Athletik & Koordination

    Schnelligkeitsausdauer: 5 Intervallformen (U16/U17)

    Diese Übung liefert dir 5 praxistaugliche Intervallformen für die Schnelligkeitsausdauer in der U16/U17. Mit klarer Organisation, Varianten und Coaching-Tipps planst du eine intensive, aber steuerbare Einheit.

    fbTobias Brenner · aktualisiert 26. Okt. 2026
    Grundaufbau: 20-m-Sprintstrecke mit Start- und Ziellinie, drei Bahnen — jede Reihe sprintet auf der eigenen Bahn.

    Schnelligkeitsausdauer ist in der U16/U17 ein entscheidender Faktor: Viele Aktionen sind kurz und explosiv – aber sie wiederholen sich über 80 Minuten Spielzeit (B-Jugend: 2 × 40 Minuten). Genau hier setzen Intervallformen an: Du trainierst wiederholte Sprints, kurze Erholungsphasen und die Fähigkeit, auch unter Müdigkeit sauber zu laufen und Entscheidungen zu treffen. Klingt nach „nur rennen“? Muss es nicht – mit klaren Abläufen bleibt die Einheit strukturiert und fußballnah.

    Übungsname & Ziel

    Übungsname: Schnelligkeitsausdauer – 5 Intervallformen für U16/U17

    Ziel: Verbesserung der Schnelligkeitsausdauer (Repeated Sprint Ability), also wiederholte intensive Läufe mit kurzen Pausen – passend zu Spielphasen mit Pressing, Tiefenläufen und Umschaltmomenten.

    Organisation (Material, Spieler, Dauer)

    Material:

    • 12–16 Markierungshütchen (für Linien/Zonen)
    • 1 Stoppuhr/Handy-Timer

    Spieleranzahl: 6–20 (ideal: 10–16)

    Dauer: 20–25 Minuten mit 1–2 Intervallformen (als Hauptteil nach dem Aufwärmen)

    Feldgröße: ca. 30x20 m (variabel je nach Intervallform)

    Tipp: Wenn du vorher noch ein athletisches Warm-up suchst, schau in den Guide zu Athletik ohne Laufen: 8 Spiele (U7–U13) – viele Ideen lassen sich für U16/U17 als aktivierendes Warm-up „hochskalieren“.

    Aufbau

    Markiere eine Sprintstrecke von 20 m (Startlinie – Ziellinie). Optional markierst du zusätzlich eine Rücklaufzone (weitere 10 m) oder eine Wendezone (5 m hinter der Ziellinie), je nach Intervallform.

    Bei den zeitgesteuerten Formen 1, 2 und 5 laufen alle im selben Takt nebeneinander (Strecke quer über die 30 m Breite, 2 m Abstand). Bei den Sprintformen 3 und 4 startest du Wellen von 3–4 Spielern nach Uhr, höchstens zwei Wellen pro Bahn, sonst wird die Pause ungewollt länger.

    Merke: Vorher ca. 15 Minuten mit Ball aufwärmen, zum Schluss 3–4 Steigerungsläufe. Kalte Maximalsprints führen schnell zu Zerrungen.

    Schritt-für-Schritt Anleitung (5 Intervallformen)

    Die fünf Formen sind ein Baukasten, keine Einheit am Stück: Alle zusammen dauern über eine Stunde. Wähle pro Einheit 1–2 Formen, dann bleibst du bei 20–25 Minuten. Bewährte Kombination: Form 3 (2 Serien à 6) + Form 4 (2 Serien à 8) für reine Sprintqualität.

    FormUmfangZeitbedarf inkl. SerienpausenTempo
    1) 10/202 × 8–10 Läufeca. 10–12 Minhoch (ca. 90 %), nicht Vollgas
    2) 15/152 × 10–12 Läufeca. 12–15 Minzügig (ca. 85–90 %)
    3) RSA 20 m2 × 6–10 Sprintsca. 7–15 Minmaximal
    4) Shuttle2 × 8–10 Läufeca. 11–18 Minmaximal
    5) Game-Run8–10 × 30/30ca. 8–10 Minwechselnd

    1) 10/20 – Kurzsprint-Intervalle

    1. Spieler läuft 10 Sekunden mit hohem Tempo, knapp unter Vollgas (Hin- und ggf. Rückweg, je nach Platz). Ein Hütchen am Endpunkt des ersten Laufs ist die Marke für alle weiteren.
    2. Danach 20 Sekunden lockeres Gehen/Traben.
    3. Wiederhole das 8–10 Mal (1 Serie).
    4. Serienpause: 2 Minuten, insgesamt 2 Serien.

    Ziel: Viele intensive Aktionen, kurze Erholung – sehr spielnah für Pressingphasen.

    2) 15/15 – Gleich lang belasten und erholen

    1. Spieler läuft 15 Sekunden zügig (mit klarer Wende an der Linie). Kein Maximalsprint, sonst hält niemand 10–12 Wiederholungen durch.
    2. 15 Sekunden aktive Pause (gehen, tief atmen).
    3. 10–12 Wiederholungen, danach 2–3 Minuten Serienpause.
    4. 2 Serien.

    Ziel: Stabiler Rhythmus, sauberer Laufstil unter Müdigkeit.

    3) 20 m Repeated Sprints (RSA): 6–10 x 20 m

    1. Spieler sprintet 20 m maximal.
    2. Pause: 20–30 Sekunden (zurückgehen, Start vorbereiten).
    3. 6–10 Sprints pro Serie.
    4. 2–3 Serien, Serienpause 2–3 Minuten.

    Ziel: Klassische Schnelligkeitsausdauer: maximale Qualität bei wiederholten Sprints.

    4) Shuttle-Intervalle: 10–10–10 (mit Richtungswechsel)

    1. Markiere 0 m – 10 m – 20 m.
    2. Spieler sprintet: 0→10, zurück 10→0, dann 0→20 (oder 0→10→20→10).
    3. Belastung 12–15 Sekunden, Pause 20–30 Sekunden.
    4. 8–10 Wiederholungen, 2 Serien, Serienpause 2–3 Minuten.

    Ziel: Richtungswechsel, Bremsen/Antritt – typisch für Zweikämpfe und Umschalten.

    5) „Game-Run“: 30/30 mit Tempowechseln

    1. 30 Sekunden Lauf mit Vorgabe: 10 s schnell / 10 s mittel / 10 s schnell.
    2. 30 Sekunden aktive Pause.
    3. 8–10 Wiederholungen.

    Ziel: Tempowechsel wie im Spiel – wenn nach einem Sprint direkt ein neuer Lauf folgt.

    Variationen für andere Altersgruppen

    U14/U15 (leichter Einstieg)

    • Weniger Wiederholungen: z. B. RSA nur 6 x 20 m, 2 Serien.
    • Längere Pausen: 30–40 Sekunden zwischen Sprints.
    • Fokus: Lauftechnik (Armeinsatz, Körperhaltung) statt „nur Vollgas“.

    Mit Ball (fußballnah)

    • Form 3 als Duell: Du spielst einen Ball 15–20 m in die Tiefe, zwei Spieler sprinten darum, der Schnellere schließt auf ein Minitor ab, der andere verteidigt bis zum Abschluss. Pausen wie bei Form 3, höchstens 6 Duelle pro Serie.

    U18/Erwachsene (höhere Belastung)

    • Kürzere Pausen: RSA 15–20 Sekunden.
    • Mehr Serien: 3 Serien oder zusätzliche Shuttle-Serie.
    • Zusatzregel: letzte 2 Wiederholungen „Qualität halten“ (kein Schlurfen, klare Wenden).

    Coaching-Tipps (damit es wirklich Schnelligkeitsausdauer wird)

    • Unterscheide die Tempi: In Form 3 und 4 (echte Sprints) zählt maximale Intensität, in Form 1, 2 und 5 ein hohes, aber haltbares Tempo. Wenn das Tempo sichtbar abfällt oder ein Spieler seine Hütchen-Marke zweimal nicht mehr erreicht, reduziere Wiederholungen statt „durchzudrücken“.
    • Fordere saubere Richtungswechsel: tief in die Knie, stabiler Oberkörper, erster Schritt explosiv.
    • Nutze klare Signale (Timer/Zuruf), damit alle denselben Rhythmus treffen.
    • Plane die Einheit passend zum Wochenverlauf: Schnelligkeitsausdauer ist belastend – ideal mit 48 Stunden Abstand zum Spiel.

    Wenn du nach dem Intervallblock eine fußballnahe Abschlussform suchst, kombiniere das mit Torschuss aus der Bewegung: müde Beine + Abschluss unter Druck ist extrem spielrelevant. Für zusätzliche Power im Abschluss passt auch Schusskraft steigern: 7 Übungen ohne Geräte (U12–U17).

    Häufige Fehler – und wie du sie vermeidest

    • Zu lange Pausen: Dann trainierst du eher reine Sprintgeschwindigkeit statt Schnelligkeitsausdauer.
    • Zu viele Wiederholungen: Qualität bricht ein, Laufstil wird unsauber. Besser 2 Serien mit Top-Tempo als 4 Serien „auf Reserve“.
    • Keine Steuerung: Ohne klare Zeiten wird aus Intervalltraining schnell „irgendwie laufen“.
    • Wenden auf nassem Rasen ohne Abbremsen: Rutschgefahr. Die letzten zwei Schritte vor der Linie kurz und tief.

    Mehr Schnelligkeitsausdauer-Übungen

    Mehr Übungen für die B-Jugend (U16/U17)

    Hintergrundwissen

    Häufig gestellte Fragen

    Schnelligkeitsausdauer ist die Fähigkeit, kurze maximale oder nahezu maximale Aktionen (Sprints, Antritte, Richtungswechsel) wiederholt mit kurzen Pausen zu absolvieren. Sie ist besonders wichtig für Pressing, Umschalten und Tiefenläufe, wenn viele intensive Aktionen in kurzer Zeit zusammenkommen.

    Meist reicht 1 Einheit pro Woche, weil Intervallformen das Nervensystem und die Muskulatur stark belasten. In der Vorbereitung kann es phasenweise 2-mal pro Woche funktionieren, wenn die restliche Trainingswoche angepasst wird und genug Regeneration (Schlaf, Ernährung, Belastungssteuerung) gegeben ist.

    Für den Einstieg eignen sich 15/15-Intervalle oder RSA mit 6 x 20 m und 30 Sekunden Pause. Diese Formen sind leicht zu organisieren, gut zu steuern und ermöglichen hohe Qualität, ohne dass die Belastung sofort eskaliert.