Fußballregeln

    Einrollen statt Abstoß: Regeln einfach erklärt

    Einrollen statt Abstoß ist eine kindgerechte Spielfortsetzung nach dem Toraus: Der Ball kommt flach von der Grundlinie ins Spiel – gerollt, eingepasst oder eingedribbelt. So entstehen mehr Pässe, mehr Ballkontakte und fairere Startsituationen; die Details regelt dein Landesverband.

    fbTobias Brenner · aktualisiert 24. Okt. 2026 · 10 Min.
    KI-generiertes Symbolbild

    Einrollen statt Abstoß bedeutet: Der Ball wird nach einem Toraus (zuletzt vom angreifenden Team berührt) nicht hoch und weit abgestoßen, sondern flach von der eigenen Grundlinie ins Spiel gebracht – vom Torwart mit der Hand gerollt (Abrollen) oder, in den meisten Kinderspielformen, mit dem Fuß eingepasst oder eingedribbelt. Das Ziel bleibt dasselbe: ein kontrollierter Spielaufbau am Boden statt eines weiten Schlags.

    Kurz gesagt: Eine bundesweite Einroll-Regel gibt es nicht. Wie das Toraus im Kinderfußball fortgesetzt wird, regelt dein Landesverband: meist Pass oder Dribbling von der Grundlinie, während der Gegner Abstand hält (Schusszone, eigene Hälfte oder ein paar Meter). Ausdrücklich „einpassen oder abrollen“ heißt es zum Beispiel für den F-Jugend-Torwart in Westfalen.

    Was heißt „Einrollen“ im Kinderfußball?

    Im klassischen Fußball kennst du den Abstoß: Der Ball war hinter der Torlinie und zuletzt am Angreifer, also legt das verteidigende Team den Ball in den eigenen Torraum und spielt ihn mit dem Fuß. Er ist im Spiel, sobald er sich eindeutig bewegt, und muss den Strafraum seit 2019/20 nicht mehr verlassen. Den Abschlag aus der Hand gibt es dagegen nur, wenn der Torwart den Ball im laufenden Spiel gefangen hat – er ist keine Form des Abstoßes.

    Im Kinderfußball und besonders im Minifußball (z. B. Funino, 3 gegen 3, 4 gegen 4) wird das häufig angepasst: Statt eines weiten Abstoßes gibt es das Einrollen, Einpassen oder Eindribbeln. Warum? Kinder sollen mehr Kontrolle, mehr Pässe und mehr Spielaufbau lernen. Ein hoher, weiter Ball bringt zwar schnell Raumgewinn – aber oft wenig Spielaktionen für alle.

    Einrollen: die Regel einfach erklärt

    Typische Grundidee (je nach Verband/Turnier unterschiedlich):

    • Der Ball war im Toraus.
    • Das verteidigende Team bekommt den Ball.
    • Der Ball wird von der eigenen Grundlinie flach ins Spiel gebracht: gerollt, gepasst oder angedribbelt (nicht hoch geworfen oder weit geschossen).
    • Der Gegner hält Abstand, zum Beispiel außerhalb der Schusszone, in der eigenen Hälfte oder ein paar Meter vom Ball entfernt.

    Fragst du dich, warum das so streng wirkt? Damit der Torwart nicht sofort unter Druck gerät und Kinder den Ball ruhig an- und mitnehmen können.

    Variante Einpassen: Einpassen statt Abstoß

    Neben dem Rollen mit der Hand gibt es häufig die Variante, den Ball flach mit dem Fuß ins Spiel zu bringen. Der Torwart oder ein Mitspieler passt dann kurz zu einem freien Kind, statt den Ball weit nach vorne zu schlagen. Der Abschlag aus der Hand ist in einigen Verbänden ausdrücklich verboten, etwa in der F- und E-Jugend in Baden (Abwurf bleibt erlaubt), in Südbaden und in der F-Jugend in Württemberg.

    Wie die Variante heißt und wo sie gilt, ist regional unterschiedlich. In vielen Durchführungsbestimmungen tauchen die Begriffe Einpassen und Eindribbeln vor allem als Ersatz für den Einwurf auf, einige Landesverbände wenden sie ausdrücklich auch auf den Abstoß an. Eine einheitliche Formulierung für alle Kinderspielformen gibt es nicht. Verbindlich ist deshalb immer die Regel deines Verbands, deiner Staffel oder des Turniers.

    So regeln Landesverbände das Toraus (Beispiele 2026/27)

    Verband und AltersklasseSpielfortsetzung nach TorausGegner
    Westfalen, F-JugendPass oder Dribbling von der Grundlinie; der Torwart darf nur einpassen oder abrollen, kein Abwurfkeine Pressinglinie
    Südbaden, F-Jugend (2-Tore-Feld)Torwart dribbelt ein oder rollt ab, kein Abschlag und kein Abwurf aus der Hand; Ball nicht über die Mittellinie–
    Berlin, Bremen (G/F)Pass oder Dribbling von der Grundlinieaußerhalb der Schusszone
    Niedersachsen, Thüringen (G/F)Fortsetzung von der Torauslinieräumt die 6-m-Zone
    Hamburg, G-JugendEindribbeln von der Grundlinieverlässt die gegnerische Hälfte
    Niederrhein, G bis EDribbling oder Pass von der Grundlinie, Tor daraus nur indirektmindestens 4 m Abstand
    Mittelrhein, G bis E (Minitore)Eindribbeln oder Einpassen von der Grundlinieca. 6 m Abstand; Rückzug bis zur Mittellinie nur empfohlen
    Mecklenburg-Vorpommern, F-JugendAbstoß, auch als Abwurf, nicht über die Mittellinie–

    Eine echte Pressinglinie, hinter der der Gegner warten muss, sehen viele Verbände nicht vor: Bayern und das Rheinland regeln sie ausdrücklich nicht, am Mittelrhein ist der Rückzug nur eine Empfehlung. Wie dein Verband es handhabt, zeigt der Vergleich der 21 Landesverbände.

    Abstoß & Einrollen Unterschied: Das sind die wichtigsten Punkte

    Der Abstoß-Einrollen-Unterschied liegt vor allem in Höhe, Tempo und Lernziel:

    • Abstoß: oft weiter Ball, schnell Richtung gegnerisches Tor
    • Einrollen: flacher Ball, kontrollierter Aufbau über Mitspieler
    • Lernfokus: Einrollen fördert Spielaufbau, Freilaufen und Passspiel

    Gerade bei Anfänger-Teams sorgt Einrollen dafür, dass nicht jede Aktion in einem „Kick-and-Rush“ endet. Du bekommst mehr Spielsituationen, in denen Kinder Entscheidungen treffen: Wohin laufe ich frei? Nehme ich den Ball mit? Spiele ich direkt? Wie der klassische Abstoß funktioniert, erklärt Abstoß – Wann und wie?.

    Vorteile für den Spielaufbau

    Ob gerollt oder eingepasst: Der flache Start aus dem Toraus unterstützt gezielt den Spielaufbau im Minifußball.

    • Technik: Ballan- und -mitnahme am Boden wird ständig geübt.
    • Spielintelligenz: Kinder erkennen freie Mitspieler und entscheiden schneller.
    • Teamverhalten: Abstände, Dreiecke und Unterstützung werden automatisch wichtiger.
    • Fairness und Sicherheit: Weniger wilde Luftduelle und unkontrollierte Klärungen.

    Beispiele aus dem Kinderfußball (und aus der Halle)

    Beispiel 1: Minifußball (4 gegen 4)

    Der Ball geht über die Torauslinie. Statt Abstoß rollt der Torwart den Ball zu einem Mitspieler seitlich. Das Team kann jetzt geordnet aufbauen, während der Gegner erst hinter seiner Linie (je nach Regel Schusszone oder Mittellinie) wieder angreifen darf.

    Abb. 1 · Einrollen im 4 gegen 4: Der Torwart rollt den Ball flach zu einem Mitspieler an der Seite, die Gegner warten hinter der Linie (gestrichelt), ab der sie erst angreifen dürfen — Zeit für eine ruhige Ballannahme und geordneten Aufbau.
    Eigenes TeamGegnerBallPass

    Beispiel 2: Regeln beim Hallenturnier

    In der Halle bezieht sich „Einrollen“ meist auf das Seitenaus: In mehreren Hallenregelwerken (z. B. im HFV-Juniorenhallenfußball oder beim Hallenfußball mit Bande in Südbaden) wird der Ball nach dem Seitenaus eingerollt statt eingeworfen. Im Futsal bringt der Torwart den Ball nach dem Toraus mit der Hand ins Spiel (Torabwurf). Wichtig: Lies die Turnierregeln genau. Häufig gilt:

    • flach bleiben, kein hoher Wurf
    • Gegner müssen Abstand halten
    • schnelle Spielfortsetzung, aber ohne „Abschuss“

    Wenn du mehr für die Halle suchst, hilft dir auch unser Beitrag zur Schusspräzision in der Halle: 8 Zielspiele (U8–U13) – perfekt, um kontrollierte Abschlüsse statt wilder Befreiungsschläge zu trainieren.

    Beispiel 3: Torwart rollt auf Außen

    Der Torwart rollt den Ball zu einem Außenspieler, der offen zum Feld steht. Der erste Kontakt geht nach vorne – und schon entsteht ein ruhiger Angriff statt eines langen Befreiungsschlags. Wie der Torwart rollt und wirft, erklärt Torwart-Abwurf: Arten, Regeln & Coaching.

    Beispiel 4: Kurzer Pass ins Zentrum

    Der Torwart passt flach in die Mitte. Der zentrale Spieler lässt klatschen oder dreht auf. So lernen Kinder, wie wichtig Anspielstationen und Abstände sind.

    Beispiel 5: Der Gegner wartet hinter der Linie

    Der Gegner darf erst angreifen, wenn er die Schusszone verlassen hat oder der Ball gespielt ist. Dadurch haben die Kinder Zeit, den Ball zu kontrollieren, und du kannst Coachingpunkte setzen: „Schau hoch!“ oder „Erster Kontakt weg vom Gegner!“

    Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

    • Ball wird geworfen statt gerollt: Erinnerung: Hand am Ball lassen, flach über den Boden.
    • Gegner steht zu nah: Kurz stoppen, Abstand einfordern (Fair Play vor Vorteil).
    • Zu hektisch: Einrollen heißt nicht „langsam“, sondern kontrolliert.

    Tipps für Trainer und Eltern

    • Ermutige kurze Lösungen: „Erst flach, dann schnell.“
    • Stelle einfache Fragen: „Wer ist frei?“ und „Wo ist Platz?“
    • Lobe mutige Pässe, auch wenn mal ein Fehler passiert.
    • Übe zwei bis drei feste Abstoß-Varianten, zum Beispiel rechts, links und Mitte. Feste Muster geben Kindern Sicherheit, gerade wenn der Gegner früh presst.
    • Statt „Spiel ihn kurz!“ zu rufen, frag dein Torwart-Kind: „Hast du eine kurze Option – ja oder nein?“ So lernt es Entscheidungen, nicht nur die Ausführung.
    • Steigere den Druck schrittweise: Bei U11 bis U13 darf der Gegner im Training erst anlaufen, wenn der Ball beim ersten Empfänger angekommen ist. So übt ihr den Aufbau unter realistischem Druck.

    Wie du Abstoß und Einrollen je nach Altersstufe in Spielformen trainierst, zeigt die Sammlung Abstöße & Spielaufbau: 7 Spielformen (U9–U13).

    Verwandte Begriffe (zum Weiterklicken)

    • Freistoß: Wann er entsteht und wie er im Kinderfußball ausgeführt wird, liest du in Freistoß - Regeln und Arten im Kinderfußball.
    • Elfmeter: Auch im Kinderbereich oft angepasst – Details findest du in Elfmeter - Das musst du wissen.
    • Mittellinienregel: In vielen Verbänden darf der Ball beim Abstoß in der E-Jugend nicht direkt über die Mittellinie gespielt werden, ein Verstoß ergibt dort meist einen indirekten Freistoß.
    • Pressinglinie: Markierung, ab der die gegnerische Mannschaft anlaufen darf. Im Spielbetrieb selten vorgeschrieben, im Training ein gutes Hilfsmittel.

    Passend dazu

    Häufig gestellte Fragen

    Ja, beim Einrollen ist die Grundidee: **flach über den Boden** ins Spiel bringen. Wird der Ball deutlich geworfen oder „gechippt“, entspricht das meist nicht der Einrollen-Regel. Im Zweifel gilt das Regelblatt des Turniers oder Verbands.

    Das regelt jeder Verband selbst. Häufig muss der Gegner die Schusszone räumen (z. B. Berlin, Bremen, Niedersachsen, Thüringen in G/F), in der Hamburger G-Jugend die Hälfte verlassen, am Niederrhein mindestens 4 m Abstand halten. Eine feste Pressinglinie bis zur Mittellinie schreiben nur wenige Verbände vor.

    Einrollen reduziert weite, unkontrollierte Bälle und fördert **Passspiel, Ballannahme und Entscheidungen**. Kinder haben mehr Aktionen am Ball und lernen, sich im Aufbau anzubieten – statt nur hinterherzulaufen.

    In mehreren Verbänden nicht: In Baden (F/E) und Südbaden ist der Abschlag aus der Hand verboten, in der Westfalen-F-Jugend darf der Torwart nur einpassen oder abrollen. Andere Verbände, etwa Mecklenburg-Vorpommern, erlauben den Abwurf, aber nicht über die Mittellinie. Entscheidend ist immer die Regel deines Verbands, deiner Staffel oder des Turniers.

    Achte auf klare Anspielstationen, offene Stellung und kurze Passwege. Hilfreich sind zwei bis drei feste Abstoß-Varianten, zum Beispiel rechts, links und Mitte, und eine gute Breite. Fehler gehören dazu und sind Teil des Lernprozesses.

    Ähnliche Begriffe im Lexikon

    einrollen regel
    abstoß einrollen unterschied
    kinderfußball regeln
    minifußball einrollen
    hallenturnier regeln