Taktik-Grundlagen & Standards

    Freistoß-Training: 6 einfache Routinen (U12–U19)

    Diese Einheit liefert dir 6 leicht merkbare Freistoß-Routinen für U12 bis U19 – von kurz ausgespielt bis direkter Abschluss. Mit klaren Schritten, Alters-Variationen und Coaching-Tipps für saubere Standards.

    fbTobias Brenner · aktualisiert 26. Okt. 2026
    Grundaufbau: Freistoß zentral 18–25 m vor dem Tor, Mauer-Zone davor, Passgeber mit zwei Läufern, 4–14 Spieler, 20–30 Minuten.

    Standards entscheiden Spiele – auch im Jugendfußball. Gerade bei U12–U19 lohnt sich ein einfaches, wiederholbares Freistoß-Training, das ohne Taktik-Overload auskommt. Du suchst Freistoß-Varianten, die schnell funktionieren, sauber coachbar sind und die Spieler wirklich behalten? Dann nutze diese 6 Routinen als Baukasten – vom kurz gespielten Freistoß bis zum direkten Abschluss. Bevor es an die Varianten geht, sollten die Freistoß-Regeln im Kinderfußball sitzen.

    Einordnung: Diese Routinen richten sich an ältere Jahrgänge ab U12 – mit Blocklauf, Rückraum und direktem Abschluss. Für jüngere Kinder gibt es die einfacheren Freistoß-Varianten: 5 Ideen für Kinder, für enge Hallenfelder die Freistoß-Routinen in der Halle: 6 Setups (U12–U19).

    Ziel

    Ziel:

    • Automatismen für Freistöße entwickeln (kurz und direkt)
    • Timing von Laufwegen und Pässen verbessern
    • Abschlussqualität (Schuss/Flanke) unter klaren Regeln steigern
    • Kommunikation: Wer ruft welche Variante? Wer übernimmt Verantwortung?

    Tipp für den Kontext: Standards sind eng mit Spielprinzipien verbunden. Wenn deine Mannschaft im Spielaufbau stabiler wird, entstehen auch bessere Freistoß-Situationen. Schau dazu in den Artikel Spielaufbau im Kinderfußball: 3 einfache Prinzipien. Und wenn du den Unterschied zwischen direktem und indirektem Freistoß erklären willst, hilft Regeln erklärt: indirekter Freistoß mit Beispielen.

    Material, Spieleranzahl, Dauer

    Material:

    • 1 Tor mit Netz (U12/U13: Jugendtor 5 x 2 m, wie im Spielbetrieb der D-Jugend)
    • 6–10 Markierungshütchen (für Startpunkte/Laufwege)
    • 8–10 Bälle, am Freistoßpunkt bereitgelegt (damit das Tempo hoch bleibt)
    • 3–4 Stangen oder Mauer-Dummys (alternativ Hütchen) als Mauer
    • Leibchen für Verteidiger

    Spieleranzahl: min. 4 (3 Angreifer + Torwart), max. 14 (ideal: 6–10)

    Dauer: 20–30 Minuten (als Standardblock im Hauptteil, nach einem Aufwärmen mit Pass- und Schussanteil; Schüsse nie „kalt“)

    Feldgröße: rund um den Strafraum, je nach Routine 20–30 m vor dem Tor (oder seitlich in Flankenzone)

    Aufbau

    • Lege 2–3 Freistoß-Positionen fest:
      • Zentral (18–25 m)
      • Halbraum rechts/links (Flanken-/Chipzone)
      • Seitlich nahe Strafraumkante (kurzer Freistoß)
    • Markiere mit Hütchen:
      • Ballposition
      • Startpunkte für 2–3 Läufer
      • ggf. „Wand“-Zone (ohne echte Mauer zu Beginn)

    Organisation und Rotation: Drei Angreifer führen die Routine aus (A, B, C), ein Torwart steht im Tor. Alle anderen warten nicht in einer Schlange, sondern haben eine Aufgabe: Sie bilden die Mauer bzw. die passiven Verteidiger, holen Bälle zurück oder stehen als nächstes Dreier-Team bereit. Nach 4–6 Ausführungen rotieren die Dreier-Teams, und innerhalb des Teams wechseln die Rollen, damit jeder einmal Schütze, Passgeber und Läufer ist.

    Schritt-für-Schritt Anleitung (6 Routinen)

    Nutze jede Routine 4–6 Wiederholungen, dann wechseln. So bleibt es intensiv und die Spieler merken sich klare Bilder. Erfolg zählt, wenn der Abschluss aufs Tor kommt; bei den Flankenroutinen, wenn der Ball in der angesagten Zone ankommt.

    1) „Kurz-Kurz-Schuss“ (kurz gespielter Freistoß)

    1. Spieler A steht am Ball, Spieler B 3–5 m seitlich versetzt.
    2. A passt kurz zu B.
    3. B legt direkt in den Lauf von A zurück (Klatschpass).
    4. A schließt mit dem zweiten Kontakt ab (Schuss flach oder halbhoch).

    2) „Antäuschen & Durchstecken“ (gegen frühes Herausrücken)

    1. A am Ball, B seitlich, C startet an der Abseitslinie/Strafraumkante.
    2. A täuscht den Schuss an und spielt kurz zu B.
    3. B steckt sofort in die Tiefe auf C.
    4. C schließt ab oder legt quer.

    Wichtig: Bei älteren Jahrgängen wird Abseits relevant. C darf beim Pass von B nicht im Abseits stehen, deshalb startet er auf Höhe des vorletzten Verteidigers und läuft erst mit dem Pass von A los. Wenn du unsicher bist, wie du das sauber erklärst: Abseits einfach erklärt für Kinder.

    3) „Überlauf-Flanke“ (Halbraum-Standard)

    1. A am Ball im Halbraum, B startet außen, C startet zentral.
    2. A spielt kurz auf B.
    3. B nimmt mit und flankt mit dem 2. Kontakt in den Strafraum.
    4. C attackiert den ersten Pfosten oder den Rückraum (vorher festlegen!).

    4) „Rückraum-Knaller“ (zweite Welle)

    1. A am Ball, B läuft Richtung kurzer Pfosten, C positioniert sich 18–20 m zentral.
    2. A chippt oder spielt flach in den Strafraum auf B.
    3. B lässt klatschen/legt zurück in den Rückraum.
    4. C schließt direkt ab (Schuss aus der zweiten Reihe).
    ABC123
    Schritt 0 / 3
    Abb. 1 · Routine 4 „Rückraum-Knaller“, Beispiel halbrechts und ohne Mauer: B startet Richtung kurzer Pfosten und bekommt den Ball von A in den Lauf (1), legt zurück in den Rückraum (2), wo C direkt abschließt (3).
    Eigenes TeamBallPassLaufwegSchritt-Reihenfolge

    5) „Direkt-Schuss mit Blocklauf“ (U15–U19)

    1. A schießt direkt.
    2. B läuft kurz vor dem Schuss quer an der „Mauer“-Zone vorbei (ohne Kontakt), um dem Torwart die Sicht zu nehmen.
    3. C sichert den Abpraller am Strafraumrand.
    4. Nachschuss/zweiter Ball wird aktiv ausgespielt.

    Merke: Stehen drei oder mehr Verteidiger in der Mauer, müssen die Angreifer mindestens 1 m Abstand zur Mauer halten, bis der Ball im Spiel ist (IFAB-Regel 13). Dein Blockläufer läuft also mit Abstand vorbei und stellt sich nicht in oder direkt an die Mauer.

    6) „Schnell ausgeführt“ (wenn Gegner noch sortiert)

    1. Trainer oder Mitspieler gibt das Signal „Schnell!“.
    2. A spielt sofort auf den freien B.
    3. B hat maximal 2 Kontakte (Annahme + Pass/Schuss).
    4. Abschluss innerhalb von 6 Sekunden.

    Im Spiel geht das nur, solange der Schiedsrichter nicht auf den Pfiff zur Ausführung besteht, etwa weil ihr den Mindestabstand verlangt habt. Das Signal „Schnell!“ gibt deshalb immer der Schütze, sobald er sieht, dass der Gegner noch unsortiert ist.

    Variationen nach Altersgruppe (U12–U19)

    U12–U13 (Einstieg)

    • Ohne Mauer, ohne Gegnerdruck starten
    • Fokus: sauberer erster Pass, klare Laufwege
    • Abschluss näher am Tor (12–18 m), damit Erfolgserlebnisse entstehen
    • Mauer nur aus Stangen oder Dummys, nicht aus Mitspielern: Direkte Schüsse aus kurzer Distanz auf eine Spielermauer sind in diesem Alter unnötig riskant

    U14–U16

    • 1–2 passive Verteidiger im Strafraum
    • Kontaktbegrenzung: Passgeber max. 2 Kontakte
    • Zielzonen: „erster Pfosten“, „zweiter Pfosten“, „Rückraum“ ansagen

    U17–U19

    • Aktive Mauer + 2 Verteidiger, die nach dem ersten Pass attackieren (Mauerspieler schützen Kopf und Körper nicht mit ausgestreckten Armen, sondern stehen kompakt)
    • Wettkampfform: 6 Bälle pro Routine, Punkte für Tor/gefährlichen Abschluss
    • Video-Feedback kurz einbauen (10 Sekunden: Laufweg-Timing, Passwinkel)

    Coaching-Tipps

    • Ansage vor dem Pfiff: Ein Wort reicht („Kurz“, „Rückraum“, „Schnell“). So entsteht Routine.
    • Passwinkel vor Tempo: Der erste Pass entscheidet, ob die Variante funktioniert.
    • Timing coachen: Läufer starten nicht „irgendwann“, sondern auf den Ausholmoment des Passgebers.
    • Abpraller organisieren: Immer einen Spieler für den zweiten Ball festlegen.
    • Torwart einbinden: Stellungsspiel und Kommunikation („Mauer links/rechts“) aktiv fordern.
    • Restverteidigung mitdenken: Bei jeder Routine bleiben mindestens zwei Spieler hinter dem Ball, damit ein geklärter Freistoß nicht zum Konter wird.

    Häufige Fehler & schnelle Korrekturen

    • Fehler: Alle laufen zum Ball.
      • Korrektur: Startpunkte mit Hütchen fixieren, Rollen klar benennen.
    • Fehler: Zu komplizierte Varianten.
      • Korrektur: Pro Einheit nur 2 Routinen „fest“ trainieren, 1 Routine frei rotieren.
    • Fehler: Abschluss ohne Überzeugung.
      • Korrektur: Ziel definieren (flach Ecke, Rückraum, erster Pfosten) und Treffer zählen.
    • Fehler: Die Läufer starten zu früh und stehen, wenn der Ball kommt.
      • Korrektur: Startsignal ist der Ausholmoment des Passgebers, nicht der Pfiff. Lass die Läufer in den ersten Durchgängen laut „Jetzt!“ rufen.
    • Fehler: Nach dem Abschluss bleiben alle stehen.
      • Korrektur: Jede Ausführung endet erst, wenn der Ball im Tor, beim Torwart oder im Aus ist. Abpraller werden ausgespielt.

    Mini-Wettkampf (Motivation)

    • 2 Teams, jedes Team führt 6 Freistöße aus (3 kurz, 3 direkt), das andere Team stellt Mauer, Verteidiger und Torwart
    • Punkte:
      • Tor = 3
      • Schuss aufs Tor = 1
      • gefährlicher Ball in die Zone (erster/zweiter Pfosten) = 1

    So bleiben die Freistoß-Varianten spielnah, messbar und spannend, von der D-Jugend bis zur A-Jugend.

    Mehr Freistoß Technik-Übungen

    Mehr Übungen für die D-Jugend (U12/U13)

    Hintergrundwissen

    Häufig gestellte Fragen

    Für U12–U14 reichen meist 2 feste Varianten (z. B. „Kurz-Kurz-Schuss“ und „Überlauf-Flanke“), die wirklich automatisiert werden. Ab U15 kannst du auf 3–4 Varianten erweitern, solange jede Variante ein klares Ziel hat (erster Pfosten, zweiter Pfosten, Rückraum) und die Rollen eindeutig sind. Zu viele Varianten führen oft dazu, dass niemand mehr sicher ist, wer was macht.

    Halte die Wiederholungen kurz und wechsle regelmäßig: 4–6 Ausführungen pro Routine, dann Rotation. Baue ein Punktesystem ein (Tor, Schuss aufs Tor, gefährliche Zone) und arbeite mit Signalen wie „Kurz“ oder „Schnell“. Zusätzlich helfen klare Kontaktregeln (z. B. maximal 2 Kontakte) und wechselnde Startpositionen, damit die Standards spielnah bleiben.

    Eine passive Mauer ist ab U13/U14 sinnvoll, um Schusshöhe, Zielwahl und Sichtfeld zu schulen. Eine aktive Mauer (die nach dem Pass herausrückt) passt eher ab U15, weil Timing, Entscheidungsverhalten und Körperkontrolle dafür stabiler sein sollten. Wichtig ist, die Sicherheit zu beachten und die Distanz so zu wählen, dass die Spieler kontrolliert schießen.