Fußballregeln

    Schiedsrichter werden als Jugendlicher: Ab welchem Alter, Ausbildung, Kosten und was es bringt

    Je nach Verband kannst du bereits ab 12 Jahren Schiedsrichter werden. Der Ratgeber erklärt Altersgrenzen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie Ausbildung, erste Einsätze, Kosten, Spesen und Vorteile.

    fbTobias Brenner · aktualisiert 26. Okt. 2026 · 17 Min.
    KI-generiertes Symbolbild

    Samstagmorgen, kurz vor dem Anpfiff: Zwei Teams stehen bereit, Eltern warten am Spielfeldrand – doch der angesetzte Schiedsrichter fehlt. Gerade im Jugendfußball werden junge Unparteiische dringend gebraucht. Vielleicht fragst du dich deshalb: Schiedsrichter werden – ab wann ist das überhaupt möglich?

    Die kurze Antwort lautet: In Deutschland kannst du je nach Landesverband bereits mit 12 Jahren starten. In Österreich und der Schweiz gelten andere Altersgrenzen. Auch Ausbildung, Prüfung und Begleitung unterscheiden sich regional. Ein Blick auf die konkreten Regeln lohnt sich also.

    Ab welchem Alter kann man Schiedsrichter werden?

    Für Deutschland nennt die DFB-Schiedsrichterordnung ein Mindestalter von 12 Jahren. Die 21 DFB-Landesverbände dürfen die Details jedoch selbst regeln. Deshalb kannst du nicht automatisch überall am zwölften Geburtstag mit der Ausbildung beginnen. Laut DFB-Schiedsrichterordnung brauchen minderjährige Bewerber das Einverständnis ihrer Eltern bzw. gesetzlichen Vertreter.

    DFB-Landesverbände, ÖFB und SFV im Überblick

    Einige Beispiele zeigen die regionalen Unterschiede:

    • Bayern: Laut Schiedsrichterordnung des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV, Stand 01.07.2026) können Neulinge ab 12 Jahren als Schiedsrichter bestätigt werden. Ob ein Kurs auch Jüngere als 14 aufnimmt, entscheidet die jeweilige Schiedsrichtergruppe.
    • Niedersachsen: Der Niedersächsische Fußballverband setzt grundsätzlich ein Mindestalter von 14 Jahren an. Ein Einstieg mit 12 Jahren ist möglich, wenn der zuständige Kreis-Schiedsrichterausschuss dies beschlossen hat. Dieses Gremium organisiert das Schiedsrichterwesen auf Kreisebene.
    • Österreich: Hier regelt jeder der neun Landesverbände das Mindestalter selbst. Niederösterreich, Burgenland, Oberösterreich, Tirol und Vorarlberg nennen 14 Jahre, Kärnten und Salzburg 15, Wien 16 (Jüngere entscheidet ein persönliches Gespräch). Die Steiermark hat das Alterslimit laut einer Verbandsmeldung von 2023 auf 12 Jahre gesenkt.
    • Schweiz: Je nach Regionalverband liegt das Mindestalter für angehende Schiedsrichter bei 15 oder 16 Jahren.

    Die Antwort auf die Frage „Schiedsrichter werden ab wann?“ hängt somit von deinem Wohnort ab. Prüfe zuerst die Vorgaben des zuständigen Landes- oder Regionalverbandes. Dein Verein kann dir die richtige Ansprechperson nennen.

    Ab wann darf man Schiedsrichter werden? Die Altersgrenzen als Tabelle

    Verband bzw. RegionMindestalterBesonderheit
    DFB (Schiedsrichterordnung)12 JahreDie Landesverbände regeln die Details.
    Baden (bfv)12 JahreJung-Schiedsrichter (12 bis unter 16) sollen nur C- bis F-Junioren leiten.
    Bayern (BFV)12 Jahrelaut Schiedsrichterordnung 2026; Kursaufnahme unter 14 klärt die Gruppe
    Berlin14 Jahreab 12 nur mit Ausnahmegenehmigung nach Schiedsrichter-Praktikum
    Bremen12 Jahrelaut Schiedsrichterordnung (Stand 06/2026)
    Hamburg14 JahreAnwärterlehrgang an einem Wochenende
    Hessen12 Jahrelaut Schiedsrichterordnung; der Verband empfiehlt 14
    Mecklenburg-Vorpommernin der Regel 14 JahreBereitschaft zu mindestens 16 Spielleitungen im Jahr
    Niedersachsen (NFV)14 Jahre12 Jahre, wenn der Kreis-Schiedsrichterausschuss es beschlossen hat
    Rheinland12 JahreJungschiedsrichter sollen nur Jugendspiele leiten.
    Saarland14 Jahreab 12 nach erfolgreichem Schiedsrichter-Praktikum
    Sachsen12 JahreStichtag ist der Lehrgangsbeginn.
    Sachsen-Anhalt12 oder 14 JahreDie Schiedsrichterordnung nennt 12, die Verbandsseite 14 – vorher nachfragen.
    Schleswig-Holstein12 JahreDFB-Schiedsrichterausweis erst ab 16, vorher vorläufiger Ausweis
    Südbadenempfohlen 14 JahreAusnahmen entscheidet der Bezirks-Schiedsrichterausschuss.
    Südwest (SWFV)in der Regel 14, frühestens 12 Jahrelaut Schiedsrichterordnung
    Württemberg (WFV)14 JahreSollvorschrift; Vereinsmitgliedschaft ist Voraussetzung.
    Österreich12 bis 16 Jahreje Landesverband, siehe oben
    Schweiz (SFV)15 oder 16 Jahreje nach Regionalverband

    Für Westfalen, Niederrhein, Mittelrhein, Brandenburg und Thüringen fragst du die aktuelle Altersgrenze direkt bei deinem Kreis-Schiedsrichterausschuss ab. Welche Spielregeln dein Verband im Jugendbereich sonst noch anders regelt, zeigt der Landesverbands-Vergleich.

    Merke: Ob du mit 12 oder erst mit 14 Jahren starten darfst, entscheidet dein Landesverband – teilweise sogar dein Kreis. Die Tabelle zeigt den Stand der Ordnungen und Verbandsseiten im Herbst 2026. Die verbindliche Antwort für deinen Wohnort bekommst du über deinen Verein oder die zuständige Schiedsrichtergruppe.

    Alter allein reicht allerdings nicht. Du solltest zuverlässig sein, Regeln lernen wollen und auch dann ruhig bleiben können, wenn Spieler oder Zuschauer eine Entscheidung anders sehen. Perfekt musst du zu Beginn nicht auftreten. Du sollst bereit sein, dazuzulernen.

    So läuft die Ausbildung ab

    Der typische Weg beginnt über deinen Fußballverein. Dort meldest du dein Interesse an und bekommst Kontakt zur zuständigen Schiedsrichtergruppe, zum Kreis oder zum Verband. Die genaue Anmeldung kann regional unterschiedlich organisiert sein. In Hessen etwa bietet jeder Kreis mindestens einmal im Jahr einen Neulingslehrgang an.

    Danach besuchst du einen Neulingslehrgang. Dabei lernst du die Fußballregeln und ihre Anwendung auf dem Platz. Dazu gehören unter anderem:

    • Aufgaben und Befugnisse des Schiedsrichters
    • direkte und indirekte Freistöße
    • Abseits und persönliche Strafen
    • Verhalten bei Verletzungen und Spielunterbrechungen
    • Zusammenarbeit mit Assistenten
    • Anfertigung eines Spielberichts
    • klare Kommunikation mit Spielern und Trainern

    Einen guten Einstieg bietet der Überblick über Schiedsrichter und ihre Aufgaben, die Rolle an der Seitenlinie erklärt der Beitrag Linienrichter (Assistent) einfach erklärt. Gerade am Anfang hilft es, Regeln nicht isoliert auswendig zu lernen, sondern mit konkreten Spielszenen zu verbinden: War das Handspiel absichtlich? Wo wird das Spiel fortgesetzt? Wann ist ein Spieler tatsächlich aktiv im Abseits?

    Lehrgang und Prüfung unterscheiden sich regional

    Wie lange der Neulingslehrgang dauert und wie er aufgebaut ist, legt der jeweilige Verband fest. Auch mögliche körperliche Tests sind nicht überall identisch. Verlasse dich deshalb nicht auf Kurspläne aus einer anderen Region.

    Einige Beispiele zeigen die Spannbreite:

    Verband bzw. RegionUmfang des LehrgangsAbschluss
    Württemberg (WFV)16 bis 18 Unterrichtseinheiten an 6 bis 8 Ausbildungstagen innerhalb von etwa 4 bis 6 Wochentheoretische und praktische Prüfung
    Frankfurt (Hessen)in der Regel zwei WochenendenRegeltest mit 30 Regelfragen und Laufprüfung
    Hamburgein Wochenende (Freitagnachmittag bis Sonntagmittag)Prüfung beim Anwärterlehrgang
    Rheinlandzwei Samstage in Präsenz plus Online-Teil, danach 3 bis 4 praktische Lerneinheitendanach betreuen Paten etwa die ersten 3 Einsätze
    Sachsenetwa 20 bis 25 Unterrichtsstunden, meist am Wochenende im Kreisschriftlicher Regeltest
    BayernNeulingskurs der SchiedsrichtergruppeTheorie- und Fitnessprüfung (1.000-Meter-Lauf)

    Nach der Ausbildung erwarten die Verbände, dass du regelmäßig pfeifst. Der WFV nennt als Voraussetzung zum Beispiel die Mitgliedschaft in einem Verein, die Bereitschaft zu jährlich mindestens 15 Spielleitungen und die Teilnahme an Lehrabenden. In Mecklenburg-Vorpommern sind es mindestens 16 Spielleitungen im Jahr. Frag vor der Anmeldung, welche Pflichten bei dir gelten.

    Am Ende steht eine Regelprüfung. Dabei musst du zeigen, dass du typische Spielsituationen korrekt beurteilen kannst. Häufiger Anfängerfehler: nur die richtige Entscheidung zu lernen, aber die passende Spielfortsetzung zu vergessen. Auf ein Foul können beispielsweise je nach Situation ein direkter Freistoß, ein Strafstoß oder ein Vorteil folgen.

    Auch deine Körpersprache zählt. Welche Bewegung zeigt einen indirekten Freistoß an? Wie weist du sichtbar auf den Strafstoßpunkt? Die Übersicht zu den Schiedsrichterzeichen und ihren Bedeutungen hilft dir bei der Vorbereitung.

    Bestanden? Dann beginnt der praktische Teil.

    Die ersten Spiele: Mit Paten auf dem Platz

    Junge Schiedsrichter starten normalerweise mit Partien im Kinder- oder Jugendbereich. Nach der DFB-Schiedsrichterordnung ist Jung-Schiedsrichter, wer 12, aber noch nicht 16 Jahre alt ist; diesen Status kannst du bis zum 18. Lebensjahr behalten. Spätestens mit 18 wirst du ohne besondere Prüfung als Schiedsrichter übernommen. Welche Altersklasse du leitest, richtet sich nach deinem Alter, deiner Erfahrung und der Einteilung vor Ort.

    Warum du nicht bei den Kleinsten pfeifst

    Bei den jüngsten Kindern gibt es oft gar keinen Schiedsrichter:

    • Deutschland: Laut DFB-Jugendordnung spielen die F-Jugend und jüngere Teams ohne Schiedsrichter, die Kinder entscheiden selbst. In der E-Jugend gilt das nur, wenn der Landesverband es beschließt.
    • Österreich: U6 bis U10 spielen ohne Schiedsrichter. U11 und U12 leiten Schiedsrichter, die keine Verbandsschiedsrichter sein müssen, ab U13 pfeifen Verbandsschiedsrichter.
    • Schweiz: In G, F und E regeln die Kinder das Spiel selbst.

    Deine ersten Einsätze liegen deshalb meist in den Altersklassen, in denen der Verband überhaupt Schiedsrichter ansetzt. Welche das bei dir sind, erfährst du bei der Einteilung. Wie das Spiel bei den Jüngsten ohne Pfeife funktioniert, erklärt der Beitrag Kinderfußball ohne Schiedsrichter.

    Oft wirst du bei den ersten Einsätzen begleitet. Ein erfahrener Schiedsrichter oder Pate beobachtet das Spiel, bespricht wichtige Szenen mit dir und beantwortet Fragen. Wie dieses Patenmodell aussieht, entscheidet der jeweilige Landesverband beziehungsweise die zuständige Schiedsrichtergruppe. In Berlin etwa begleitet dich ein Pate in mindestens drei deiner ersten fünf Spiele, das erste Spiel bestreitet ihr zwingend gemeinsam. In Hamburg sollen Paten mindestens die ersten drei Spiele betreuen.

    Diese Begleitung nimmt Druck heraus. Schließlich wirkt selbst ein kleines Jugendspiel aus der Schiedsrichterperspektive plötzlich schnell: Ein Zweikampf an der Seitenlinie, ein Trainer ruft, der Ball bleibt im Feld und direkt danach fällt ein Tor. Was war zuerst? Genau solche Situationen lassen sich nach dem Abpfiff sinnvoll besprechen.

    Für deine ersten Spiele helfen drei einfache Grundsätze:

    • Komm rechtzeitig: So kannst du Platz, Tore und organisatorische Abläufe in Ruhe prüfen.
    • Entscheide klar: Ein deutlicher Pfiff und ein sichtbares Zeichen funktionieren besser als langes Zögern.
    • Bleib ansprechbar: Eine kurze Erklärung kann helfen. Endlose Diskussionen musst du nicht führen.

    Klassischer Anfängerfehler ist, jeden Zuruf vom Rand persönlich zu nehmen. Konzentriere dich auf die nächste Spielsituation. Eine fehlerhafte Entscheidung lässt sich während des laufenden Spiels selten durch Grübeln reparieren.

    Kosten, Spesen und Vorteile

    Ob für Lehrgang und Ausrüstung Kosten anfallen, klärst du vor der Anmeldung mit deinem Verein oder Verband. Dafür gibt es keine einheitliche Antwort für den gesamten DACH-Raum. Der WFV erhebt zum Beispiel 20 Euro Unkostenbeitrag für Ausbildungsmaterial, der Fußballverband Rheinland nennt 100 Euro Lehrgangsgebühr, in Wien kostet die Ausbildung 100 Euro Selbstkostenbeitrag. Frage konkret nach, welche Ausstattung bereitgestellt wird und was du selbst besorgen sollst.

    Welche Ausrüstung brauchst du?

    Zur typischen Grundausstattung gehören:

    • Schiedsrichtertrikot, Hose und Stutzen
    • geeignete Fußballschuhe
    • Pfeife
    • gelbe und rote Karte
    • Uhr
    • Material für Spielnotizen

    Welche Kleidung und Hilfsmittel verbindlich vorgeschrieben sind, erfährst du im Lehrgang. Kaufe daher nicht vorschnell ein komplettes Set, bevor du die regionalen Hinweise kennst.

    Wie viel verdient ein junger Schiedsrichter?

    Für jedes geleitete Spiel erhältst du eine Aufwandsentschädigung. Deren Höhe regelt der zuständige Landesverband. Laut DFB liegt sie je nach Landesverband und Spielklasse zwischen 10 und 100 Euro pro Spiel. Ein konkretes Beispiel aus Bayern (Anlage zur Schiedsrichterordnung, Stand 01.07.2026):

    Spiel im BFVEntschädigung
    übrige C-, D- und E-Junioren31 Euro
    Kleinfeld (z. B. 7 gegen 7, Zwillingsspiel)24 Euro
    übrige C-, D- und E-Juniorinnen26 Euro
    Pateneinsatz zur Betreuung von Neulingen15 Euro

    Die Entschädigung ist ein angenehmer Nebeneffekt, sollte aber nicht dein einziger Grund für die Ausbildung sein. Du übernimmst Verantwortung, lernst Konflikte zu lösen und musst Entscheidungen innerhalb weniger Sekunden treffen. Das stärkt Selbstständigkeit und Auftreten – Fähigkeiten, die auch in Schule, Ausbildung und Beruf nützlich sind.

    Freier Eintritt mit Schiedsrichterausweis

    Ein weiterer Vorteil ist der Schiedsrichterausweis. Ein gültiger Ausweis berechtigt im DFB-Gebiet zum freien Eintritt zu Fußballspielen. Für Spiele der 1. bis 3. Liga stehen pro Klub jedoch nur begrenzte Kartenkontingente zur Verfügung. Je nach Verein bekommst du die Karte an der Tageskasse oder musst dich vorher online anmelden. Beachte: Den vollen DFB-Ausweis bekommst du nicht überall sofort. In Schleswig-Holstein gibt es ihn erst ab 16 Jahren (vorher einen vorläufigen Verbandsausweis), in Württemberg nach bestandener Prüfung und fünf geleiteten Spielen.

    Freier Eintritt zu jedem Bundesligaspiel ist also nicht garantiert.

    In der Schweiz berechtigt der Schiedsrichterausweis zum freien Eintritt zu allen Meisterschaftsspielen im Bereich des Schweizerischen Fußballverbandes, kurz SFV. Die jeweils gültigen Abläufe solltest du trotzdem vor dem Stadionbesuch prüfen.

    Schiri und selbst spielen – geht beides?

    Ja, du kannst grundsätzlich selbst Fußball spielen und parallel als Schiedsrichter aktiv sein. Die Herausforderung liegt in der Terminplanung. Training, eigenes Punktspiel, Schiedsrichtereinsatz und Schule können schnell auf dasselbe Wochenende fallen.

    Ein fester Wochenplan funktioniert in der Praxis besser als spontane Absprachen. Trage folgende Termine früh ein:

    • Schulaufgaben und Prüfungstermine
    • Trainingstage deiner Mannschaft
    • eigene Pflichtspiele
    • mögliche Schiedsrichtereinsätze
    • notwendige Fahrzeiten
    • mindestens einen freien Erholungszeitraum

    Der Wochenplan für Schule und Fußball lässt sich dafür leicht um Schiedsrichtereinsätze ergänzen. Prüfe den Kalender beispielsweise jeden Sonntag für die kommende Woche gemeinsam mit deinen Eltern.

    Informiere die zuständige Einteilungsstelle frühzeitig, wenn du wegen eines eigenen Spiels oder eines Schultermins nicht verfügbar bist. Kurzfristige Absagen bringen Vereine und andere Schiedsrichter in Schwierigkeiten. Zuverlässigkeit ist deshalb genauso wichtig wie Regelwissen.

    Achte auch auf die Belastung. Ein eigenes Spiel am Vormittag und eine Spielleitung am Nachmittag können machbar sein. Werden daraus mehrere Termine an beiden Wochenendtagen, brauchst du Pausen. Müdigkeit erschwert die Konzentration – und damit genau jene schnellen Entscheidungen, auf die es als Schiri ankommt.

    Für Eltern: Was dein Kind als junger Schiri braucht

    Elternkasten: Ein junger Schiedsrichter braucht Rückhalt, verlässliche Organisation und die Möglichkeit, nach schwierigen Spielen offen zu sprechen. Kritik sollte eingeordnet werden, ohne jeden Konflikt sofort für das Kind lösen zu wollen.

    Eltern begleiten je nach Alter die Anmeldung, geben notwendige Einverständniserklärungen ab und helfen bei Fahrten. Noch wertvoller ist ruhige Unterstützung nach dem Einsatz.

    Frage nicht zuerst: „Hast du Fehler gemacht?“ Besser sind offene Fragen:

    • Welche Szene war heute besonders schwierig?
    • Was hat gut funktioniert?
    • Was möchtest du beim nächsten Spiel anders lösen?
    • Welche Rückmeldung hat dir dein Pate gegeben?

    So lernt dein Kind, Entscheidungen zu reflektieren, ohne sich nach jedem strittigen Pfiff grundsätzlich infrage zu stellen.

    Umgang mit Kritik und Zurufen

    Zurufe können junge Schiedsrichter stark belasten. Erwachsene am Spielfeldrand sollten sich bewusst machen, dass dort möglicherweise ein 12-, 14- oder 16-jähriger Anfänger steht. Unsachliche Angriffe sind keine normale Begleiterscheinung, die dein Kind einfach hinnehmen muss.

    Nach einem unangenehmen Erlebnis sollte dein Kind mit dem Paten, der Schiedsrichtergruppe oder einer verantwortlichen Person im Verein sprechen. Eltern können diesen Kontakt unterstützen. Direkt nach Abpfiff eine lautstarke Diskussion mit Zuschauern zu beginnen, verschärft die Situation dagegen häufig. Wird dein Kind bedroht oder körperlich angegangen, gehört das nicht in die Nachbesprechung, sondern sofort gemeldet – im Notfall über die 112. Hintergründe und Zahlen dazu liefert der Beitrag Gewalt gegen Schiedsrichter im Jugendfußball.

    Wichtig ist die Balance: Dein Kind braucht Schutz, aber auch Raum, selbstständiger zu werden. Ein schwieriges Spiel bedeutet nicht automatisch, dass die Schiedsrichterlaufbahn ungeeignet ist. Oft liefert gerade die Nachbesprechung den größten Lerneffekt. Was Vereine tun können, damit junge Schiris dabeibleiben, zeigt der Ratgeber Schiedsrichter gewinnen und halten.

    Dein sinnvoller Einstieg als junger Schiedsrichter

    Der erste Schritt ist unkompliziert: Sprich deinen Verein an und erfrage das Mindestalter sowie den nächsten Neulingslehrgang in deinem Landesverband. Kläre anschließend gemeinsam mit deinen Eltern die Anmeldung, mögliche Kosten, die benötigte Ausrüstung und den zeitlichen Rahmen.

    In fünf Schritten zur ersten Spielleitung

    1. Verein ansprechen: Frag nach der zuständigen Schiedsrichtergruppe und dem nächsten Neulingslehrgang.
    2. Mindestalter prüfen: Kläre, ob in deinem Verband oder Kreis 12, 14 oder ein anderes Alter gilt.
    3. Anmelden und Pflichten klären: Frag nach Kosten, Lehrabenden und der erwarteten Zahl an Spielleitungen pro Jahr.
    4. Lehrgang und Prüfung bestehen: Lerne die Regeln mit Spielszenen und übe die Schiedsrichterzeichen. Je nach Verband gehört eine Laufprüfung dazu.
    5. Erste Spiele mit Begleitung: Nutze die Nachbesprechungen mit deinem Paten und trage deine Einsätze früh in den Wochenplan ein.

    In Deutschland ist ein Einstieg laut DFB-Schiedsrichterordnung grundsätzlich ab 12 Jahren möglich, wobei die Landesverbände eigene Vorgaben festlegen; mehrere verlangen 14 Jahre. In Österreich legen die Landesverbände die Altersgrenze zwischen 12 und 16 Jahren fest. In der Schweiz liegt sie je nach Region bei 15 oder 16 Jahren.

    Als junger Schiedsrichter bekommst du eine regionale Aufwandsentschädigung, profitierst von Ausweisvorteilen und entwickelst ein deutlich tieferes Verständnis für Fußballregeln. Vor allem lernst du, Verantwortung zu übernehmen und unter Druck klare Entscheidungen zu treffen. Der beste Start gelingt mit einer passenden regionalen Ausbildung, guter Begleitung und einem Wochenplan, der Schule, eigenes Team und Schiri-Einsätze realistisch verbindet.

    Passend dazu

    Mehr zur D-Jugend (U12/U13)

    Alles zur D-Jugend (U12/U13) im Überblick →Alle Übungen für die D-Jugend (U12/U13) →

    Häufig gestellte Fragen

    In Deutschland nennt die DFB-Schiedsrichterordnung ein Mindestalter von 12 Jahren, die Landesverbände regeln jedoch die Einzelheiten. Ab 12 möglich ist es zum Beispiel in Baden, Bayern, Bremen, Hessen, Rheinland, Sachsen und Schleswig-Holstein. In Niedersachsen liegt das Mindestalter grundsätzlich bei 14 Jahren, ein Kreis-Schiedsrichterausschuss kann es auf 12 senken. In Württemberg, Hamburg und Berlin gilt in der Regel 14.

    Nach der Anmeldung über den Verein oder die zuständige Schiedsrichterorganisation besuchst du einen Neulingslehrgang und legst eine Regelprüfung ab. Anschließend folgen meist erste Einsätze im Jugendbereich, oft begleitet durch einen erfahrenen Schiedsrichter oder Paten. Dauer, Aufbau und mögliche körperliche Tests unterscheiden sich je nach Verband.

    Schiedsrichter erhalten für jedes geleitete Spiel eine Aufwandsentschädigung, deren Höhe der Landesverband festlegt. Laut DFB liegt sie je nach Verband und Spielklasse zwischen 10 und 100 Euro. In Bayern gibt es zum Beispiel für C-, D- und E-Junioren 31 Euro, auf dem Kleinfeld 24 Euro (Stand 01.07.2026). Den Betrag für deine Spiele erfährst du bei deiner Schiedsrichtergruppe.

    Ein gültiger Schiedsrichterausweis berechtigt im DFB-Gebiet grundsätzlich zum freien Eintritt zu Fußballspielen. Bei Begegnungen der 1. bis 3. Liga sind die Kartenkontingente pro Klub jedoch begrenzt; teilweise ist eine vorherige Online-Anmeldung nötig. In der Schweiz gilt der freie Eintritt für alle Meisterschaftsspiele im Bereich des SFV.

    Beim Württembergischen Fußballverband sollen Anwärter mindestens 14 Jahre alt sein. In Österreich regelt jeder Landesverband das Alter selbst: 14 Jahre zum Beispiel in Niederösterreich, Oberösterreich und Tirol, 15 in Kärnten und Salzburg, 16 in Wien, in der Steiermark laut Verbandsmeldung von 2023 schon 12. In der Schweiz liegt das Mindestalter je nach Region bei 15 oder 16 Jahren.

    Das regelt jeder Verband selbst. Der WFV erhebt für die Ausbildungsmaterialien einen Unkostenbeitrag von 20 Euro, der Fußballverband Rheinland nennt 100 Euro Lehrgangsgebühr, in Wien kostet die Ausbildung 100 Euro. Frag vor der Anmeldung bei deinem Verein oder deiner Schiedsrichtergruppe nach, welche Kosten bei dir anfallen und welche Ausrüstung gestellt wird.

    Meist nicht. In Deutschland spielen die F-Jugend und jüngere Teams laut DFB-Jugendordnung ohne Schiedsrichter, die E-Jugend nur, wenn der Landesverband es beschließt. In Österreich gilt das bis U10, in der Schweiz für G, F und E. Deine ersten Einsätze liegen deshalb in den Altersklassen, für die dein Verband Schiedsrichter ansetzt.

    Weiterlesen

    schiedsrichter werden ab wann
    Schiedsrichter werden als Jugendlicher
    Schiedsrichter Ausbildung
    Schiedsrichter Mindestalter
    Schiedsrichter Aufwandsentschädigung