Methodik & methodische Reihen

    Methodische Reihe Torwarttraining: Vom Fangen und Fallen zum sicheren Torwartspiel

    Diese methodische Reihe zeigt dir, wie Kinder im Tor Schritt für Schritt sicherer werden: von Fangtechnik und Falltechnik bis zu ersten Schüssen und Spielsituationen. Mit klaren Coachingpunkten, Steigerungen und einem Mini-Trainingsplan für Anfänger.

    fbTobias Brenner · aktualisiert 27. Sept. 2026 · 9 Min.
    KI-generiertes Symbolbild

    Kinder wollen im Tor vor allem eins: Bälle halten – und dabei Spaß haben. Damit aus „irgendwie stoppen“ Schritt für Schritt ein sicheres Torwartspiel wird, hilft eine methodische Reihe: Du baust Übungen so auf, dass dein Kind oder deine Torhüter*innen zuerst Grundbewegungen lernen (Fangen, Fallen, Aufstehen) und erst danach Tempo, Distanz, Gegnerdruck und Spielsituationen dazukommen. Genau diese Logik macht gutes Torwarttraining für Kinder aus – besonders im Anfängerbereich.

    Warum eine methodische Reihe im Torwarttraining so wichtig ist

    Im Jugendfußball entscheidet selten die spektakuläre Parade, sondern die Summe aus vielen kleinen Basics: saubere Fangtechnik, mutiges, aber kontrolliertes Fallen, schnelles Wiederaufstehen und gute Entscheidungen (halten oder fausten, rauskommen oder bleiben).

    Eine methodische Reihe sorgt dafür, dass Kinder nicht überfordert werden. Typische Fehler im Torwarttraining für Anfänger entstehen oft, weil zu früh mit harten Schüssen oder 1-gegen-1-Situationen begonnen wird:

    • Angst vor dem Ball oder vor dem Boden
    • „Klatschen lassen“ statt sicher fangen
    • Fallen auf Knie/Handgelenk (Verletzungsrisiko)
    • falsches Timing beim Herauslaufen

    Die Lösung: Du startest bei Bewegungsqualität und steigerst erst danach Komplexität.

    Merke: In der G-, F- und E-Jugend gibt es noch keinen „Stammtorwart“. Lass jedes Kind regelmäßig ins Tor, rotiere nach jedem Spiel oder jeder Halbzeit und spezialisiere frühestens in der D-Jugend. Die folgende Reihe ist deshalb Training für alle Kinder, nicht nur für eine Torhüterin oder einen Torhüter.

    Rahmenbedingungen: So bereitest du dein Torwarttraining kindgerecht vor

    Im Kindertorwarttraining gilt: Sicherheit und Erfolgserlebnisse zuerst. Plane die Reihe als eigene Station (15–20 Minuten) mit 2–4 Kindern, damit niemand lange wartet: Ein Kind ist im Tor, die anderen werfen, rollen oder schießen, nach jeder Serie wird getauscht.

    Material & Feld

    • 6–10 Markierungshütchen
    • 4–8 Bälle (weichere Bälle sind am Anfang ideal)
    • 2–4 kleine Matten oder Weichboden-Alternativen (zur Not: Rasenfläche wählen)
    • 1 Tor (oder 2 Minitoren)

    Worauf du bei Handschuhen für deine Torhüter*innen achten kannst, zeigt der Ratgeber Torwarthandschuhe für Kinder.

    Coaching-Grundsätze für Anfänger

    • kurze Serien (6–10 Wiederholungen), dann Pause/Wechsel
    • viel loben, wenig überfrachten: 1 Technikpunkt pro Übung
    • beidseitig üben (links/rechts fallen, Fangposition variieren)
    • erst rollen/werfen, dann schießen
    • Untergrund prüfen: Fallen und Hechten nur auf weichem Rasen oder Matten, nie auf Hartplatz oder hartem Hallenboden ohne Matte
    • Aufwärmen vorher: Fang- und Laufspiele mit Ball statt Dehnen im Stand

    Methodische Reihe Teil 1: Grundstellung & Fangtechnik (sicherer Ballbesitz)

    Ohne Fangtechnik kein modernes Torwartspiel. Ziel ist, dass Kinder den Ball zum Körper nehmen und nicht wegprallen lassen.

    1) Grundstellung: „Bereit wie ein Federball“

    Organisation: 5x5 m Feld, Torhüter*in in der Mitte, Trainer/Elternteil 3–4 m entfernt.

    Ablauf:

    • Trainer rollt oder wirft Bälle mittig.
    • Torhüter*in steht in Grundstellung: Knie leicht gebeugt, Gewicht auf dem Vorfuß, Hände vor dem Körper.

    Coachingpunkte:

    • Die Fangtechnik richtet sich nach der Ballhöhe: flache Bälle mit der Schaufeltechnik aufnehmen (tief gehen, Ellbogen zusammen, Ball über Handflächen und Unterarme zur Brust), bauchhohe Bälle mit dem „Körbchen“ sichern (Unterarme und Hände schließen den Ball am Körper), ab Brusthöhe die W-Form (siehe Übung 2)
    • Ball zum Körper ziehen (Sicherheit vor Show)

    Zielbedingung: 10 Bälle, jeder festgehaltene Ball zählt einen Punkt. Schafft das Kind 8 von 10, geht es zur nächsten Höhe.

    Steigerung: unterschiedliche Höhen: Boden – Hüfte – Brust.

    Abb. 1 · Fangtechnik nach Ballhöhe: Tiefe Bälle mit der Schaufeltechnik aufnehmen, bauchhohe Bälle mit der Korbtechnik sichern, ab Brusthöhe die W-Form (DFB: Dreieck). Hände und Körper gehen zum Ball
    Abb. 1 · Fangtechnik nach Ballhöhe: Tiefe Bälle mit der Schaufeltechnik aufnehmen, bauchhohe Bälle mit der Korbtechnik sichern, ab Brusthöhe die W-Form (DFB: Dreieck). Hände und Körper gehen zum Ball

    2) „W“-Fang bei Brusthöhe (Anfängerfreundlich)

    Ablauf: weiche Würfe auf Brusthöhe.

    Merksatz: Daumen zeigen zueinander, Hände bilden ein „W“.

    Fehlerbild & Korrektur:

    • Ball prallt ab → Hände früher zum Ball, Ellbogen leicht beugen, Ball einsaugen.
    Abb. 2 · W-Fang bei Brusthöhe: Die Daumen zeigen zueinander und bilden mit den Zeigefingern ein „W“ hinter dem Ball, die Ellbogen sind leicht gebeugt — mit steifen Armen prallt der Ball ab
    Abb. 2 · W-Fang bei Brusthöhe: Die Daumen zeigen zueinander und bilden mit den Zeigefingern ein „W“ hinter dem Ball, die Ellbogen sind leicht gebeugt — mit steifen Armen prallt der Ball ab

    Methodische Reihe Teil 2: Fallen lernen – ohne Angst und ohne Schmerzen

    Viele Kinder halten sich im Tor zurück, weil sie das Fallen als unangenehm erleben. Eine gute Falltechnik im Tor nimmt Angst und schützt.

    3) Seitliches Fallen aus dem Kniestand (sehr sicher)

    Organisation: Matte oder weicher Rasen.

    Ablauf:

    • Torhüter*in kniet, Ball liegt seitlich.
    • Auf Kommando fällt das Kind kontrolliert zur Seite und „umarmt“ den Ball.

    Coachingpunkte:

    • Ball sichern: erst Hände, dann Körper
    • Kinn zur Brust, Blick auf den Ball
    • Landung über Außenseite Oberschenkel/Hüfte/Schulter (nicht auf dem Ellenbogen)
    Abb. 3 · Seitfall auf die Matte: Erst setzt das Knie auf, dann die Hüfte, zuletzt die Schulter. Der Kopf bleibt frei, das Kinn leicht zur Brust. Typischer Fehler: auf den Ellbogen fallen und sich mit dem Arm abstützen
    Abb. 3 · Seitfall auf die Matte: Erst setzt das Knie auf, dann die Hüfte, zuletzt die Schulter. Der Kopf bleibt frei, das Kinn leicht zur Brust. Typischer Fehler: auf den Ellbogen fallen und sich mit dem Arm abstützen

    4) Seitliches Fallen aus dem Stand (mit Schritt)

    Ablauf:

    • Start in Grundstellung.
    • Trainer rollt Ball leicht seitlich.
    • Torhüter*in macht einen seitlichen Schritt, geht tief und fällt kontrolliert.

    Wichtig: Erst wenn das Kind im Kniestand sicher ist, gehst du in den Stand. Übe immer beide Seiten, pro Seite 4–6 Wiederholungen, dann wechselt die Rolle.

    5) „Fallen – Sichern – Aufstehen“ als Dreiklang

    Torwartspiel endet nicht am Boden. Trainiere das schnelle Weiterspielen:

    • Fallen und Ball sichern
    • schnell aufstehen (über Knie/seitlich)
    • Ball abrollen/werfen zu einem Ziel (z. B. Hütchentor 8–10 m entfernt; Treffer = Punkt)

    So lernt das Kind früh, dass nach dem Halten der Spielaufbau beginnt. Die Schützen der Gruppe profitieren mit: Abschlussformen dazu findest du in Torschuss aus der Bewegung.

    Methodische Reihe Teil 3: Abdruck, Hechten & erste Schüsse (kontrollierte Dynamik)

    Erst wenn Fangen und Fallen sauber funktionieren, kommt mehr Tempo.

    6) „Abdruck zur Seite“ ohne Ball

    Ablauf:

    • Hütchen links/rechts (2 m).
    • Torhüter*in startet in Grundstellung.
    • Auf Signal: Seitstep + Abdruck zum Hütchen, Hand berührt den Boden neben dem Hütchen.
    • 3–4 Abdrücke pro Seite, dann Pause: Die Qualität zählt, nicht die Anzahl.

    Ziel: Bewegungsmuster für späteres Hechten.

    7) Hechten mit weichem Ball (Wurf statt Schuss)

    Ablauf:

    • Trainer wirft Bälle halbhoch seitlich.
    • Torhüter*in fängt/klammert und landet kontrolliert.

    Coachingpunkte:

    • erst Schritt, dann Abdruck (nicht aus dem Stand „springen“)
    • Hände gehen zum Ball, nicht umgekehrt
    • Abdruck mit dem ballnahen Bein (Ball kommt rechts, Abdruck rechts)

    Leichter: aus dem Kniestand auf die Matte hechten. Schwerer: Ball etwas weiter weg oder zwei Würfe kurz hintereinander (Aufstehen dazwischen).

    8) Erste Schüsse: „Trefferzone“ statt Vollgas

    Schüsse im Anfängertraining sollten steuerbar sein.

    Organisation: 5–7 m Distanz, Schütze schießt flach oder halbhoch.

    Regeln:

    • Schütze zielt in vereinbarte Zone (z. B. links unten)
    • Torhüter*in darf die Technik sauber ausführen
    • Schuss aus dem ruhenden Ball oder aus der Hand (Dropkick), kein Vollspann-Hammer

    Zielbedingung: Halten = 1 Punkt für das Torwartkind, Tor in der vereinbarten Zone = 1 Punkt für den Schützen. Schüsse außerhalb der Zone zählen nicht. Nach 6 Schüssen wird getauscht.

    Tipp: Kombiniere das mit 1-gegen-1-Grundlagen im Feldspielerbereich. Der Torwart profitiert, wenn Angreifer lernen, kontrolliert abzuschließen. Dazu passt die methodische Idee aus Methodische Reihe 1-gegen-1 offensiv: Vom Fintieren zum erfolgreichen Durchbruch (U8–U13).

    Methodische Reihe Teil 4: Spielsituationen – Entscheidungen im Tor

    Jetzt wird aus Technik Torwartspiel: Wahrnehmen, entscheiden, handeln.

    9) „Halten oder Fausten?“ (kindgerecht)

    Für Anfänger gilt: Fangen vor Fausten. Fausten kommt erst, wenn Bälle wirklich nicht sicher zu fangen sind.

    Übung:

    • Trainer wirft hohe, leichte Bälle.
    • Torhüter*in entscheidet: fangen (wenn möglich) oder mit beiden Fäusten weg.

    Coachingfrage: „Kannst du den Ball sicher festhalten?“

    10) Flanken & Standards light (ohne Chaos)

    Standards sind im Kinderfußball oft unübersichtlich. Du kannst trotzdem früh einfache Regeln einführen:

    • Startposition: 1–2 Schritte vor der Linie
    • Kommando: „MEIN!“ (laut und klar)
    • Entscheidung: raus und fangen oder bleiben

    Wenn du Standards im Teamtraining strukturieren willst, helfen klare Aufgaben – siehe Eckball verteidigen: einfache Regeln & Aufgaben (U10+).

    Häufige Fehler im Torwarttraining (und wie du sie sofort verbesserst)

    • Ball wird weggedrückt → Fokus auf „Ball zum Körper ziehen“, mit weichen Würfen starten
    • Fallen auf Knie/Hand → erst Kniestand, dann Stand; Landefläche erklären
    • Zu frühe harte Schüsse → Distanz verkürzen, Zielzonen vereinbaren
    • Unruhe in der Grundstellung → „kleine Schritte“ statt Springen, Gewicht auf Vorfuß

    Mini-Trainingsplan (30–40 Minuten) für Anfänger

    Du brauchst eine einfache Struktur, die jede Woche funktioniert?

    DauerInhalt
    5 MinFangformen ohne Bewegung (Würfe/Rollen)
    10 MinFallen Kniestand → Stand (beidseitig)
    10 MinAbdruck/Hechten mit Würfen
    10 MinSchüsse in Trefferzonen + „Fallen–Sichern–Aufstehen“
    5 MinSpielnah: 2 Angreifer vs. Torwart (kontrollierte Abschlüsse)

    Fazit: Vom Fangen und Fallen zum sicheren Torwartspiel

    Gutes Torwarttraining für Kinder beginnt nicht mit spektakulären Paraden, sondern mit Fangtechnik, Falltechnik und einem klaren methodischen Aufbau. Wenn du erst Sicherheit am Ball und am Boden schaffst, werden Kinder mutiger, bewegen sich besser und treffen im Spiel die richtigen Entscheidungen. Genau so entsteht Schritt für Schritt ein stabiles, sicheres Torwartspiel – und dein Training fühlt sich für Anfänger nicht wie Druck, sondern wie Erfolg an.

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    Häufig gestellte Fragen

    Für Anfänger reicht meist eine zusätzliche Torwart-Einheit pro Woche (20–40 Minuten) neben dem Teamtraining. Wichtig sind kurze Serien, viele Erfolgserlebnisse und genügend Pausen. So bleibt die Belastung kindgerecht und die Motivation hoch.

    Falltechnik kannst du spielerisch einführen, sobald Kinder ausreichend Körperkontrolle haben – häufig ab der U8/U9. Starte immer im Kniestand und auf weichem Untergrund, steigere erst danach in den Stand. Entscheidend ist, dass das Kind kontrolliert landet und den Ball sicher umklammert.

    Im Anfängerbereich gilt: Fangen hat Priorität. Fausten ist nur sinnvoll, wenn der Ball nicht sicher zu fangen ist (z. B. sehr scharf, unübersichtlich oder zu hoch). Trainiere zuerst sichere Fangformen und klare Entscheidungen („Kannst du ihn sicher festhalten?“), bevor du das Fausten regelmäßig einbaust.

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