Bein und die innere Schulter (zur Feldmitte) sichern den Weg nach innen. So entsteht ein klarer Hinweis: „Außen ist frei – innen ist zu.“
2) Abstand & Tempo: nicht zu nah, nicht zu weit
- Zu nah: Der Angreifer kann dich leicht ausspielen.
- Zu weit: Er kann Tempo aufnehmen und in die Mitte ziehen. Eine praktische Faustregel im Kinderfußball: 1–2 große Schritte Abstand, dann mit kleinen, schnellen Schritten „mitgleiten“. Je schneller der Angreifer, desto mehr Abstand.
3) Der richtige Moment zum Zugriff
Kinder wollen oft sofort den Ball erobern. Besser ist: Erst lenken, dann zugreifen – zum Beispiel, wenn der Angreifer den Ball etwas zu weit vorlegt, unsauber mitnimmt oder Richtung Seitenlinie „festläuft“. Zugreifen heißt im Kinderfußball: mit dem Fuß zum Ball, fair und im Stand. Grätschen ist für Kinder kein Lernziel, in manchen Kreisen ist es im Kinderfußball sogar verboten (z. B. Kreis Aachen). Wie fairer Körperkontakt aussieht, steht unter Zweikampf: fair & richtig erklärt.
Wann du nicht nach außen lenkst
Nach außen ist der Normalfall, aber keine feste Regel. Steht innen ein Mitspieler bereit, der helfen kann, darf der Verteidiger den Gegner bewusst nach innen in diese Hilfe lenken. Das ist der Grundgedanke beim Doppeln in der Abwehr. Den Unterschied zwischen beiden Richtungen erklärt Gegenspieler stellen: „Innen/außen“. Wichtig ist nur, dass das Team vorher abspricht, wohin gelenkt wird.
Beispiele aus dem Spiel (U8–U13)
- Flügelduell: Der Angreifer kommt über rechts. Du lenkst ihn noch weiter nach außen, statt ihn in die Mitte ziehen zu lassen. Ergebnis: Der Winkel zum Tor wird schlechter.
- Konter in der Mitte: Ein Spieler dribbelt zentral aufs Tor. Du stellst dich so, dass er nach außen ausweicht. So gewinnt dein Team Zeit, um nachzurücken.
- Nahe der eigenen Eckfahne: Hier ist nach außen lenken besonders stark, weil die Seitenlinie und Grundlinie wie „Zusatzverteidiger“ helfen. Passend dazu: Regeln und Aufgaben findest du in unserem Guide zum Eckball verteidigen: einfache Regeln & Aufgaben (U10+).
Typische Coachingpunkte (kindgerecht)
- „Mitte zu!“ (Innenbahn blockieren)
- „Schieb ihn raus!“ (nach außen lenken)
- „Bleib dran – aber nicht rein!“ (kontrollierter Abstand)
- „Warte auf den Fehler!“ (richtiger Zugriffsmoment)
So übst du das Lenken im Training
- 1 gegen 1 in einem Korridor (ca. 10 m breit): Der Angreifer soll über die Grundlinie dribbeln, der Verteidiger bekommt einen Punkt, wenn er ihn an der Seitenlinie stoppt.
- Mittelzone sperren: Ein Hütchentor in der Mitte zählt doppelt. So merkt der Verteidiger sofort, warum er die Mitte schließen muss.
- Ins Spiel übertragen: Kleine Spielformen wie 2 gegen 2 oder 3 gegen 3 auf Tore, Coaching nur mit einem Wort: „Mitte!“
Passende Spielformen findest du in Verteidigen im 1 gegen 1: 8 Duellspiele (U10–U15). Die Technik dahinter (Stellung, Abstand, Timing) vertieft Verteidigen im 1 gegen 1: Körperstellung und Timing.
Verwandte Begriffe
- 1 gegen 1 verteidigen (Grundprinzipien) – siehe Verteidigen im 1 gegen 1: 8 Duellspiele (U10–U15)
- Verteidigen in Unterzahl (1 Verteidiger gegen 2 Angreifer): Auch hier hilft Lenken, um Zeit zu gewinnen – mehr dazu in Abwehr im 2-gegen-1: Coachingpunkte & 6 Spiele
- Doppeln: Zwei Verteidiger gegen einen Angreifer – einer lenkt, einer greift zu.
- Zentrum schließen: die Teamversion von „Mitte zu“.
Häufig gestellte Fragen
Ähnliche Begriffe im Lexikon
Gegenspieler stellen (innen/außen)
Den Angreifer im 1 gegen 1 so positioniert verteidigen, dass er nach innen oder nach außen dribbelt und dadurch weniger Optionen hat.
Deckungsschatten: Gegner decken ohne Tackling
Der Deckungsschatten ist der Bereich hinter dir (aus Sicht des Balles), den du mit deiner Körperposition abdeckst, sodass ein Pass zu einem Gegenspieler schwer oder unmöglich wird.
Zentrum schließen
Zentrum schließen bedeutet, dass dein Team den Raum in der Mitte vor dem eigenen Tor konsequent schützt und Pässe und Dribblings durch die Mitte verhindert.
Übergeben
Übergeben bedeutet im Verteidigen: Du gibst deinen Gegenspieler an einen Mitspieler ab, weil er in dessen Raum läuft, und übernimmst selbst wieder deinen Bereich oder einen anderen Gegner.
Dribbling
Dribbling bedeutet, den Ball kontrolliert am Fuß zu führen, während du dich bewegst – mit dem Ziel, Raum zu gewinnen, Gegner zu umspielen oder eine Aktion wie Pass oder Torschuss vorzubereiten.
Halbräume
Halbräume sind die Zonen zwischen dem Zentrum (Mitte) und den Außenbahnen, in DFB-Texten auch Halbspuren genannt.