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    Schiedsrichter gewinnen und halten: Was Vereine für ihren Schiri-Nachwuchs tun können

    Schiedsrichtergewinnung braucht persönliche Ansprache, transparente Ausbildungswege und Unterstützung bei den ersten Einsätzen. Verbandsbeispiele, eine Übersicht zu Kursen und Kosten sowie eine Checkliste helfen dir, den Schiri-Nachwuchs im Verein verlässlich zu begleiten.

    fbTobias Brenner · aktualisiert 24. Okt. 2026 · 15 Min.
    KI-generiertes Symbolbild

    Der nächste Neulingslehrgang steht fest, doch im Verein meldet sich niemand. Gleichzeitig hört ein junger Schiri nach wenigen Einsätzen wieder auf. Kommt dir das bekannt vor? Wer Schiedsrichter für seinen Verein gewinnen möchte, braucht mehr als einen Aufruf in der Mannschaftsgruppe: persönliche Ansprache, einen verständlichen Ausbildungsweg und verlässliche Begleitung nach der Prüfung.

    Die gute Nachricht: Du musst dafür kein großes Projektteam aufbauen. Eine feste Ansprechperson, klare Absprachen und Unterstützung bei den ersten Spielen schaffen einen praktikablen Einstieg. Entscheidend ist, neue Schiris als Vereinsmitglieder mit einer anspruchsvollen Aufgabe zu behandeln – nicht als Lösung für eine drohende Strafzahlung.

    Warum dem Verein Schiris fehlen und was das Schiri-Soll bedeutet

    Der Bestand wächst – die Bindung bleibt eine Aufgabe

    Laut DFB waren in der Saison 2025/26 insgesamt 62.333 Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter aktiv, 1.307 mehr als im Vorjahr. Nach rund zwei Jahrzehnten Rückgang stieg der Bestand damit im dritten Jahr in Folge.

    Trotzdem lohnt der Blick auf die Abgänge: In der Saison 2023/24 wurden 10.900 Schiris neu ausgebildet, während 10.300 ausschieden. Erstmals seit mehr als 20 Jahren fingen mehr Menschen an als aufhörten. Die Zahlen zeigen aber auch: Ausbildung allein reicht nicht. Der DFB begründete seine Aktion „Profi wird Pate“ 2023 ausdrücklich damit, dass junge Schiris nach der Ausbildung oft schnell wieder aufhören.

    Für deinen Verein heißt das: Prüfe getrennt, ob zu wenige Interessierte nachkommen oder ob vorhandene Schiris zu früh aussteigen. Beides verlangt unterschiedliche Maßnahmen.

    Wo der Mangel im Jugendbereich spürbar wird, zeigt der Spielbetrieb: In der F-Jugend und jünger spielen die Kinder nach der DFB-Jugendordnung ohne Schiedsrichter, wie das funktioniert, erklärt der Beitrag zum Kinderfußball ohne Schiedsrichter. Ab E- und D-Jugend fehlt ohne eigene Schiris dagegen oft die Spielleitung. Dann müssen Eltern oder Trainer einspringen, was der Beitrag Kein Schiri da? beschreibt.

    Was zählt für das Schiedsrichter-Soll?

    Das Schiedsrichter-Soll beschreibt die vorgeschriebene Zahl an Schiris, die ein Verein nach den für ihn geltenden Bestimmungen stellen muss. Welche Personen dafür zählen und welche Folgen ein Fehlbestand hat, regeln die zuständigen Verbände beziehungsweise Kreise.

    Zwei Beispiele zeigen, wie unterschiedlich das ausfallen kann:

    • Beispiel Fußballverband Niederrhein: Jeder Verein meldet je einen Schiedsrichter für jede Männer- und Frauenmannschaft im Pflichtspielbetrieb und einen für den Jugendbereich, zusätzlich je einen für A-, B- und C-Jugendteams in Bundes-, Regional- und Niederrheinliga. Schiedsrichter unter 16 Jahren (Stichtag 1. Januar) zählen nur für das Jugend-Soll. Fehlende Schiris kosten je nach Spielklasse 100 bis 800 Euro Ausgleichsabgabe pro Jahr.
    • Beispiel Bayerischer Fußball-Verband, Ordnung ab 1. Juli 2026: Für seinen Verein ist anrechenbar, wer im Kalenderjahr mindestens vier Veranstaltungen besucht und mindestens zwölf Spiele leitet, davon grundsätzlich fünf Jugendspiele. Die Ordnung berücksichtigt alternativ auch Tätigkeiten etwa als Assistent, Beobachter oder Pate.

    Eine bestandene Prüfung bedeutet also nicht automatisch, dass jemand dauerhaft auf das Soll angerechnet wird. Auch die laufende Tätigkeit zählt. Und das Alter kann eine Rolle spielen: Am Niederrhein deckt ein 14-jähriger Neuling zunächst nur das Jugend-Soll ab.

    Ein bayerisches Detail lohnt sich für die Nachwuchsplanung: Wer beim BFV die Trainerausbildung anstrebt, muss einen Schiedsrichter-Neulingskurs absolvieren und drei Spiele leiten. Sprich deine angehenden Trainer dort deshalb früh auf den Kurs an. So lernen sie die Perspektive des Schiris kennen, und manche bleiben dabei.

    Merkkasten: Erst die eigene Ordnung prüfen
    Lies die aktuelle Spielordnung, Schiedsrichterordnung und gegebenenfalls die Kreisausschreibung deines Verbands. Kläre Soll, Anrechenbarkeit, Bezugszeitraum und mögliche Strafen mit der zuständigen Schiedsrichterstelle. Die Beispiele vom Niederrhein und aus Bayern sind keine bundesweiten Vorgaben. Den Einstieg zu den Regeln deines Verbands findest du in der Landesverband-Übersicht.

    Wen du ansprechen kannst

    Jugendliche: Interesse statt Ersatzbank-Etikett

    Nach der DFB-Schiedsrichterordnung vom 1. Juli 2026 liegt das Mindestalter bei zwölf Jahren. Der DFB-Rahmen ermöglicht damit den Einstieg ab zwölf Jahren, in einigen Landesverbänden erst ab 14. Die Ordnung verpflichtet die Landesverbände auch, für Werbung und Ausbildung des Schiedsrichternachwuchses zu sorgen.

    Wer zwischen 12 und 15 Jahre alt ist, gilt nach der DFB-Ordnung als Jung-Schiedsrichter. Für diese Gruppe sieht sie vor:

    • Minderjährige brauchen das Einverständnis ihres gesetzlichen Vertreters.
    • Bei den ersten Spielen sollen erfahrene Schiedsrichter als Paten begleiten.
    • Spätestens mit 18 werden Jung-Schiedsrichter ohne besondere Prüfung als Schiedsrichter übernommen.

    Wo junge Schiris eingesetzt werden, regeln die Landesverbände unterschiedlich: Im Rheinland sollen Jungschiedsrichter nur Jugendspiele leiten, in Baden nur Spiele der C- bis F-Junioren, in Hessen sollen unter 15-Jährige grundsätzlich in Jugendspielen pfeifen. Für Eltern ist das ein wichtiges Argument: Ihr Kind steht nicht nach drei Wochen bei einem Herrenspiel auf dem Platz.

    Sprich Jugendliche an, die Regeln verstehen möchten, Verantwortung übernehmen wollen oder Freude daran haben, Spielsituationen zu beurteilen. Dazu können auch wenig eingesetzte Spieler gehören. Vermeide aber die Botschaft: „Zum Spielen reicht es nicht, dann pfeif eben.“ Das Schiedsrichteramt ist eine eigenständige Aufgabe, kein Trostpreis.

    Auch verletzte Jugendliche kannst du auf eine spätere Perspektive ansprechen. Ein Lehrgang oder die Spielleitung sind jedoch kein pauschales Ersatzprogramm während einer Verletzung. Kläre Interesse, zeitliche Möglichkeiten und die körperlichen Anforderungen getrennt.

    Eine mögliche Ansprache lautet: „Du beschäftigst dich gern mit den Regeln. Möchtest du dir anschauen, wie die Schiri-Ausbildung abläuft? Der Verein unterstützt dich beim Einstieg.“

    Eltern, ehemalige Aktive und Trainer einbeziehen

    Beschränke die Suche nicht auf die Jugendmannschaften. Frage auch Eltern, ehemalige Spielerinnen und Spieler sowie Trainer. Kläre dabei offen, wie sich Lehrgang und Einsätze mit Familie, Beruf und bisherigen Vereinsaufgaben verbinden lassen.

    Mädchen und Frauen solltest du gezielt ansprechen, statt darauf zu warten, dass sie sich auf einen allgemeinen Aufruf melden. Ihr Anteil an den Unparteiischen lag 2023/24 laut DFB bei nur 4,6 Prozent. Die Zahl aktiver Schiedsrichterinnen stieg aber um rund 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Lade Interessierte zu einem Gespräch mit der Schiedsrichter-Ansprechperson ein und erläutere konkret, welche Unterstützung der Verein anbietet.

    Für die persönliche Ansprache helfen auch die Anregungen, wie du Eltern ins Ehrenamt einbindest. Übertrage dabei vor allem den Gedanken klar umrissener Aufgaben auf die Schiri-Gewinnung.

    Mit ehrlichen Argumenten werben

    Was macht die Aufgabe attraktiv?

    • Regelkenntnis: Interessierte setzen sich intensiv mit Entscheidungen und Spielabläufen auseinander.
    • Verantwortung: Sie lernen, Entscheidungen zu treffen und verständlich zu vertreten.
    • Bewegung und Fitness: Spielleitungen verbinden die Beschäftigung mit Fußball mit körperlicher Aktivität.
    • Aufwandsentschädigung: Laut DFB liegt sie je nach Landesverband und Spielklasse zwischen 10 und 100 Euro.

    Versprich keinen pauschalen Betrag pro Jugendspiel. Die konkreten Sätze stehen in den jeweiligen Finanz- oder Spesenordnungen. Ein Beispiel: Im Bayerischen Fußball-Verband gibt es nach der Anlage zur Schiedsrichterordnung (Stand 1. Juli 2026) für ein Spiel der übrigen C-, D- oder E-Junioren 31 Euro, auf dem Kleinfeld 24 Euro, dazu 0,30 Euro Fahrtkosten je Kilometer. Ein Pateneinsatz wird dort mit 15 Euro entschädigt. Einen verständlichen Einstieg in das Tätigkeitsfeld bietet die Übersicht zu den Aufgaben von Schiedsrichtern.

    So läuft die Ausbildung im Verband

    Von der Anmeldung bis zur Prüfung

    Der Einstieg führt über einen Neulingslehrgang beim Landesverband. Die örtliche Schiedsrichtergruppe beziehungsweise der Kreis kann dir den passenden Kontakt und Lehrgang nennen. Kläre die erforderliche Vereinsmitgliedschaft vor der Anmeldung; bei Minderjährigen gehört auch das Einverständnis der Erziehungsberechtigten dazu.

    Laut DFB endet der Lehrgang mit einem Regeltest aus 30 Fragen und einer Laufprüfung. Die konkreten Bestehensgrenzen und Laufanforderungen unterscheiden sich je Landesverband. Frage deshalb nicht nur nach dem Prüfungstermin, sondern auch nach den geltenden Anforderungen und der Vorbereitung darauf. Was Jugendliche selbst über Alter, Lehrgang und Prüfung wissen sollten, erklärt der Beitrag Schiedsrichter werden als Jugendlicher – gib ihn Interessierten gern weiter.

    Klassischer Vereinsfehler: Die Jugendleitung meldet jemanden an und hält die Aufgabe damit für erledigt. Besser ist eine feste Ansprechperson, die Termine, Kostenübernahme und offene Fragen mit dem Neuling durchgeht.

    Verbandsvergleich: Beispiele statt bundesweiter Pauschalen

    Die folgende Tabelle zeigt ausgewählte Ausbildungsmodelle. Wo die vorliegenden Angaben keine konkrete Zahl nennen, solltest du direkt beim Verband nachfragen.

    VerbandMindestalterKurs und AusbildungswegKosten
    Württembergischer Fußballverband14 Jahre laut Angaben zu den Neulingskursen16 bis 18 Unterrichtseinheiten an 6 bis 8 Tagen; Vereinsmitgliedschaft und Bereitschaft zu jährlich mindestens 15 Spielleitungen20 Euro Unkostenbeitrag
    Fußballverband RheinlandJungschiedsrichter ab 12 Jahren laut Schiedsrichterordnung (März 2026); die Kursseite nennt kein AlterZwei Präsenz-Samstage plus Online-Teil, danach 3 bis 4 praktische Lerneinheiten; Paten bei etwa den ersten 3 Einsätzen100 Euro Lehrgangsgebühr
    Südwestdeutscher Fußballverbandgrundsätzlich 14, mindestens 12 Jahre (SRO); die Verbandsseite nennt 1224 Lerneinheiten Theorie, davon eine zur Gewaltprävention; danach mindestens drei Jugendspiele mit Pate oder im Tandem100 Euro Unkostenbeitrag
    Berliner Fußball-Verband14 Jahre; Ausnahmen ab zwölf Jahren möglichAnwärterlehrgang, Patenschaft und Nachbetreuungslehrgang; verpflichtende GewaltpräventionsschulungAktuelle Gebühr beim Verband erfragen

    Lege vor der Anmeldung fest, ob dein Verein Lehrgang, Ausstattung und gegebenenfalls weitere Materialkosten übernimmt. Diese Zusage sollte verständlich und verbindlich sein.

    Für Vereine in Österreich und der Schweiz gelten eigene Vorgaben: In Niederösterreich ist der Einstieg beispielsweise ab 14 Jahren mit einer Strafregisterbescheinigung „Kinder- und Jugendfürsorge“ vorgesehen. In der Schweiz liegt das Einstiegsalter je nach Region bei 15 oder 16 Jahren. Übertrage deutsche Ausbildungsbedingungen deshalb nicht ungeprüft auf deinen Verband.

    Die ersten Spiele: Paten und Begleitung

    Was eine Patenschaft leisten soll

    Prüfung bestanden. Und jetzt?

    Die ersten Spielleitungen finden laut DFB meistens im Jugendbereich statt. Über das DFB-Patensystem sollen neue Schiris altersgerecht eingesetzt werden. Die Patin oder der Pate hilft bei Platzkontrolle, Spielbericht und Passkontrolle, gibt Feedback und bleibt auch zwischen den Spielen ansprechbar.

    Bei der DFB-Aktion „Profi wird Pate“ begleiten Paten neue Schiris bei mindestens drei Spielen innerhalb der ersten Einsätze. Der Berliner Fußball-Verband verbindet die Ausbildung ausdrücklich mit einer Patenschaft und einem Nachbetreuungslehrgang: Ein Pate begleitet mindestens drei der ersten fünf Spiele, das erste Spiel zwingend gemeinsam. Eine Gewaltpräventionsschulung gehört dort verpflichtend zur Ausbildung.

    Diese Beispiele zeigen eine klare Richtung: Begleitung gehört an den Anfang der Praxis, nicht erst hinter eine schlechte Erfahrung.

    Was dein Verein selbst organisieren kann

    Stimme die fachliche Patenschaft mit der zuständigen Schiedsrichtergruppe ab. Ergänzend sollte der Verein die Alltagsorganisation übernehmen:

    • Feste Ansprechperson: Der Neuling und bei Minderjährigen die Eltern wissen, wen sie bei Fragen erreichen.
    • Fahrdienst: Kläre die Anreise, bevor die erste Ansetzung zum organisatorischen Problem wird.
    • Ausstattung: Prüfe gemeinsam, was der Neuling benötigt und was der Verein bereitstellt.
    • Terminabstimmung: Besprich mögliche Konflikte mit eigenen Spielen, Training oder Schule rechtzeitig.
    • Nachbesprechung: Frage nach dem Einsatz, was gut lief und wo Unterstützung gebraucht wird.

    Ein praktisches Beispiel: Ein Jugendlicher erhält seine erste Ansetzung, kennt aber weder die Anlage noch den Ablauf des Spielberichts. Die Vereins-Ansprechperson klärt die Fahrt, der Pate begleitet die organisatorischen Schritte und beide wissen vorab, wer welche Aufgabe übernimmt. So bleibt der Neuling nicht mit mehreren unbekannten Abläufen allein.

    Schiris halten: Wertschätzung und Schutz

    Den Praxisschock ernst nehmen

    Wer im Lehrgang eine Regelfrage löst, muss noch nicht sicher mit lautem Widerspruch am Spielfeldrand umgehen können. Der DFB nennt diesen „Praxisschock“ als häufigen Hauptgrund für das frühe Aufhören. Deshalb führte er zur Saison 2017/18 das Patensystem ein. Eine offizielle Ausstiegsquote veröffentlicht der DFB nicht. Misstraue deshalb Zahlen wie „X Prozent hören im ersten Jahr auf“. In einer Befragung württembergischer Schiedsrichter 2022/23 fühlten sich nur noch 46,5 Prozent gut auf Konflikte vorbereitet. 79,3 Prozent wünschten sich mehr Schulungen. Laut der Autorin Dr. Thaya Vester denken unsichere Schiedsrichter häufiger ans Aufhören.

    Die Befragung betrifft Württemberg und lässt sich nicht pauschal auf alle deutschen Schiris übertragen. Für deine Vereinsarbeit liefert sie trotzdem einen konkreten Ansatz: Frage nach Konfliktsorgen, statt ausschließlich die Zahl der Einsätze zu kontrollieren.

    Hilfreiche Fragen für eine Nachbesprechung sind:

    • „Bei welcher Situation warst du unsicher?“
    • „Konntest du deine Entscheidung ruhig erklären?“
    • „Welche Unterstützung hätte dir geholfen?“
    • „Was möchtest du vor dem nächsten Einsatz mit deinem Paten besprechen?“

    Hör zu. Ein schwieriges Spiel ist kein Anlass, die Eignung eines Neulings vorschnell infrage zu stellen.

    Schutz organisieren, Anerkennung sichtbar machen

    Kläre für Heimspiele, wer bei Konflikten ansprechbar ist und wie der Verein auf abwertendes Verhalten reagiert. Auch die eigenen Trainer und Eltern müssen wissen: Junge Schiris verdienen respektvollen Umgang, gerade wenn eine Entscheidung umstritten ist. Laut DFB-Lagebild wurden in der Saison 2025/26 in 2.100 Spielen Schiedsrichterinnen oder Schiedsrichter als Geschädigte eines Vorfalls gemeldet. Konkrete Maßnahmen findest du im Beitrag zum Schutz vor Gewalt gegen Schiedsrichter im Jugendfußball. Wie der Verein reagiert, wenn Zuschauer oder Eltern am Platz eskalieren, beschreibt der Leitfaden zu Hausrecht, Platzverweis und Hausverbot.

    Merke: Wird ein Schiri bedroht oder angegriffen, geht Schutz vor. Bei akuter Gefahr rufst du die Polizei (110), bei Verletzten den Rettungsdienst (112). Ist der Schiri minderjährig, informierst du nach dem Spiel auch seine Eltern.

    Wertschätzung braucht daneben einen Platz im Vereinsalltag. Stelle passende Ausstattung bereit, lade Schiris zu Vereinsveranstaltungen ein und würdige ihre Tätigkeit bei Ehrungen. Frage vor einer öffentlichen Vorstellung oder einem Foto nach ihrem Einverständnis.

    Warte mit dem Kontakt nicht bis zur nächsten Soll-Abrechnung. Wer nur dann eine Nachricht bekommt, wenn Spielleitungen fehlen, erlebt vor allem Druck. Frage stattdessen nach Zufriedenheit, zeitlicher Belastung und Wünschen für die weitere Begleitung.

    Checkliste für den Schiri-Obmann beziehungsweise die Jugendleitung

    Nutze diese Liste als Fahrplan von der ersten Ansprache bis zum dritten Spiel:

    • Aktuelle Soll-Regelung, Anrechenbarkeit und mögliche Strafen im eigenen Verband beziehungsweise Kreis prüfen.
    • Eine feste Vereins-Ansprechperson für neue Schiris benennen.
    • Jugendliche, Eltern, ehemalige Aktive und Trainer persönlich ansprechen; Mädchen und Frauen gezielt einladen.
    • Interesse, zeitliche Möglichkeiten und Erwartungen ohne Druck besprechen.
    • Mindestalter, Vereinsmitgliedschaft und bei Minderjährigen das Einverständnis der Erziehungsberechtigten klären.
    • Lehrgangstermine, Prüfungsanforderungen und Kosten beim Verband erfragen.
    • Kostenübernahme und Ausstattung durch den Verein verbindlich vereinbaren.
    • Anmeldung begleiten und während des Lehrgangs für Rückfragen erreichbar bleiben.
    • Patenschaft mit der zuständigen Schiedsrichtergruppe abstimmen.
    • Vor dem ersten Spiel Anreise, Kontaktpersonen und organisatorische Abläufe klären.
    • Nach dem ersten Spiel aktiv nach Erfahrungen und Unterstützungsbedarf fragen.
    • Begleitung für die weiteren ersten Einsätze sichern und nach dem dritten Spiel gemeinsam Bilanz ziehen.

    Fazit: Nachwuchsgewinnung endet nicht mit der Anmeldung

    Wenn du Schiedsrichter für deinen Verein gewinnen und halten möchtest, verbinde persönliche Ansprache mit verlässlicher Unterstützung. Prüfe zuerst die Regeln deines Verbands, erkläre Interessierten den Ausbildungsweg und organisiere die Begleitung frühzeitig.

    Der wichtigste Perspektivwechsel: Ein neuer Schiri ist nicht einfach ein zusätzlicher Name für das Soll. Er übernimmt Verantwortung und braucht dafür Rückhalt. Fang deshalb mit einer klar benannten Ansprechperson und einem Gespräch mit der örtlichen Schiedsrichtergruppe an. Daraus entsteht ein Fahrplan, den dein Verein tatsächlich umsetzen kann.

    Häufig gestellte Fragen

    Nach der DFB-Schiedsrichterordnung vom 1. Juli 2026 liegt das Mindestalter bei zwölf Jahren. In einigen Landesverbänden ist der Einstieg erst ab 14 möglich. Württemberg nennt für seine Neulingskurse beispielsweise 14 Jahre; Berlin ermöglicht Ausnahmen ab zwölf Jahren. Kläre vor der Anmeldung die aktuellen Vorgaben deines Landesverbands und bei Minderjährigen das Einverständnis der Erziehungsberechtigten.

    Der Einstieg erfolgt über einen Neulingslehrgang beim Landesverband. Laut DFB endet er mit einem Regeltest aus 30 Fragen und einer Laufprüfung; die konkreten Prüfungsanforderungen unterscheiden sich je Verband. Auch Umfang und Kosten variieren: Württemberg nennt 16 bis 18 Unterrichtseinheiten an 6 bis 8 Tagen und 20 Euro Unkostenbeitrag. Im Rheinland kostet der Lehrgang mit zwei Präsenz-Samstagen und einem Online-Teil 100 Euro. Vereinbare vorab, welche Kosten dein Verein übernimmt.

    Eine bestandene Prüfung allein garantiert keine dauerhafte Anrechnung. Die zuständigen Verbände beziehungsweise Kreise legen fest, welche laufenden Leistungen erforderlich sind. In Bayern gehören nach der Ordnung ab 1. Juli 2026 grundsätzlich mindestens vier Veranstaltungen und zwölf Spielleitungen im Kalenderjahr dazu, darunter fünf Jugendspiele; alternative Tätigkeiten berücksichtigt die Ordnung ebenfalls. Prüfe für deinen Verein immer die eigenen aktuellen Bestimmungen.

    Organisiere schon vor den ersten Einsätzen eine feste Ansprechperson, eine abgestimmte Patenschaft und Unterstützung bei Anreise und Ausstattung. Frage nach den Spielen aktiv nach Unsicherheiten und Konfliktsorgen. Das DFB-Patensystem sieht Hilfe bei organisatorischen Aufgaben sowie Feedback vor. Berlin verlangt beispielsweise eine Begleitung bei mindestens drei der ersten fünf Spiele, darunter zwingend beim ersten. Sichtbare Wertschätzung und die Einbindung ins Vereinsleben ergänzen diese fachliche Begleitung.

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