Flügelspiel aktivieren: 5 Verlagerungsübungen (U16/U17)
Mit diesen 5 Verlagerungsübungen lernst du, wie deine U16/U17 das Spiel gezielt auf die ballferne Seite verlagert und danach Tempo ins Flügelspiel bringt. Inklusive Aufbau, Ablauf, Varianten und Coaching-Tipps.
Du willst das Flügelspiel aktivieren, ohne deine U16/U17 taktisch zu überfrachten? Dann sind Verlagerungen (Seitenwechsel) dein Hebel: Du ziehst den Gegner auf eine Seite, lockst Druck an und öffnest auf der ballfernen Seite Raum für Tempo, 1-gegen-1 oder eine Flanke. Die folgenden 5 Verlagerungsübungen bauen logisch aufeinander auf, von der Passform ohne Gegner bis zum Abschluss, und passen ideal in eine Einheit rund um Spielaufbau und Breite.
Übungsname & Ziel
Übungsname: Flügelspiel aktivieren – 5 Verlagerungsübungen (U16/U17)
Ziel:
- Spielverlagerung sauber vorbereiten (Blick, Timing, Passqualität)
- Breite geben und ballferne Seite aktiv besetzen
- Druck lösen durch kluge Anschlussaktionen (Klatschen, Dritter Mann)
- Nach Verlagerung Tempo aufnehmen und in Abschluss-/Flankensituationen kommen
Passend als Ergänzung zu Grundlagen aus dem Spielaufbau: C-Jugend Training: Pressing & Spielaufbau Basics und für die Absicherung dahinter: Restverteidigung einfach erklärt (U12+).
Material, Spieleranzahl, Dauer
Material (nur was du wirklich brauchst):
- Markierungsteller/Hütchen (für Zonen/Stationen)
- 2 Mini-Tore und 2 Stangentore (Ziele in den Flügelkorridoren, Übung 4)
- 1 Großtor mit Torwart (Übung 5)
- 12–15 Bälle, Leibchen in 3 Farben
Spieleranzahl: 8–16 (ideal: 12)
Dauer: etwa 30 Minuten: Übung 1 (3 Min.), Übung 2 (4 Min.), Übung 3 (2 × 2:30 Min.), Übung 4 (2 × 4 Min.), Übung 5 (5 Min.) ergeben 25 Minuten Belastung, dazu je rund eine Minute Umbau und Trinken.
Feldgröße: ca. 35 x 25 m (mit zwei klaren Flügelkorridoren)
Aufbau
- Markiere ein Rechteck (ca. 35 x 25 m).
- Links und rechts je einen Flügelkorridor (je 4–5 m breit) markieren.
- An beiden Grundlinien steht in jedem Flügelkorridor ein Ziel: auf der einen Seite die 2 Mini-Tore, auf der anderen die 2 Stangentore (für Übung 4).
- Für Übung 5 stellst du das Großtor mit Torwart mittig an eine Grundlinie.
- Teile die Gruppe in 2–4 Farben (je nach Spielerzahl) und besetze Stationen wie in den Schritten beschrieben.
Schritt-für-Schritt Anleitung (5 Übungen)
1) „Scan & Switch“ – Verlagerung ohne Gegnerdruck
- Stelle 3 Spieler auf der linken Seite (Dreieck), 3 Spieler auf der rechten Seite (Dreieck), 1–2 neutrale Anspieler zentral.
- Ball startet links: 3–4 Pässe im Dreieck.
- Auf Trainerkommando „Switch“ spielt das linke Dreieck den zentralen Spieler an, der lässt klatschen, und der Klatsch-Empfänger spielt den langen, flachen Diagonalpass auf die rechte Seite.
- Rechts direkt 2–3 Pässe, danach wieder zurück.
Ziel: Technik + Blick vor dem Pass (Scanning).
2) „Klatschen & Verlagern“ – Verlagerung über den Klatschpass
- Links: A passt zu B, B klatscht auf A.
- A spielt diagonal auf C (zentral).
- C spielt mit dem zweiten Kontakt raus in den rechten Flügelkorridor.
- Dort nimmt D mit Tempo mit und dribbelt 5–10 m an.
- Schwerer (echter Dritter Mann): B lässt nicht auf A, sondern direkt auf C klatschen. So kommt der Ball einen Kontakt schneller auf die andere Seite.
Coaching-Frage: Spielt ihr den Switch „blind“ – oder erkennt ihr den Moment?
3) „Locken & Lösen“ – 4 gegen 2 im Zentrum, Switch als Ausweg
- Im Zentrum spielen 4 Angreifer gegen 2 Verteidiger (Rondo-ähnlich).
- Links und rechts steht je ein Flügelspieler als „Außenstation“ (ballferner Flügel bleibt breit!).
- Die Angreifer dürfen jederzeit auf Außen spielen.
- Wertung: 1 Punkt für jeden Pass auf eine Außenstation, die den Ball zurück ins Zentrum spielt. Doppelt zählt es, wenn nach mindestens 3 Pässen im Zentrum eine Verlagerung auf die ballferne Außenstation gelingt. Gewinnen die Verteidiger den Ball, tauschen sie mit den beiden Spielern, die ihn verloren haben.
Ziel: Gegner anlocken, dann Druck lösen. Nutze hier auch das Prinzip der Gegenbewegung beim Freilaufen: Gegenbewegung beim Freilaufen erklärt (U10+).
4) „Flügel aktivieren“ – Verlagerung + Durchbruch in die Endzone
- Spiele 5 gegen 5 (oder 6 gegen 6) im Feld. Jedes Team greift die beiden Flügelziele an der gegnerischen Grundlinie an.
- Ein Treffer zählt nur, wenn vorher eine Verlagerung von links nach rechts oder rechts nach links stattgefunden hat.
- Nach erfolgreichem Switch muss das Team innerhalb von 6 Sekunden abschließen: Tor auf ein Flügelziel oder Andribbeln über die Grundlinie im Flügelkorridor. Sonst geht der Ball an den Gegner.
- Grundregel: In jedem Flügelkorridor darf immer nur ein Verteidiger stehen. Das belohnt den schnellen Seitenwechsel.
Ziel: Nach Verlagerung Tempo und klare Anschlussaktion.
5) „Switch to Finish“ – Verlagerung und Abschluss aus der Bewegung
- Starte im Aufbau (3 Spieler links, 2 zentral, 3 rechts), gespielt wird aufs Großtor mit Torwart.
- Ball wird zirkuliert, dann Verlagerung auf den ballfernen Flügel.
- Mit der Verlagerung starten die beiden zentralen Spieler in den Strafraum: einer an den kurzen Pfosten, einer in den Rückraum.
- Flügelspieler dribbelt an und spielt flach in den Rückraum oder steckt durch.
- Abschluss aus dem Lauf (2 Kontakte max.). Schwerer: zwei Verteidiger im Strafraum, die ab der Verlagerung aktiv werden.
Für die Abschlussqualität passt als Ergänzung: Torschuss aus der Bewegung.
Variationen (für verschiedene Altersgruppen)
- U13/U14 (leichter):
- Feld etwas kleiner (30 x 20 m), weniger Regeln.
- Verlagerung darf über 2 kurze Pässe (Außen–Zentrum–Außen) erfolgen.
- U16/U17 (Standard):
- Kontaktbegrenzung im Zentrum (2 Kontakte), Außen frei.
- Bonuspunkte für Switch nach Anlocken (mind. 2 Gegner im Ballraum).
- U18/Leistung (schwerer):
- Verteidiger dürfen den Flügelkorridor ohne Begrenzung betreten.
- Verlagerung zählt nur als Punkt, wenn sie ballfern ankommt und direkt in Durchbruch/Abschluss mündet.
Coaching-Tipps (was du aktiv coachen solltest)
- Scanning: „Schau vor der Ballannahme über die Schulter – wo ist der ballferne Flügel?“
- Passqualität: flach und scharf oder bewusst gelupft – aber immer in den Lauf.
- Timing: Verlagerung nicht aus Zufall, sondern wenn der Gegner wirklich verschoben hat.
- Breite & Tiefe: ballferner Flügel bleibt maximal breit, zentraler Spieler bietet sich zwischen den Linien an.
Häufige Fehler & Korrekturen
- Fehler: Der ballferne Flügel rückt zum Ball ein, die Verlagerung hat kein Ziel mehr. Korrektur: Regel „ein Fuß im Korridor“: Der ballferne Flügel steht im Korridor, bis der Ball kommt.
- Fehler: Die Verlagerung kommt hoch und langsam, der Gegner hat längst nachgeschoben. Korrektur: Flach und scharf als Standard, gelupft nur, wenn eine Linie dazwischen steht.
- Fehler: Nach der Verlagerung wird quer oder zurück gespielt, der Vorteil verpufft. Korrektur: Erster Kontakt nach vorn, in Übung 4 hilft die 6-Sekunden-Regel.
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