Torwarttraining

    Torwart-Spielaufbau: Abwurf & Pass (U10–U15)

    Diese Übung verbessert die Torwart-Spieleröffnung über Abwurf und Pass – vom sicheren Aufbau ohne Druck bis zum spielnahen Pressing. Mit klaren Schritten, Varianten für U10–U15 und Coaching-Tipps für saubere Entscheidungen im Aufbau.

    fbTobias Brenner · aktualisiert 26. Okt. 2026
    Grundaufbau: Torwart an der Grundlinie, Anspielstationen links und rechts, Druckzone im Zentrum, zwei Minitore gegenüber.

    Übungsname & Ziel: „Torwart-Spielaufbau – Abwurf & Pass-Ketten“

    Kinder und Jugendliche (U10–U15) sollen lernen, wie die Spieleröffnung durch den Torwart heute funktioniert: schnell entscheiden, sauber ausführen und das Team aktiv ins Spiel bringen. In dieser Übung trainierst du Abwurf und Pass des Torwarts (gerollt, flach geworfen und halbhoch), kurze Pässe als zusätzlicher Feldspieler und die richtige Anschlussaktion nach dem Abspiel. Warum ist das so wichtig? Weil ein guter Aufbau über den Torwart oft darüber entscheidet, ob dein Team kontrolliert herausspielt oder den Ball sofort wieder verliert. Die Grundprinzipien dahinter findest du in Spielaufbau im Kinderfußball: 3 einfache Prinzipien.

    Damit der Torwart stabil abspielen kann, lohnt sich ergänzend ein Blick auf die Fußarbeit für junge Torhüter – ohne saubere Schritte fehlt oft die Präzision im Pass.


    Benötigte Materialien, Spieleranzahl, Dauer

    • Materialien:
      • 8–10 Bälle (Ballvorrat neben dem Torwart)
      • 8 Hütchen (für Zonen und Passlinien)
      • 2 Minitore (oder 2 Hütchentore)
      • Leibchen für die Verteidiger
    • Spieleranzahl: 6–12 (optimal: 8–10)
      • 1 Torwart (rotierend möglich)
      • Aufbauteam: 4–6 Spieler an den beiden Anspielstationen
      • Verteidigerteam: 1–2 Spieler in der Druckzone, der Rest wartet als nächste Verteidiger-Welle oder holt Bälle
    • Dauer: 20–25 Minuten (Hauptteil), z. B. 4 Durchgänge à 4–5 Minuten mit 1 Minute Trinkpause und Rollenwechsel
    • Feldgröße: ca. 25 x 20 m (25 m von der Torwart-Grundlinie bis zu den Minitoren, 20 m breit)

    Aufbau

    • Markiere ein Rechteck (25 x 20 m).
    • Der Torwart startet an einer Grundlinie mittig.
    • Stelle links und rechts je eine Anspielstation (2–3 Spieler pro Seite) ca. 8–12 m vor dem Torwart.
    • Im Zentrum markierst du eine Druckzone (ca. 8 x 8 m) mit Hütchen.
    • Vorne (gegenüber dem Torwart) stehen zwei Minitore mit 6–10 m Abstand zueinander.

    Schritt-für-Schritt Anleitung

    1. Startsignal & Ballaufnahme

      • Ein Feldspieler rollt dem Torwart den Ball kontrolliert zu (kein harter Schuss).
      • Der Torwart nimmt den Ball sauber auf und richtet sich direkt zum Feld aus.
    2. Entscheidung: Abwurf oder Pass

      • Der Torwart scannt kurz: Wo ist die freie Seite?
      • Dann spielt er entweder:
        • Abwurf: auf kurze Distanz gerollt (Unterhand), auf mittlere Distanz flach geworfen oder überarm auf eine weiter entfernte Außenstation, oder
        • flachen Pass (Innenseite) auf eine nahe Anspielstation, nachdem er den Ball abgelegt hat.
    3. Erster Kontakt & Weiterleitung

      • Der Empfänger nimmt den Ball mit dem ersten Kontakt offen (Körper zum Feld) an.
      • Danach folgt ein Weiterleitungspass durch/um die Druckzone herum zu einem Mitspieler auf der anderen Seite.
    4. Druck simulieren

      • In der Druckzone agiert 1 Verteidiger (ab U12 gern 2), der nur Passwege zustellt und später aktiv attackiert.
    5. Abschluss in die Minitore (Zielbedingung)

      • Nach 2–3 Pässen versucht das Aufbauteam, in eines der beiden Minitore zu passen.
      • 1 Punkt für das Aufbauteam bei einem Treffer. Da jede Aktion beim Torwart beginnt, ist die Eröffnung über ihn automatisch Teil jedes Punkts.
      • 1 Punkt für die Verteidiger, wenn sie den Ball erobern und ihn über die Seitenlinie oder zurück Richtung Torwart-Grundlinie dribbeln bzw. passen.
      • Nach Tor, Ballgewinn oder Aus nimmt der Torwart sofort den nächsten Ball aus dem Vorrat.
    6. Rotation

      • Der Torwart bleibt 3–5 Bälle, dann übernimmt der nächste. In der U10/U11 dürfen alle Kinder ins Tor, ab der U12 bleibt der Schwerpunkt bei den Torhütern.
      • Der Passempfänger geht nach seiner Aktion ans Ende der anderen Station, so kommen beide Seiten an den Ball.
      • Die Verteidiger wechseln nach jedem Durchgang (4–5 Minuten), damit alle die Perspektive „Druck machen“ kennenlernen.

    Variationen (U10 bis U15)

    Variation 1: Anfängerfreundlich (U10–U11) – ohne Gegnerdruck

    • Kein Verteidiger in der Druckzone.
    • Fokus: Technik & Zielgenauigkeit.
    • Regel: Torwart muss abwechselnd links/rechts eröffnen.

    Variation 2: Spielaufbau U11/U12 – passiver Druck

    • 1 Verteidiger darf nur Passwege schließen, nicht tackeln.
    • Zusatzpunkt, wenn der Torwart mit dem Fuß eröffnet.

    Variation 3: U13–U15 – aktiver Pressingdruck

    • 1–2 Verteidiger dürfen aktiv attackieren.
    • Zeitlimit: Abschluss innerhalb von 8–10 Sekunden.
    • Bonus: Torwart darf nach dem Abspiel nachschieben und als Rückpass-Option dienen.

    Variation 4: Startlinie für die Anspieler (U13–U15, optional)

    • Markiere eine Linie, hinter der die Anspieler stehen müssen, bis der Torwart den Ball in der Hand hat. Erst dann dürfen sie sich freilaufen.
    • So lernen Torwart und Feldspieler spielnahes Timing: Der Torwart wartet auf die Freilaufbewegung, statt in den stehenden Mitspieler zu werfen. Mit Abseits hat die Linie nichts zu tun, wer das Thema trotzdem erklären muss: Abseits einfach erklärt für Kinder.

    Coaching-Tipps (Torwart & Team)

    • Kopf hoch vor dem Abspiel: Torwart soll aktiv scannen („Wo ist die freie Seite?“).
    • Klare Technik-Cues:
      • Rollwurf (kurz): tief in die Knie, Ball neben dem Körper führen und flach auf den Boden legen, damit er nicht springt.
      • Überarmwurf (weit): Ellbogen hoch, Handgelenk stabil, Gegenhand zeigt zum Mitspieler.
      • Ziel ist immer der richtige Fuß bzw. der Raum vor dem Mitspieler, nicht sein Körper.
      • Pass: Standbein neben den Ball, Fußspitze leicht nach oben, Innenseite durch den Ball.
    • Kommunikation einfordern: Feldspieler sollen sich anbieten („Zeit!“, „Dreh auf!“, „Mann!“). Erst dieses Anbieten macht den Torwart zum echten Mitspieler.
    • Anschlussaktion: Nach dem Abspiel bleibt der Torwart nicht stehen, sondern verschiebt zur Ballseite und bietet sich für den Rückpass an.
    • Mut zum kurzen Aufbau: Lieber sauber kurz eröffnen als hektisch lang schlagen.
    • Fehlerkultur: Wenn ein Ballverlust passiert, direkt umschalten und neu starten. Gerade im Aufbau lernen Kinder am meisten über Wiederholungen.

    Häufige Fehler (und schnelle Korrekturen)

    • Torwart wirft/passt ohne Blickkontakt → Regel: Abspiel zählt nur nach kurzem Scan.
    • Empfänger steht geschlossen → „Erster Kontakt nach vorne“ als Pflicht.
    • Balltempo zu niedrig → Ziel: Pass so scharf, dass er nicht abgefangen werden kann.
    • Abwurf springt oder kommt zu hoch → Bei kurzen Distanzen rollen statt werfen, der Ball muss für den Mitspieler sofort kontrollierbar sein.
    • Torwart bleibt nach dem Abspiel stehen → Zusatzpunkt, wenn der Treffer über einen Rückpass zum Torwart entsteht.

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    Mehr Übungen für die E-Jugend (U10/U11)

    Hintergrundwissen

    Häufig gestellte Fragen

    Plane 2–3 kurze Blöcke pro Woche ein: ca. 10 Minuten Technik (Abwurf, flacher Pass) und 10–15 Minuten spielnahe Anwendung unter leichtem Druck. Entscheidend ist die Wiederholung mit klaren Qualitätskriterien (Scan, Passschärfe, Anschlussaktion).

    Beides hat seinen Platz. Der Abwurf ist oft schneller und reduziert das Risiko, wenn der Gegner hoch presst. Der flache Pass ist spielnäher und entwickelt die Fähigkeit, als mitspielender Torwart Lösungen zu finden. Kinder sollten lernen, abhängig von Raum, Gegnerdruck und Mitspielerposition zu entscheiden.

    Gib einfache Regeln vor: Nach jedem Pass müssen sofort zwei neue Anspielstationen entstehen (Dreiecksbildung). Starte mit festen Laufwegen (Außen klatschen lassen, gegenüber öffnen) und steigere erst danach die Freiheit. Zusätzlich helfen klare Coaching-Wörter wie „Breite!“, „Dreh auf!“ und „Klatsch!“.