Offene Stellung: So nimmst du den Ball mit
Die offene Stellung hilft Kindern, Ball und Spielfeld gleichzeitig zu sehen und den ersten Kontakt in den freien Raum zu spielen. So wird die Ballannahme schneller, sicherer und spielintelligenter.
KI-generiertes SymbolbildOffene Stellung bedeutet, dass du beim Anbieten und bei der Ballannahme so zum Ball stehst, dass du Ball und Spielfeld gleichzeitig siehst – und den Ball mit dem ersten Kontakt direkt in die nächste Spielrichtung mitnehmen kannst.
Merke: Offen stehen heißt: Hüfte und Schultern halb zum Spielfeld geöffnet, vorher kurz umschauen, den Ball mit dem ballfernen Fuß in die Spielrichtung mitnehmen.
Was ist eine offene Stellung bei der Ballannahme?
Fachlich spricht man heute von der Ballan- und -mitnahme: Der erste Kontakt soll den Ball kontrollieren, eine Spielrichtung einleiten und das Tempo bestimmen. Die offene (spieloffene) Stellung ist die Körperstellung, die das möglich macht. Du stehst nicht frontal zum Zuspiel, sondern leicht seitlich, mit Blick Richtung gegnerisches Tor bzw. ins Spielfeld. So erkennst du schon vor dem Kontakt die nächste Aktion: Dribbling, Pass oder Torschuss.
Wer „geschlossen“ steht, also frontal zum Passgeber und mit dem Rücken zum Spielfeld, braucht nach der Annahme meist einen zusätzlichen Kontakt oder eine Drehung. Diese halbe Sekunde reicht dem Gegner, um heranzukommen.
| Offene Stellung | Geschlossene Stellung | |
|---|---|---|
| Körper | halb zum Spielfeld geöffnet | frontal zum Passgeber, Rücken zum Feld |
| Blick | Ball und Spielfeld zugleich | nur Ball und Passgeber |
| Erster Kontakt | mit dem ballfernen Fuß in die Spielrichtung | meist zum Stoppen, danach drehen |
| Sinnvoll, wenn … | Platz ist und es nach vorne gehen soll | du mit dem Rücken zum Feld unter Druck den Ball sichern musst |
Die geschlossene Stellung ist also nicht „falsch“. Wer eng gedeckt mit dem Rücken zum Tor angespielt wird, schirmt den Ball zuerst ab. Die offene Stellung ist aber die Grundhaltung, die Kinder als Erstes lernen sollten.
Die 3 Kernpunkte: Sehen – Stehen – Mitnehmen
- Sehen: VOR dem Zuspiel kurz umschauen (Wo sind Mitspieler? Wo ist Platz?), nicht erst nach der Annahme den Kopf heben. Mehr dazu unter Vororientierung (Scannen).
- Stehen: Hüfte und Schultern leicht geöffnet, Bauch zeigt halb ins Feld statt zum Passgeber.
- Mitnehmen: Der erste Kontakt geht mit dem ballfernen Fuß in den freien Raum – weg vom Gegner, hin zur nächsten Aktion.
So erklärst du es kindgerecht (und sofort umsetzbar)
Für Kinder hilft ein einfaches Bild: „Stell dich wie eine offene Tür hin.“ Eine offene Tür zeigt in den Raum – genauso zeigt der Körper ins Spielfeld. Solche Bilder funktionieren bei Kindern oft besser als Erklärungen zu Hüfte und Schulter.
Praktische Coaching-Sätze, die Kinder verstehen:
- „Zeig mit deinem Bauch ins Feld.“
- „Nimm den Ball in den freien Raum mit.“
- „Schau vorher kurz, dann kommt der Ball.“
Bei Anfängern reicht ein Fokus pro Übung. Heute nur „Bauch ins Feld“, beim nächsten Training „erster Kontakt nach vorne“. Kinder, die die Ballannahme noch nicht sicher beherrschen, schauen ohnehin mehr auf den Ball. Den Blick ins Feld verlangst du deshalb schrittweise, passend zum Technikstand.
Beispiele aus dem Kinderfußball (U7–U11)
Beispiel 1: Passspiel am Hütchen
Zwei Kinder passen sich zu. Das annehmende Kind steht neben einem Hütchen.
- Aufgabe: Vor der Annahme seitlich öffnen.
- Erster Kontakt: Mit dem ballfernen Fuß vom Hütchen weg mitnehmen.
- Anschluss: Direkt zurückpassen.
Tipp: Wenn die Ballannahme noch unsauber ist, helfen Mini-Spiele wie in unserem Guide zur Ballkontrolle 1. Kontakt: 10 Mini-Spiele (U7–U11). Für die Jüngsten passt Erster Kontakt U7–U9: Annehmen & mitnehmen in Spielen.
Beispiel 2: Rondo im Kinderfußball
Im Rondo (z. B. 3 gegen 1) entscheidet die offene Stellung, ob ein Kind unter Druck ruhig bleibt.
- Wer offen steht, kann mit einem Kontakt weiterleiten.
- Wer geschlossen steht, wird leichter „zugestellt“.
Das DFB-Trainerportal nutzt genau diese Form schon im E-Junioren-Training: In einem Rondo dürfen die direkten Nachbarn nicht angespielt werden, also müssen die Kinder vor der Annahme schauen, wer frei ist. Weitere Varianten findest du in Rondo-Varianten: 7 Spiele für Ballbesitz (U8–U15).
Beispiel 3: Mitnahme Richtung Tor
Kommt ein Zuspiel seitlich vor dem Strafraum, hilft die offene Stellung beim schnellen Abschluss: erster Kontakt nach vorne, dann Schuss. Passend dazu: Torschuss aus der Bewegung.
Häufige Fehler (und wie du sie schnell korrigierst)
- Fehler: Kind steht frontal zum Pass.
- Korrektur: „Mach einen kleinen Schritt zur Seite – öffne die Hüfte.“
- Fehler: Erster Kontakt springt weg.
- Korrektur: Passtempo rausnehmen, den Ball mit der Innenseite „abfedern“ statt dagegenzuhalten.
- Fehler: Kind nimmt mit dem ballnahen Fuß an und steht danach wieder zu.
- Korrektur: Ball „durchlaufen lassen“ und mit dem hinteren Fuß mitnehmen.
- Fehler: Kind schaut nur auf den Ball.
- Korrektur: Vor dem Pass „kurz gucken“ als feste Routine, z. B. mit Zuruf einer Farbe, die das Kind vor der Annahme nennen muss.
Verwandte Begriffe
- Ballannahme / erster Kontakt: Grundlage für jede Aktion (siehe Ballkontrolle 1. Kontakt und Ballmitnahme: erster Kontakt in den Raum).
- Körperstellung offen vs. geschlossen: der Vergleich beider Stellungen, auch in der Defensive (siehe Körperstellung: offen vs. geschlossen erklärt).
- Dribbling nach der Annahme: Wenn der erste Kontakt in den Raum geht, wird Dribbeln leichter (siehe Dribbeln lernen U7: 8 kindgerechte Spiele).
- Rondo: Spielform für Wahrnehmung, Passspiel und offene Stellung.
Häufig gestellte Fragen
Ähnliche Begriffe im Lexikon
Körperstellung (offen vs. geschlossen)
Die Körperstellung beschreibt im Fußball, wie du deinen Körper zum Ball, zum Spielfeld und zu Gegnern ausrichtest – besonders wichtig sind die offene Stellung und die geschlossene Stellung.
Aufdrehen
Aufdrehen im Fußball bedeutet: Du nimmst den Ball so an, dass du dich direkt in Spielrichtung drehst – weg vom Gegner, hin zu freiem Raum oder zum Tor.
Ballkontrolle
Ballkontrolle bedeutet, den Ball so anzunehmen und zu stoppen, dass er sofort spielbar bleibt – ohne wegzuspringen oder verloren zu gehen.
Ballmitnahme
Ballmitnahme ist die Ballannahme mit Richtung: Der erste Kontakt lenkt den Ball kontrolliert in den freien Raum, damit du direkt weiterspielen kannst.
Raute-Aufstellung
Die Raute ist eine einfache Kleinfeld-Ordnung, bei der sich vier Feldspieler so verteilen, dass ihre Positionen eine Raute bilden: ein Spieler hinten, zwei seitlich, einer vorne.
Ball abschirmen
Ball abschirmen bedeutet, den Körper zwischen Ball und Gegner zu bringen, damit der Ball schwerer erobert werden kann – ohne zu schubsen oder zu halten.
Übungen zu "Offene Stellung"
Diese Übungen wenden den Begriff praktisch an