Fußballregeln

    Elfmeterschießen im Kinder- und Jugendfußball: Regeln, Ablauf und wie Trainer Kinder auf den Druck vorbereiten

    Münzwürfe, berechtigte Schützen, fünf Versuche und die Entscheidung bei Gleichstand: So läuft ein Elfmeterschießen ab. Dazu kommen belegte Verbandsbeispiele zum Achtmeterschießen und praktische Tipps, mit denen du Kinder ohne Schuldzuweisungen durch die Drucksituation begleitest.

    ·
    28. Sept. 2026
    ·
    Aktualisiert: 28. Sept. 2026
    ·
    11 Min. Lesezeit
    Titelbild: Elfmeterschießen im Kinder- und Jugendfußball: Regeln, Ablauf und wie Trainer Kinder auf den Druck vorbereiten

    Der letzte Schuss geht neben das Tor. Ein Kind bleibt stehen, die anderen schauen zum Trainer, am Spielfeldrand wird es still. Was jetzt zählt? Ein klarer Ablauf, verständliche Regeln und Erwachsene, die aus einem Fehlschuss keine Schuldfrage machen. Die Vorbereitung darauf beginnt schon vor dem Turnier.

    Beim Elfmeterschießen müssen Kinder mit einer besonderen Situation umgehen: Ein einzelner Versuch bekommt plötzlich viel Aufmerksamkeit. Du kannst ihnen helfen, indem du die Regeln vorher erklärst, die Reihenfolge gemeinsam vorbereitest und den Umgang mit Treffern und Fehlschüssen übst. Dabei gilt: Nicht jeder Jugendwettbewerb nutzt dieselbe Entfernung oder dieselben Vorgaben.

    Elfmeterschießen kurz erklärt: Wann es entscheidet

    Ein Strafstoß während des Spiels und ein Elfmeterschießen zur Entscheidung sind zwei unterschiedliche Dinge. Der Strafstoß gehört zum laufenden Spiel; das Elfmeterschießen entscheidet nach dem Spiel, welches Team gewinnt oder weiterkommt. Die Grundlagen zum einzelnen Strafstoß findest du im Beitrag Elfmeter – Das musst du wissen.

    Ein Elfmeterschießen kommt nur infrage, wenn die Wettbewerbsbestimmungen einen Sieger verlangen. Typische Anlässe sind:

    • ein Pokalspiel,
    • ein Entscheidungsspiel,
    • eine K.-o.-Begegnung bei einem Turnier.

    Ein Unentschieden allein bedeutet also nicht automatisch, dass anschließend vom Punkt geschossen wird. Ob vorher eine Verlängerung vorgesehen ist und wie die Entscheidung abläuft, entnimmst du den jeweiligen Bestimmungen.

    Gerade im Kinderfußball lohnt sich dieser Blick besonders: Spielformen und Spielleitung unterscheiden sich zwischen den Verbänden. Hintergründe dazu findest du im Beitrag über Kinderfußball ohne Schiedsrichter und Fair-Play-Regeln.

    Der Ablauf Schritt für Schritt

    Die folgende Schrittfolge beschreibt den Ablauf nach IFAB-Regel 10. Prüfe für deinen Jugendwettbewerb zusätzlich die geltenden Verbands- und Turnierbestimmungen.

    1. Zwei Münzwürfe klären Tor und Wahl der Reihenfolge

    Der Schiedsrichter lost zunächst per Münzwurf aus, auf welches Tor geschossen wird. Ein zweiter Münzwurf entscheidet, welches Team wählen darf, ob es zuerst oder als zweites schießt.

    Das ist ein kleiner, aber relevanter Unterschied: Wer den zweiten Münzwurf gewinnt, muss nicht automatisch beginnen. Das Team erhält die Wahl.

    2. Berechtigte Spieler feststellen und die Anzahl angleichen

    Schießen dürfen nur Spieler, die bei Spielende auf dem Feld stehen oder das Feld lediglich vorübergehend verlassen haben, etwa wegen einer Verletzung oder zur Korrektur ihrer Ausrüstung. Du kannst die Schützen deshalb nicht beliebig aus dem gesamten Turnierkader auswählen.

    Hat ein Team mehr berechtigte Spieler als das andere, muss es seine Anzahl entsprechend reduzieren. Beide Teams gehen mit gleich vielen berechtigten Spielern ins Elfmeterschießen.

    Für die Vorbereitung heißt das: Eine Wunschliste mit Schützen ersetzt nicht die Prüfung, wer am Ende tatsächlich teilnehmen darf. Auch Ausrüstungsfragen solltest du möglichst vorher klären. Dabei hilft dir der Überblick zur Pflichtausrüstung und zu erlaubter Fußball-Ausrüstung.

    3. Abwechselnd bis zu fünf Schüsse ausführen

    Beide Teams schießen abwechselnd jeweils fünfmal. Das Elfmeterschießen endet allerdings vorzeitig, sobald ein Team uneinholbar führt.

    Ein Beispiel: Nach jeweils drei Schüssen steht es 3:0. Das zurückliegende Team könnte mit seinen beiden verbleibenden Versuchen nur noch zwei Treffer erreichen. Die Entscheidung steht fest; weitere Schüsse sind nicht nötig.

    4. Bei Gleichstand paarweise weiterschießen

    Steht es nach jeweils fünf Schüssen unentschieden, geht es mit jeweils einem weiteren Schuss pro Team weiter. Diese Phase heißt häufig Sudden Death. Entscheidend ist: Ein Team gewinnt erst, wenn es bei gleicher Schusszahl ein Tor mehr erzielt hat.

    Trifft das zuerst schießende Team beim nächsten Versuch, ist deshalb noch nichts entschieden. Das andere Team erhält seinen entsprechenden Schuss. Erst danach lässt sich feststellen, ob die Entscheidung gefallen ist.

    5. Schützen wechseln und im Mittelkreis warten

    Jeder Schuss muss von einem anderen berechtigten Spieler ausgeführt werden. Erst wenn alle berechtigten Spieler geschossen haben, darf ein Spieler zum zweiten Mal antreten. Die ersten fünf Versuche pro Team sind also nicht automatisch die Grenze, nach der die ersten Schützen wieder an die Reihe kommen.

    Merkkasten: Alle schießen, bevor einer zweimal schießt. Hat ein Team sieben berechtigte Spieler, müssen zunächst sieben verschiedene Spieler antreten, bevor jemand seinen zweiten Schuss ausführen darf – sofern das Elfmeterschießen so lange dauert.

    Alle übrigen Spieler außer dem aktuellen Schützen und den beiden Torhütern bleiben im Mittelkreis. Erkläre diesen Wartebereich vorher, damit die Kinder während der Entscheidung nicht erst nach ihrem Platz suchen müssen.

    Elfmeter- oder Achtmeterschießen? Was im Jugendfußball gilt

    „Jugendfußball bedeutet immer Achtmeterschießen“ ist falsch. Die Entfernung hängt von den geltenden Bestimmungen ab. Großfeld und kleinere Spielfelder können unterschiedlich geregelt sein, ebenso einzelne Altersklassen.

    Wer schießt aus welcher Distanz?

    Die folgenden Beispiele sind belegt, gelten aber nicht automatisch für andere Verbände oder Kreise:

    VerbandAltersklasse oder SpielfeldEntfernung und Anwendung
    Hessischer Fußball-VerbandA- bis C-JuniorenElfmeterschießen aus 11 Metern zur Entscheidung von Pokal- und Entscheidungsspielen nach Verlängerung
    Hessischer Fußball-VerbandD- und E-JuniorenAchtmeterschießen aus 8 Metern zur Entscheidung von Pokal- und Entscheidungsspielen nach Verlängerung
    Bremer Fußball-VerbandGroßfeldElfmeterschießen aus 11 Metern
    Bremer Fußball-VerbandVerkleinertes Spielfeld und KleinfeldAchtmeterschießen aus 8 Metern

    Die hessischen Vorgaben stehen in der Jugendordnung unter § 18 Nr. 3, die Bremer Regelung unter § 14 Nr. 3. Andere Verbände und Kreise können abweichende Vorgaben haben. Lies deshalb die Jugendordnung, die Durchführungsbestimmungen deines Verbands beziehungsweise Kreises und die Turnierausschreibung.

    Sonderfall Rheinland: Jedes Kind schießt, ohne Einfluss aufs Ergebnis

    Im Fußballverband Rheinland tritt nach den Durchführungsbestimmungen 2026/27, Kapitel 4.9.3, nach jedem E7-Spiel jedes Kind zum Strafstoßschießen an. Das Ergebnis dieses Schießens zählt nicht zum Spielergebnis.

    Das ist keine Entscheidung nach einem Unentschieden, sondern ein gesonderter Bestandteil des E7-Spielbetriebs. Erkläre den Unterschied auch den Eltern: Ein verschossener Versuch verändert hier das Spielergebnis nicht.

    Für die Schweiz gilt als eigener Hinweis: Laut SFV gibt es auf dem Kleinfeld im Kinderfussball während des Spiels keinen Penalty – Fouls werden dort mit indirektem Freistoss geahndet. Deutsche Verbandsbeispiele solltest du daher nicht auf den Schweizer Kinderfussball übertragen.

    Schützen auswählen: fair und kindgerecht

    Freiwilligkeit vorbereiten, niemanden bloßstellen

    „Du bist unser bester Schütze, du musst!“ erzeugt unnötigen Druck. Frage lieber schon vor dem Spiel in ruhiger Umgebung, wer sich einen Versuch zutraut. Ein Kind sollte seine Unsicherheit nicht vor der ganzen Mannschaft rechtfertigen müssen.

    Kein Zwang. Bereite die ersten Schützen möglichst aus freiwillig bereiten Kindern vor und erkläre zugleich ehrlich die Regel: Dauert das Elfmeterschießen lange genug, müssen alle Berechtigten einmal geschossen haben, bevor jemand erneut antreten darf. Versprich deshalb nicht, dass immer dieselben wenigen Kinder schießen können.

    Eine faire Vorbereitung umfasst:

    • Bereitschaft erfragen: Wer möchte schießen, wer fühlt sich noch unsicher?
    • Reihenfolge vorplanen: Lege eine vorläufige Reihenfolge fest und gleiche sie mit den tatsächlich berechtigten Spielern ab.
    • Keine öffentliche Rangliste erstellen: Begriffe wie „sichere Schützen“ und „Wackelkandidaten“ helfen Kindern nicht.
    • Torwart einbeziehen: Besprich auch mit dem Torwart die Situation und seine mögliche Rolle als Schütze.

    Den Ablauf üben, ohne künstlich Angst zu erzeugen

    Warum sollten Kinder den Gang zum Punkt erst im entscheidenden Turnierspiel kennenlernen? Plane beispielsweise zehn Minuten ein, um die Situation in ruhiger Atmosphäre durchzuspielen. Diese Zeitangabe ist ein Praxisvorschlag, keine Verbandsvorgabe.

    Übe den gesamten Ablauf: im Mittelkreis warten, zum Ball gehen, kurz sammeln, schießen und zum Team zurückkehren. Eine einfache persönliche Routine kann lauten: Ball hinlegen, Ziel wählen, ruhig ausatmen, anlaufen.

    Kurz durchatmen. Mehr Anweisungen braucht ein Kind unmittelbar vor dem Schuss häufig nicht. Eine lange technische Erklärung direkt am Punkt ist als Vorbereitung weniger hilfreich als ein vertrauter Ablauf.

    Verzichte auf Strafen für Fehlschüsse. Keine Zusatzläufe, kein öffentliches Aussortieren. Trainiere stattdessen auch die Reaktion der Mannschaft: Ein abgeklatschter Rückkehrer gehört dazu, unabhängig davon, wo der Ball gelandet ist.

    Nach dem Schießen: Umgang mit Fehlschüssen

    Erst Verbindung schaffen, später über Technik sprechen

    Nach einem Fehlschuss braucht ein enttäuschtes Kind keine sofortige Analyse seines Standbeins. Biete zunächst Kontakt an: ein ruhiger Satz, ein Platz neben den anderen oder eine kurze Nachfrage, ob es gerade reden möchte.

    Als Team-Ritual eignet sich ein gemeinsamer Kreis nach dem letzten Schuss – nach Sieg genauso wie nach Niederlage. Die Botschaft lautet: Das Ergebnis gehört der Mannschaft, die Verantwortung nicht einem einzelnen Kind.

    Hilfreiche Formulierungen sind:

    • „Du gehörst zum Team, egal ob der Ball reingeht.“
    • „Enttäuscht sein ist okay. Wir bleiben zusammen.“
    • „Über den Schuss können wir später sprechen, wenn du möchtest.“

    Ein klassischer Trainerfehler ist der Satz: „Wenn der drin gewesen wäre, hätten wir gewonnen.“ Damit machst du einen einzelnen Moment zur Erklärung für das gesamte Spiel. Unterbinde solche Schuldzuweisungen auch innerhalb der Mannschaft.

    Eltern am Spielfeldrand: unterstützen statt fernsteuern

    Besprich mit den Eltern vor dem Turnier eine klare Linie: keine Zurufe zur Schussecke, keine abwertenden Kommentare und keine Vorwürfe nach einem Fehlschuss. Ein Kind am Punkt braucht nicht drei verschiedene Anweisungen von außen.

    Als Elternteil kannst du nach dem Spiel fragen: „Möchtest du darüber reden oder erst einmal etwas anderes machen?“ Das lässt deinem Kind Raum. Vermeide es, den Versuch auf dem Heimweg ungefragt immer wieder durchzugehen.

    Checkliste für Trainer vor dem Turnier

    Nutze diese Liste, bevor es hektisch wird:

    • Ausschreibung gelesen: Wann braucht der Wettbewerb einen Sieger? Ist eine Verlängerung vorgesehen?
    • Entfernung geklärt: Wird aus elf oder acht Metern geschossen? Welche Vorgabe gilt konkret?
    • Anzahl der Schützen geprüft: Welchen Ablauf schreiben die geltenden Bestimmungen vor?
    • Teilnahmeberechtigung verstanden: Wer darf bei Spielende schießen, und muss eine Mannschaft ihre Spielerzahl angleichen?
    • Freiwilligenliste vorbereitet: Wer möchte antreten? Welche vorläufige Reihenfolge passt?
    • Torwart-Frage besprochen: Wer übernimmt im Rahmen der geltenden Regeln die Torwartrolle? Kennt das Kind den Ablauf?
    • Wartebereich erklärt: Die Kinder kennen die Mittelkreis-Regel.
    • Reaktion auf Fehlschüsse vereinbart: Das Team unterstützt jeden Rückkehrer.
    • Eltern informiert: Keine Schussanweisungen von außen, keine Schuldzuweisungen danach.

    Für die organisatorische Vorbereitung eines Jugendspiels hilft dir ergänzend der Beitrag zum Spielbericht online und den Aufgaben im DFBnet.

    Fazit: Klare Regeln, ruhige Begleitung

    Ein Elfmeterschießen lässt sich nicht vom Druck befreien. Du kannst aber verhindern, dass Unwissen, spontane Diskussionen und überhöhte Erwartungen die Situation zusätzlich belasten. Kläre die Wettbewerbsregeln, erkläre Münzwürfe und Schussfolge und bereite die Kinder auf beide Ausgänge vor.

    Unterm Strich: Erst die örtlichen Bestimmungen prüfen, dann den Ablauf üben – und nach dem letzten Schuss als Mannschaft zusammenbleiben. Ein Treffer entscheidet vielleicht das Spiel. Er entscheidet nicht über den Wert eines Kindes für sein Team.

    Häufig gestellte Fragen

    Nach IFAB-Regel 10 gibt es zwei Münzwürfe. Mit dem ersten lost der Schiedsrichter das Tor aus, auf das geschossen wird. Der zweite entscheidet, welches Team wählen darf, ob es zuerst oder als zweites schießt. Der Gewinner dieses Münzwurfs muss also nicht automatisch beginnen.

    Nach IFAB-Regel 10 sind nur Spieler berechtigt, die bei Spielende auf dem Feld stehen oder das Feld lediglich vorübergehend verlassen haben, etwa wegen einer Verletzung oder ihrer Ausrüstung. Hat ein Team mehr berechtigte Spieler, muss es auf die Anzahl des anderen Teams reduzieren. Prüfe für deinen Jugendwettbewerb außerdem die geltenden Verbands- und Turnierbestimmungen.

    Beide Teams führen abwechselnd jeweils einen weiteren Schuss aus. Die Entscheidung fällt, sobald eine Mannschaft bei gleicher Schusszahl ein Tor mehr erzielt hat. Dabei müssen zunächst alle berechtigten Spieler einmal geschossen haben, bevor jemand zum zweiten Mal antreten darf.

    Nein. Im Hessischen Fußball-Verband entscheiden A- bis C-Junioren Pokal- und Entscheidungsspiele nach Verlängerung per Elfmeterschießen, D- und E-Junioren per Achtmeterschießen. Bremen unterscheidet nach Spielfeld: elf Meter auf Großfeld, acht Meter auf verkleinertem Spielfeld und Kleinfeld. Maßgeblich sind die Bestimmungen deines Verbands beziehungsweise Kreises und die Turnierausschreibung.

    Biete ruhigen Kontakt an und verzichte zunächst auf technische Korrekturen. Lass das Kind entscheiden, ob es reden möchte, und beziehe es selbstverständlich in das gemeinsame Team-Ritual ein. Unterbinde Schuldzuweisungen: Ein Fehlschuss darf nicht bestimmen, wie Mannschaft, Trainer oder Eltern ein Kind behandeln.

    Weiterlesen

    elfmeterschiessen
    Elfmeterschießen im Jugendfußball
    Achtmeterschießen
    Regeln beim Elfmeterschießen
    Kinder auf Elfmeterschießen vorbereiten