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    Torwart-Abstoß & Einrollen: Regeln + Coaching (U8–U13)

    Abstoß, Abwurf und Einrollen sorgen im Kinderfußball oft für Fragen. Hier bekommst du die wichtigsten Regeln (U8–U13) und einfache Coaching-Tools für sicheren Spielaufbau.

    Tobias Brenner
    13. Jan. 2026
    Aktualisiert: 21. Jan. 2026
    8 Min.

    Der Abstoß und das Einrollen (bzw. Abwurf) gehören im Kinderfußball zu den häufigsten Spielfortsetzungen – und gleichzeitig zu den Situationen, bei denen Eltern und Trainer am meisten diskutieren. Darf der Torwart den Ball in die Hand nehmen? Müssen Gegenspieler Abstand halten? Und wie schaffst du es, dass dein Team den Ball ruhig und mutig von hinten herausspielt, statt ihn nur „wegzuschlagen“?

    Gerade in U8 bis U13 entscheidet ein guter, altersgerechter Umgang mit Abstoß & Einrollen darüber, ob Kinder Spielaufbau lernen oder sich früh an hektische Befreiungsschläge gewöhnen. Hier bekommst du klare Regeln (DFB/ÖFB/SFV-Grundsätze), typische Kinderfußball-Sonderregeln und praxistaugliches Coaching – ohne Überforderung.

    Begriffe: Abstoß, Abwurf, Einrollen – was ist was?

    Damit ihr im Training und am Spielfeldrand die gleiche Sprache sprecht:

    • Abstoß: Spielfortsetzung, wenn der Ball zuletzt von der angreifenden Mannschaft über die Torauslinie ging (ohne Tor). Der Ball wird vom Torraum aus ins Spiel gebracht.
    • Abwurf: Der Torwart bringt den Ball aus der Hand ins Spiel (Wurfbewegung). Im Kinderfußball wird das oft als Alternative oder Vorgabe genutzt.
    • Einrollen: Der Torwart rollt den Ball flach am Boden zu einem Mitspieler. Das ist technisch einfacher als ein weiter Wurf und unterstützt den flachen Spielaufbau.

    Wichtig: In vielen Kinderfußball-Formaten (Funino, 5v5, 7v7) werden Abstoß-Varianten angepasst, um Spielaufbau und Fairness zu fördern.

    Abstoß Regeln im Kinderfußball (U8–U13): das musst du wissen

    Die exakten Wettbewerbsbestimmungen können je nach Verband und Spielform variieren. Trotzdem gibt es Leitplanken, an denen du dich orientieren kannst.

    1) Wo wird der Ball ins Spiel gebracht?

    • Klassisch nach Fußballregeln: vom Torraum (im Großfeld: von der Torraumlinie).
    • Im Kinderfußball: häufig aus einer Abstoßzone oder von einer markierten Linie (z. B. beim 7v7), damit Kinder nicht direkt am Tor „festkleben“.

    Praxis-Tipp: Markiere im Training eine einfache Abstoßlinie mit Hütchen. So lernen Kinder feste Abläufe und stehen nicht jedes Mal woanders.

    2) Wann ist der Ball im Spiel?

    • In den modernen Regeln ist der Ball im Spiel, sobald er gespielt wurde und sich klar bewegt.
    • Er muss nicht mehr zwingend den Strafraum verlassen (das ist gerade für den Kinderfußball hilfreich).

    3) Abstand der Gegner: „Raus aus der Zone“

    Viele Kinderfußball-Regeln schreiben vor:

    • Gegenspieler müssen bei Abstoß/Abwurf/einrollen einen Mindestabstand halten oder
    • bis zu einer Linie/Zone zurück (Aufbaulinie) gehen.

    Das Ziel: Kinder sollen Zeit bekommen, den Ball kontrolliert zu verarbeiten. Du willst Spielaufbau fördern – nicht das nächste „Torwart wird angelaufen und verliert den Ball“-Chaos.

    4) Darf ein Torwart immer einrollen?

    Wenn der Ball im Spiel ist und der Torwart den Ball kontrolliert in den Händen hat, erlauben viele Spielregeln im Kinderfußball ausdrücklich:

    • Einrollen oder Abwurf als Spielfortsetzung (besonders im Kleinfeld)

    Achte aber auf die jeweilige Ausschreibung (DFB/ÖFB/SFV): Manche Formate lassen nur flache Eröffnung zu, andere erlauben auch Abstoß.

    5) Rückpass & Handspiel: typische Missverständnisse

    Viele Eltern fragen: „Darf der Torwart den Rückpass aufnehmen?“

    Grundidee (vereinfacht):

    • Ein absichtlicher Rückpass mit dem Fuß zum Torwart darf nicht mit der Hand aufgenommen werden.
    • Im Kinderfußball wird das je nach Alter und Wettbewerb oft pädagogisch gehandhabt (Erklären statt sofort bestrafen).

    Wenn du Kindern Regeln spielerisch erklären willst, hilft dir auch unser Beitrag Abseits einfach erklärt für Kinder – nicht weil Abseits hier direkt gilt, sondern weil er zeigt, wie du Regelthemen kindgerecht vermittelst.

    Einrollen Torwart Regeln: warum es so gut für U8–U11 passt

    Das Einrollen ist im Anfängerbereich oft der beste Einstieg in den Torwart-Spielaufbau.

    Vorteile des Einrollens

    • Hohe Erfolgsquote: flach, kontrollierbar, wenig Risiko
    • Fördert erstes Freilaufverhalten: Kinder bieten sich kurz an
    • Verhindert „Kick & Rush“: weniger Zufallsfußball

    Typische Regel-Variante im Kinderfußball

    In vielen U8–U10-Formaten gilt sinngemäß:

    • Der Torwart eröffnet flach (einrollen/abwurf)
    • Gegner dürfen erst ab einer Linie/Zone aktiv pressen

    So entsteht ein „Lernfenster“ für Ballannahme, erstes Dribbling und Pass.

    Coaching: Torwart-Spielaufbau U10/U11 – einfache Prinzipien

    Du brauchst keine komplexen Positionsspiel-Konzepte. Drei klare Prinzipien reichen für U8–U11 oft völlig aus.

    Prinzip 1: „Breit machen“ – zwei Anspielstationen anbieten

    Coaching-Satz, den Kinder verstehen:

    • „Geh rechts und links raus, damit der Torwart zwei kurze Optionen hat.“

    Konkrete Aufgabe:

    • Ein Verteidiger bietet sich rechts, einer links an (oder ein Kind kippt seitlich ab).

    Prinzip 2: „Erst schauen, dann rollen“

    Torwart-Kinder neigen dazu, sofort zu werfen/rollen.

    Mini-Checkliste (kindgerecht):

    • Kopf hoch
    • Freien Mitspieler finden
    • Flach und in den Lauf rollen

    Prinzip 3: „Erster Kontakt weg vom Gegner“

    Der Empfänger soll nicht stehen bleiben.

    • Annahme seitlich oder nach vorne
    • Danach: Pass oder Dribbling

    Wenn dein Team danach häufiger in Abschlusspositionen kommt, passt als Ergänzung unser Training zu Torschuss aus der Bewegung – denn Spielaufbau macht nur Spaß, wenn am Ende auch Tore fallen.

    Abstoß (Schuss) im Kinderfußball: wann er sinnvoll ist – und wann nicht

    Ein weiter Abstoß kann sinnvoll sein, wenn:

    • dein Team unter Druck steht und keine kurze Option frei ist
    • der Gegner sehr hoch presst und du bewusst „hinter die Kette“ spielen willst

    Aber: In U8–U11 führt „immer lang“ oft dazu, dass:

    • Kinder keine Ballkontakte im Aufbau bekommen
    • das Spiel zu 50:50-Duellen wird

    Coaching-Frage, die funktioniert

    Statt „Spiel ihn kurz!“ zu brüllen, frag aktiv:

    • „Hast du eine kurze Option? Ja oder nein?“

    So lernen Kinder Entscheidungen – nicht nur Ausführung.

    Trainingsformen: Abstoß & Einrollen spielnah üben (beginner)

    Du willst einfache Übungen, die in 10–15 Minuten funktionieren? Hier sind drei Formate.

    1) 3-Zonen-Aufbau (U8–U10)

    Aufbau:

    • Feld in 3 Zonen teilen (Torwartzone – Aufbauzone – Angriffszone)
    • Torwart eröffnet per Einrollen/Abwurf

    Regeln:

    • Gegner dürfen die Torwartzone nicht betreten
    • Ziel: Ball kontrolliert in die nächste Zone bringen

    Coaching-Punkte:

    • Breite anbieten
    • Ball flach halten
    • Erster Kontakt weg vom Druck

    2) „Zählpässe nach Abwurf“ (U9–U11)

    Ablauf:

    • Nach jeder Torwart-Eröffnung zählt das Team 3 Pässe, dann freies Spiel

    Warum gut?

    • Kinder bleiben ruhig
    • Passwinkel und Abstände verbessern sich automatisch

    3) Pressing-Trigger (U11–U13)

    Aufbau:

    • Gegner dürfen erst pressen, wenn der Ball den ersten Empfänger erreicht hat

    Ziel:

    • Aufbau unter realistischem Druck

    Coaching:

    • „Offene Stellung“ (Körper so drehen, dass man nach vorne spielen kann)
    • „Klatschen lassen“ (kurzer Rückpass) als Sicherheitsoption

    Häufige Fehler – und schnelle Lösungen

    • Torwart rollt zu hart/zu ungenau → kürzere Distanz wählen, Zielkorridor mit Hütchen markieren
    • Kinder verstecken sich → klare Rollen: „Du rechts, du links“; Erfolgserlebnisse durch kurze Wege
    • Erster Kontakt stoppt den Ball → Aufgabe: „Nimm ihn mit dem ersten Kontakt mit“
    • Hektik durch Zurufe → ein, zwei Schlüsselwörter reichen: „Kopf hoch“, „breit“, „flach“

    Regeln verständlich erklären: so bleibt es fair

    Im Kinderfußball geht es nicht darum, jede Kleinigkeit hart zu pfeifen, sondern Regeln als Lernhilfe zu nutzen. Das gilt bei Abstoß/Einrollen genauso wie bei Standards. Wenn es bei euch häufig Diskussionen über Standards gibt, hilft ein Blick auf Freistoß - Regeln und Arten im Kinderfußball, um ein gemeinsames Regelverständnis zu schaffen.

    Fazit: Abstoß & Einrollen als Lernchance nutzen

    Abstoß und Einrollen sind im Kinderfußball mehr als nur eine Spielfortsetzung: Sie sind der Startpunkt für Torwart-Spielaufbau, mutige Ballannahmen und erste Passentscheidungen. Wenn du klare, einfache Prinzipien nutzt (Breite, Kopf hoch, flach eröffnen) und die Regeln deines Wettbewerbs kennst, werden aus hektischen Situationen echte Lernmomente. Und genau darum geht’s in U8 bis U13: Kinder sollen Fußball verstehen, erleben und selbst lösen – Schritt für Schritt.

    Häufig gestellte Fragen

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