Anstoß und Seitenwahl erklärt
Anstoß und Seitenwahl regeln, wie ein Fußballspiel startet und welches Team auf welches Tor spielt. Hier bekommst du eine einfache Erklärung mit Beispielen aus dem Kinderfußball und passenden Regel-Links.
KI-generiertes SymbolbildAnstoß und Seitenwahl sind die Regeln, die festlegen, wie ein Spiel beginnt (oder nach einem Tor fortgesetzt wird) und welches Team zu Beginn auf welches Tor spielt.
Was bedeutet „Anstoß“ im Fußball?
Der Anstoß ist die Spielfortsetzung vom Mittelpunkt. Er passiert:
- zu Spielbeginn (1. Halbzeit)
- zu Beginn der 2. Halbzeit
- nach jedem Tor
Wichtig für die Anstoß-Regeln im Fußball: Beim Anstoß liegt der Ball auf dem Mittelpunkt, und erst wenn er gespielt wurde, ist der Ball im Spiel. In den meisten Wettbewerben gilt: Der Ball ist im Spiel, sobald er getreten wurde und sich klar bewegt.
Die wichtigsten Anstoß-Regeln – einfach erklärt
Damit Kinder, Eltern und Trainer schnell den Überblick haben:
- Der Ball liegt genau auf dem Mittelpunkt.
- Die Spieler des Teams ohne Anstoß müssen Abstand halten (in der Regel 9,15 m, also außerhalb des Mittelkreises). Auf kleineren Feldern verkürzen Verbände das, zum Beispiel auf 5 m in der D- und Liga-E-Jugend in Berlin, im Kleinfeld der D-Jugend in Bayern und auf den verkleinerten Feldern in Mecklenburg-Vorpommern; im Futsal sind es 3 m.
- Der Schiedsrichter gibt das Zeichen (Pfiff oder Handzeichen).
- Das Team mit Anstoß spielt den Ball an – danach darf ganz normal weitergespielt werden.
Merke: Ein Tor direkt aus dem Anstoß ist nach den offiziellen Regeln möglich, wenn der Ball korrekt ins gegnerische Tor geschossen wird. Im Kinderfußball wird das selten versucht und ist nicht überall erlaubt: In Kärnten etwa zählt in U9/U10 kein Tor direkt aus dem Anstoß.
Anstoß-Regeln im Detail: Die häufigsten Fragen
Darf der Anstoß nach hinten gespielt werden?
Ja. Regel 8 der IFAB-Spielregeln schreibt keine Richtung vor: Der Ball ist im Spiel, sobald er mit dem Fuß gespielt wurde und sich eindeutig bewegt. Viele Teams spielen den Anstoß deshalb direkt zurück in die eigene Hälfte. Wichtig ist nur, dass beim Anstoß alle Spieler außer dem ausführenden Kind in ihrer eigenen Spielfeldhälfte stehen.
Wer hat nach einem Tor Anstoß?
Immer die Mannschaft, die das Tor kassiert hat. Zur zweiten Halbzeit stößt das Team an, das vor dem Spiel entschieden hat, auf welches Tor es in der ersten Halbzeit spielt. Auch eine Verlängerung beginnt mit einem Anstoß.
Was passiert, wenn beim Anstoß etwas schiefgeht?
- Doppelberührung: Spielt das ausführende Kind den Ball ein zweites Mal, bevor ein anderer Spieler ihn berührt hat, gibt es indirekten Freistoß für den Gegner – bei einem Handspiel direkten Freistoß.
- Ball geht direkt ins eigene Tor: Das zählt nicht als Eigentor, der Gegner bekommt einen Eckstoß.
- Alle anderen Fehler, etwa ein Kind in der gegnerischen Hälfte oder ein Gegner, der zu früh in den Mittelkreis läuft: Der Anstoß wird wiederholt.
Anstoß im Kinderfußball: nicht überall gleich
In den Kinderfußball-Spielformen gibt es teils eigene Regeln. In den Festivalformen des DFB (2 gegen 2 bis 5 gegen 5) gibt es gar keinen Anstoß: Nach einem Gegentor wird von der Grundlinie eingedribbelt oder eingepasst, die andere Mannschaft zieht sich aus der Schusszone bzw. hinter die Mittellinie zurück. Die Landesverbände setzen das unterschiedlich um (Stand Saison 2026/27):
| Verband | Spielbeginn | Nach einem Tor |
|---|---|---|
| Hamburg (HFV), G bis E | Fair-Play-Anstoß: Pass zum Gegner und zurück, wer beginnt, entscheidet Schere-Stein-Papier | auf Minitore: Eindribbeln von der eigenen Grundlinie; auf 5-m-Tore: Anstoß |
| Hessen (HFV), G und F (Spielfeste 3 gegen 3, 4 gegen 4) | Anstoß als Dribbling oder Pass von der eigenen Grundlinie | Dribbling oder Pass von der Grundlinie, Torschützenteam hinter der Mittellinie |
| Bayern (BFV), Minifußball G bis E | „Rücken an Rücken“ in der Mitte, Ballbesitz ab Torlinie oder Einwerfen von der Seite | kein Anstoß: Losdribbeln oder Einkick aus dem eigenen Torraum |
| Sachsen (SFV), F und E | ohne Torwart von der Grundlinie, mit Torwart an der Mittellinie | wie Spielbeginn |
| Niedersachsen (NFV), G bis E | Fair-Play-Anstoß empfohlen (Rahmenrichtlinien) | verbindlich ist die Kreisausschreibung |
| Berlin (Liga-E), Bremen (E), Rheinland (E5/E7) | Anstoß | Anstoß wie auf dem Großfeld |
Ab der D-Jugend gilt fast überall der normale Anstoß nach Regel 8. Frag vor dem ersten Spieltag kurz nach, wie es in eurem Verband läuft.
Was ist die Seitenwahl?
Bei der Seitenwahl wird vor dem Spiel entschieden, welches Team auf welches Tor spielt. Das passiert meist durch einen Münzwurf.
Typischer Ablauf:
- Kapitäne (oder ein Kind pro Team) kommen zum Schiedsrichter.
- Münzwurf: Kopf oder Zahl.
- Der Gewinner entscheidet:
- Seite wählen (welches Tor in Halbzeit 1), oder
- Anstoß wählen.
- Das andere Team bekommt die jeweils andere Option.
Zur 2. Halbzeit werden die Seiten gewechselt – das sorgt für Fairness (z. B. bei Wind, Sonne oder unebenem Platz).
Beispiele aus dem Kinderfußball
Wie sieht das in der Praxis aus – gerade bei Bambini, F- oder E-Jugend?
- Bambini-Spieltag: Oft gibt es keinen „klassischen“ Kapitän. Der Trainer schickt ein Kind zur Seitenwahl. Wichtig ist, dass es spielerisch bleibt: kurze Erklärung, keine lange Wartezeit.
- F-Jugend im Festival: Einen Anstoß gibt es hier meist nicht. Nach einem Tor dribbelt das andere Team von der Grundlinie ein, während sich die Torschützen zurückziehen. Als Trainer solltest du darauf achten, dass die Kinder nicht direkt in den Gegner „reinlaufen“.
- E-Jugend im 7 gegen 7 mit Schiedsrichter: Hier wird der Anstoß meist schon regelgetreu durchgeführt. Eine kurze Erinnerung wie „Erst auf den Pfiff!“ hilft vielen Kindern.
Du willst dein Kind auf den ersten Spieltag vorbereiten? Dann hilft dir die Eltern-Checkliste: Das erste Fußballspiel mit typischen Abläufen und kleinen Praxis-Tipps.
Verwandte Begriffe (und warum sie dazu passen)
- Freistoß: Auch eine Spielfortsetzung – aber nach einem Foul oder Regelverstoß. Siehe Freistoß - Regeln und Arten im Kinderfußball.
- Elfmeter: Spezielle Spielfortsetzung nach einem Foul im Strafraum. Mehr dazu in Elfmeter - Das musst du wissen.
- Abstoß: Die zweite Spielfortsetzung, die im Kinderfußball oft von der Grundlinie eingedribbelt wird – siehe Abstoß - Wann und wie?.
- Abseits: Hat mit dem Anstoß nichts direkt zu tun, wird aber oft gleichzeitig „mitgelernt“, sobald Kinder ins größere Feld wechseln. Verständlich erklärt in Abseits einfach erklärt für Kinder.
Typische Fehler – und wie du sie schnell löst
- Kinder laufen zu früh los: Klare Ansage: „Warten bis zum Pfiff.“
- Ball liegt nicht auf dem Mittelpunkt: Kurz korrigieren, dann starten.
- Gegner steht zu nah: Freundlich erinnern, Abstand herstellen – gerade im Kinderfußball zählt der Lerneffekt.
Weitere Regeln im Kinderfußball
Häufig gestellte Fragen
Ähnliche Begriffe im Lexikon
Spielrichtung
Die Spielrichtung beschreibt, auf welches Tor ein Team gerade angreift – und warum die Mannschaften zur Halbzeit (oder nach einem Abschnitt) die Seiten wechseln.
Abstoß - Wann und wie?
Der Abstoß ist eine Spielfortsetzung, wenn der Ball zuletzt von der angreifenden Mannschaft berührt wurde und vollständig über die Torauslinie neben dem Tor geht – ohne dass ein Tor fällt.
Eckball im Kinderfußball: Regeln & Abstand erklärt
Ein Eckball (Eckstoß) ist eine Spielfortsetzung, wenn der Ball zuletzt von der verteidigenden Mannschaft über die Torauslinie geht – ohne Torerfolg.
Vorteil
Der Vorteil (Vorteilsregel) bedeutet: Der Schiedsrichter pfeift ein Foul nicht sofort, wenn die gefoulte Mannschaft trotzdem besser weiterspielen kann.
Linienrichter (Schiedsrichter-Assistent)
Ein Linienrichter (offiziell: Schiedsrichter-Assistent) unterstützt den Schiedsrichter am Spielfeldrand – vor allem bei Abseits, Ausbällen und knappen Entscheidungen an der Seitenlinie.
Timeout
Ein Timeout ist eine kurze, offiziell erlaubte Spielunterbrechung, die ein Team beantragen kann, um sich schnell neu zu organisieren.