Angreifen

    Aufbau gegen Pressing: 7 Spielsysteme (U18/U19)

    Diese Übung trainiert den Spielaufbau gegen hohes Pressing über 7 klare Aufbaustrukturen – vom 2+1 bis zum geplanten langen Ball. Mit Zonen, Punktesystem und Variationen passt du das Niveau schnell an U15 bis U19 an.

    fbTobias Brenner · aktualisiert 24. Sept. 2026
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    Grundaufbau: Aufbauzone mit Torwart und Abwehrreihe gegen zwei Pressingspieler, 12–20 Spieler, Feld ca. 45x40 m.

    Übungsname & Ziel

    Übungsname: Aufbau gegen Pressing – 7 Spielsysteme als Entscheidungs-Parcours (U18/U19)

    Ziel: Du trainierst mit deinem Team den Spielaufbau gegen hohes Pressing – nicht als starres Auswendiglernen, sondern als wiederholbares Entscheidungsprinzip: Wo entsteht Überzahl? Welche Passlinie ist frei? Wann lohnt der lange Ball? Die Übung bildet 7 typische Aufbau-Lösungen („Spielsysteme“ im Sinne von Aufbau-Strukturen, nicht von Grundformationen wie 4-4-2) ab, die du schnell an dein bevorzugtes Grundsystem anpassen kannst.

    Damit die Spieler nicht nur „Positionen halten“, sondern aktiv Räume öffnen, hilft das Prinzip der Gegenbewegung (kurz: erst weg, dann in den freien Raum starten). Dazu passt der Hintergrund aus Gegenbewegung beim Freilaufen erklärt (U10+). Wenn du Pressing-Auslöser und Aufbau-Basics noch einmal kompakt brauchst, ergänze mit C-Jugend Training: Pressing & Spielaufbau Basics.

    Material, Spieleranzahl, Dauer

    Material:

    • 12–16 Markierungsteller (Zonen/Leitlinien)
    • 1 Großtor (Zone 1, Blau-Torwart) und 2 Minitore (Grundlinie von Zone 3)
    • 6–8 Leibchen (für das Pressing-Team)
    • 10–12 Bälle, im und neben dem Großtor, damit der Torwart sofort neu startet

    Spieleranzahl: min. 12, max. 20 (ideal: 14–18)

    Dauer: 25–30 Minuten (Hauptteil, 4 Blöcke à 5 Minuten plus Pausen, siehe unten)

    Feldgröße: ca. 45x40 m (Aufbauzone + Mittelfeldzone + Abschlusszone). Wenn möglich, verbreitere auf 50–55 m: Systeme 3 und 6 brauchen echte Breite.

    Aufbau der Übung (Grundorganisation)

    • Teile das Feld in 3 Zonen:
      • Zone 1 (Aufbau): 20x40 m mit dem Großtor, in dem der Blau-Torwart steht
      • Zone 2 (Mittelfeld): 15x40 m
      • Zone 3 (Abschluss): 10x40 m, auf der Grundlinie 2 Minitore (je ca. 10 m von der Seitenlinie entfernt)
    • Team Blau baut auf, z. B. mit 8 Spielern: Torwart, 2 Innenverteidiger, 2 Außenverteidiger, 2 Sechser und ein Zielspieler (9er), der in Zone 2 startet.
    • Team Rot presst mit 6 Spielern: Faustregel 4 im Anlaufen (2 Stürmer, 2 Achter), 2 sichern in Zone 2 ab.
    • Bei 12 Spielern spielst du 7 gegen 5 (Blau ohne einen Außenverteidiger), bei 16–20 Spielern tauscht eine dritte Gruppe nach jedem Block mit Rot.
    • Blau startet immer mit Ball beim Torwart in Zone 1.

    Schritt-für-Schritt Anleitung

    1. Rollen festlegen: Blau = Aufbau-Team, Rot = Pressing-Team. Blau besetzt Zone 1 mit einer klaren Struktur (IV/AV/6er), Rot startet in Zone 2 und darf nach dem ersten Pass aggressiv anlaufen.
    2. Startsignal & Pressing-Trigger: Blau spielt den ersten Pass (z. B. vom TW auf IV). Ab diesem Moment darf Rot in Zone 1 pressen.
    3. Aufgabe Blau: Blau soll den Ball kontrolliert in Zone 3 bringen (Pass auf einen Mitspieler, der den Ball dort kontrolliert, oder Andribbeln) und nach dem Übertritt innerhalb von 10 Sekunden auf eines der Minitore abschließen.
    4. Aufgabe Rot: Rot versucht, den Ball zu gewinnen, und kontert sofort auf das Großtor, das der Blau-Torwart verteidigt. So kostet ein Fehlpass im Aufbau sofort ein Gegentor.
    5. 7 Aufbau-Systeme als „Calls“: Du gibst vor jedem Durchgang eine Aufbau-Lösung vor (als Codewort). Nutzt Blau diese Struktur mindestens einmal sichtbar vor dem Abschluss, gibt es den Bonuspunkt:
      • System 1: 2+1 im Aufbau (IV–IV plus 6er abkippend) – Ziel: Dreieck gegen 2 Stürmer.
      • System 2: 3er-Aufbau (ein AV rückt ein oder 6er kippt zwischen IV) – Ziel: erste Linie überspielen.
      • System 3: Breite AV + hoher 6er – Ziel: Pressing auseinanderziehen, Pass auf Außen.
      • System 4: Doppel-Sechs (2er-Block) – Ziel: Klatschen lassen unter Druck.
      • System 5: Dritter Mann (Pass–Klatsch–Steil) – Ziel: Pressingfalle lösen.
      • System 6: Seitenwechsel über Rückpass – Ziel: Tempo raus, Seite wechseln, neu aufbauen.
      • System 7: Geplanter langer Ball (auf Zielspieler/9 oder in den Raum) – Ziel: Pressing überspringen.
    6. Punktesystem:
      • 1 Punkt für Blau bei kontrolliertem Übertritt in Zone 3
      • +1 Punkt für Blau bei einem Tor auf ein Minitor innerhalb von 10 Sekunden nach dem Übertritt
      • +1 Punkt für Blau, wenn vorher das angesagte „System“ erkennbar war (du entscheidest)
      • 2 Punkte für Rot bei Ballgewinn und Tor aufs Großtor innerhalb von 8 Sekunden
      • 1 Punkt für Rot, wenn Blau den Ball ungezielt lang schlägt oder ins Aus spielt (Ausnahme: angesagtes System 7). Diese Provokationsregel verhindert Befreiungsschläge.
    7. Rotation: Nach 4–6 Angriffen wechseln Rollen oder tausche 2–3 Spieler zwischen den Teams, damit Intensität hoch bleibt.

    Belastung & Pausen

    • 4 Blöcke à 5 Minuten, dazwischen 90 Sekunden Pause mit kurzer Korrektur (höchstens ein Coaching-Punkt).
    • Neustart sofort beim Blau-Torwart, sobald ein Angriff endet. So kommt Blau auf etwa 8–10 Aufbauaktionen pro Block.
    • Die Pressing-Gruppe wechselt spätestens nach zwei Blöcken, sonst presst sie nur noch halbherzig.

    Variationen (für verschiedene Altersgruppen)

    Variation für U15/U16 (leichter)

    • Rot darf erst nach 3 Pässen in Zone 1 pressen.
    • Zone 2 wird breiter markiert (mehr Raum für Lösungen).
    • „System“-Vorgabe nur aus 3 Optionen (z. B. 2+1, Seitenwechsel, langer Ball).

    Variation für U17/U19 (schwerer)

    • Rot startet direkt in Zone 1 (höheres Pressing).
    • Begrenze Blau auf max. 2 Kontakte in Zone 1.
    • Abschluss zählt nur, wenn vorher ein Dritter-Mann-Muster oder Seitenwechsel erkennbar ist.

    Variation mit Abschlussfokus

    Wenn du den letzten Pass und den Abschluss stärker betonen willst: Nach erfolgreichem Überspielen muss Blau innerhalb von 6 Sekunden abschließen. Ergänzend passt Torschuss aus der Bewegung, damit die Spieler nach Pressinglösung nicht hektisch werden.

    Coaching-Tipps (worauf du achten solltest)

    • Körperstellung offen: Passempfänger sollen so stehen, dass sie beide Spielfeldseiten sehen. Warum? Weil Pressing oft eine Seite „anbietet“.
    • Abstände im Dreieck: Zu eng = ein Gegner deckt zwei Optionen, zu weit = Passwege zu lang. Ziel: spielbare Dreiecke.
    • Kommunikation mit Codewörtern: Lass Spieler selbst callen („3er-Aufbau!“, „Seitenwechsel!“). So entsteht Ownership.
    • Pressing als Lehrmeister: Rot soll realistisch pressen (Anlaufwinkel, Deckungsschatten). Nur dann lernt Blau echte Lösungen.
    • Torwart als elfter Feldspieler: Der Torwart bietet sich seitlich versetzt zum Innenverteidiger an, nicht auf einer Linie mit ihm. So bleibt der Rückpass spielbar, und er kann flach die Seite wechseln (System 6).

    Typische Fehler & Korrekturen

    • Fehler: Die Innenverteidiger stehen zu nah am Torwart, ein Stürmer presst beide zugleich an. Korrektur: IV bis an die Strafraumecken aufspreizen, der Sechser füllt den Raum dazwischen.
    • Fehler: Der Sechser versteckt sich im Deckungsschatten des anlaufenden Stürmers. Korrektur: Frage: „Kann der Ballführende dich sehen und anspielen?“ Zwei Schritte seitlich reichen oft.
    • Fehler: Das System wird abgespult, obwohl Rot den Weg schon zugestellt hat. Korrektur: Das Codewort ist ein Plan, keine Pflicht. Ist die Linie zu, gilt die nächstbessere Lösung.

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    Hintergrundwissen

    Häufig gestellte Fragen

    Für den Einstieg sind 2–3 Systeme pro Einheit optimal. So bleibt der Fokus klar, die Wiederholungszahl hoch und die Spieler verankern die Muster (z. B. 2+1, Seitenwechsel, Dritter Mann), bevor du weitere Lösungen ergänzt.

    Steigere schrittweise: erst Pressing nach 3 Pässen, dann sofortiges Pressing, danach Kontaktbegrenzung in Zone 1. Gleichzeitig helfen klare Prinzipien wie offene Körperstellung, spielbare Dreiecke und eine definierte Absicherung, damit Intensität nicht in Hektik kippt.

    Zu früh in starre Laufwege zu gehen. Besser ist es, Prinzipien zu coachen: Überzahl herstellen, Deckungsschatten erkennen, den dritten Mann nutzen und das Tempo über Rückpass/Seitenwechsel steuern. So können Spieler Lösungen auch in wechselnden Spielsituationen anwenden.