Taktik-Grundlagen & Standards

    Freistoßroutine: Ablauf & Rollen kindgerecht erklärt

    Eine Freistoßroutine gibt Kindern klare Rollen und einen einfachen Ablauf bei Standards. So entstehen Ordnung, bessere Abschlüsse und weniger Konter nach Ballverlust.

    fbTobias Brenner · aktualisiert 24. Okt. 2026 · 6 Min.
    SZSi12
    Abb. 1 · Freistoß „Seitlich raus“: Der Schütze (S) passt nicht direkt aufs Tor, sondern seitlich in den freien Raum (1). Der Zielspieler (Z) läuft ein und schließt an der Mauer vorbei ab (2), der Sicherer (Si) bleibt hinten.

    Eine Freistoßroutine ist ein vorher abgesprochener Ablauf bei einem Freistoß, bei dem jedes Kind eine klare Aufgabe übernimmt – damit der Ball sicher und zielgerichtet gespielt wird.

    Was bedeutet „Freistoßroutine“ im Kinderfußball?

    Eine Freistoßroutine (auch: Standard-Variante) ist eine kleine „Mini-Taktik“ für den Moment, wenn dein Team einen Freistoß bekommt. Statt dass alle durcheinanderlaufen und niemand weiß, wer schießt, sorgt die Routine für Ordnung, Mut und klare Rollen. Gerade im Kinderfußball ist das wichtig: Kinder in diesem Alter profitieren von einfachen Regeln, festen Abläufen und Erfolgserlebnissen.

    Dabei geht es nicht um komplizierte Profi-Tricks, sondern um kindgerechte Basics:

    • Wer legt den Ball hin?
    • Wer schießt oder passt?
    • Wer läuft wohin?
    • Wer sichert ab, falls der Ball verloren geht?

    Welche Regeln deine Routine bestimmen

    Kläre vor dem Einüben zwei Fragen: Wie weit muss der Gegner weg sein, und darf direkt ein Tor fallen? Beides hängt von Altersklasse und Verband ab (Stand 2026/27):

    SpielbetriebAbstand der GegnerDirektes Tor aus dem Freistoß?
    DFB-Festivalformen G- bis E-Jugend (2 gegen 2 bis 5 gegen 5)mind. 3 m, Freistoß wird angedribbelt oder gepasstnein, nur indirekt
    Bayern (BFV), Minifußballmind. 3 mnein, Tor erst ab dem zweiten Kontakt
    Baden (bfv), F- und E-Jugendmöglichst 5 mja, es gibt nur direkte Freistöße
    Schweiz (SFV), Kinderfußballmind. 5 Kinderschrittenein, Fouls gibt es als indirekten Freistoß
    11 gegen 11 nach IFAB-Regeln9,15 mje nach Vergehen direkt oder indirekt

    In Österreich halten Gegner in U6–U8 mindestens 3 Schrittlängen, in U9–U12 6 m Abstand. Kreise können abweichen, maßgeblich sind die Durchführungsbestimmungen deiner Staffel. Unterschiede zwischen direktem und indirektem Freistoß erklärt Direkter vs. indirekter Freistoß, die Kinderfußball-Regeln im Überblick Freistoß: Regeln und Arten im Kinderfußball.

    Merke: Wo Tore nur indirekt fallen, zählt ein Direktschuss nicht, dann ist ein kurzer Pass vor dem Abschluss (Beispiel 1) die Standardlösung. Überall gilt: Der Ausführende darf den Ball erst wieder spielen, wenn ein anderer Spieler ihn berührt hat.

    Ablauf & Rollen: So wird eine Freistoßroutine kindgerecht

    1) Der Ball wird schnell „klar gemacht“

    Ein Kind übernimmt die Rolle Ball-Manager: Ball hinlegen, kurz schauen, ob die Gegner den vorgeschriebenen Abstand halten, und dem Team ein Signal geben (z. B. „bereit!“). So entsteht Ruhe.

    2) Schütze und Option festlegen

    Der Schütze entscheidet: Direktschuss oder kurzer Pass? Ein Direktschuss ist nur sinnvoll, wo direkte Tore zählen (siehe Tabelle). Für Einsteiger gilt: Lieber eine einfache, sichere Lösung.

    3) Laufwege: Wer bietet sich an?

    Mindestens ein Kind ist Anspielstation (kurz), ein anderes startet als Zielspieler (lang/seitlich). Besonders hilfreich ist eine kleine Täuschung: erst kurz entgegenkommen, dann wegstarten. Das ist eine Form der Gegenbewegung – mehr dazu im Artikel Gegenbewegung beim Freilaufen erklärt (U10+).

    4) Absicherung: Was passiert bei Ballverlust?

    Ein Kind bleibt als Sicherer hinter dem Ball oder leicht seitlich. So wird dein Team nicht sofort ausgekontert. Das Prinzip dahinter heißt Restverteidigung – kindgerecht erklärt hier: Restverteidigung einfach erklärt (U12+).

    Beispiele für einfache Freistoß-Taktik

    Beispiel 1: „Kurz-Kurz-Schuss“ (sehr einfach)

    • Schütze passt 2–3 Meter zu Anspielstation.
    • Anspielstation legt direkt zurück.
    • Schütze schießt.
    SASi123
    Schritt 0 / 3
    Abb. 2 · Beispiel 1, „Kurz-Kurz-Schuss“: Der Schütze (S) passt kurz zur Anspielstation (A) (1), A legt direkt zurück in den Lauf des Schützen (2), der Schütze schießt (3) — der Sicherer (Si) bleibt hinten.
    Eigenes TeamBallPassLaufwegSchritt-Reihenfolge

    Tipp: Übe den Abschluss wie beim Torschuss aus der Bewegung, damit Kinder den Ball nach dem Pass sicher treffen.

    Beispiel 2: „Seitlich raus und flanken“ (für mehr Raum)

    • Schütze passt seitlich in den freien Raum.
    • Zielspieler läuft ein und schließt ab.
    • Sicherer bleibt hinten.

    Beispiel 3: „Direkt, aber mit Blocker-Regel“

    • Nur dort, wo direkte Tore zählen: Ein Kind steht seitlich (nicht direkt vor dem Ball), um dem Torwart die Sicht zu erschweren.
    • Bilden drei oder mehr Gegenspieler eine Mauer, müssen Angreifer nach IFAB-Regeln mindestens 1 m Abstand zur Mauer halten.
    • Wichtig: Kein Schubsen, kein Festhalten und kein aktives In-den-Weg-Stellen, Fair Play bleibt Pflicht.

    Weitere einfache Abläufe zum Ausprobieren findest du in der Übung Freistoß-Varianten: 5 einfache Ideen für Kinder.

    Verwandte Begriffe (kurz erklärt)

    • Standard: Sammelbegriff für Spielfortsetzungen nach einer Unterbrechung, vor allem Freistoß, Eckstoß, Strafstoß und Einwurf (im Kinderfußball oft Eindribbeln oder Einpassen). Zum Eckstoß passt Eckball im Kinderfußball: Regeln & Abstand.
    • Laufweg: Der Weg, den ein Kind ohne Ball sprintet, um anspielbar zu sein.
    • Absicherung/Restverteidigung: Spieler, die bei Ballverlust hinten bleiben.

    Häufig gestellte Fragen

    Für Einsteiger sind 1–2 feste Freistoßroutinen ideal. Kinder lernen über Wiederholung: Eine Routine, die alle sicher können, bringt mehr Erfolg als fünf komplizierte Varianten.

    Bewährt sind vier Rollen: Ball-Manager (legt hin), Schütze (passt oder schießt), Anspielstation/Zielspieler (bietet sich an) und Sicherer (Absicherung gegen Konter). So weiß jedes Kind sofort, was zu tun ist.

    Nutze kurze Erklärungen, klare Startsignale und viele Wiederholungen. Starte ohne Gegnerdruck, dann mit passivem Gegner und erst später mit echtem Spieltempo. Wichtig: Lob für richtige Entscheidungen, nicht nur für Tore.

    Ähnliche Begriffe im Lexikon

    freistoßroutine
    freistoß taktik
    freistoß kinder
    standards fußball jugend
    freistoßablauf