E-Jugend-Regeln im Überblick: Spielform, Spielzeit, Ballgröße, Abseits & Sonderregeln (U10/U11)
Die E-Jugend umfasst U10 und U11 und spielt je nach Wettbewerb im 5 gegen 5 oder 7 gegen 7. Der Ratgeber erklärt Spielzeit, Ballgröße, Feldmaße, Wechsel und Sonderregeln und zeigt, welche Angaben vom Landesverband abhängen.
Samstagmorgen, kurz vor dem Anpfiff: Ein Elternteil fragt nach Abseits, der gegnerische Trainer zählt die Auswechselspieler und beim Ball herrscht ebenfalls Unsicherheit. Größe 4 oder doch Größe 5? Solche Fragen tauchen in der E-Jugend häufig auf, weil sich die Vorgaben je nach Landesverband unterscheiden können.
Dieser Überblick ordnet die wichtigsten E-Jugend-Regeln im Fußball ein. Du erfährst, welche Spielformen vorgesehen sind, wie lange ein Spiel dauert und welche Sonderregeln beim Abstoß, Strafstoß oder Freistoß gelten. Für den konkreten Pflichtspielbetrieb bleibt allerdings immer die Ausschreibung deines zuständigen Verbands maßgeblich.
E-Jugend kurz eingeordnet: Alter und Spielklasse
Die E-Jugend entspricht der U10 und U11. Sie umfasst damit die beiden Jahrgänge nach der F-Jugend. Die genaue Zuordnung richtet sich nach dem jeweiligen Spieljahr und den Stichtagsregelungen des zuständigen Verbands.
Sportlich bildet diese Altersklasse eine Übergangsstufe. Viele Kinder kommen aus Spielformen mit kleinen Teams, kurzen Spielrunden und mehreren Minitoren. In der E-Jugend führt der Weg stärker in Richtung klassisches Kleinfeldspiel mit Torwart und größeren Mannschaften.
Das heißt aber nicht, dass Kinder plötzlich wie kleine Erwachsene Fußball spielen sollen. Der Ballkontakt bleibt das Kernziel. Lange Wartezeiten, große Ersatzbänke und starre Positionen passen schlecht zu dieser Altersklasse. Die Reform der Kinderspielformen verfolgt laut DFB deshalb ein klares Prinzip: „Alle Kinder spielen immer – kein Kind bleibt zu Hause!“
Für die Trainingsplanung lohnt sich derselbe altersgerechte Ansatz. Hilfestellungen findest du im Ratgeber zum altersgerechten Training.
Spielform und Mannschaftsgröße: 5 gegen 5 bis 7 gegen 7
In der E-Jugend wird meist 5 gegen 5 oder 7 gegen 7 gespielt. Je nach Landesverband kommen auch 4 gegen 4 (etwa am Mittelrhein) oder 6 gegen 6 (etwa am Niederrhein und in Hessen) als Hauptform vor, bei den kleineren Nebenfeldern sogar 3 gegen 3. Welche Variante an einem konkreten Spieltag gilt, hängt von der Wettbewerbsform und den Vorgaben des zuständigen Landesverbands ab.
7 gegen 7 mit Torwart
Beim verbreiteten 7 gegen 7 stehen pro Mannschaft auf dem Feld:
- sechs Feldspieler*innen
- ein Torwart
- insgesamt also sieben Kinder
Diese Variante findet auf einem Kleinfeld statt und ähnelt dem späteren Mannschaftsfußball bereits deutlicher. Die Räume bleiben aber kleiner als auf dem Großfeld. Dadurch sollen Kinder häufiger dribbeln, passen, schießen und Zweikämpfe führen.
Ein Beispiel für konkrete Kaderregeln liefert der Südwestdeutsche Fußballverband, kurz SWFV: Dort darf eine Mannschaft im 7 gegen 7 mit bis zu sieben Spielerinnen beginnen. Mindestens fünf Kinder müssen beim Spielbeginn auf dem Feld stehen. Bis zu **sechs Auswechselspielerinnen** sind möglich, wobei ausgewechselte Kinder erneut eingewechselt werden dürfen. Das nennt sich Rückwechsel.
Diese Zahlen sind ein SWFV-Beispiel und keine automatische Vorgabe für jeden Verband in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Prüfe deshalb vor dem ersten Pflichtspiel die aktuelle Wettbewerbsordnung vor Ort.
5 gegen 5 als kleinere Alternative
Das 5 gegen 5 schafft mehr Aktionen pro Kind. Es kann mit Minitoren oder Kleinfeldtoren organisiert werden, abhängig vom vorgesehenen Format. Weniger Mitspieler bedeuten meist mehr Dribblings, Abschlüsse und direkte Duelle.
Klingt simpel? Genau das ist gewollt.
Seit Beginn der Saison 2024/25 gelten die neuen Kinderspielformen für G-, F- und E-Jugend verbindlich in ganz Deutschland. Grundlage ist ein Beschluss des DFB-Bundestags vom 11. März 2022. Das Ziel: mehr Ballaktionen für jedes Kind und weniger Zeit am Spielfeldrand.
Wie die deutschen Verbände diese Vorgaben konkret umsetzen, zeigt der Vergleich der Kinderfußball-Spielformen in 21 Landesverbänden.
Spielfeld, Tore und Ball
Beim 7 gegen 7 nennt der DFB eine Spielfeldgröße von ungefähr 55 × 35 Metern. Gespielt wird mit zwei Kleinfeldtoren. Im SWFV sind diese Tore 5 Meter breit und 2 Meter hoch.
Die ungefähre Orientierung für das 7-gegen-7-Feld lautet damit:
- Länge: etwa 55 Meter
- Breite: etwa 35 Meter
- Tore: 5 × 2 Meter im SWFV-Beispiel
- Mannschaft: sechs Feldspieler*innen und ein Torwart
Kleine Abweichungen können sich durch örtliche Platzverhältnisse und Verbandsvorgaben ergeben. Gerade auf typischen Vereinsanlagen liegen mehrere Jugendfelder oft nebeneinander oder werden mit mobilen Toren aufgebaut. Kontrolliere vor dem Spiel, ob Markierungen, Tore und Sicherheitsabstände zur angesetzten Spielform passen.
Welche Ballgröße nutzt die E-Jugend?
Beim SWFV wird in der E-Jugend mit Ballgröße 4 gespielt. In der Praxis kommen häufig altersgerechte Leichtbälle zum Einsatz. Eine pauschale Gewichtsangabe wäre jedoch irreführend, weil der zugelassene Ball vom Wettbewerb und den jeweiligen Verbandsbestimmungen abhängen kann.
Der passende Ball sollte für die Kinder gut kontrollierbar sein. Ein zu großer oder ungeeigneter Ball erschwert saubere Pässe, Dribblings und Abschlüsse. Vor einem Turnier oder Pflichtspiel solltest du deshalb nicht nur die Größe, sondern auch die konkrete Ausschreibung kontrollieren.
Strafraum und Strafstoßmarke
Für das SWFV-Kleinfeld im 7 gegen 7 gelten folgende Maße:
- Der Strafraum reicht 11 Meter von der Torauslinie und von den Torpfosten ins Spielfeld.
- Die Strafstoßmarke liegt 8 Meter vor dem Tor.
Diese Werte helfen beim Platzaufbau. Sind keine dauerhaften Linien vorhanden, müssen die vorgesehenen Bereiche nach den örtlichen Vorgaben erkennbar markiert werden.
Spielzeit: Wie lange spielt die E-Jugend?
Beim SWFV beträgt die reguläre E-Jugend-Spielzeit 2 × 25 Minuten. Zwischen den beiden Halbzeiten liegt eine Pause, deren konkrete Durchführung sich nach dem Wettbewerb richtet.
Wichtig ist die Einordnung: 2 × 25 Minuten sind hier ausdrücklich ein Beispiel aus dem SWFV. Andere Landesverbände oder einzelne Wettbewerbsformen können abweichende Spielzeiten und Abläufe festlegen. Das gilt besonders für Festivals, Turniere oder Spieltage mit mehreren kurzen Begegnungen.
Vor dem Termin solltest du deshalb drei Dokumente beziehungsweise Angaben prüfen:
- die aktuelle Jugend- oder Durchführungsbestimmung des Verbands
- die konkrete Wettbewerbs- oder Turnierausschreibung
- die Angaben im offiziellen Spielplan
Ein häufiger Anfängerfehler besteht darin, die Regel aus einem Nachbarverband ungeprüft zu übernehmen. Das kann bereits bei der Spielzeit, Spielerzahl oder Zahl der erlaubten Wechsel zu Missverständnissen führen. Für einen schnellen regionalen Abgleich hilft erneut der Landesverbandsvergleich zu den neuen Spielformen.
Die wichtigsten Sonderregeln der E-Jugend
Einige Regeln unterscheiden sich deutlich vom Erwachsenenfußball. Gerade Eltern am Spielfeldrand erwarten manchmal einen Pfiff, obwohl die Aktion nach den E-Jugend-Regeln erlaubt ist.
In der E-Jugend gibt es kein Abseits
In der E-Jugend wird ohne Abseits gespielt. Das ist beispielsweise in den seit dem 1. Juli 2024 geltenden SWFV-Durchführungsbestimmungen ausdrücklich festgelegt.
Warum? Kinder sollen Räume selbst entdecken, mutig nach vorne spielen und viele offensive Aktionen erleben. Eine Abseitslinie würde zusätzliche taktische Anforderungen schaffen und Spielfortsetzungen häufiger unterbrechen.
Steht ein Kind nahe am gegnerischen Tor, folgt deshalb kein Abseitspfiff. Trainer sollten daraus keine starre „Warteposition“ vor dem Tor machen. Sinnvoller ist es, Kinder zum Freilaufen, Entgegenkommen und Nutzen der gesamten Feldbreite anzuregen.
Abstoß auf Höhe der Strafstoßmarke
Im SWFV wird der Abstoß auf Höhe der Strafstoßmarke ausgeführt. Für das 7-gegen-7-Kleinfeld liegt diese Marke 8 Meter vor dem Tor.
Für Kinder bietet diese Regel einen klaren Ausgangspunkt zur Spielfortsetzung. Trainer können sie im Training kurz erklären und anschließend in kleinen Spielformen üben: Torwart oder Feldspieler eröffnet, zwei Mitspieler bieten sich seitlich an, die Gegner orientieren sich neu.
Abstand bei Frei- und Eckstößen
Bei Frei- und Eckstößen müssen gegnerische Spieler*innen im SWFV-Beispiel einen Abstand von 6 Metern einhalten. Der Schiedsrichter beziehungsweise die Spielleitung sorgt dafür, dass die Spielfortsetzung ohne unmittelbare Behinderung möglich ist.
Für Trainer gilt: Kinder brauchen dafür klare, kurze Hinweise. „Sechs Meter zurück“ funktioniert in der Spielsituation besser als eine lange Regelerklärung während der Unterbrechung.
Indirekter Freistoß im Strafraum
Kommt es im Strafraum zu einem Vergehen, das mit einem indirekten Freistoß geahndet wird, greift beim SWFV eine besondere Regel. Liegt der Ort des Vergehens näher als 8 Meter vor dem Tor, wird der Freistoß auf Höhe der Strafstoßmarke ausgeführt.
Indirekt bedeutet: Der Ball muss nach der Ausführung noch von einem weiteren Kind berührt werden, bevor ein Tor zählen kann. Das unterscheidet diese Spielfortsetzung vom direkten Freistoß.
Was ändert sich ab der D-Jugend?
Mit dem Wechsel in die D-Jugend steigen die taktischen und räumlichen Anforderungen. Abseits kommt hinzu, das Spielfeld wird größer und die verbreitete Spielform bewegt sich in Richtung 9 gegen 9.
Für Kinder verändert sich dadurch vor allem die Orientierung:
- Angreifer müssen ihre Position zur Abseitslinie beachten.
- Verteidiger stimmen ihre Höhe stärker miteinander ab.
- Pässe über größere Distanzen werden häufiger.
- Die Raumaufteilung gewinnt gegenüber dem freien Kleinfeldspiel an Gewicht.
Du musst diese Inhalte in der E-Jugend nicht vollständig vorwegnehmen. Eine breite Ausbildung mit Dribbling, Passspiel, Wahrnehmung und vielen Entscheidungen bereitet Kinder besser auf den Wechsel vor als starre Laufwege. Auch einfache Aufgaben zur Spielverlagerung auf die andere Seite können älteren E-Jugendlichen helfen, freie Räume zu erkennen, ohne den D-Jugend-Fußball künstlich vorzuverlegen.
Fazit: Vor jedem Wettbewerb die lokalen Regeln prüfen
Die wichtigsten Eckpunkte sind schnell erfasst: Die E-Jugend umfasst U10 und U11, gespielt wird im 5 gegen 5 oder 7 gegen 7, beim 7 gegen 7 häufig auf ungefähr 55 × 35 Metern. Im SWFV gelten Ballgröße 4, eine Spielzeit von 2 × 25 Minuten und mehrere konkrete Kleinfeld-Sonderregeln. Abseits gibt es in der E-Jugend nicht.
Was heißt das konkret? Nutze diesen Überblick als Orientierung und prüfe anschließend die aktuellen Vorgaben deines Landesverbands. Das gilt in Deutschland ebenso wie für Vereine in Österreich und der Schweiz. Lege vor Saisonbeginn Spielerzahl, Wechselregel, Spielzeit, Ball und Spielfeldaufbau mit dem Trainerteam fest. So entstehen am Spieltag keine unnötigen Diskussionen – und die Kinder können das tun, worum es geht: spielen.
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