Taktik-Grundlagen & Standards

    Freistoß-Varianten: 5 einfache Ideen für Kinder

    Diese Übung zeigt dir 5 leicht umsetzbare Freistoß-Varianten für Kinder – mit klaren Rollen, kurzen Laufwegen und schnellem Abschluss. Ideal für Beginner im Training und als Hallen-Variante nutzbar.

    fbTobias Brenner · aktualisiert 25. Sept. 2026
    Grundaufbau: Freistoß 6–18 m vor dem Tor (je nach Alter), Mauer ab U10, kurzes Anspiel und Tiefenlauf, 4–12 Kinder.

    Standards sind im Kinderfußball oft verschenkte Chancen – dabei lieben Kinder klare Rollen und kleine „Tricks“. Mit dieser Übung trainierst du fünf Freistoß-Varianten für Kinder, die leicht zu merken sind, schnell Erfolgserlebnisse bringen und draußen wie in der Halle funktionieren.

    Einordnung: Die fünf Varianten sind für Kinder gemacht und leicht zu merken. Richtige Freistöße mit Mauer gibt es erst in den größeren Spielformen ab der E-Jugend. In den Spielformen der G- und F-Jugend (2-gegen-2, 3-gegen-3) wird nach Unterbrechungen in der Regel eingedribbelt oder eingepasst, dort gibt es keine Mauer. Für U7–U9 nutzt du die Varianten deshalb als Pass- und Abschlussspiel ohne Mauer (siehe Variationen nach Alter). Spielt dein Team ab U12 schon strukturierte Standards, findest du die nächste Stufe im Freistoß-Training: 6 einfache Routinen (U12–U19).

    Ziel

    Ziel:

    • Kinder lernen Standards im Kinderfußball spielerisch kennen
    • Fokus auf kurz ausspielen, Timing, Passqualität und Abschluss
    • Mut zur Entscheidung: Schuss oder Pass?
    • Kommunikation („Ich bin frei!“, „Lass!“) und Rollenverständnis

    Tipp: Passe Feldgrößen an Alter und Platz an – eine gute Orientierung bietet der Überblick zu Spielfeldgrößen nach Altersklasse.

    Material, Spieleranzahl, Dauer

    Material:

    • 6–10 Hütchen/Markierungsteller
    • 1–2 Mini- oder Jugendtore (alternativ: Hütchentor)
    • 4–8 Bälle (damit es flüssig bleibt)
    • Leibchen (für Verteidiger/Blocker)

    Spieleranzahl: min. 4, max. 12 (ab 8 Kindern zwei Stationen mit je einem Tor, damit niemand lange wartet)

    Dauer: 15–25 Minuten (5 Varianten à 3–5 Minuten, dazwischen kurze Trinkpausen)

    Aufbau

    • Markiere einen Freistoßpunkt (ca. 6–18 m zum Tor – je nach Alter, siehe Variationen)
    • Stelle eine Mauer aus 1–3 Hütchen oder Stangen; passive Verteidiger als Mauer erst ab U10 und nie bei direkten Schüssen aus kurzer Distanz
    • Lege zwei Laufwege mit Hütchen fest: kurzer Anspielpunkt seitlich und Tiefenlauf Richtung Tor
    • Optional in der Halle: nutze Bande/Wand als Begrenzung, Torentfernung kürzer

    Schritt-für-Schritt Anleitung (mit 5 Varianten)

    Grundregeln für alle Varianten

    • 1 Kind ist Ballführer (Freistoßschütze)
    • 1 Kind ist Mitspieler (Anspielstation)
    • 1 Kind ist Abschluss-Spieler (läuft ein)
    • 1–3 Kinder sind passive Verteidiger (später aktiv)
    1. Erkläre die Rollen kurz: Wer passt? Wer läuft? Wer schießt?
    2. Starte ohne Gegnerdruck: erst Timing und Passschärfe.
    3. Nach jedem Versuch rotieren die Rollen im Uhrzeigersinn.
    4. Ein Versuch gilt als Erfolg, wenn der Ball flach oder halbhoch aufs Tor kommt. Zähle Treffer als Team-Challenge: „Schafft ihr 5 Tore in 3 Minuten?“
    5. Die Bälle liegen am Freistoßpunkt bereit. Wer gerade keine Rolle hat, holt Bälle zurück und legt den nächsten Ball hin.

    Variante 1: „Kurz-Klatsch-Schuss“ (Freistoß kurz ausspielen)

    1. Freistoßschütze passt kurz auf die Seite.
    2. Anspieler lässt klatschen (direkt zurück) oder mit einem Kontakt ablegen.
    3. Freistoßschütze schließt sofort ab (Schuss flach, aufs Eck).

    Warum gut für Einsteiger? Wenig Laufwege, klare Abfolge, schneller Abschluss.

    Variante 2: „Kurz – Mitnehmen – Abschluss“

    1. Freistoßschütze spielt kurz zur Seite.
    2. Anspieler nimmt den Ball mit dem ersten Kontakt in Richtung Tor mit.
    3. Abschluss nach 1–2 Kontakten.

    Coaching-Frage: „Kannst du den ersten Kontakt so setzen, dass du sofort zum Tor kommst?“

    Variante 3: „Doppelpass durch die Mauer“

    1. Freistoßschütze passt kurz auf den Mitspieler.
    2. Mitspieler passt in den Lauf zurück (Doppelpass).
    3. Freistoßschütze geht durch die Lücke (außen an der Mauer vorbei) und schießt.

    Wichtig: In den Spielformen der G- und F-Jugend gibt es kein Abseits, und auch in der E-Jugend spielen die meisten Landesverbände ohne Abseits. Das regelt aber dein Verband: Im Saarland etwa sehen die Bestimmungen für die E-Jugend Abseits vor. Was bei dir gilt, zeigt der Landesverbands-Vergleich. Spätestens in den größeren Spielformen der D-Jugend wird Abseits je nach Verband und Spielerzahl relevant. Wenn du das kindgerecht erklären willst, hilft Abseits einfach erklärt für Kinder.

    123
    Abb. 1 · Variante 3 „Doppelpass durch die Mauer“: kurzer Pass (1), Rückpass in den Lauf (2) — der Schütze zieht außen an der Mauer vorbei und schließt ab (3).
    1. Ein Mitspieler läuft quer an der Mauer vorbei, mit mindestens 1 m Abstand und ohne Kontakt. Er lenkt die Verteidiger ab.
    2. Im selben Moment passt der Freistoßschütze kurz auf den Anspieler.
    3. Der Anspieler schießt direkt oder steckt auf den Kreuzläufer durch.

    Hinweis: Betone Fairness und „kein Rempeln“. Es geht um Laufwege, nicht um Körperkontakt. Stehen drei oder mehr Verteidiger in der Mauer, müssen Angreifer laut Regel mindestens 1 m Abstand halten, bis der Ball im Spiel ist.

    Variante 5: „Außen vorbei – flache Hereingabe“

    1. Freistoßschütze spielt kurz auf außen.
    2. Außenspieler dribbelt 2–3 Meter an und spielt eine flache Hereingabe in den Strafraum.
    3. Einläufer schließt mit der Innenseite ab (erstes Ziel: aufs Tor, nicht perfekt platziert).

    Für den Abschluss kannst du Elemente aus Torschuss aus der Bewegung übernehmen, z. B. „Schuss nach kurzem Dribbling“.

    Die zwei Bonus-Varianten tauschst du gegen eine der fünf Grundvarianten, sobald dein Team sie sicher beherrscht. Pro Einheit bleiben es so höchstens fünf Varianten.

    Bonus-Variante A: „Rebound & Nachschuss“ (Aktion zu Ende spielen)

    1. Freistoßschütze schießt bewusst flach aufs Tor (Torwart/Abpraller provozieren).
    2. Zwei Mitspieler starten nach dem Schuss in den Strafraum: einer zum kurzen Pfosten, einer zentral.
    3. Ziel ist der zweite Ball – Abpraller sofort verwerten.

    Warum wichtig? Viele Kinder bleiben nach dem Schuss stehen. Hier lernen sie: Aktion zu Ende spielen.

    Bonus-Variante B: „Chip auf den zweiten Pfosten“

    1. Freistoßschütze hebt den Ball weich Richtung zweiter Pfosten (über die Mauer, nicht zu hoch).
    2. Einläufer startet ein und versucht den Direktabschluss – oder legt zurück.
    3. Für Einsteiger reicht als Ansage: „Ball über die Mauer, nicht zu hoch.“

    Variationen nach Alter

    U7–U9

    • Keine Mauer, höchstens ein Hütchen als „Hindernis“, das umspielt wird. So sieht der Neustart auch im Spiel aus (Eindribbeln oder Einpassen).
    • Distanz 6–10 m, auf 2 Minitore (kein Torwart, wie im Funino)
    • Erlaubt: unbegrenzte Kontakte
    • Ziel: richtige Idee erkennen („kurz spielen“ statt „immer schießen“)
    • Ganz einfache Reduktion für U7–U8: nur 2 Varianten üben (z. B. Variante 1 und die Rebound-Variante), Abschluss aus kurzer Distanz – so entstehen schnelle Erfolgserlebnisse
    • Wer mehr spielen will: Baue die Varianten direkt ins Funino ein, zum Beispiel „nach dem Eindribbeln erst ein Pass, dann Tor“.

    U10–U11

    • Mauer aus Hütchen oder Stangen, 1–2 Verteidiger werden halbaktiv (dürfen nach dem Pass herausrücken)
    • Distanz 10–14 m, mit Torwart
    • Begrenze Kontakte: Anspieler max. 2 Kontakte
    • Zähle Bonuspunkte für Direktabschluss nach Klatsch

    U12+

    • Verteidiger aktiv, mit Torwart
    • Zusätzliche Regel: Abschluss innerhalb von 6 Sekunden
    • Kombiniere Varianten in einer „Ansage“: Trainer ruft „1–5“, Kinder führen aus

    Coaching-Tipps (damit Standards wirklich klappen)

    • Passschärfe: kurz heißt nicht langsam – der Ball muss „ankommen“.
    • Pass vor Power: Ein Freistoß scheitert bei Kindern meist am ersten Pass, nicht am Schuss – trainiere zuerst das saubere Anspiel.
    • Timing der Läufe: Einläufer startet, wenn der Pass gespielt wird, nicht vorher.
    • Kommunikation: klare Kommandos („Kurz!“, „Klatsch!“, „Dreh!“).
    • Blick zum Tor: Nach dem ersten Kontakt kurz scannen – wo ist die Ecke offen?
    • Erfolgserlebnisse sichern: Beginne ohne Gegnerdruck und steigere erst dann.

    Mini-Wettkampf zum Abschluss

    • 2 Teams, jedes Team hat 5 Versuche.
    • Jedes Tor zählt 1 Punkt, ein Tor nach Direktabschluss 2 Punkte.
    • Das andere Team stellt Mauer (Hütchen) und Verteidiger, danach wird getauscht.
    • Wer gewinnt, darf die nächste Freistoß-Variante „ansagen“.

    Mehr Timing-Übungen

    Mehr Übungen für die Bambini (U7)

    Hintergrundwissen

    Häufig gestellte Fragen

    Am einfachsten ist meist die Variante „Kurz-Klatsch-Schuss“: kurzer Pass zur Seite, direktes Ablegen und sofortiger Abschluss. Die Kinder brauchen nur wenige Kontakte, die Laufwege sind kurz und die Erfolgsquote steigt schnell – perfekt für Einsteiger.

    Reduziere die Distanz (z. B. 6–10 Meter), nutze Hütchen als Mauer und spiele fast nur flach. Gute Hallenfreistoß-Ideen sind kurze Ausführungen mit Klatschpass oder ein Dribbling nach kurzem Pass. Begrenze Kontakte (z. B. 2) und arbeite mit vielen Bällen, damit wenig Wartezeit entsteht.

    Steigere in kleinen Schritten: erst ohne Gegnerdruck, dann passive Verteidiger, dann halbaktive Verteidiger (dürfen nach dem ersten Pass attackieren) und schließlich voll aktiv mit Torwart. Zusätzlich kannst du Kontaktbegrenzungen, Zeitlimits (z. B. Abschluss in 6 Sekunden) oder Punkteregeln für Direktabschlüsse einführen.