Torwarttraining

    Torwart Abschläge & Abwürfe: 7 Übungen (U10–U15)

    Mit diesen 7 Übungen trainierst du Abschläge, Abwürfe und die Spieleröffnung deines Torwarts in U10 bis U15. Technik, Entscheidung und Präzision stehen im Mittelpunkt – einfach umzusetzen im Vereinstraining.

    fbTobias Brenner · aktualisiert 27. Sept. 2026
    Grundaufbau: Torwart mit Ball vor dem Tor, davor gestaffelte Ziele – zwei Hütchentore kurz, ein Korridor lang, Anspielstationen frei.

    Kinder-Torhüter in U10 bis U15 prägen sich Bewegungsabläufe schnell ein – aber nur, wenn Technik sauber und in spielnahen Situationen trainiert wird. Genau hier setzt dieses Torwarttraining an: Abschläge (Dropkick/Abstoß) und Abwürfe werden so geübt, dass daraus echte Spieleröffnung entsteht. Willst du, dass dein Keeper nicht „einfach nur weit“ schlägt, sondern gezielt Mitspieler findet?

    Übungsname & Ziel

    Übungsname: Torwart Abschläge & Abwürfe: 7 Übungen (U10–U15)

    Ziel:

    • Abschlag und Abstoß üben (Abstoß vom Boden, Dropkick aus der Hand) mit stabiler Körperhaltung und sauberem Treffpunkt
    • Abwurf trainieren (Rollwurf für kurze, Überarmwurf für mittlere Distanzen) für flache, präzise Spieleröffnung
    • Entscheidungsfindung: kurz eröffnen vs. lang spielen
    • Kommunikation und Timing mit Anspielstationen

    Tipp: Eine gute Spieleröffnung beginnt oft mit der Torwart-Fußarbeit. Passend dazu: Fußarbeit für junge Torhüter

    Materialien, Spieleranzahl, Dauer

    Benötigte Materialien (wirklich nötig):

    • 8–10 Bälle (mit nur einem Ball holt der Torwart mehr Bälle, als er wirft)
    • 6–10 Hütchen (für Zonen/Tore)
    • 2 kleine Minitore oder 2 Hütchentore

    Spieleranzahl: min. 2, ideal 6–12 (1 Torwart + Feldspieler als Ziele/Anspieler). Hast du zwei Torhüter, wechseln sie nach 5–6 Aktionen; die Anspielstationen rotieren nach jeder Übung.

    Dauer: 20–25 Minuten (als Technikblock im Hauptteil)

    Feldgröße: ca. 25x35 m (anpassbar)

    Aufbau

    • Markiere vor dem Torwart drei Zielzonen:
      • Zone A (kurz): 8–12 m, 2 Hütchentore links/rechts
      • Zone B (mittel): 15–20 m, 2 Hütchentore links/rechts
      • Zone C (lang): 25–35 m, 1 breites Ziel (Korridor) oder 2 Minitore
    • 2–5 Feldspieler verteilen sich als Anspielstationen in den Zonen.

    Schritt-für-Schritt Anleitung (7 Übungen)

    1) Abwurf-Standbild → Zieltor (Präzision)

    1. Torwart startet mit Ball in der Hand, seitlich zum Ziel.
    2. Ausholbewegung kurz, Ellbogen führt, Handgelenk schnippt.
    3. Ziel: Ball flach durch ein Hütchentor in Zone A.
    4. Nach jedem Wurf: kurzer Reset (Stand stabil, Blick hoch).
    5. Einsteiger (U10/U11): Beginne in Zone A mit dem Rollwurf: tiefe Schrittstellung, den Ball wie beim Bowling knapp über dem Boden loslassen, damit er ohne Aufspringen zum Mitspieler rollt. Den Überarmwurf nimmst du dazu, sobald der Rollwurf sitzt und die Distanz größer wird.

    2) Abwurf nach 2 Schritten (Wahrnehmung)

    1. Trainer/Spieler rollt Ball zum Torwart.
    2. Torwart nimmt auf, macht 2 schnelle Schritte seitlich.
    3. Danach Abwurf in Zone A/B. Der Trainer ruft „links“ oder „rechts“ erst während der Schritte, so muss der Torwart den Kopf heben.

    3) Abwurf unter Zeitdruck (Countdown)

    1. Ball kommt zum Torwart.
    2. Innerhalb von 3 Sekunden muss eröffnet werden.
    3. Treffer zählt nur, wenn das Zieltor/Zielspieler erreicht wird.

    4) Abstoß/Pass als „kurze Spieleröffnung“

    1. Ball liegt am Boden (wie Abstoß).
    2. Torwart spielt flach in Zone A durch ein Hütchentor.
    3. Fokus: Standbein neben den Ball, mit der Innenseite spielen (Fuß quer zur Passrichtung, Fußspitze angezogen), Körper über dem Ball. Für längere flache Bälle in Zone B nimmt der Torwart den Innenspann.

    Gut zu wissen: Beim Abstoß ist der Ball im Spiel, sobald er getreten ist; der Mitspieler darf ihn schon im Strafraum annehmen.

    5) Dropkick (Abschlag) in Korridor

    1. Torwart hält den Ball mit beiden Händen vor dem Körper.
    2. Ball mit leicht nach vorn gebeugtem Oberkörper deutlich vor das spätere Schussbein anwerfen (nicht hoch in die Luft werfen) und kurz nach dem Aufsprung auf Höhe des Standbeins mit dem Spann treffen, das Knie über dem Ball. Das ist der Dropkick: Er fliegt flacher und genauer als der Volley-Abschlag, bei dem der Ball vor dem Aufsprung getroffen wird.
    3. Ziel: Ball in Zone C in einen markierten Korridor (z. B. 5 m breit).

    6) Entscheidungsspiel: kurz oder lang?

    1. Zwei Anspielstationen stehen kurz (Zone A), zwei stehen lang (Zone C).
    2. Ein „Gegner“ (passiver Störer) stellt eine kurze Option zu.
    3. Torwart entscheidet: Abwurf/Pass kurz oder Abschlag lang.
    4. Punkt, wenn der Torwart die freie kurze Station anspielt und der Ball ankommt. Lang zählt nur, wenn beide kurzen Stationen zugestellt sind. Der Störer wechselt nach jeder Aktion die Seite, damit der Torwart jedes Mal neu hinschauen muss.
    Abb. 1 · Übung 6, kurz oder lang: Der Störer stellt die rechte kurze Anspielstation zu (blasse Linie). Der Torwart erkennt das und eröffnet auf die freie kurze Seite links — ist auch die zu, bleibt der Abschlag in die lange Zone.
    Eigenes TeamGegnerBallPass

    7) Spieleröffnung mit Anschlussaktion (spielnah)

    1. Torwart eröffnet (Abwurf/Abschlag) in eine Zone.
    2. Empfänger nimmt an und dribbelt durch ein Minitor/Hütchentor.
    3. Danach neuer Ball zum Torwart.

    Variationen für U10–U15

    • U10/U11 (Einsteiger):
      • Kürzere Distanzen (Zone C maximal 20–25 m)
      • Mehr Zielbreite (breitere Hütchentore)
      • Fokus auf Trefferquote statt maximale Weite
    • U12/U13:
      • Zonen enger machen, Zeitlimit auf 2–3 Sekunden
      • Gegner als „Schatten“ (passiv) für realistische Entscheidung
      • Schwerpunkt: flach eröffnen, wenn möglich
    • U14/U15:
      • Aktiver Gegner, der Passwege wirklich zustellt
      • Zusatzregel: Empfänger muss mit erstem Kontakt „offen“ stehen
      • Dropkick-Ziel: diagonaler Ball in den Lauf (Timing)

    Coaching-Tipps (Technik & Korrekturen)

    • Blick vor Aktion: Torwart soll vor dem Abwurf/Abschlag kurz „scannen“. Wohin ist der freie Raum?
    • Abwurf: Ellbogen führt, Ball nicht „schieben“. Ziel ist eine gerade Flugbahn oder flacher Bounce.
    • Dropkick: Ball deutlich vor das Schussbein anwerfen, nicht hoch in die Luft werfen; Treffpunkt unterhalb der Ballmitte für Höhe, mittig für flacher.
    • Standbein & Hüfte: Hüfte zum Ziel öffnen – sonst zieht der Ball seitlich weg.
    • Kommunikation: Feldspieler aktiv coachen lassen („Dreh auf!“, „Zeit!“). Das reduziert Stress und verbessert die Entscheidung.

    Praxis-Hinweis für die lange Eröffnung: Sobald in deiner Altersklasse mit Abseits gespielt wird, macht die Art der Eröffnung einen Unterschied. Nach einem Abstoß gibt es kein Abseits, nach einem Abwurf oder Dropkick aus der Hand schon. Die Grundregel erklärst du den Kindern mit Abseits einfach erklärt für Kinder.

    Häufige Fehlerbilder

    • Nur Weite statt Ziel: Korridore/Zieltore lösen das Problem sofort.
    • Zu hektisch: Countdown ja, aber erst nach sauberer Grundtechnik.
    • Falscher Treffpunkt beim Abschlag: Ballkontakt filmen oder mit klaren Schlüsselwörtern coachen („Fallen – Treffen – Nachschwingen“).
    • Abwurf springt vor dem Mitspieler hoch: Beim Rollwurf tiefer in die Knie gehen und den Ball später loslassen, beim Überarmwurf den Ball früher loslassen.
    • Lange Bälle werden per Kopf angenommen: In U10–U13 nehmen die Empfänger hohe Bälle mit Brust, Oberschenkel oder Fuß an, nicht mit dem Kopf.

    Wenn du die Übung als Spielform erweitern willst, spiele 4 gegen 4 plus je einen Torwart auf zwei Tore: Nach jedem Tor und jedem Ausball startet das Spiel beim Torwart, der kurz oder lang eröffnet. Das Prinzip kleiner Felder mit vielen Ballaktionen kennst du aus Funino; dort wird ohne Torwart gespielt, hier ist er der erste Aufbauspieler.

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    Hintergrundwissen

    Häufig gestellte Fragen

    Ab U10/U11 kann der Dropkick spielerisch eingeführt werden, aber mit kurzen Distanzen und klaren Zielkorridoren. In U12–U15 wird er zunehmend wichtig für die Spieleröffnung, weil Kinder mehr Kraft entwickeln und Technik stabiler abrufen können. Entscheidend ist nicht die Weite, sondern ein sauberer Treffpunkt und kontrollierte Flugbahn.

    Für eine kontrollierte Spieleröffnung ist der Abwurf oder ein flacher Abstoß oft besser, weil er präziser ist und Ballbesitz sichert. Der Abschlag (Dropkick) ist sinnvoll, wenn kurze Optionen zugestellt sind oder du gezielt Raum hinter die erste Pressinglinie anspielen willst. Trainiere beides – und vor allem die Entscheidung, wann welche Lösung passt.

    Nutze klare Ziele (Hütchentore, Korridore) und kurze Serien mit Feedback: 6–10 Wiederholungen, dann kurz korrigieren (Stand, Ellbogenführung, Handgelenk). Starte in Zone A (8–12 m) und erhöhe erst die Distanz, wenn 7 von 10 Bällen das Ziel erreichen. Zeitdruck erst hinzufügen, wenn die Grundtechnik stabil ist.