Umschalten

    Gegenpressing kindgerecht erklärt (U10+)

    Gegenpressing bedeutet, nach Ballverlust sofort gemeinsam Druck auf den Ball zu machen. Für U10+ helfen einfache Regeln, kurze Abstände und klare Aufgaben, damit aus Chaos schnelle Ballgewinne werden.

    fbTobias Brenner · aktualisiert 26. Okt. 2026 · 9 Min.
    Abb. 1 · Gegenpressing an der Seitenlinie (Mint spielt nach rechts): Der Ball ist gerade verloren. Der Nächste läuft von innen an und hält den Weg ins Zentrum zu, ein Zweiter stellt den Pass nach vorne zu. Mit der Seitenlinie bleiben dem Gegner nur Rückpass oder Dribbling an der Linie.

    Gegenpressing bedeutet: Nach einem Ballverlust setzt dein Team sofort gemeinsam Druck auf den Ball, um ihn schnell zurückzugewinnen – statt erst nach hinten zu laufen.

    Gegenpressing kindgerecht erklärt (U10+)

    Gegenpressing, oft auch mit „Nach Ballverlust sofort Druck“ umschrieben, folgt einer einfachen Idee: Wenn der Ball weg ist, wird nicht diskutiert, sondern gehandelt. Taktisch gehört Gegenpressing zum Umschalten (Transition) – genauer: zum Umschalten von Angriff auf Verteidigung in den ersten Sekunden nach dem Ballverlust. Gerade im Kinderfußball passt die Idee, weil Ballverluste häufig sind und der Gegner nach dem Ballgewinn selbst oft noch unsortiert ist. Warum also dem Gegner Zeit geben, den Ball zu beruhigen und sein Spiel aufzubauen?

    Merke: Gegenpressing heißt nicht „alle rennen zum Ball“. Zwei, höchstens drei ballnahe Kinder machen Druck, die übrigen sichern ab und schließen die Mitte.

    Was passiert beim Ballverlust?

    Kinder in diesem Alter verlieren den Ball häufig durch:

    • eine unsaubere erste Ballannahme
    • Dribblings in zu enge Räume
    • zu kurze oder langsame Pässe

    Beim Umschalten nach Ballverlust zählen vor allem die ersten Sekunden. Oft werden „3–5 Sekunden“ genannt; das ist eine Faustregel aus der Praxis, kein gemessener Wert. Belegt ist für Profis, dass Spitzenteams der Bundesliga 2010/11 den Ball nach einem Verlust schneller zurückgewannen als die übrigen Teams. Der Gegner hat den Ball zwar gewonnen, seine Mitspieler stehen aber häufig noch nicht passend. Genau hier setzt Gegenpressing an.

    Die 3 einfachen Regeln für U10+

    Damit Gegenpressing für Kinder verständlich bleibt, helfen klare Bilder und kurze Regeln:

    • Nächster Spieler zum Ball: Sofort anlaufen, Tempo aufnehmen und den Gegner bremsen.
    • Zweiter Spieler: Absichern und den wahrscheinlichsten Passweg schließen.
    • Alle anderen: Einrücken und die Abstände verkleinern, damit keine einfachen Pässe möglich sind.

    Als kindgerechte Trainingsregel eignet sich eine Sekundenregel, zum Beispiel: Nach dem Ballverlust drei Sekunden voller Druck – klappt der Ballgewinn nicht, geht es gemeinsam zurück in die Ordnung. Ob du drei oder fünf Sekunden zählst, entscheidest du für dein Team; wichtig ist, dass alle dieselbe Zahl kennen. So bleibt das Gegenpressing kurz und verhindert, dass dein Team auseinandergezogen wird.

    Wichtig: Gegenpressing ist kein wildes Hinterherlaufen. Das Ziel lautet Druck plus Richtung. Der erste Spieler lenkt den Gegner nach außen oder in einen engen Raum, statt frontal und unkontrolliert auf den Ball zu stürmen.

    Ein passendes Trainerwort reicht oft aus: „Verloren – holen!“ Für die Rollenverteilung im Moment selbst funktionieren drei Kurzkommandos: „Drauf!“ (attackieren), „Zu!“ (Passweg schließen), „Sicher!“ (dahinter absichern). Lange taktische Anweisungen kommen während des Spiels zu spät.

    Beispiele aus dem Kinderfußball

    Beispiel 1: Ballverlust im Dribbling

    Ein Kind dribbelt zentral, der Ball springt weg und ein Gegner nimmt ihn auf. Jetzt ist Gegenpressing sinnvoll:

    • Der Ballverlierer dreht sofort um und attackiert.
    • Ein Mitspieler stellt den Pass nach vorne zu.
    • Ein weiterer Spieler sichert dahinter ab.
    DZS
    Abb. 2 · Beispiel 1, Ballverlust im Dribbling: Der Ballverlierer (D) dreht sofort um und attackiert, ein Mitspieler (Z) stellt den Pass nach vorne zu (blasse Linie), ein weiterer (S) sichert dahinter ab — „Drauf!“, „Zu!“, „Sicher!“.
    Eigenes TeamGegnerBallLaufweg

    So entsteht häufig ein schneller Ballgewinn – oder zumindest ein Rückpass, der Tempo aus dem gegnerischen Angriff nimmt.

    Beispiel 2: Fehlpass im Spielaufbau

    Im eigenen Aufbau wird ein Pass abgefangen. Statt panisch zurückzusprinten, üben die ballnahen Kinder sofort Druck auf den Ballführenden aus. Kurze Abstände und anspielbare Mitspieler helfen dabei schon vor dem Ballverlust. Mehr dazu steht im Artikel Spielaufbau im Kinderfußball: 3 einfache Prinzipien.

    Beispiel 3: Ballverlust an der Seitenlinie

    Geht der Ball nahe der Seitenlinie verloren, kann diese wie ein zusätzlicher Verteidiger wirken. Der nächste Spieler läuft den Gegner so an, dass dessen Weg ins Zentrum geschlossen bleibt. Ein zweites Kind deckt den Pass nach vorne. Der Gegner hat dann meist nur den Rückpass oder ein riskantes Dribbling entlang der Linie.

    Beispiel 4: Fehlpass vor dem gegnerischen Tor

    Ein Pass in der Nähe des gegnerischen Tores wird abgefangen. Hier lohnt sich Gegenpressing besonders, weil der Gegner nah am eigenen Tor wenig Platz zum Auflösen hat. Gelingt der schnelle Ballgewinn, entsteht daraus oft direkt eine Torchance – näher am Tor kann dein Team den Ball gar nicht erobern.

    Beispiel 5: Ballverlust nach Ecke oder Einwurf

    Nach Standardsituationen wie einer Ecke oder einem Einwurf (in vielen Verbänden gibt es den Einwurf erst ab dem 7 gegen 7 der E-Jugend oder später, vorher wird eingedribbelt oder eingepasst) sind beide Teams häufig unsortiert. Wenn deine Mannschaft nach dem Ballverlust sofort gemeinsam Druck macht, verhindert sie genau die Konter, die aus solchen Momenten sonst entstehen.

    Wann ist Gegenpressing sinnvoll – und wann nicht?

    Gegenpressing ist sinnvoll, wenn:

    • mindestens zwei eigene Spieler in Ballnähe sind
    • der Gegner mit dem ersten Kontakt unter Druck gerät
    • das Team kompakt steht
    • hinter dem Ballverlust noch eine Absicherung vorhanden ist

    Nicht sinnvoll ist es, wenn:

    • alle eigenen Spieler mehrere Meter entfernt sind
    • der Gegner bereits offen nach vorne dribbelt
    • das Team weit auseinandergezogen ist
    • ein unkontrolliertes Anlaufen den direkten Weg zum Tor öffnet

    Dann gilt: Tempo aufnehmen, den Weg zum eigenen Tor schließen und gemeinsam in die Ordnung zurückkehren. Erst sichern. Danach kann das Team wieder gezielt pressen.

    Gegenpressing im Training üben

    Eine einfache Spielform funktioniert besser als eine lange Erklärung:

    4-gegen-4 mit 5-Sekunden-Bonus

    • Feldgröße: etwa 25 × 20 Meter
    • Spielzeit: 4 Durchgänge à 3 Minuten
    • Tore: zwei Minitore je Team oder Dribbeltore
    • Regel: Erobert ein Team den Ball innerhalb von 5 Sekunden zurück, erhält es einen Bonuspunkt.

    Der Trainer zählt nach einem Ballverlust laut von fünf herunter. So verstehen die Kinder das Zeitfenster, ohne eine taktische Vorlesung zu bekommen. Nach jedem Durchgang genügt eine kurze Frage: „Wer ging zum Ball, wer sicherte?“

    Häufiger Anfängerfehler: Der Trainer stoppt jede Szene. Besser sind 3 Minuten freies Spiel und anschließend 30–45 Sekunden Feedback. Die Kinder sammeln mehr echte Entscheidungen und bleiben in Bewegung. Das deckt sich mit der DFB-Linie: In kleinen Spielformen richtet sich das Coaching vor allem auf Motivation und Umschaltaktionen, nicht auf Detailkorrekturen. Eine weitere Spielform mit Minitoren findest du in Funino: Pressingauslöser nach Ballverlust.

    In der typischen DACH-Vereinsrealität sollte die Spielform zum Wettbewerbsformat passen. Seit der Saison 2024/25 gelten die Kinderfußball-Spielformen der DFB-Jugendordnung für G-, F- und E-Junioren bundesweit verbindlich. E-Junioren spielen danach 7 gegen 7 bzw. 6 gegen 6, 5 gegen 5 oder 4 gegen 4; welche Form in der Liga oder beim Spielfest gilt, legt der Landesverband fest. Kleine Trainingsfelder passen gut dazu: Ballverluste treten häufiger auf, jedes Kind erlebt viele Umschaltmomente. Ein Praxisbeitrag vom BDFL-Trainerkongress 2014 empfiehlt eine Gegenpressing-Basisübung (5 gegen 3 mit Dribbeltoren) bereits ab den E-Junioren.

    Verwandte Begriffe kurz erklärt

    • Pressing: Gezieltes Anlaufen eines Gegners, um Pässe zu verhindern oder einen Ballgewinn zu erzwingen.
    • Umschalten: Schneller Wechsel zwischen Angriff und Verteidigung oder umgekehrt – Gegenpressing ist die erste, aggressivste Form dieses Umschaltens nach Ballverlust.
    • Restverteidigung: Spieler, die während des eigenen Angriffs so positioniert sind, dass sie nach einem Ballverlust ins Gegenpressing gehen oder den Konter absichern können. Ein Thema ab der D-Jugend; für jüngere Kinder reicht „Einer bleibt hinter dem Ball“.
    • Ballverlust: Was jedes Kind direkt nach dem Fehlpass tun kann, auch wenn das Team gerade nicht presst.

    Wie Pressing und Gegenpressing über mehrere Trainingseinheiten aufeinander aufbauen, zeigt die Methodische Reihe Pressing & Gegenpressing.

    Für Trainer zählt eine einheitliche Sprache. Eltern sollten ebenfalls wissen, dass nicht alle Kinder blind zum Ball rennen sollen. Hinweise für solche Gespräche gibt der Beitrag Kommunikation mit Eltern als Trainer.

    Häufig gestellte Fragen

    Gegenpressing bedeutet, dass dein Team direkt nach einem Ballverlust Druck auf den Ballführenden macht. Ziel ist, den Ball schnell zurückzuerobern oder den Gegner zu einem ungenauen Pass zu zwingen, bevor er sich sortieren kann.

    Als einfache Teamregel ab der E-Jugend (U10). Ein Praxisbeitrag vom BDFL-Trainerkongress 2014 empfiehlt eine Gegenpressing-Basisübung bereits ab den E-Junioren. In der G- und F-Jugend reicht es, die schnelle Reaktion nach Ballverlust zu loben, ohne Rollen vorzugeben. Gezielt als Mannschaftstaktik geschult wird das Umschalten laut DFB erst mit dem Übergang auf größere Felder.

    Der häufigste Fehler ist das unkoordinierte Hinterherlaufen: Alle stürmen zum Ball und öffnen Passwege. Besser ist eine einfache Aufgabenverteilung: Der Nächste attackiert, ein Mitspieler schließt den wichtigsten Passweg, ein weiterer sichert dahinter ab.

    Ähnliche Begriffe im Lexikon

    Gegenpressing Kinder
    Ballverlust sofort Druck
    Gegenpressing erklärt
    Umschalten nach Ballverlust
    Pressing Kinderfußball